Der Kulturpalast Bitterfeld ist ein im Jahr 1954 eingeweihtes Kulturhaus im Stadtteil Bitterfeld der Stadt Bitterfeld-Wolfen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Bekannt geworden ist das Bauwerk vor allem im Zusammenhang mit dem hier maßgeblich von Walter Ulbricht proklamierten Bitterfelder Weg. Der Kulturpalast gilt als eines der Wahrzeichen Bitterfelds und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.Ulrich Seidler: Wo die DDR der Utopie am nächsten kam. Berliner Zeitung, 9. April 2025, S. 11.
Geschichte mini|hochkant|Erwin Strittmatter auf der ersten Bitterfelder Konferenz im Kulturpalast Bitterfeld, 24. April 1959 In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Bitterfeld zu einem Zentrum des Braunkohletagebaus und der chemischen Industrie. Nach Gründung der DDR ließ diese in vielen Städten des Landes Kulturpaläste und -häuser als zentrale Stätten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens errichten, so auch ab 1952 in Bitterfeld (Adresse 2025: Parsevalstraße). Viele Arbeitsleistungen der Bautätigkeit wurden durch örtliche Chemiearbeiter ehrenamtlich nach Feierabend erbracht (Nationales Aufbauwerk). Das Gebäude wurde am 13. Oktober 1954 eröffnet und erhielt den Namen Kulturpalast Wilhelm Pieck.
Bekannt wurde das Bauwerk 1959 und 1964 durch die Bitterfelder Konferenzen, auf denen unter maßgeblicher Verantwortung von Walter Ulbricht die sozialistische Kulturpolitik der jungen DDR, der sogenannte Bitterfelder Weg, proklamiert wurde. Unter dem Motto Greif zur Feder, Kumpel sollten Werktätige aufgerufen werden, sich im Sinne der sozialistischen Ideologie künstlerisch zu betätigen. Umgekehrt sollten auch Künstler und Kulturschaffende enger an die Werktätigen und das Regime gebunden werden.
In Zeiten der DDR diente der Saal des Kulturpalastes Auftritten von nationalen und internationalen Künstlern. Unter anderem gab Udo Jürgens 1965 ein Konzert. Das Fernsehen der DDR zeichnete im Kulturpalast Unterhaltungsshows auf. Auch Theaterstücke wurden aufgeführt. Daneben bot das Gebäude Räume für Kunstausstellungen und die Aktivitäten örtlicher Vereine und Zirkel wie 60 Laienkunstzirkel, Arbeitsgruppen für Volkstanz, Malerei, Fotografie oder Handarbeiten.
Nach der Wende 1990 wurde das Haus zusammen mit anderen Bauten des Chemie-Parks an den Privatunternehmer Heinz-Jürgen Preiss-Daimler verkauft, der es sanierte und bis 2015 weiterhin für Veranstaltungen nutzte. Unter dem ironischen Titel Kunst. Was soll das? lud Eugen Blume zusammen mit Klaus Staeck und Christoph Tannert vom 1. bis 3. Mai 1992 zur (symbolischen) 3. Bitterfelder Konferenz in den Kulturpalast ein.AR Penck, Ein Protokoll auf der Internetseite der Edition Staeck Es kamen jedoch immer weniger Besucher, so dass der Kulturpalast 1996 geschlossen wurde. Schließlich ging er in das Eigentum der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbHKulturPalast GmbH & Co. KG, HRB2 über, die im Jahr 2017 einen Abrissantrag stellte. Dieser stieß auf Widerstand der Bevölkerung und der Stadt, die auf die städtebauliche und kulturhistorische Bedeutung des Kulturpalastes verwies. Eine entsprechende Genehmigung wurde nicht erteilt.
