Der Porsche 911 Carrera RSR ist ein Rennwagen, der von 1973 und 1974 auf Basis des Porsche 911 Carrera RS produziert wurde. Der nach dem FIA-Reglement der Gruppe 4 und später als Turbo 2.1 der Gruppe 5 konstruierte Wagen wurde vom Porsche-Werksteam 1973 bis 1974 in der Markenweltmeisterschaft eingesetzt.
Private Teams setzten den Rennwagen von 1973 bis 1981 ebenfalls in der Markenweltmeisterschaft, von 1973 bis 1976 in der Europameisterschaft für GT-Fahrzeuge und von 1973 bis 1979 in der 1. Division der Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) ein. In Nordamerika startete der Wagen von 1973 bis 1985 in der IMSA-GT-Rennserie.
Mit dem Carrera RSR gewann Porsche 1973 und 1974 jeweils den dritten Platz in der Markenweltmeisterschaft und die Sonderwertung für GT-Fahrzeuge.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 9.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 17.
Das Fahrzeug – im Besonderem der Carrera RSR Turbo 2.1 – war die Basis für die 1976 neu eingeführten Rennwagen Porsche 934 und Porsche 935.
Allgemeines Nachdem 1971 das FIA-Reglement für die 5-Liter-Rennwagen in der Markenweltmeisterschaft auslief und ab der Saison 1972 nur noch Sportwagen mit drei Liter Hubraum und einem Mindestgewicht von 600 kg zugelassen waren, konnte Porsche den 917 nicht mehr in dieser Rennserie einsetzen. Stattdessen verlagerte Porsche sein Engagement nach Nordamerika in die CanAm-Serie, wo der 917 in der Version als 917/10 und 917/30 weiterhin erfolgreich war.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 8. In Europa dominierten fortan Ferrari, Alfa Romeo und Matra-Simca mit ihren neu entwickelten 3-Liter-Sportwagen die Markenweltmeisterschaft. Seitens Porsche gab es nur den 908, der das Reglement erfüllte und von Privatteams eingesetzt wurde.
Da für die Rennsaison 1975 eine erneute Regeländerung der Gruppe 5 geplant war, in der Produktionsrennwagen zugelassen wurden, entschloss sich Porsche auf Basis des Porsche 911 einen Rennwagen zu entwickeln und ihn in den Weltmeisterschaften 1973 und 1974 zu erproben.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 219. Grundlage für die Entwicklung war der Porsche 911 Carrera RS 2.7, der bereits 1972 als Homologationsmodell in einer Kleinserie produziert wurde.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Modelle mit Heckmotor. S. 210.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 222. Der neue, unter der Leitung von Norbert Singer entwickelte Rennwagen wurde als 911 Carrera RSR bezeichnet.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 10. Die ersten aufgebauten und von Porsche in Wettkämpfen eingesetzten Prototypen erhielten intern verwendete R-Nummern.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 268. Die Fahrzeuge mit den Nummern R1 bis R8 hatten noch Saugmotoren, die Modelle R9 bis R13 hatten Motoren mit Turboaufladung.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 12.
Während das Porsche-Werksteam mit den Prototypen in der Sportwagen-Wertung der Markenweltmeisterschaft antrat, starteten Privatteams mit den in Kleinserie gebauten Versionen Carrera RSR 2.8 und später Carrera RSR 3.0 in der GT-Wertung.
Von den Prototypen wurden insgesamt 12 Fahrzeuge aufgebaut.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 302. Von dem Carrera RSR 2.8 gab es 57 ExemplareTraumautoarchiv – Internetseite: und von dem Carrera RSR 3.0 wurden 54 Stück produziert.Traumautoarchiv – Internetseite:
911 Carrera RSR 2.8 (1973) Karosserie mini|Frontansicht des Porsche 911 Carrera RSR 2.8 mini|Heckansicht des Porsche 911 Carrera RSR 2.8 Der Carrera RSR 2.8 entsprach dem Gruppe-4-Reglement der FIA. Äußerlich unterschied er sich vor allem durch die breiteren Kotflügel an der Vorder- und Hinterachse von dem Carrera RS 2.7, um größere Rad-Reifenkombinationen in den Dimensionen 9 und 11 Zoll aufnehmen zu können. In der Bugschürze war mittig ein Ölkühler montiert. Der Rennwagen hatte, wie der Carrera RS, den typischen, Entenbürzel genannten Heckspoiler.
