mini|General Sultani Makenga (2025) Sultani Makenga (* 25. Dezember 1973 in Rutshuru, Demokratische Republik Kongo) ist ein kongolesischer Generalmajor und Warlord. Er führt seit 2012 die Truppen der Bewegung 23. März (M23), die im Osten der Demokratischen Republik Kongo gegen die regulären kongolesischen Streitkräften kämpft.

Leben Erster und Zweiter Kongokrieg Makenga wuchs im nördlichen Teil von Bwito im Territorium Rutshuru auf der Farm seiner Eltern auf. Seine Familie stammt aus der Tutsi-Gemeinschaft von Masisi. Er absolvierte seine Grund- und Sekundarschulbildung an der Adventistenschule in Kanyazi.

1990 schloss er sich der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) an, Tutsi-Rebellen die gegen die von Hutus dominierte Armee in Ruanda kämpften. Angeführt wurde diese Truppe damals von Paul Kagame. Nach dem Völkermord in Ruanda und der Machtübernahme Kagames integrierte dieser seine Kämpfer in Ruandas neue Armee. Makenga, obwohl Kongolese, wurde in die offizielle ruandische Armee aufgenommen und stieg zum Sergeant und stellvertretenden Zugführer auf.

Makenga kämpfte im Ersten Kongokrieg (1996 bis 1997), in dem eine von mehreren Ländern unterstützten Rebellenkoalition, der Alliance des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo (AFDL), den Diktator Mobutu Sese Seko stürzte als Zugführer. Am 17. Mai 1997 kommandierte er die Kompanie, die die Hauptstadt Kinshasa einnahm und Rebellenführer Laurent-Désiré Kabila an die Macht brachte.

Er kämpfte im Zweiten Kongokrieg (1998 bis 2002), in dem mehrere untereinander zerstrittene Rebellengruppen versuchten, die neue Regierung in Kinshasa zu stürzen, als Bataillonskommandeur der Rassemblement Congolais pour la Démocratie. Nach dem Friedensabkommen wurden alle Rebellen in Kongos neue Armee integriert, auch Makenga. Er wurde Einsatzleiter in Katanga. 1997 wurde er kurzzeitig verhaftet, weil er sich weigerte, nach Ruanda zurückzukehren.

Makenga war 2004 als Major in Rutshuru stationiert, als General Laurent Nkunda begann, Anhänger für seinen Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes (CNDP) zu gewinnen. Makenga schloss sich dem CNDP an, stieg schnell auf und wurde zu einem von Nkundas engsten Vertrauten und stellvertretenden Stabschef. Sie eroberten weite Teile des Ostkongo.

Im Rahmen eines Friedensvertrages vom 23. März 2008 wurde die Gruppe als politische Partei anerkannt und ihre bewaffneten Kräfte in die Forces Armées de la République Démocratique du Congo (FARDC), die regulären kongolesischen Streitkräften, integriert. Nach der Integration der CNDP in die kongolesische Armee wurde Makenga mit der Offensive gegen die Forces Démocratiques de Libération du Rwanda (FDLR) entlang der Achse zwischen Masisi und Walikale betraut. Später wurde er nach Süd-Kivu versetzt, wo er als Oberst stellvertretender Operationskommandeur wurde. Innerhalb der ehemaligen CNDP galt er als treuer Anhänger Nkundas.

Gründung der M23 mini|Sultani Makenga (2013) mini|M23 Truppen im Juli 2012 in Bunagana Im Mai 2012 desertierte Makenga von der kongolesischen Armee und schloss sich der Bewegung 23. März an, wo er zum Generalmajor befördert wurde. Kurz darauf wurde er zum Kommandeur der M23 ernannt.Interim report of the Group of Experts on the DRC submitted in accordance with paragraph 4 of Security Council resolution 2021 (2011) Die Gruppe unter Führung Makengas benannte sich nach dem Datum des Friedensvertrages vom 23. März 2009 und forderten die Wiederinkraftsetzung des Abkommens und warfen der Regierung in Kinshasa Provokation, Diskriminierung und Misshandlung vor. Nach Schätzungen sollen sich in den ersten Wochen bereits mehr als 1000 Soldaten der neuen Gruppierung angeschlossen haben. Ab dem 24. April begannen Kämpfe zwischen der M23 und den kongolesischen Streitkräften. Am 6. Mai wurde eine Verlautbarung der CNDP bekannt, welche die Gründung der M23 bekanntgab sowie die Übernahme des Kommandos und der Befehlsgewalt über alle Offiziere durch Colonel Sultani Makenga. Die M23 verbündete sich mit anderen Rebellenorganisationen wie der Nduma Defence for Goma (NDC) und der Forces de défense congolaise (FDC), welche ebenfalls mit Angriffen auf FARDC-Truppen begannen. Auch rivalisierende Rebellengruppierungen wie die FDLR, APCLS und Maï-Maï-Yakutumba nutzten die Truppenverschiebungen der FARDC, um von den Streitkräften aufgegebene Positionen zu übernehmen. Die Beziehung zwischen Makenga und Bosco Ntaganda, dem Nachfolger Nkundas, der der UN zufolge an der Aufstellung der M23 beteiligt war und dort in eine Führungsrolle einnahm, war schwierig. Grund dafür war die Treue Makengas gegenüber Laurent Nkunda, der von Ntaganda entmachtet wurde.

