mini|Das Wappen des Klosters Münsterschwarzach Die Geschichte des Klosters Münsterschwarzach (auch Geschichte der Abtei Münsterschwarzach) begann bereits im 8. Jahrhundert. Das Kloster entstand aus zwei Vorgängergemeinschaften, die im Frühmittelalter gestiftet wurden. Nach dem Übergang an den Bischof von Würzburg war Münsterschwarzach in Mittelalter und Früher Neuzeit ein wichtiges benediktinisches Mediatkloster im Hochstift Würzburg. Mit der Säkularisation verschwand das Kloster zu Beginn des 19. Jahrhunderts über 100 Jahre, ehe es im Jahr 1913 die Missionsbenediktiner von St. Ottilien wiederbesiedelten. Heute ist die Abtei eines der bedeutendsten Benediktinerklöster in Deutschland. Es gehört zur Diözese Würzburg im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.
In der klösterlichen Geschichte gab es mehrere Blütezeiten, die mit Abschnitten des Niedergangs abwechselten. Bereits die Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts weist auf diese Wechsel hin. Besonders einflussreich war die Abtei zur Zeit des Abtes Egbert von Münsterschwarzach, der im 11. Jahrhundert die Reformen von Gorze im Konvent verankerte und auch in andere Klöster trug. Unter Abt Johannes IV. Burckhardt wurde Münsterschwarzach im 16. Jahrhundert ein Pfeiler der katholischen Reform im Bistum Würzburg. Dem Abt der Wiedergründung 1913, Plazidus Vogel, kommt ebenfalls besondere Bedeutung zu.
Vorgeschichte mini|hochkant|Karolingischer Schlüssel, wohl aus dem Frauenkloster, Bronze, 1939 ausgegraben Zwei Vorgängerinstitutionen des Klosters Münsterschwarzach sind eng mit dem ostfränkischen Adelsgeschlecht der Mattonen verbunden: das Frauenkloster Münsterschwarzach und das Kloster Megingaudshausen, das lediglich im Jahr 816 urkundlich genannt wurde. Durch den Umzug des Konvents von Megingaudshausen in das leerstehende Frauenkloster entstand das Kloster Münsterschwarzach. Der Konvent bezog sich mit der Wahl seines Wappens mit den zwei gekreuzten Abtsstäben auf die beiden Klöster. Ältere Traditionen, wie die Verehrung der Stifter von Megingaudshausen, flossen in die Liturgie der Abtei in Mittelalter und Früher Neuzeit ein. Alle Äbte der beiden Klöster wurden in die Abtsliste von Münsterschwarzach aufgenommen.→ siehe auch: Frauenkloster Münsterschwarzach→ siehe auch: Kloster Megingaudshausen→ siehe auch: Liste der Äbtissinnen und Äbte von Münsterschwarzach
Frühmittelalter Umzug und Neuanfang Über den Umzug der Mönche an den Main existieren in der Forschung mehrere Thesen. Während die ältere Literatur die Meinung vertrat, dass der Gründer Megingaud erst in der Abtei Münsterschwarzach verstarbCarl Wolff: Zur Gründung und Geschichte der Abtei Münsterschwarzach im Zeitalter der Karolinger. In: Burkard Utz (Hrsg.): Abtei Münsterschwarzach. Arbeiten aus ihrer Geschichte. Festgabe zur Weihe der Kirche 1938. Münsterschwarzach 1938. S. 217., weist die neuere Forschung darauf hin, dass die Mönche die sterblichen Überreste des Stifterehepaares und die Gründungsurkunde von 816 mit nach Schwarzach nahmen. Dabei stimmten die selbstbewussten Konventsmitglieder einem Umzug ihres Klosters wohl nur zu, weil Bischof Arno von Würzburg selbst den Mattonen angehörte.Gabriel Vogt: Zur Frühgeschichte der Abtei Münsterschwarzach (= Sonderdruck aus Mainfränkisches Jahrbuch 32/1980). Volkach 1980. S. 10.
Die Mönche verließen Megingaudshausen unter dem Abt Hartwig bzw. seinem Nachfolger Ebbo. Die steinerne Hallenkirche des Frauenklosters wurde für die neuen liturgischen Ansprüche umgebaut. Wahrscheinlich begann man, zunächst den Campanile durch ein Querhaus zu ersetzen. Die Glocken wurden im neu erbauten Glockenturm oberhalb der Vierung aufgehängt. Insgesamt bot die Kirche etwa 20 Mönchen Platz.Johannes Mahr: Münsterschwarzach. 1200 Jahre einer fränkischen Abtei (= Münsterschwarzacher Studien Bd. 49). Münsterschwarzach 2002. S. 11. → siehe auch: Karolingische Klosterkirche Münsterschwarzach
Unter Ebbo kam es wohl zu einem Brand, worauf die bei Ausgrabungen zutage geförderten geschmolzenen Glockenreste hindeuten. Eventuell verwüsteten durchziehende ungarische Reiterverbände das neue Kloster. Konflikte entstanden auch zwischen den aufstrebenden Bischöfen von Würzburg und den nach wie vor Ansprüche auf die Abtei erhebenden Mitgliedern der Mattonenfamilie. Nach dem Tod des Abtes Ebbo gelangte das Kloster in den Besitz des Dracholf, der zu den Mattonen gerechnet wurde.
