Streckenangaben in Meilen / Längenangaben zu den Bauwerken in Metern

Die Bahnstrecke Waterford–Rosslare, auch als South Wexford Railway Line bezeichnet, ist eine eingleisige Eisenbahnstrecke im äußersten Südosten der Republik Irland, die als Teil einer durchgehenden Querverbindung von Limerick über Clonmel und Waterford nach Rosslare und Wexford zwischen 1902 und 1906 von der Fishguard & Rosslare Railways & Harbours Company erbaut und im August 1906 schrittweise eröffnet wurde.

Seit der Einstellung des letzten Personenzugpaares am 18. September 2010 ruht der Verkehr auf dem Streckenabschnitt zwischen Belview Port und Rosslare Strand. Auf Weisung der National Transport Authority wird die Linie jedoch in befahrbarem Zustand gehalten. Unregelmäßig finden Betriebsfahrten statt.

Geschichte Die Fishguard & Rosslare Railways & Harbours Company, als Tochterunternehmen der irischen Great Southern & Western Railway und der britischen Great Western Railway gegründet, begann 1902 mit dem Bau der Schienenverbindung zwischen Waterford und Rosslare. Ziel war, den Personen- und Warenverkehr zwischen Großbritannien und Süd- bzw. Westirland zu verbessern und einen Anschluss von Limerick und Waterford an die Fährverbindung von Rosslare nach Fishguard herzustellen.

Die Eröffnung der Strecke zwischen Waterford Nord (heute Waterford Plunkett) und Rosslare (heute Rosslare Strand) fand am 1. August 1906 statt. Der Abschnitt bis Rosslare Harbour (heute Rosslare Europort) wurde am 30. August 1906 dem Verkehr übergeben.

Die Betreibergesellschaft existiert noch immer und ist heute im Besitz der staatlichen irischen Eisenbahngesellschaft Iarnród Éireann und des Fährbetreibers Stena Line. Damit ist die Bahnlinie die einzige Hauptbahn Irlands, die nicht vollständig in staatlicher Hand ist.

Bahnhöfe und Betriebsstellen Waterford Plunkett mini|Das bis heute erhaltene Brückenstellwerk Waterford Central im August 1983 Der heutige Hauptbahnhof von Waterford wurde am 26. August 1864 als Waterford Nord eröffnet. Er liegt am Nordufer des River Suir, unmittelbar am Brückenkopf der Rice Bridge, welche die Verbindung zur Innenstadt am anderen Flussufer herstellt.

Mit dem Abriss des ursprünglichen und der Eröffnung eines modernen Empfangsgebäudes am 10. April 1966 wurde der Bahnhof zu Ehren des irischen Widerstandskämpfers Joseph Plunkett umbenannt. Der Personenbahnhof verfügte zu seiner Hochzeit über einen Seiten- und einen Mittelbahnsteig, die in Höhe des Empfangsgebäudes verbunden waren. Dadurch entstanden im Süden zwei nur aus Limerick und Kilkenny kommend befahrbare Stumpfgleise 5 und 6 für endende Personenzüge. Der äußere Teil des Mittelbahnsteigs lag am durchgehenden Hauptgleis und teilte sich in die Bahnsteige 3 (östlicher Teil) und 4 (westlicher Teil). Daneben existierten nach Norden hin noch zwei weitere, bahnsteiglose Gleise für den Güterverkehr, die von einer Felswand begrenzt wurden.

Bis zum Ende der 2020er Jahre wurde ein Großteil der Gleise des Personenbahnhofs zurückgebaut. Reisezüge werden heute ausschließlich von Bahnsteig 5 abgewickelt, während der durchgehende Güterverkehr zum Hafen über das ehemalige Gleis 3/4 verläuft. Die anderen Gleise wurden zurückgebaut. Der ehemalige kurze Seitenbahnsteig (Gleis 6) ist noch vorhanden aber nicht mehr angebunden.

Am westlichen Ende des Personenbahnhofs überspannt ein Brückenstellwerk aus den Anfangsjahren des Bahnverkehrs die drei nördlichen Gleise.

Östlich und westlich an den Personenbahnhof schlossen sich weitläufige Abstell- und Gütergleise an. Während die Anlagen im Osten im Zuge der Verlegung des Hafens ab 1992 nach und nach vollständig beseitigt wurden existiert der Abstell- und Güterbahnhof im Westen bis heute.

Waterford Harbour Ab 1992 wurde der Seehafen von Waterford schrittweise aus dem Zentrum der Stadt heraus an einen neuen Standort vier Kilometer den River Suir hinab nach Belview verlegt. Das alte Hafenareal in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof Waterford wurde mitsamt der umfangreichen Gleisanlagen bis in die 2020er Jahre zurückgebaut.

