Brünnen ist ein Quartier der Stadt Bern. Es gehört zu den 2011 bernweit festgelegten 114 gebräuchlichen Quartieren und liegt im Stadtteil VI Bümpliz-Oberbottigen, dort im statistischen Bezirk Bethlehem. Es grenzt an die Bethlehemer Quartiere Gäbelbach, Holenacker und Tscharnergut sowie an den zu Bethlehem gehörenden Teil des Quartiers Riedern. Im Süden liegen die durch die Bahnstrecke Bern–Neuenburg getrennten Bümplizer Quartiere Stapfenacker und Niederbottigen.Interaktiver Stadtplan der Stadt Bern (Auswahl unter «Themen»).

Ein wesentlicher Teil der Brünnen-Überbauung ist das Westside, ein von Daniel Libeskind projektiertes Einkaufs- und Freizeitzentrum mit Hotel, Seniorenresidenz und dem Bernaqua als Erlebnisbad, Fitness- und Wellnesszentrum. Flankiert wird dies von einer Überdeckung der Autobahn A1 mit Autobahnauffahrt, einem Bahnhof und einer modernen Wohnüberbauung.

Geschichte Michael Gauger bemerkt, dass einen oder viele Brunnen, die den Namen nahelegen, sich heute nicht finden lassen. Ein Brunnen oder eine Quelle würde auch auf bärndüütsch einfach „Brunnen“ heissen. „Brünne“ war der geläufige mittelalterliche Name für ein Panzerhemd. Dies könne im Zusammenhang mit dem Deutschritterorden stehen, der in Köniz eine Kommende und ein Kloster unterhielt, zu welchem weitere Ländereien gehörten, ggf. mit einer Schmiede für Panzerhemden.

Im Jahr 1678 entstand ein Landgut namens «Brünnengut» am östlichen Hang über dem Gäbelbach, das Herrenhaus hiess «Brünnenschlössli». 1765 erfolgte vermutlich durch Niklaus Sprüngli eine Erweiterung gegen Westen, was die heutige barocke Form bestimmt. 1766 war Robert Scipio von Lentulus Miterbe, der das Anwesen seinem Vetter überliess. Der Gartenpavillon stammt ebenfalls aus dieser Zeit, er wurde als Wasch- und Ofenhaus sowie Kornspeicher genutzt. Die Familie von Graffenried war später Besitzer. 1837 oder 1840 vermachte ein Erbe das Gut der Privatblindenanstalt Bern, die dort eine private Blinden-Anstalt «auf der Grube» errichtete. Stifter war G. E. von Morlot, der auch der erste Direktionspräsident war. Die Blindenschule Zollikofen führt ihre Geschichte darauf zurück. Eine testamentarisch von Emilie Bitzius verfügte zweite Anstalt öffnete 1882 als Armenerziehungsanstalt für Knaben. Deshalb hiess der Landsitz lange «Bubenbrünnen». 1968 verlegte man sie auf den Dentenberg. Brünnen hiess zu der Zeit auch «Neue Grube».Die Geschichte des Brünnengutes laut Beschilderung im Park.

Im Jahr 1967 sollte nach ursprünglichen Planungen eine Teilstadt «Bern West» als Bandstadt für ca. 150'000 Einwohner entlang der Bahnstrecke Bern–Neuenburg mit einem kontinentalen Flughafen westlich von Bern gebaut werden, was aber verworfen wurde. Erste Pläne einer Hochhausüberbauung für Brünnen (Nord und Süd) und Holenacker gab es 1972. Diese sollte für rund 20'000 Einwohner gebaut werden und rund 14'000 Arbeitsplätze schaffen. Das Ziel war eine verkehrsgerechte Stadt mit Hochhäusern, Infrastruktur- und Dienstleistungsangeboten. Es folgte dann ein Stadterweiterungskonzept mit Wohnraum für ca. 60'000 Einwohner. Beide Projekte scheiterten an der Rezession durch die Ölkrise. Es folgte 1984 dann ein Stadterweiterungskonzept für zirka 6000 Einwohner und 4000 Arbeitsplätze. 1984 verwarf das Berner Stimmvolk diese Planung an der Urne.

Im Jahre 1989 erfolgte eine Grundsatzabstimmung zu Brünnen, angenommen wurde der Gegenentwurf des Gemeinderates. Brünnen Nord blieb Bauland, Brünnen Süd wurde ausgezont.Nutzungszonenplan Brünnen Süd von 1990 auf bern.ch. 1991 schliesslich wurde eine neue Planung mit grossem Mehr angenommen. Es folgten ein erster Architekturwettbewerb 1992 und die Projektierung der Erschliessung. Wegen des Zusammenbruchs der Immobilienpreise wurde auch dies nicht realisiert.

