mini|hochkant=1.4| Hydrologische Dürre des Belesar-Stausees bei Portomarín, die älteren Brücken sind nur wegen des niedrigen Wasserstandes des Belesar-Stausees während der Trockenheit in Spanien im Sommer 2005 zu sehen mini|hochkant=0.9|Boden eines ausgetrockneten Sees

Dürre (wie mittelhochdeutsch dürre, ‚Trockenheit‘, auch ‚trocken‘Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 386 (dürre). und ‚dürr‘, von althochdeutsch durri und älter thurri ‚dürr‘, ‚trocken‘, verwandt mit „Durst“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 149 (dürr).) ist ein extremer, über einen längeren Zeitraum vorherrschender Zustand, in dem weniger Wasser oder Niederschlag verfügbar ist als erforderlich. Dürre ist nicht nur ein physikalisches Phänomen, sondern auch ein Wechselspiel zwischen der Verfügbarkeit und dem Wasserbedarf von Organismen. Dürre tritt oft in Gegenden auf, wo Kontinentalklima herrscht.

Nach einem Bericht der OECD vom 17. Juni 2025 nehmen aufgrund der globalen Erwärmung (Klimawandel) Dürren zu und Dürrezonen weiten sich aus.Global Drought Outlook. Bericht der OECD vom 17. Juni 2025.Zahl der Dürren nimmt zu – "Wasser ist keine Selbstverständlichkeit mehr." In: tagesschau.de, 17. Juni 2025.

Unterschieden wird häufig zwischen meteorologischer Dürre, hydrologischer Dürre, landwirtschaftlicher Dürre und sozio-ökonomischer Dürre.

Typologie von Dürreereignissen mini|Video: Vier Arten von Dürre

Im Allgemeinen werden vier Typen von Bedingungen als Dürre bezeichnet: Eine übersichtliche gut illustrierte Erläuterung zur Unterscheidung klimatischer Trockenheit, Bodentrockenheit, und hydrographischer Trockenheit (Niedrigwasser) siehe etwa , Tschechisches Hydrometeorologisches Institut (chmi.cz, auf Tschechisch). Meteorologische Dürre respektive klimatologische Trockenheit entsteht, wenn Niederschlag über einen längeren Zeitraum unterdurchschnittlich fällt. Hydrologische Dürre ist zu verzeichnen, wenn die Wasserstände der Gewässer unter einen Normalwert fallen (Niedrigwasser) und die Wasserreserven in den Seen, Wasserreservoirs oder Wasserspeichern unter den statistischen Durchschnitt fallen. Die Form ist die langfristigere Folge der meteorologischen Dürre. Bodentrockenheit und in Folge Landwirtschaftliche Dürre ist gegeben, wenn ein Wassermangel in der Wurzelschicht des Bodenprofils herrscht, und es zu wenig Wasser für eine durchschnittliche landwirtschaftliche Produktion von Nutzpflanzen gibt. Das kann an langedauernd zu wenig Niederschlag liegen, aber auch andere Gründe für absinkenden Grundwasserspiegel haben (wie zu hohe Entnahme, Verlagerung von Grundwasserströmen), aber auch ein prinzipielles bodenkundliches Charakteristikum eines Bodens oder Landstrichs sein (siehe auch Turgeszenz, Turgor; Welke). Sozio-ökonomische Dürre herrscht schließlich, wenn durch Wassermangel in Flüssen o. ä. Warentransportketten oder Energieversorgung eingeschränkt werden.Was verursacht Dürren und was kann man dagegen tun?. In: Deutsche Welle, 27. August 2022. Abgerufen am 28. August 2022. mini|Schwere von Dürren von 1901 bis 2008 Dürreperioden können regelmäßig auftreten, je nach Klimaprofil (Sommertrockenes Klima, Winterdürre usf., vergleiche Singularität), oder ein Ausnahmeereignis sein, das Wochen oder Jahre anhalten kann (Extremwetter), oder ein weitgehend permanenter klimatologischer oder regionaler Zustand (siehe etwa Wüstenklima, Versteppung, Karst, Inneralpines Becken), der sich in erdgeschichtlichem Maßstab wandelt. Eine Mischform ist das periodisch, aber unregelmäßig auftretende El-Niño-Phänomen, welches Überschwemmungen in Südamerika und Dürren in Afrika auslösen kann.

Zur Quantifizierung von Dürren gibt es verschiedene Systeme, etwa den Palmer-Dürre-Index.