Die Zeit der Kommendataräbte mini|hochkant|Dracholf als Bischof von Freising, historisierende Darstellung des 18. Jahrhunderts im Freisinger Fürstengang Dracholf betrachtete die Abtei als seinen persönlichen Besitz, weilte aber als sogenannter Kommendatarabt nicht innerhalb des Konventes. Stattdessen stieg er zum Bischof von Freising auf. Anders als andere Kommendataräbte plünderte Dracholf seinen Besitz nicht aus, sondern ergänzte sogar die Besitzungen der Abtei durch zwei Schenkungswellen 912 und 918. Dazu holte er sich zunächst die königlichen Rechte an den letzten beiden, noch verbliebenen Besitzungen des Klosters Megingaudshausen, „Hetzelheim“ und „Hittenheim“, und tauschte diese gegen Orte der näheren Umgebung, die er den Mönchen von Münsterschwarzach übergab.
Am 21. April 918 bestätigte König Konrad I. die Schenkungen des Dracholf an Schwarzach. Die bedeutende Urkunde listet einige Orte auf, die hier erstmals genannt wurden. So gelangten „Gerlachshausen“ und „Weiuelt“ (Wipfeld) ganz, „Stockheim“ (Mainstockheim oder Mönchstockheim), „Lankheim“ (Klein- oder Großlangheim), „Feurbach“ (Feuerbach), „Castimallesdorf et Selinsdorff“ (Seligenstadt) in Teilen an das Kloster. Zusätzlich erhielten die Mönche noch zwei Weinberge in „Nordheim“ (am Main). Zum Lebensunterhalt und zur Kleidung der Mönche dienten die ebenfalls genannten Orte „Tullstatt“ (Düllstadt), „Stadelon“ (Stadelschwarzach) und „Wisenheida“ (Wiesentheid).
Das junge Kloster war mit diesen ausgedehnten Gütern ein begehrter Besitz und wurde in der Folgezeit in Konflikte zwischen den Mattonen und den Bischöfen von Würzburg hineingezogen, die beide die Oberhoheit über Münsterschwarzach beanspruchten. Nach dem Tod des Abtes Dracholf im Jahr 926 dauerte es fast siebzig Jahre, bis die Abtei in den Quellen neuerlich genannt wurde. Nun traten auch die Bischöfe von Freising auf den Plan, die ebenfalls ihre Ansprüche auf Münsterschwarzach untermauerten.Gabriel Vogt: Zur Frühgeschichte der Abtei Münsterschwarzach (= Sonderdruck aus Mainfränkisches Jahrbuch 32/1980). Volkach 1980. S. 12.
Die Forschung vermutet, dass in der quellenlosen Zwischenzeit mehrere, heute unbekannte Äbte aus dem Adel das Kloster führten. Sie waren Laien und bereicherten sich an ihrem Besitz, ohne auf die Mönche Rücksicht zu nehmen. Die Mitglieder des Konvents neigten in dieser Zeit den Mattonen zu und lehnten die Einflussnahme der Würzburger Bischöfe ab. Während dieser Jahrzehnte wurden die Baulichkeiten des Klosters weitgehend zerstört. Mittelalterliche Chroniken gehen sogar davon aus, dass Münsterschwarzach eine Zeitlang vollständig verlassen war.
Wiedererblühen unter Bischof Heinrich I. Inzwischen herrschten die Ottonen, die die Bischöfe im Reich weiter förderten, um ein ihnen treues Reichsepiskopat aufzubauen. Dadurch konnten die Würzburger Diözesane ihren Einfluss über Münsterschwarzach ausbauen und gewannen schließlich das Ringen um die Abtei. Den Neubeginn markiert eine Urkunde vom 12. Dezember 993, in der Kaiser Otto III. Bischof Bernward von Würzburg seinen Besitz über die Abtei zuerkannte.Johannes Mahr: Münsterschwarzach. 1200 Jahre einer fränkischen Abtei (= Münsterschwarzacher Studien Bd. 49). Münsterschwarzach 2002. S. 12.