Die RSR-Prototypen, mit denen Porsche in der Weltmeisterschaft startete, hatten diese regelbedingten Einschränkungen nicht und hatten noch breitere Kotflügel, sodass vorn 11 und hinten 14 Zoll breite Räder montiert werden konnten.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 223. Am Heck experimentierte das Werksteam an unterschiedlichen Heckspoiler-Varianten. So wurde der kleine Serienspoiler jeweils links und rechts verbreitert und bis zu den Kotflügeln herumgezogen. Dieser erstmals beim 1000-km-Rennen von Zeltweg 1973 so eingesetzte Spoiler wurde intern auch Maria-Stuart-Kragen genannt.
Die meisten Änderungen des Wagens dienten dem Umbau des RS zu einem wettbewerbsfähigen Rennwagen. Innen war er bis auf die Rennsitze mit den Sicherheitsgurten und dem Überrollbügel leergeräumt. Vorn wurden ein 120-Liter-Kraftstofftank mit einem Schnelltankverschluss sowie eine Feuerlöschanlage eingebaut.
Um das Gewicht weiter zu reduzieren, waren die Türen und die Fronthaube aus Kunststoff. Für die Seitenscheiben wurde Plexiglas verwendet. Das Reserverad im Bug entfiel. Dadurch verringerte sich das Fahrzeuggewicht auf rund 890 kg und etwa 850 kg bei den Prototypen.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 303.
Fahrwerk Der Carrera RSR erhielt viele Veränderungen gegenüber einem Serien-911er. Die Radlenker waren leichter und steifer und statt Gummigelenken wurden Unibal-Gelenke aus Metall verwendet, um eine genauere Radführung zu erreichen. Die Abstützungen der Federbeine vorn waren verstellbar, um den Sturz und Nachlauf einstellen zu können. Um den Schwerpunkt weiter zu senken, wurde der Wagen tiefergelegt. Dazu waren die Achsschenkel etwas höher am Federbein befestigt.
Die Serien-Drehstabfedern blieben erhalten und wurden zusätzlich durch um die Stoßdämpfer angeordnete Schraubenfedern verstärkt. Bei den hinteren Schräglenkern vergrößerte man die Sturzänderung durch Verlegen der inneren Anlenkpunkte nach hinten. So verringerte sich die Neigung des äußeren Rades mit der Karosserie bei Kurvenfahrten.
Die Bremsanlage enthielt Teile des Porsche 917/10. Die Bremsen hatten rundum Vierkolbenzangen und innenbelüftete und gelochte Bremsscheiben. Die Radnaben hatten einen Zentralverschluss, um die bewährten leichten Magnesium-Räder verwenden zu können.
Motor und Getriebe Der Hubraum des Sechszylinder-Boxermotor im Carrera RS wurde von 2,7 Liter auf 2,8 Liter vergrößert. Das erreichte man durch eine größere Bohrung von 92 mm statt 90 mm. Der Hub von 70,4 mm blieb unverändert. Die Zylinderköpfe waren weitestgehend mit den Serien-Zylinderköpfen gleich, hatten jedoch größere Kanäle und Ventile. Die Seriennockenwellen wurden durch Rennnockenwellen mit geänderten Steuerzeiten ersetzt. Statt Einzelzündung erhielt der Motor eine Doppelzündung. Für die mechanische Benzineinspritzung war eine Sechsstempelpumpe von Bosch mit einer Raumnockensteuerung eingebaut. Die Standarddrosselklappen wurden durch Schieber ersetzt, um bei maximaler Last einen ungebremsten Luftstrom in den Brennraum zu ermöglichen.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 224. Der mit 10,3 : 1 verdichtete Motor leistete 220 kW (300 PS) bei 8000/min.
Das Serien-Fünfganggetriebe vom Typ 915 wurde übernommen und erhielt eine andere Übersetzung, mit der eine Höchstgeschwindigkeit von rund 290 km/h möglich war. Zur Kühlung des Getriebes wurde das Getriebeöl durch einen separaten Kühler geleitet. Statt der Serien- war eine Einscheiben-Rennkupplung eingebaut. Um in Kurven ein Durchdrehen des kurveninneren Hinterrades zu verhindern, hatte der Wagen ein Sperrdifferential.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 226.