Als Blitzdürre (flash drought) werden abrupt auftretende, schwer prognostizierbare Dürren bezeichnet, die durch eine Überschneidung mehrerer Extremwetterereignisse (z. B. hohe Temperaturen, kein Niederschlag, starke Winde) auftreten können.

Als Megadürre bezeichnet man eine über einen Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt anhaltende Dürre oder, allgemeiner, besonders intensive oder lang anhaltende Dürren.

Mögliche Folgen von Dürren Engpässe in der Wasserversorgung geringere Ernten, hohe Preise für die geernteten Güter weniger Viehfutter, hohe Preise für tierische Produkte Behinderung des Schiffsverkehrs wegen des niedrigen Wasserstandes.mini|Während einer Dürre verendete Oryxantilopen Engpässe in der Stromversorgung: Wasserkraftwerke können weniger Strom produzieren die Belieferung von Steinkohlekraftwerken per Schiff wird bei niedrigen Wasserständen aufwändiger (die Frachtschiffe können nicht voll beladen werden) Wärmekraftwerke müssen, vor allem im Sommer, ihre Leistung drosseln (zum einen haben sie mengenmäßig zu wenig Kühlwasser; zum anderen darf das Kühlwasser beim Zurückfließen in den Fluss nur eine gewisse Maximaltemperatur haben. Je wärmer das Wasser vor Entnahme schon ist, desto weniger Kühlleistung kann es erbringen). Waldbrand- und Flurbrandgefahr (potenziell: Flächenbrand) Bodenerosion Sand- und Staubstürme

Risikoanalyse Dürre Im Rahmen der vom deutschen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) durchgeführten Risikoanalysen im Bevölkerungsschutz wurde im Jahr 2018 die Risikoanalyse Dürre veröffentlicht., in: 19. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/9521, 12.04.2019 - Risikoanalyse Dürre.

Das analysierte Dürreszenario erstreckt sich über sechs Jahre und leitet sich aus der extremen Dürreperiode in Deutschland in den Jahren 1971 bis 1976 ab. Für dieses Ereignis wurde eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von etwa 450 Jahren abgeschätzt. Aufgrund von Hitzewelle und Kälteperiode wurde eine erhöhte Mortalität ermittelt. Die untersuchten Auswirkungen des Dürreszenarios auf kritische Infrastrukturen in Deutschland erbrachten eine Vielzahl von Hinweisen auf erkannte Defizite und Verbesserungsvorschlägen.

Im digitalen Dürreatlas können Daten wie beispielsweise das pflanzenverfügbare Wasser abgerufen werden.

Historische Dürren Liste historischer Katastrophen ZeitraumBeschreibungFolgen und Anmerkungen 22. Jahrhundert v. Chr. Katastrophale Dürre im östlichen Nordafrika und Teilen des mittleren Orients. Untergang des Alten Reiches in Ägypten und des Akkadischen Reiches in Mesopotamien.Karsten Schwanke, Nadja Podbregar, Dieter Lohmann, Harald Frater: Naturkatastrophen. Wirbelstürme, Beben, Vulkanausbrüche – Entfesselte Gewalten und ihre Folgen, Springer-Verlag Berlin und Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88684-6, S. 193 (Auflistung „historisch bedeutsamer Dürren“ ohne detailliertere Information und ohne Quellenangaben). Spätes 8. Jahrhundert v. Chr. Dürre in Griechenland. Möglicherweise Auslöser des Lelantischen Krieges zwischen Chalkis und Eretria 9. und 10. Jahrhundert Drei schwere, mehrjährige Dürreperioden im Abstand von 50 Jahren (um 810, um 860, um 910). Die Zivilisation der klassischen Maya kollabierte.1069EnglandDürre: fast 50.000 Menschen verhungerten. Viele mussten sich in Leibeigenschaft verkaufen, um zu überleben.1199 und 1202ÄgyptenDie jährliche Nilschwemme blieb aus. 100.000 Menschen verhungerten.1473Europa14-monatige Dürre in Europa 14731540EuropaElfmonatige „Megadürre“Oliver Wetter u. a.: The year-long unprecedented European heat and drought of 1540 – a worst case. In: Climatic Change, June 2014, doi:10.1007/s10584-014-1184-21669–1670IndienHungersnot in Bengalen 1770 – schätzungsweise etwa 10 Millionen Tote.1876–1877IndienDrei Millionen Menschen starben an Unterernährung, ebenfalls drei Millionen an Cholera. 36 Millionen Menschen waren insgesamt von der Katastrophe betroffen. 1930–1938 Drei Dürrejahre (1930, 1935, 1937) innerhalb eines Jahrzehnts in Nordamerika, die als Dust Bowl bezeichnet werden. Missernten, Entvölkerung einiger Landstriche im Mittleren Westen.1973–1983 Sahelzone Hungersnot in der Sahelzone – 2 Millionen Menschen starben an den Folgen von Unterernährung und Krankheiten.Andrew Robinson: Erdgewalten Erdbeben, Unwetter und andere Katastrophen. vgs Verlagsgesellschaft, Köln 1994, ISBN 3-8025-1280-4, S. 203–206. 2018–2020 Großflächigste Dürre in Europa mit der größten positiven Temperaturanomalie seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Dürre und Hitze in Europa 2018, Hitzewellen in Europa 2019, Temperaturanomalien im Jahr 2020