Entwicklung seit 2020 Im Jahr 2020 legte die Kulturpalast GmbH ein Sanierungskonzept vor, wofür Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro veranschlagt werden. Nach einem Besuch der Kulturpolitikerin Monika Grütters erfolgte eine Zusage, einen Großteil vom Bund aus dem Strukturwandelfonds des ehemaligen Industrie- und Braunkohlegebietes zu finanzieren.MZ, 25. September 2020: Investor stellt Projekt vor – Was Ministerin Grütters in Sachen Kulturpalast rät. In: Mitteldeutsche Zeitung, 25. September 2020, abgerufen am 22. Dezember 2020.Geld aus Berlin: Neue Millionen-Bescherung für Kulturpalast in Bitterfeld. In: Mitteldeutsche Zeitung, 26. November 2020, abgerufen am 11. Dezember 2020.
Im Juli 2022 diente der Palast kurzfristig und einmalig als Schauplatz des Kunst- und Kulturfestivals OSTEN – Welcome to Bitterfeld.Website Kulturfestival, abgerufen am 31. Juli 2022.
Was für die Umbauarbeiten noch fehlte, war nach dem Unfalltod des Investors Matthias GoßlerNach Unfalltod von Matthias Goßler – Familie sucht neuen Eigentümer für Kulturpalast Bitterfeld. ein neuer Finanzier und ein überzeugendes Nutzungskonzept. Angestrebt wurde eine Nutzung als Musical-Bühne, Ausstellungszentrum oder eine Nutzung für Messen oder Tagungen. Die Eigentümerin, die Witwe Andrea Goßler, wollte den Kulturpalast, den sie noch zu Lebzeiten von Matthias Goßler geschenkt bekommen hatte, der Stadt Bitterfeld-Wolfen zu diesen multikulturellen Verwendungen verkaufen. Ende Juni 2026 lief eine Frist zum Abruf von 20 Millionenn Euro aus dem Transformationsfonds aus, womit Umbauarbeiten bezahlt werden sollten. Basis für die Aktivitäten war eine noch von Goßler vorgelegte Kalkulation, nach der eine große Zahl Besucher aus einem Einzugsgebiet bis nach Berlin angenommen wurde. Eine Gegengutachten verweist auf die zu hohen ZUahlen und auf die fehlende touristische Infrastruktur, den negativen demografischen Trend und die Nähe zu den benachbarten Chemiebetrieben. Daurch ergäbe sich langfristig ein Verlust, der mit fast 30 Millionen Euro pro Jahr beziffert wird. So stoppte ein Widerspruch des Oberbürgermeisters Armin Schenk den schon vom Stadtrat beschlossenen Kauf durch die Stadtverwaltung. Schenk sagte in einem Interview des MDR dazu: „Im Klartext: Wenn Landkreis, Land und Bund für dieses wirklich in nationalem Interesse liegende Bauwerk keine Unterstützung organisieren, wird es vermutlich nicht einer Nutzung zugeführt werden können.“ Der Kulturpalast verbleibt nun weiter im Eigentum von Andrea Goßler, die umgehend Insolvenz angekündigt hat.
Architektur mini|hochkant|Foyer (2022) Das Haus verfügt über einen großen Saal mit 1000 Sitzplätzen, ein Restaurant und kleinere Bühnen sowie mehr als 240 Räume, welche Vereine und Zirkel kostenfrei nutzen konnten. Das Denkmalverzeichnis führt den Kulturpalast als neoklassizistische Monumentalarchitektur aus der DDR-Zeit.
Es gab eine Kellerbar, deren Fundament später Grundwasser eindringen ließ, das als verseucht galt. Der ganze Kellerbereich wurde nach der Wende mit Beton verfüllt.
Fernsehshows aus dem Kulturpalast Bitterfeld (Auswahl)
Weblinks/Quellen
Internetauftritt Was aus dem Kulturpalast Bitterfeld werden soll, Bericht auf mdr.de Was wurde aus den Kulturhäusern der DDR?, mdr.de "Greif zur Feder Kumpel!" - Der Bitterfelder Kulturpalast, MDR
Einzelnachweise Ulrich Seidler: Ohne Utopie, Berliner Zeitung, 2. Juli 2026, S. 12.
Bitterfeld Kategorie:Bauwerk in Bitterfeld-Wolfen Kategorie:Kulturdenkmal in Bitterfeld-Wolfen Kategorie:Erbaut 1954 Bitterfeld