Die Römisch-katholische Kirche in Księży LasekDas Kirchenpatrozinium, das dann auch das Lemma verändern würde, konnte leider nicht ermittelt werden. () ist ein Bauwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert und der Nachfolgebau eines nach Schinkelschen Plänen etwa hundert Jahre früher errichtetes Gotteshauses. Bis 1945 war es die Pfarrkirche des ostpreußischen evangelischen Kirchspiels Fürstenwalde und ist heute Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei Księży Lasek in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Księży Lasek liegt im Powiat Szczycieński (Kreis Ortelsburg) in der südlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch das Dorf verläuft eine Nebenstraße, die den Ort sowohl mit dem Mittelzentrum Rozogi (Friedrichshof) als auch mit der Stadt Myszyniec verbindet. Der Standort der Kirche befindet sich innerorts westlich der Hauptstraße.

Kirchengebäude Kirche von 1816 Bei der in den Jahren 1815 und 1816 errichteten Kirche in Fürstenwalde handelte es sich um ein schlichtes Holzbauwerk, das inwendig mit Lehm verputzt war.Agathon Harnoch, Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg, 1890, Textauszug in: Auch der vorgelegte Turm bestand vollständig aus Holz. Am 11. Februar 1816 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht. Die Bauskizzen fertigte Karl Friedrich Schinkel an. Sie sind bis heute erhalten.

Der Altar und die Kanzel bildeten ein Ganzes. Die Orgel hatte 13 Register und ein Pedal. Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.

Bereits nach 50 Jahren war die Kirche dem Verfall nahe. Bei seinem von der Inneren Mission initiierten Besuch in Masuren stellte der Prediger Friedrich Oldenberg zum Bauzustand fest: „Wenn der Begriff „Knechtsgestalt“ in einem Bau dargestellt werden sollte, keine Darstellung könnte prägnanter sein…Dieser düstere, verfallene Bretterbau, der bei jedem Windstoß wankt und dessen Glocke nicht mehr geläutet werden darf, weil jede Bewegung der Kirche – doch mehr Scheune als Kirche – über den Haufen werfen kann. Die innere Ausstattung, obwohl von der pflegenden Liebe des Geistlichen zeugend, der an dieser Kirche selbst mit den Treuen der Gemeinde eine Art „kirchlicher“ Armenpflege übt, ist in etwas verändertem Stil derselbe, was an jedem masurischen Bauernhaus sich darstellt…von Menschenhilfe, doch hoffentlich nicht von Gotteshilfe verlassen…“zitiert nach: Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens I, Göttingen 1968, S. 368

Dennoch hat diese Kirche noch bis 1927 ihren Dienst tun müssen. Dann wurde sie endgültig wegen Baufälligkeit abgerissen.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 128, Abb. 599, 600

Es handelte sich bei dem Gotteshaus um die zweite Holzkirche Schinkels im Kirchenkreis Ortelsburg (). Die andere, die in Jablonken (polnisch Jabłonka) stand, musste schon nach noch kürzerer Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Kirche von 1931 mini|200px|Blick auf den Barockaltar Während die Gottesdienste ganze vier Jahre in der Fürstenwalder Schule gehalten werden mussten, begann man 1928 mit dem Bau einer neuen Kirche. Es entstand ein massiver Ziegelbau mit einem Dachturm. Der Saalbau mit Holzdecke wurde am 31. Mai 1931, dem Trinitatisfest, feierlich eingeweiht.

In den Innenraum eingesetzt wurde der alte Altar der Kirche Friedrichshof (polnisch Rozogi) aus dem 18. Jahrhundert. Mit seinen wohl von Isaak Riga in Königsberg (Preußen) geschaffenen einzelnen Teilen machten ihn die Friedrichshofer den Fürstenwaldern zu Geschenk. Der Altar musste gekürzt werden, war er doch für die niedrige Raumhöhe des Fürstenwalder Gotteshaus nicht geschaffen.Księży Lasek - Fürstenwalde bei ostpreussen.net Das Hauptbild des Altars zeigt die Kreuzigung Christi.

Der Altar wurde eng mit der ebenfalls barocken Kanzel verbunden, nachdem beide vorher gründlich restauriert worden waren. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken. Bis 1945 war in der Kirche eine Gedenktafel für die im Krieg 1870/71 verstorbenen Einwohner angebracht. mini|links|150px|Gedenktafel 1870/71 in der Kirche Bis 1945 war die Fürstenwalder Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Römisch-katholische Kirche das Gebäude, das heute als Filialkirche der Pfarrei in Lesiny Wielkie (Groß Leschienen) fungiert.Parafia Lesiny Wielkie beim Erzbistum Ermland Die Innenausstattung wurde dem veränderten liturgischen Gebrauch angepasst.