Heiße oder Dürrejahre in Deutschland 1473 gab es eine 14 Monate lang dauernde Dürre in West-, Mittel- und Osteuropa (Dürre in Europa 1473).

Die Dürre von 1540 wird von einigen Autoren als „die schlimmste Dürre des Jahrtausends in Deutschland“ beschrieben, von anderen wird diese These allerdings bezweifelt. Eine Untersuchung ergab, dass es in dieser Zeit über 11 Monate kaum regnete, ein Ereignis, das durch heutige Klimamodelle nicht simuliert werden kann. Die Temperaturen sollen fünf bis sieben Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts gelegen haben.

1857 hatte eine Dürre im Emsland erhebliche Auswirkungen.

Im 20. Jahrhundert gab es mehrere Jahre mit außergewöhnlich niedrigen Niederschlägen. Lt. den Wetterstatistiken war im Jahr 1911 der trockenste Sommer (mit 124,0 mm) und 1959 war das trockenste Jahr (mit 551,6 mm).Sylke Tempel und Tobias Kaufmann "Die Tagesschau - Das große Deutschlandbuch" Rowohlt Berlin, ISBN 978-3-87134-687-3, Seite 268 Daneben gab es noch zwei weitere Jahre, in denen es wegen zu geringer Niederschläge erhebliche Ernteausfälle gab: 1947 und 1976.Stephanie Hänsel, Andreas Hoy, Christoph Brendel, Maurizio Maugeri: Record summers in Europe: Variations in drought and heavy precipitation during 1901–2018. In: International Journal of Climatology. Oktober 2021, doi:10.1002/joc.7587

2003 war ein sogenannter Jahrhundertsommer. Etwa vom 1. bis 15. August 2003 gab es eine Hitzewelle in großen Teilen Europas.

In Deutschland war das erste Halbjahr 2011 extrem trocken.Vgl. monatliche Pressemeldungen des Deutschen Wetterdienstes, abrufbar als PDF unter:

Alle abgerufen am 3. September 2020

Das Wetter in den Monaten März, April und Mai („Frühjahr“) 2011 fasste der Deutsche Wetterdienst u. a. so zusammen: Abrufbar unter

„Mit 10,1 Grad Celsius zweitwärmstes Frühjahr seit 1881“ („2,4 Grad höher als der Klimawert von 7,7 °C“) „der sonnigste Frühling seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1951.“ (699 Stunden - gut 50 Prozent über dem langjährigen Mittel von 459 Stunden) „Extreme Trockenheit, besonders in der Mitte Deutschlands“ „Mit im Mittel spärlichen 88 Litern pro Quadratmeter (l/m²) - im Durchschnitt fallen sonst 186 l/m² - erlebte Deutschland den zweittrockensten Frühling seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren. Den meisten Regen erhielten noch die Gebiete am unmittelbaren Alpenrand. … Am trockensten war es im südlichen Rheinland-Pfalz, im nördlichen Baden-Württemberg, in Hessen, in Unterfranken und im südlichen Thüringen. … Vor allem die Landwirtschaft litt unter der großen Dürre. So waren die Wiesen zwar früh schnittreif, die Erträge an Heu und Gras-Silage aber nur gering. Das Getreide blieb im Wuchs zurück und zeigte Ende Mai deutliche Anzeichen der Notreife. Im Mai waren die Pegel der meisten deutschen Flüsse so niedrig wie seit etwa 100 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit.“ Eine weitere Trockenheit gab es im Herbst 2011. September und Oktober brachten unterdurchschnittliche Niederschläge; der November war gebietsweise der trockenste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.