Die Weleda AG ist eine 1921 gegründete Schweizer Unternehmensgruppe für Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel.

Geschichte Gründung und Namensgebung (1920–1924) mini|Ita Wegman um 1900 Die heutige Weleda AG geht auf zwei Gründungen zurück, eine in Deutschland und eine in der Schweiz. In Stuttgart wurde die Firma Der kommende Tag – Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte am 13. März 1920 von Rudolf Steiner mitgegründet. Als Gründer zeichneten den Gesellschaftsvertrag Konradin Haußer, Emil Leinhas, Graf Otto von Lerchenfeld, Alfred Meebold, Emil Molt, José del Monte, Graf Ludwig von Polzer-Hoditz, Carl Unger und Rudolf Steiner. Letzterer war zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats. Fast alle Gründungsmitglieder waren bereits lange mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie vertraut.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 25, S. 35. Für eine zukünftige Heilmittelproduktion kaufte Der kommende Tag am 12. März 1920 die «Colonial-Werke Paul Rumpus», einen Mühlbetrieb in Schwäbisch Gmünd. Im Februar 1921 erwarb Der kommende Tag in Stuttgart die Liegenschaft Wildermuth, Gänsheide 28. Dort wurde das Herstellungslaboratorium eingerichtet, in dem 20 Heilmittel produziert wurden. Unter Leitung des Hamburger Arztes Otto Palmer öffnete am 15. August 1921 das Stuttgarter Klinisch-Therapeutische Institut.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 36.

Im selben Jahr, in dem die Der kommende Tag AG gegründet wurde, gründeten am 16. Juni 1920 Rudolf Steiner und Ita Wegman die schweizerische Futurum AG – Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte in Dornach. Rudolf Steiner war auch hier Verwaltungsratspräsident. Im September 1920 erwarb Ita Wegman ein zur Futurum AG gehörendes Grundstück in Arlesheim und gründete dort das Klinisch-Therapeutische Institut (heute: Klinik Arlesheim), das erste anthroposophische Krankenhaus weltweit. Ab dem 1. Februar 1921, nachdem das «Laboratorium am Goetheanum» gekauft worden war, verfügte die Futurum AG über eine pharmazeutische Herstellung. Im Juli 1921 kaufte Ita Wegman in der Nähe der Klinik die Liegenschaft Hirsland Nr. 218. Dort wurden die Versuchs- und Fabrikationslaboratorien untergebracht. Bis 2005 war auf diesem Grundstück der Hauptsitz der Weleda AG.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 35 f.

Die Futurum AG und die Der kommende Tag AG waren als sogenannte «Assoziationen» gegründet worden, um der Verbreitung der Dreigliederungs-Idee durch eine allmähliche Wirtschaftsreform einen neuen Auftrieb zu geben. Weiterhin sollten diese beiden Betriebe die finanziellen Mittel für das Fortführen der verschiedenen Initiativen innerhalb der anthroposophischen Bewegung – zum Beispiel den Aufbau des Goetheanums der «Freien Waldorfschule Stuttgart» – sichern. Daher betonte Rudolf Steiner, dass sowohl die Arzneimittel wie auch die Naturkosmetik Gewinn bringen müssten und sich nicht gegenseitig finanzieren dürften, da ansonsten das grosse Ziel gefährdet sei.Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 181 ff.mini|Rudolf Steiner um 1905Infolge einer Liquiditätskrise bei der Futurum AG im Jahr 1922 wurde die Firma in Internationale Laboratorien AG (ILAG) umbenannt, und es wurden neue Aktien ausgegeben. Da auch die deutsche Vorläuferfirma der Weleda Der kommende Tag AG im Jahr 1922 kurz vor dem Konkurs stand, bat Rudolf Steiner auf der Hauptversammlung die Aktionäre des Kommenden Tages, ihre Anteile an die ILAG zu verschenken, da er hoffte, dass durch diesen Schritt das Überleben beider Firmen gewährleistet sein würde. Nachdem die Mitglieder dem zugestimmt hatten, wurden die Einrichtungen in Deutschland Zweigniederlassungen der Schweizer MuttergesellschaftUwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 42. und die neu fusionierte Firma firmierte ab dem 21. November 1922 unter dem Namen Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G.

Da dieser ursprüngliche Name sehr lang war und im internationalen Vertrieb Schwierigkeiten bereitete, einigte man sich am 7. September 1924 auf den Namen WeledaUwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, Kapitel Namensgebung, S. 74–79., der auf die germanische Seherin Veleda zurückgeht. Um eine Aussprache des V wie F zu vermeiden, wird Weleda mit W geschrieben.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 75. Der Firmenname deutet an, dass die Quelle der Heilkunst gemäss anthroposophischem Verständnis im übersinnlichen Bereich liegt.Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. Govi-Verlag, Eschborn 2000, ISBN 3-7741-0810-2, S. 15. Vgl. auch Willem F. Daems: Die historische Weleda. Namensgeberin für die Weleda Heilmittelbetriebe. Verlag am Goetheanum, Dornach 1991, ISBN 978-3-7235-0589-2. Der neue Name wurde am 20. September 1924 in Deutschland und am 25. September 1924 in der Schweiz markenrechtlich geschützt. Seither wird der Name sowohl für alle Tochterunternehmen als auch für die Erzeugnisse der Firma verwendet. Am 10. Dezember 1928 wurde vom Verwaltungsrat beschlossen, dass auch die ILAG den Namen Weleda AG bekommen sollte, und dementsprechend wurde dies dann in den Handelsregistern eingetragen.Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 35, 44, 47, 89.

mini|Ehemaliges Logo Das ehemalige Firmenlogo leitet sich ab vom Äskulapstab, einem Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.