Die Entscheidung, ein Freizeit- und Einkaufszentrum in Brünnen zu bauen, befeuerte auch die Initiativen zum Wohnungsbau. 1999 wurde die Planung auf Wohnnutzung für rund 2600 Menschen und 800 Arbeitsplätze entsprechend abgeändert.Alexander Tschäppät (Stadtpräsident): Brünnen – die erste Etappe ist gebaut. Referat zur Einweihung am 11. September 2008.Brünnen, Nutzungszonen- und Bauklassenplan. Stadt Bern, 2000.

Die Parkanlage Brünnengut sollte der Mittelpunkt des Quartiers sein, der Ansermetplatz verbindet mit der Überbauung Gäbelbach. Am Le-Corbusier-Platz waren lokale Verkaufsgeschäfte geplant, und der am Bahnhof befindliche Gilberte-de-Courgenay-Platz sollte die «Drehscheibe» am südlichen Zugang sein. Rechtwinklige Planung, verkehrsarme Strassen und eine Beschränkung auf drei bis vier Etagen sollten Hochhäuser verhindern. Brünnen als neuer «Stadteingang» sollte das Berner Image prägen.

Die Baubewilligung lag 2003 vor, der erste Spatenstich erfolgte am 11. Juni 2004. Nach diversen Einsprachen wurde die Baubewilligung für das Westside im Juni 2005 erteilt. Die Wohnüberbauung besteht aus 21 Baufeldern, die ersten Wohnhäuser wurden 2006 fertiggestellt. Am 13. September 2008 wurde das neue Quartier nach vierjähriger Bauzeit mit einem Fest eingeweiht. Bei Vollausbau soll Brünnen Wohnraum für 2600 Menschen bieten.Chronik der Gesamtüberbauung Brünnen auf archiv.bruennen.ch.

Baufelder: Wohnraum und Schule Das Stadtplanungsamt Bern entwickelte mit der Unterstützung externer Experten ein Quartier, das traditionelle Stadtmuster in eine zeitgemässe Form übersetzen sollte. Ein orthogonales Strassenraster, vier Plätze und ein Park über der Autobahn bilden das Rückgrat und definieren 21 Baufelder. Diese entsprechen etwa der Grösse von Häusergevierten in der Länggasse.

Neben dem Einkaufscenter Westside sind die 21 Baufelder von unterschiedlichen Projektträgern realisiert worden. Die einzelnen Wohngebäude sind hochwertig und haben in der Mehrzahl maximal vier Etagen. Dies ist auch ein Kontrast zu den umgebenden Hochhäusern in Gäbelbach und anderen Stadtteilen von Bern-Bethlehem.

Der neue Stadtteil wurde vom Berner Stadtplaner Jürg Sulzer mitgeprägt. Im Dezember 2017 kritisierte er allerdings die Umsetzung: Brünnen sei «nicht Vorstadt, aber auch nicht Stadt». Es sei versucht worden, ein Stück Stadt wie im 19. Jahrhundert üblich zu bauen. Die Häuser nähmen kaum Rücksicht auf die Nachbarbauten. Die einzelnen Jurys der Baufelder hätten zu wenig auf die Nachbarbauten geachtet. Bereits im Januar 2012 hatte er gemahnt, dass die Stadtbaukultur zugunsten von «autistischen Einzelentwürfen» vernachlässigt werde.