Sein Hauptquartier hatte Makenga in der Grenzstadt Bunagana. Im Juli 2012 nahmen die Rebellen unter Führung Sultani Makengas einige Orte nördlich der Provinzhauptstadt Goma ein. Angebotene Verhandlungen seitens Makengas wurden von der Regierung von Präsident Joseph Kabila zurückgewiesen.Perras, Arne: Profil: Sultani Makenga. In: Süddeutsche Zeitung, 21. November 2012, S. 4. De facto bestand jedoch seitdem ein Waffenstillstand.

Am 17. August 2012 beschlossen die M23-Rebellen eine neue politische Struktur, mit Abteilungen entsprechend den Ministerien eines Regierungskabinetts. Präsident wurde Bischof Jean-Marie Runiga Lugerero, Oberkommandierender des Militärs wurde Makenga.

Erste Eroberung Gomas mini|Die Region Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo, Hauptkampfgebiet der M23 Am 20. November 2012 eroberten die Rebellen unter der Führung Sultani Makengas und des ruandischen Generals Emmanuel Ruvusha die Provinzhauptstadt Goma. In einer fünftägigen Offensive konnte die kongolesische Armee besiegt werden. Die in Goma stationierten 1400 Soldaten der UN-Friedenstruppe der Mission de l’Organisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo (MONUSCO) ließen die Rebellen ungehindert passieren. Dies wurde mit einem eingeschränkten Mandat begründet.Theile, Charlotte; Kock, Felicitas: Kämpfe im Kongo – Konflikt im toten Winkel bei süddeutsche.de, 22. November 2012 (abgerufen am 24. November 2012). Die Vereinten Nationen werfen den Rebellen schwere Menschenrechtsverletzungen in der eingenommenen Stadt vor, es sollen u. a. Frauen und Kinder verschleppt worden sein. Der UN-Sicherheitsrat erließ noch am selben Tag einstimmig die Resolution 2076, in der u. a. die Rebellen zum Rückzug aus Goma, zur Abrüstung sowie Auflösung aufgerufen wurden. Außerdem wurde gegen die Rebellenführung ein Reiseverbot verhängt und deren Vermögenswerte eingefroren.

Ende Februar bis Mitte März 2013 kam es zu Kämpfen innerhalb der M23 zwischen der Fraktion Makengas und der Fraktion um Ntaganda und Lugerero über die Haltung zum Addis-Abeba-Abkommen. In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2013 kam es in der Stadt Rutshuru zu Kämpfen zwischen den Truppen Makengas und den Truppen des zweithöchsten militärischen Führer des M23 „General“ Baudoin Ngaruye, einem Anhänger Ntagandas. Die Kämpfe forderten ca. zehn Tote.

Am 27. Februar 2013 erklärte Sultani Makenga Lugerero für abgesetzt. Er warf Lugerero politische Unfähigkeit, Veruntreuung und die Zusammenarbeit mit Ntaganda vor. Ngaruye stand dabei auf der Seite Lugereros. Lugerero erklärte seinerseits Makenga für abgesetzt. Es kam zu Kämpfen im Gebiet Rutshuru mit mehreren Dutzend Toten. Makenga konnte den Konflikt für sich entscheiden, sodass schließlich zum 16. März mehrere hundert Anhänger der unterlegenen Fraktion über die Grenze nach Ruanda flohen. Bosco Ntangenda, der unter anderem mit Waffen und Gold handelte, ging bzw. floh im März 2013 in Kigali in die dort ansässige US-Botschaft, mit der Bitte um Überstellung an den IStGH.