In Belview Port entstand ein vorwiegend auf Container ausgelegtes neues Verladeterminal mit vier parallel zum Kai verlaufenden Gleisen, wodurch eine direkte Umladung zwischen Eisenbahn und Schiff über die beiden Portalkräne des Hafens erfolgen kann.

Unterwegsbahnhöfe mini|Zustand der Station Campile vor Abriss des Stationsgebäudes am 3. Juni 1993 – sämtliche weiteren Gleise wurden bereits zurückgebaut Die Unterwegsbahnhöfe Campile, Ballycullane, Wellingtonbridge, Duncormick, Bridgetown und Killinick wurden am 1. August 1906 eröffnet und wiesen eine durchweg einheitliche Bauform auf:

In der Mitte der beiden Hauptgleise lag ein an seiner breitesten Stelle rund 12 Meter breiter und 90 Meter langer, etwa keilförmiger Inselbahnsteig, in dessen Zentrum sich das einstöckige, mit Wellblech verkleidete Stationsgebäude befand. Der Zugang zum Bahnsteig erfolgte über eine Fußgängerbrücke aus Eisen, die sich jeweils am schmalen Ende des Bahnsteigs befand (in Campile, Ballycullane, Bridgetown und Killinick auf der Westseite, in Wellingtonbridge und Duncormick auf der Ostseite). Das Stellwerk, ebenfalls ein eingeschossiger Bau, war am breiten Ende und damit etwa mittig im Bahnhof platziert.

Ergänzt wurden alle Bahnhöfe um weitere Abstell- und Ladegleise, die sich (jeweils auf der Südseite, in Wellingtonbridge beidseitig) nach außen anfügten. Neben den grundsätzlich vorhandenen Laderampen für den Güterverlad waren an einigen Stationen auch Güterschuppen vorhanden. In Wellingtonbridge existierte zudem eine Förderanlage für Zuckerrüben.

Als einzige Zwischenstation der Strecke ist der Bahnhof Wellingtonbridge heute noch weitgehend erhalten, es existieren weiterhin die beiden Hauptgleise, sodass Zugkreuzungen möglich sind. Zudem ist noch ein südlich liegendes Abstellgleis angeschlossen. Brücke, Stationsgebäude und Stellwerk sind noch intakt, ebenso die Signale. An allen anderen Stationen wurden die Gleisanlagen bis auf das Streckengleis zurückgebaut und die Gebäude abgerissen. Es existieren nur noch Reste der Bahnsteige, der Laderampen oder der Bahnsteigbeleuchtung. Reste der Signalisierungstechnik sind ebenfalls noch vereinzelt vorhanden.

Rosslare Strand mini|Bahnhof Rosslare Strand in seinem heutigen Erscheinungsbild Der Bahnhof Rosslare war bereits am 24. Juni 1882 als Endbahnhof der von Dublin über Bray und Wexford kommenden Bahnlinie eröffnet worden. Zwischen 17. Mai 1889 und 6. August 1894 fand kein Zugverkehr statt. Mit dem Anschluss an die Bahnstrecke von Waterford und die Verlängerung bis zum Fährhafen wurde der Bahnhof zur Unterscheidung 1906 in Rosslare Strand umbenannt. Aufgrund dessen weist der Bahnhof im Vergleich zu den anderen Zwischenstationen eine abweichende Bauform auf.

Heute bestehen noch zwei Gleise mit Seitenbahnsteigen. Obwohl direkte Zugänge zu beiden Seiten existieren befindet sich am Südende des Bahnsteigs noch eine eiserne Fußgängerbrücke in unmittelbarer Nähe zur Straßenbrücke. Das Empfangsgebäude ist als einstöckiges Steingebäude ausgeführt. Das ehemalige Stellwerk befand sich auf der Nordseite des Hausbahnsteigs und wurde abgerissen.

Seit Umbauarbeiten an den Gleisanlagen im Jahr 1973 sind Zugfahrten von und nach Waterford nur noch über das westlich gelegene Gleis 2 möglich.

Rosslare Harbour mini|CIE 2706 steht am 25. August 2004 abfahrbereit am Bahnsteig des zweiten Bahnhofs Rosslare Harbour mini|Auf der Pier sind die Reste des Gleisbetts und der Außenbahnsteige des ersten Bahnhofs Rosslare Harbour noch erkennbar Auch der Hafenbahnhof in Rosslare war von diversen Veränderungen im Lauf der Jahre geprägt:

Von der Inbetriebnahme am 30. August 1906 bis zum 14. September 1989 befand sich der damals noch als Rosslare Harbour bezeichnete dreigleisige Kopfbahnhof am Ende des rund 800 Meter langen bogenförmig nach Norden zeigenden Piers des Fährhafens. Damit hielten die Personenzüge unmittelbar neben dem Schiffsanleger, was den Reisenden kurze Fußwege ermöglichen sollte. Es existierten zwei Außenbahnsteige und ein in der Mitte liegendes, bahnsteigloses Gleis zum Umsetzen von Lokomotiven. Eine Hafenmauer schirmte den Bahnhof zur Seeseite vor hohen Wellen ab. An Land entstanden zudem Abstell- und Ladegleise.