911 Carrera RSR 3.0 (1973–1974) Der Carrera RSR 3.0 ist eine Weiterentwicklung auf Basis des Carrara RSR 2.8-Prototyps, den Porsche in der Markenweltmeisterschaft einsetzte.
Karosserie mini|Seitenansicht des Porsche 911 Carrera RSR 3.0 mini|Heckansicht des Porsche 911 Carrera RSR 3.0 Da Porsche Mitte 1973 mit dem Wechsel von der F-Serie zur G-Serie die Karosserie der 911er-Modelle umfassend überarbeitete, sah der RSR 2.8 deutlich anders aus als der RSR 3.0.Jürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 218.
Der erste RSR hatte noch die ursprüngliche Karosserie der 911er-Modelle, wie sie 1963 eingeführt worden war. Der neue RSR erhielt bereits die neue Karosserie, an der hauptsächlich die Wagenfront und das Heck verändert wurden. Die Stoßstangen waren stärker und ragten weiter hervor. Die vorderen Blinker saßen nicht mehr an den Kotflügeln, sondern in der vorderen Stoßstange oder dem Bugteil. Im Heck hatte der Wagen nun eine durchgehende rote Reflektorleiste mit Porsche-Schriftzug zwischen den beiden Heckleuchten. Statt des sogenannten Entenbürzels erhielt der RSR 3.0 einen großen Heckflügel, der später auch beim ersten Porsche 930 verwendet wurde.
Die vorderen Kotflügel waren weiter ausgestellt und hatten an der Kante zu den Türen Entlüftungsschlitze. Die hinteren Kotflügel hatten an der Vorderseite Öffnungen, wo die Luft einströmen, und an der Heckseite ein mit einem Gitter versehenes Loch, wo sie wieder entweichen konnte. In dieser Form sah der Rennwagen bereits dem späteren 911-Serien-Turbo sehr ähnlich.
Fahrwerk An dem Fahrwerk gab es im Vergleich zum Carrera RSR 2.8 keine Veränderungen.
Motor und Getriebe Technisch war die Erhöhung des Hubraums des Sechszylinder-Boxermotors auf 3 Liter die umfassendste Änderung. Die Bohrung wurde von 92 mm auf 95 mm bei gleichbleibendem Hub vergrößert. Die Motoren leisteten so zunächst bei 8000/min rund 231 kW (315 PS), die später gebauten 242 kW (330 PS).
911 Carrera RSR Turbo 2.1 (1974) Der Carrera RSR Turbo 2.1 war die letzte und leistungsfähigste Ausbaustufe der RSR-Modelle und der direkte Vorgänger der später produzierten Rennwagen 934 und 935.
Karosserie mini|Frontansicht des Porsche 911 Carrera RSR Turbo 2.1 mini|Heckansicht des Porsche 911 Carrera RSR Turbo 2.1 mini|Das Heck des RSR Turbo mit dem weit ausgestellten hinteren Kotflügeln und dem auffälligen Heckflügel Der erste Testwagen des RSR Turbo war noch aus einer Rohkarosserie des RSR-2.8-Prototyps Nummer R5Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 270. gefertigt und entsprach der F-Serie. Die Karosserie des Wagens blieb größtenteils unverändert, bis auf die hinteren Kotflügel, an denen Verbreiterungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) angebracht wurden, sowie den großen Heckflügel. Das Fahrzeug diente ausschließlich für Fahrtests und war mit 890 kg deutlich schwerer als die drei weiteren danach gebauten Rennwagen.Jürgen Barth, Bernd Dobronz: Porsche 934 / 935. Die komplette Dokumentation. S. 11.
Der zweite Turbo-Prototyp, intern R9 bezeichnet, wurde bereits auf einer RSR-3.0-Rohkarosserie der G-Serie aufgebaut. Auch bei diesem Wagen gab es nur wenige Änderungen an der Karosserie. Die hinteren Kotflügel wurden von 161 cm auf 200 cm verbreitertJürgen Barth, Gustav Büsing: Das große Buch der Porsche-Typen. Rennwagen. S. 227. und die Motorhaube im Heck war anders geformt. Sie hatte einen zwei Meter breiten Heckflügel, der auf Metallstützen befestigt war.