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Bis 1816 war Fürstenwalde in die Evangelische Kirche Willenberg (Masuren) eingepfarrt. Für das Dorf an der politische n und Konfessionsgrenze zu Polen war schon 1810 eine Kirche geplant, um den hier auftretenden Schwärmern entgegenzuwirken.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens I, Göttingen 1968, S. 368 Sie waren auch in Wawrochen (1938 bis 1945 Deutschheide, polnisch Wawrochy), Lipowitz (1938 bis 1945 Lindenort, polnisch Lipowiec), Liebenberg (polnisch Klon) und Willamowen (1932 bis 1945 Wilhelmshof, polnisch Wilamowo) aktiv, nannten sich „Heilige“ und waren wohl Epigonen der Polnischen Brüder.

Im Jahre 1816 wurde in Fürstenwalde eine evangelische Kirche begründet, die über ein eigenes Gotteshaus und eine eigens eingerichtete Pfarrstelle verfügte. Das Kirchspiel wurde aus den entferntesten Dörfern der Kirchspiele Friedrichshof (Rozogi), Klein Jerutten (Jerutki) und Willenberg (Wielbark) gebildet.Reinhold Göttling, Geschichte Fürstenwaldes

Die Pfarrei Fürstenwalde war bis 1945 in den Superintendenturbezirk Ortelsburg des Kirchenkreises Ortelsburg innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugehörig. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Stellen. Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1925 auf 1850.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 496

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im Rahmen des Zweiten Weltkrieges setzten der evangelischen Kirche in Fürstenwalde ein Ende. Die heute in Księży Lasek lebenden wenigen evangelischen Einwohner gehören nun zur Kirche in Szczytno (Ortelsburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Von 1816 bis 1945 waren – außer dem Pfarrort – zehn Dörfer in das Kirchspiel Fürstenwalde eingepfarrt:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Deutscher Name Geänderter Name(1938 bis 1945) Polnischer Name*Groß Leschienen Lesiny Wielkie Neu Suchoroß Auerswalde Nowy Suchoros*(Groß) Radzienen Hügelwalde Zieleniec Radostowen (seit 1936:)Rehbruch Radostowo Klein Leschienen Lesiny Małe *Suchorowitz Deutschwalde Suchorowiec *Lucka Luckau (Ostpr.) Łuka *Wujaken (seit 1934:)Ohmswalde Wujaki Luckabude Luckau (Försterei) Łuckie Budy *Zielonygrund (seit 1933:)Schützengrund Orzeszki

Pfarrer Von 1815 bis 1945 amtierten an der Kirche Fürstenwalde als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 39

Bernhard Brachvogel, 1815–1821 Friedrich Wilhelm Wilimzig, 1821–1827 Friedrich Ludwig Riemer, 1828–1841 Heinrich Suminski, 1841–1863 Gustav Samuel Zacharias, 1863–1873 Adolf Benjamin Dziembowski, 1874–1884 August Rudolf Skrodzki, 1884–1892 Ernst Eduard Jacobi, 1892–1900 Heinrich Adolf Bachor, 1909–1912 Walter Kaminski, 1920–1922 Rudolf Mantze, 1923–1929 Ernst Sczepan, 1931–1933 Ewald Weidekamm, 1933–1934 Oskar Stentzel, 1936–1945

Friedhof mini|150px|Kreuz auf dem alten evangelischen Friedhof in Księży Lasek An der Straße nach Klon bzw. Myszyniec befindet sich noch immer der frühere evangelische Fürstenwalder Friedhof. Sein Erscheinungsbild prägen mehrere gusseiserne Grabkreuze. In seinem nordöstlichen Teil findet sich eine Abteilung, in der fünf deutsche und zehn russische Soldaten beigesetzt wurden. Insgesamt macht der Friedhof einen verwahrlosten Eindruck.

Römisch-katholisch Bis 1945 war die katholische Bevölkerung Fürstenwaldes in die Pfarrgemeinde in Groß Leschienen (polnisch Lesiny Wielkie) eingegliedert.Kreis Ortelsburg bei der AGOFF Sie gehörte zum weitflächigen Dekanat Masuren I mit Sitz in Angerburg (polnisch Węgorzewo) im Bistum Ermland.

Nach Kriegsende und der Flucht und Vertreibung der einheimischen – meistenteils evangelischen – Bevölkerung siedelten sich in Księży Lasek zahlreiche Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Es bildete sich bald eine katholische Gemeinde, die das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche reklamierte. Die Gemeinde in Księży Lasek ist jetzt eine Filialgemeinde der Pfarrei Lesiny Wielkie des Dekanats Rozogi im Erzbistum Ermland. Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1810er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Holzkirche in Polen Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Rozogi Kategorie:Zerstört in den 1920er Jahren