Mit dem weiteren Ausbau des Hafens wurde der südöstliche Bereich außerhalb des Bogens der Pier sukzessive verfüllt, wodurch über die Jahre ein großflächiges Hafenareal entstand. Der Personenhalt wurde 1989 rund 500 m in den Bogen zurückverlegt, da hier ein neues Terminalgebäude für den Aufenthalt und die Abfertigung der Reisenden entstanden war. Die Züge hielten fortan an einem einzelnen Bahnsteig im Außenbogen. Die Gleise auf die Pier waren für betriebliche Fahrten weiterhin erhalten, da der eigentliche Bahnsteigbereich eingleisig war.

Mit einer erneuten Änderung bei der Abfertigung der Fährpassagiere wurde der Personenbahnhof am 14. April 2008 erneut verlegt. Der bogenförmig durch die Mitte des Hafens führende Gleisverlauf wurde zurückgebaut und im Bereich des ehemaligen Depotareals am südlichen Rand des Geländes entstand der neue Bahnhof Rosslare Europort mit zwei Hauptgleisen, Nebengleisen und einem barrierefreien Seitenbahnsteig. Am Streckenende befindet sich eine Drehscheibe.

Kunstbauten Neben den Bahnhöfen existieren entlang der Strecke ein Tunnel, zwölf Steinbrücken, 56 Stahlbrücken und 96 Durchlässe. Die bedeutendsten Bauwerke sind:

Snowhill Tunnel Rund 2,5 Kilometer nordöstlich von Belview Port befindet sich der mit 198 Metern (217 Yards) Länge einzige Tunnel der Strecke. Er durchsticht den Snowhill, eine kleine Landzunge am Zusammenfluss von River Suir und River Barrow und liegt von Waterford kommend in einem leichten Rechtsbogen.

Barrow Bridge mini|Ein Schiff passiert am 6. Juli 1997 die geöffnete Barrow Railway Bridge Unmittelbar östlich schließt sich mit der Barrow Railway Bridge das bemerkenswerteste Kunstbauwerk der Strecke an den Tunnel an. Mit einer Länge von 650 Metern (2131 Fuß) überspannt die eingleisige Stahlfachwerk-Drehbrücke mit 15 Segmenten den in diesem Bereich bereits zu einem Ästuar aufgeweiteten River Barrow, der auch die Grenze zwischen den County Kilkenny und County Wexford bildet. Zwischen 1902 und 1906 erbaut war sie zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die längste Brücke Irlands. Bei mittlerem Hochwasser beträgt die Durchfahrtshöhe 7,9 Meter (26 Fuß).

Die Segmente 3 und 4 auf der Waterford-Seite sind drehbar gelagert, um bei einer Öffnung der Brücke großen Seeschiffen die Einfahrt in den unteren Teil des Barrow zu ermöglichen. Der Bedienstand ist in einer Kanzel mittig auf dem drehbaren Segment eingerichtet. Zum Schutz vor einem unbeabsichtigten Befahren der geöffneten Brücke existieren auf beiden Seiten Deckungssignale und Entgleisungsweichen, die vom Bedienstand aus gesteuert werden. Die Barrow Bridge wird üblicherweise zwei Mal am Tag für den Schiffsverkehr geöffnet.

Taylerstown Viaduct Mit sieben Bögen, in einer leichten Kurve gelegen überspannt der rund 130 Meter lange rotbraune Steinviadukt zwischen Ballycullane und Wellingtonbridge das Tal des River Owenduff und eine Landstraße. Im Juli 1922 wurde die Bahnbrücke in Folge des irischen Bürgerkriegs zerstört, die Reparaturarbeiten konnten erst im Januar des Folgejahres abgeschlossen werden.

Duncormick Viaduct Unmittelbar östlich des Bahnhofs Duncormick überquert die Bahnlinie auf einem ebenfalls aus rotbraunen Steinen gemauerten Viadukt mit drei Bögen geradlinig den Fluss Muck, eine Landstraße und einen Feldweg.

Betrieb

Ehemaliger Betrieb Güterverkehr mini|Beladung eines Zuges mit Zuckerrüben in Wellingtonbridge am 23. Oktober 1993 Am 11. März 1975 erfolgte die Einstellung des Güterverlads im Bahnhof Campile, die restlichen Unterwegsbahnhöfe der Strecke folgten zum 3. November desselben Jahres. Ausgenommen hiervon war Wellingtonbridge, wo noch bis zum 2. Juni 1978 Teer auf Güterzüge verladen wurde.