Expansion und internationaler Ausbau (ab 1925) Im Jahr 1925 umfasste die Produktpalette von Weleda rund 360 Einzelpräparate.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 83. Besonders in den späten 1920er Jahren wurden verschiedene Kosmetika entwickelt: Toilettenmilch (später Irismilch), Coldcream, Massageöl, Rosmarinbad, Hautcrème, Seife, Rasierseife, Sonnenschutzcrème, Haarwaschpulver, Fichtennadelbad, Lavendelwasser und Arnikaessenz.

Im November 1924 hatte der Standort Schwäbisch Gmünd, an dem seit Oktober 1924 Wilhelm Pelikan die Direktion der Fabrikation übernommen hatte, zwölf Mitarbeiter. 1939 waren es 150 Mitarbeiter.Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 87.

Zwischen 1925 und 1928 verdoppelte sich der Gesamtumsatz von Weleda. Produziert wurde in Arlesheim und Schwäbisch Gmünd. Laboratorien befanden sich in Stuttgart, Schwäbisch Gmünd und Arlesheim. Der Geschäftsbericht von 1928 nennt auch ein Laboratorium im französischen Saint-Louis. In den 1920er Jahren wurden verschiedene Tochtergesellschaften gegründet: The British Weleda Co. Ltd. (1924), de Handelsonderneming Weleda (Niederlande, 1926), The American Arlesheim Laboratories (1926), Veleda-Ges.m.b.H. (Tschechien, 1926).Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 103.

Zeit des Nationalsozialismus Weleda kooperierte mit der nationalsozialistischen Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung (DVA), einer SS-eigenen GmbH.

Franz Lippert, der bis 1939 Chefgärtner im Heilpflanzengarten der Weleda in Schwäbisch Gmünd war, arbeitete ab 1941 für die SS. Im Konzentrationslager Dachau wurde er in der für mindestens 800 Menschen todbringenden biologisch-dynamischen Plantage Dachau 1942 leitender Gärtner. Von KZ-Häftlingen in Zwangsarbeit aufgebaut und bewirtschaftet, wurden dort für Weleda Heilkräuter angebaut und von Lippert Kontakte zu Weleda gepflegt. Die Historikerin Anne Sudrow stellt fest, dass der anthroposophische Historiker Uwe Werner in seiner Unternehmensgeschichte zu Weleda 2014 einen solch bedeutenden Mitarbeiter wie Lippert nur beiläufig auf einer Seite erwähnt und dies auch nur, um die «(Schutz-)Behauptung» des ehemaligen Weleda-Firmenleiters Fritz Götte von 1965, Lippert sei schon im Frühling 1940 als überzeugter NSDAP-Anhänger in Konflikt mit der Firmenleitung gestanden, zu übernehmen.Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, ISBN 978-3-525-31169-1, S. 547 f.; Sudrow bezieht sich dabei auf Uwe Werners Firmengeschichte Das Unternehmen Weleda 1921–1949, S. 182. In der von Uwe Werner in seiner Firmengeschichte publizierten Liste der Mitarbeiter des Unternehmens Weleda wird Lippert mit keinem Wort erwähnt; ebenso wenig Lipperts Freund und Gärtnerkollege bei Weleda, Erich Werner, den Lippert 1942 zur DVA Dachau holte.Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, S. 548, 652; Sudrow (S. 548) bezieht sich auf Uwe Werners Firmengeschichte Das Unternehmen Weleda 1921–1949, S. 218–220. Das Interesse von Weleda an Lipperts umfangreichen Fachkenntnissen blieb auch nach dem Krieg ungebrochen, so dass das Unternehmen 1947 Lippert wieder als Berater für den eigenen Heilpflanzenanbau anstellte.Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, S. 652.

Als Niederlassung einer Schweizer AG mit Kontakten zur SS profitierte die Weleda AG in Schwäbisch Gmünd, anders als andere anthroposophische Unternehmen, Verbände und Schulen, vom NS-Regime und von den Kriegsjahren.Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04473-0, S. 335 f. Während der Zeit des Nationalsozialismus betrieb das in der Schweiz ansässige Unternehmen, neben Standorten im Ausland, offiziell nur zwei Werke im Deutschen Reich, eines in Stuttgart und eines in Schwäbisch Gmünd. Im Jahr 1940 wird die Zahl der Mitarbeiter der beiden Werke mit 140 angegeben. 1944 waren es 35 Mitarbeiter in Stuttgart und 102 in Schwäbisch Gmünd, wovon keine Zwangsarbeiter waren. Durch Atteste einer Vielzahl von Ärzten gelang es Weleda, sieben Produkte als kriegsrelevant einstufen zu lassen und den Status als kriegsrelevanter Betrieb zu erhalten.