Exil Am 7. November 2013, nach Unterstützung des kongolesischen Militärs durch die UN-Interventionsbrigade (FIB), zog sich Makenga mit Hunderten von M23-Kämpfern in den Mgahinga-Nationalpark in Uganda zurück. Hier ergab er sich mit ca. 1700-Kämpfern ugandischen Truppen. Er und seine Truppen wurden danach an einem geheimen Ort festgehalten. Sowohl die Demokratische Republik Kongo als auch die UN bestanden darauf, dass die hochrangigen Kommandeure der M23 keine Amnestie erhalten. BBC-Korrespondentin Catherine Byaruhanga aus Kampala berichtete daraufhin, dass Makenga eine schwierige diplomatische Herausforderung für Uganda darstelle.

Makenga lebte mehrere Jahre im Exil in Kampala.

Anfang 2017 kehrte er etwa 100 bis 200 seiner Anhänger in den Kongo zurück. Sie errichteten ein Lager am Berg Mikeno im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Diese Splittergruppe blieb jedoch weitgehend inaktiv und erhielt keine Unterstützung von der anderen Teilen der M23.

Zweite Eroberung Gomas 2021 griffen Makenga und seine Kämpfer wieder zu den Waffen und eroberten Gebiete in der Provinz Nord-Kivu. Mehrere Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen den kongolesischen Truppen und der M23 scheiterten. Im August 2024 wurde Makenga neben 25 anderen Anführern von paramilitärischen Gruppen durch ein kongolesisches Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Am 4. Januar 2025 nahm die M23 mit Masisi im gleichnamigen Territorium Masisi das erste Mal nach über zwei Jahren eine Regionalhauptstadt ein.

Bis zum Abend des 26. Januar 2025 war die M23, angeführt von Sultani Makenga, auf den Vorort Munigi vorgerückt und gab am 27. Januar bekannt, erneut Goma eingenommen zu haben.

Makenga führt von seinem Hauptquartier am Ufer des Kivu-Sees die weitere Eroberung des Ostkongos. In den von ihnen eroberten Gebieten errichtet die M23 derzeit einen eigenen Staat.

Persönliches Makenga gilt als wortkarger, aber geradliniger Kommandant, der den Respekt seiner Soldaten genießt. Um seinen Gesundheitszustand ranken sich seit Jahren Gerüchte. Während des Vormarsches der M23 im Jahr 2012 wirkte er sichtlich angeschlagen, und die Spekulationen haben sich verstärkt, seit die M23 Goma unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb über ihn: „Schon in frühen Jahren war Makengas Talent aufgefallen, Gegner in einen militärischen Hinterhalt zu locken. Er gilt als geübter Stratege, tritt allerdings selten öffentlich auf, offenbar scheut er großes Publikum.“

Mögliche Kriegsverbrechen 2007 war Makenga Kommandeur der Bravo-Brigade, einer gemeinsamen von FARDC und CNDP aufgestellten Einheit. Er wurde mit der Erschließung einer Nachschubroute nach Ruanda beauftragt. Als Kommandeur der gemischten Bravo-Brigade trug er möglicherweise die Befehlsverantwortung für das sogenannte zweite Massaker von Buramba am 9. und 10. März 2007, als FARDC-Truppen des 2. Bataillons der Bravo-Brigade unter dem direkten Kommando von Oberstleutnant Innocent Nzamulinda willkürlich mindestens 15 Menschen hinrichteten.

Sultani Makenga wurde am 13. November 2012 gemäß den in Absatz 4 der Resolution 1857 (2008) festgelegten Kriterien der Vereinten Nationenen in die Sanktionsliste aufgenommen. Der Vorwurf ist, dass er als Anführer der M23 schwere Verstöße gegen das Völkerrecht begangen hat oder dafür verantwortlich ist. Diese Verstöße betreffen die gezielte Verfolgung von Frauen und Kindern in bewaffneten Konflikten. Er ist außerdem für Verstöße gegen das Völkerrecht im Zusammenhang mit der Rekrutierung und dem Einsatz von Kindern durch die M23 in bewaffneten Konflikten verantwortlich.

Im August 2024 wurde Makenga, gemeinsam mit 25 weitere Angeklagten, hauptsächlich M23-Führern, von einem Militärgericht in Kinshasa in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Im August 2025 gründete Makenga eine Spezialeinheit der Polizei, die für die Sicherheit in den von der Rebellenbewegung kontrollierten Gebieten im Osten der Demokratischen Republik Kongo sorgen soll. Bei der Einführungszeremonie betonte Generalmajor Makenga die Notwendigkeit, mit den Praktiken zu brechen, die er den kongolesischen Sicherheitskräften zuschreibt und die seiner Ansicht nach von Korruption, Missbrauch und Gewalt durchdrungen sind.

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