Würzburg bemühte sich auch unter den folgenden Bischöfen um das Kloster. Im Jahr 999 ließ sich der neugewählte Bischof Heinrich I. seine Oberhoheit über Münsterschwarzach neuerlich bestätigen. Diesen Vorgang wiederholte er im Jahr 1003, als Heinrich II. zum König gewählt worden war. In der Urkunde vom 9. Februar 1003 ist allerdings von zwei Klöstern, „abbatia“ und „monasterium“, die Rede. Nachdem die ältere Literatur hier das Fortbestehen des Frauenklosters neben dem Männerkonvent vermutete, geht man heute von einer lediglich sprachlichen Differenzierung aus. Die königliche Kanzlei musste beide gebräuchlichen Bezeichnungen für das Kloster in das Dokument aufnehmen.Franziskus Büll: Zu den Namen und Bezeichnungen des Klosters Münsterschwarzach in den Urkunden des 9. und 10. Jahrhunderts. In: Franziskus Büll (Hrsg.): Magna Gratulatio. 1200 Jahre benediktinische Mönchsgemeinschaft von Münsterschwarzach. 816–2016 (= Münsterschwarzacher Studien Bd. 55). Münsterschwarzach 2016. S. 158.
Mit Bischof Heinrich I. ist das Wiederaufblühen monastischen Lebens in Münsterschwarzach verbunden. Der Diözesan war früh mit den sogenannten Altgorzer Reformen in Berührung gekommen, weil sein Bruder in dem lothringischen Kloster zur Schule gegangen war. Die Reformen nahmen die mönchische Askese, das Gebet und insbesondere die Hinordnung zum örtlichen Bistum in den Mittelpunkt. Deshalb erbat sich Heinrich vom Regensburger Abt Ramwold, der sein Kloster bereits nach den neuen Regeln führte, mehrere Mönche, um sie nach Münsterschwarzach zu senden.
Hochmittelalter Äbte der Altgorzer Reform Aus der Regensburger Abtei St. Emmeram kam Alapold im Jahr 1001 bzw. 1006 mit 13 Getreuen an den Main und begann die Lebensformen seines Heimatklosters auch in Münsterschwarzach einzuführen. Alapold förderte insbesondere den Austausch mit anderen, gleichgesinnten Klöstern und schloss mit St. Emmeram beispielsweise eine Toten- und Gebetsverbrüderung. Der Abt wirkte allerdings nicht alleine, sondern erhielt Förderungen vom kaiserlichen Herrscherhaus und dem Bischof von Würzburg.
Kaiser Heinrich II. überließ, auf Drängen seiner Ehefrau Kunigunde, dem Kloster mehrere Gutshöfe und förderte dadurch den Konvent. Der Würzburger Bischof ließ außerdem neue Wohngebäude für die Mönche errichten und die Ruinen der alten beseitigen. Gleichzeitig erhielten die Münsterschwarzacher Mönche eine Bestätigung ihrer Privilegien. Trotz dieser Unterstützungen verlangte Würzburg eine vollständige Unterordnung unter die bischöfliche Oberhoheit, die keineswegs von allen Mönchen anerkannt wurde.
Nach dem Tod Alapolds standen noch drei weitere Äbte dem Kloster vor, die im Sinne der Altgorzer Reform wohl vom Bischof ausgewählt worden waren. Abt Heribert scheiterte noch vor seiner Konfirmation am Widerstand der Mönche, ihm lag vor allem die Förderung der Liturgie am Herzen. Sein Nachfolger Walther I. hatte wiederum mit dem erstarkenden, lokalen Adel umzugehen, der Ansprüche auf den Klosterbesitz geltend machte. Während seiner Regierung wütete in Münsterschwarzach die Pest, schließlich bestand der Konvent nur noch aus sechs Mönchen.Gabriel Vogt: Zur Frühgeschichte der Abtei Münsterschwarzach (= Sonderdruck aus Mainfränkisches Jahrbuch 32/1980). Volkach 1980. S. 16.
Zur Zeit von Abt Walther begann man jedoch auch, den religiösen Mittelpunkt des Klosters, die Klosterkirche wieder zu errichten. Wahrscheinlich war das karolingische Gotteshaus während des 10. Jahrhunderts untergegangen. Im Jahr 1023 weihte der Würzburger Bischof Meginhard die neue Klosterkirche, die nun, nach dem Initiator „Waltherkirche“ genannt wurde. Nach dem Neubau präsentierte sich die Kirche als dreischiffige Säulenbasilika.
Der letzte Abt der lothringische Reformen in Münsterschwarzach umsetzte, war Wolfher. Ähnlich wie seine Vorgänger erachtete er die Verbindungen zu anderen Reformklöstern für sehr wichtig und knüpfte Gebetsverbrüderungen mit Amorbach und Fulda. Gleichzeitig war er politisch aktiv und bemühte sich auf der Frankfurter Synode am 24. September 1027 um die Erteilung verlorengegangener Rechte. Unter Abt Wolfher erlebte die Abtei eine erste Blüte, die sich auch auf den Ausbau des Klosters als Institution auswirkte.
Kunst und Politik unter Abt Wolfher mini|hochkant|Dimbacher Kreuzigungsrelief, Sandstein, 11. Jahrhundert