+ Baufeld Name Gebäude Bild1RONDOFertigstellung 2023, 54 Mietwohnungen und Gewerbeflächen im Erdgeschoss, darunter eine Kindertagesstätte150px2On DECKFertigstellung 2014/15, 55 Mietwohnungen, avantgardistische Architektur150px3Verta50 Mietwohnungen, Erstbezug Sommer 2025Planung Baufeld 3. Baugenossenschaft Brünnen-Eicholz.150px4, 7OpenCourtsFertigstellung 2014, Baufeld 4 geschlossenes Viereck, Baufeld 7 angrenzend nach Süden offene U-Form, 146 Mietwohnungen und 5 Gewerberäume im Erdgeschoss, Tiefgaragen, Minergie-Standard100px5Wohnpark-JardinFertigstellung 2022, 105 Wohnungen und 4 Gewerberäume im Erdgeschoss100px6brünnenlebenFertigstellung 2008. 35 Eigentums- und 40 Mietwohnungen Ursprünglich war der Name go west 2 vorgesehen.100px8, 9come westFertigstellung 2009. 53 Eigentumswohnungen in 6 vierstöckigen gleich hohen Wohnblock, Pro Etage nur eine Wohnung150px10Rock onBaubeginn 2007 Bezug 2008, zwei viergeschossige Gebäude, 47 Wohnungen (Miete) um einen seitlich offenen Hof 2011 musste die Tiefgarage saniert werden, da aussergewöhnliche Risse auftraten.150px11Rear WindowBaubeginn wahrscheinlich 2008, Bezug wahrscheinlich 2009. U-förmiges Gebäude mit 73 Mietwohnungen.150px12Weites LandGeschosswohnungen und Reihenhäuser mit 1 ½ bis 5½ Zimmern, sowie Ateliers, 96 Mietobjekte150px13, 14, 15GilbertDrei Wohnbauten mit total 87 Wohnungen150px16, 17, 18Trilogie78 Mietwohnungen in drei Mehrfamilienhäusern. Ursprünglich war der Name "TGV" für die Überbauung vorgesehen.150px19, 20, 21BILLYAuf Baufeld 19 Wohnen mit Service (Abwesenheitsdienst, Wäsche, Reinigung), auf Baufeld 20 ein "Boarding House" mit möblierten Studios oder Kleinwohnungen, auf Baufeld 21 19 3 ½-Zimmer-Wohnungen. Insgesamt sind 115 Mietwohnungen vorhanden.150pxSchulanlage Brünnenvier Basisstufen und acht Primarschulklassen, Doppelturnhalle mit Allwetterplatz auf dem DachSchulanlage Brünnen auf bern.ch.150pxLe PontErgänzung des Schulgebäudes als fünfgeschossiger Längsbau. Er wurde bei der Realisierung der Schulanlage aufgrund von Nutzungsumlagerungen und Kosteneinsparungen nicht gebaut, ursprünglich waren zwei Geschosse vorgesehen. Im östlichen Teil soll die sonderpädagogische Schule der Stiftung Familien Support Bern West einziehen, im westlichen Teil sind 28 Wohnungen vorgesehen.Längsbau Brünnen auf swiss-architects.com. Aufgrund von Einsprachen verzögerte sich das Projekt.Neubauprojekt Brünnen auf ebgbern.ch. Bauherr ist die Eisenbahner-Baugenossenschaft Bern (EBG). der Bau wurde Anfang 2025 begonnen.150pxAltersresidenz Senevita – Gebäude Courgenay Migros Wohngebäude RamuzUrsprünglich waren 94 Mietwohnungen und 21 Pflegezimmer, ein Restaurant "le Bistro", Coiffeur, Fusspflege und Fitness und das Arztzentrum Medbase Bern Westside (Allgemein- und Sportmedizin, Leistungsdiagnostik, Physiotherapie und medizinische Massage)Medbase Bern Westside. Website der Medbase vorhanden. Anfang 2025 musste Senevita das nördliche Gebäude "Ramuz" aufgeben, weil man sich nicht mit der Migros einigen konnte. Dies betrifft 66 Wohnungen, die renoviert und nun von der Migros vermietet werden. Das südliche Haus Courgenay wird weiter betrieben.150pxVolksschule Brünnen Parkmodulare Schulprovisorien Brünnen. Bis 2040 müssen in den Schulkreisen Bümpliz und Bethlehem sechs Schulanlagen umfassend erneuert werden. Die betroffenen Schulen weichen während der Bauphase hierher aus. Drei zweistöckige Gebäude und eine Turnhalle bieten Raum für vierzehn Klassen.Volksschule Brünnen Park. Baudokumentation, September 2020.150px

Handel und Gewerbe Der Schokoladenhersteller Toblerone sowie die Verteilzentrale der Coop-Genossenschaft in der Riedbachstrasse werden oft Brünnen zugeordnet, liegen aber nach dem Plan der Stadt Bern auf dem Gebiet von Niederbottigen. Brünnen ist überwiegend ein Wohnquartier ohne Industriestandorte. Das Westside mit seinen Handels- und Dienstleistungseinrichtungen ist auch für die Anwohner wichtige Anlaufstelle. Ausserdem befinden sich in den Erdgeschossen der Wohnhäuser zahlreiche Büros und Geschäftsräume, Dienstleistungseinrichtungen sowie eine Arzt- und eine Zahnarztpraxis.

Die Markthalle mit Restaurant und zwei grossen Lebensmittelgeschäften befindet sich am zu Brünnen gehörigen Ansermetplatz, sie liegt aber auf der Seite von Gäbelbach.

Kultur und Bildung mini|Gedenkstein Grand Prix Suisse Brünnen mini|Parkcafe im Park Brünnengut Die Parkanlage Brünnengut liegt auf dem erweiterten Gebiet des historischen Brünnengutes und wurde aufgrund eines internationalen Wettbewerbs 2006 gestaltet. Gewinner waren die Landschaftsarchitekten David Bosshard (Bern) und Andreas Tremp (Zürich). Sportanlagen, 70 Obstbäume zum «gemeinsamen Ernten» und Räume zum Mieten sind dort vorhanden. Dort befindet sich auch der 2014–2015 restaurierte Landsitz Brünnen mit dem Herrenhaus Brünnenschlössli. Das Park Café «Brünnengut» wird von der Band-Genossenschaft bewirtschaftet durch Menschen mit einer Beeinträchtigung im Rahmen von Förderprogrammen.Park Café Band-Genossenschaft Brünnen-Park auf band.ch.