mini|Pfarrkirche St. Bartholomäus von Südosten gesehen (Foto Mai 2021) St. Bartholomäus in Essen (Oldenburg) ist die Pfarrkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus Essen/Oldb., die dem Dekanat Löningen des Bistums Münster angehört.
Geschichte Die Pfarrei Essen wurde vermutlich zwischen 968 und 978 von Löningen (St. Vitus), der Urpfarrei des Hasegaues, abgepfarrt.Bau- und Kunstdenkmäler, S. 13 f. Über die früheren Kirchengebäude ist wenig bekannt. 1601 wurde die Kirche durch einen Brand zerstört, wovon eine Glockeninschrift berichtet.Bau- und Kunstdenkmäler, S. 88. Die jetzige Kirche wurde von 1870 bis 1875 nach Plänen des Architekten Johann Bernhard Hensen errichtet.Dehio, S. 457.
Architektur Die dreischiffige Hallenkirche wurde im Stil der Neugotik aus rotem Backstein erbaut. An das vierjochige Langhaus schließen sich ein Querschiff, ein Vorchorjoch und der eingezogene Chor mit Chorumgang und Fünfachtelschluss an. Das Obergeschoss des Turms ist achteckig. Der Innenraum ist durch Bündelpfeiler gegliedert.Dehio, S. 457 f.
Eine Besonderheit ist die von der üblichen Ostung abweichende Nord-Süd-Ausrichtung der Kirche, für die eine Sondergenehmigung benötigt wurde.
Ausstattung Die neugotische Kanzel aus Stein wurde 1880 von Fritz Ewertz aus Münster gefertigt, ein Schmerzensmann 1683 von Bernd Meiering aus Rheine. An den Pfeilern befinden sich Heiligenfiguren von Thomas Simon Jöllemann (vermutlich 1700) und Johann Heinrich König (vermutlich 1769). Eine Darstellung der Anna selbdritt von 1763 und weitere Heiligenfiguren werden Joseph Geitner zugeschrieben. Eine klassizistische Kreuzigungsgruppe von Georg Gerhard Wessel (1801) stammt vom ehemaligen Hochaltar.Dehio, S. 458.
Orgel mini|Orgel Die Orgel wurde 1888 von dem Orgelbauer Friedrich Fleiter (Münster) erbaut. 1928 wurde die Orgel durch Fa. Fleiter umgebaut, um Platz auf der Empore für den Chor zu schaffen. Die neugotische Gehäusefront wurde entfernt, das Orgelwerk wurde um 90 Grad gedreht in den Turmraum versetzt. 1982 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) restauriert und in den Ursprungszustand zurückversetzt. Bei der Rekonstruktion des Gehäuses orientierte man sich an anderen Instrumenten von Orgelbau Fleiter, da es keine Zeichnungen bzw. Fotos des entfernten ursprünglichen Gehäuses gab. Das Schleifladen-Instrument hat 34 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.Informationen zur Orgel
I Unterwerk C–f3 1. Quintatön 16′ 2. Lieblich Gedackt 8′ 3. Salicional 8′ 4. Vox coelestis 8′ 5. Principal 4′ 6. Flaut douce 4′ 7. Waldflöte 2′ 8. Nachthorn 1′ 9. Cornet IV 4′ 10. Clarinette 8′ II Hauptwerk C–f3 11. Principal 16′ 12. Bordun 16′ 13. Prinzipal 8′ 14. Viola da Gamba 8′ 15. Flaut major 8′ 16. Hohlflöte 8′ 17. Octav 4′ 18. Rohrflöte 4′ 19. Quinte ′ 20. Octav 2′ 21. Terz ′ 22. Mixtur IV ′ 23. Cymbel II ′ 24. Trompet 8′ Pedal C–f1 25. Contrebass 16′ 26. Subbass 16′ 27. Prinzipalbass 8′ 28. Violoncell 8′ 29. Quintbass ′ 30. Octavbass 4′ 31. Blockflöte 1′ 32. Posaune 16′ 33. Trompete 8′ 34. Clairon 4′ Koppeln: II/I, II/P. Tremulant (wirkt auf das gesamte Instrument)
Glocken Im 68 Meter hohen Turm von St. Bartholomäus hängen vier Bronzeglocken. Glocke 2 ist aus dem Jahr 1632 und wurde von Hinderich Ottnick gegossen. Die anderen drei Glocken wurden 1946 und 1950 von der renommierten Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen gegossen. Die große Glocke von 1950 ist gestimmt auf h°, die beiden kleineren Glocken (1946) auf fis′ und gis′. Das Geläute bildet das zweittontiefste Geläut im Oldenburger Münsterland.Gerhard Reinhold: Otto Glocken – Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, hier insbesondere S. 543 und 549.Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Diss. Radboud Universiteit Nijmegen, 2019, hier insbesondere S. 501 und 506 (online). Laut einer Ritzenzeichnung am Glockenstuhl stammt dieser aus dem Jahr 1882.
Nr. Name Gussjahr Gießer Durchmesser(mm) Nominal Anmerkungen 1 Christ-König 1950 Fa. Otto, Bremen-Hemelingen 1738 h0 Stundenschlag 2 Große Essener-Glocke 1632 Hinderich Ottnick, Osnabrück 1334 dis1 Gegossen wurde die Glocke vor Ort in Essen 3 Bartholomäus 1946 F. Otto, Bremen-Hemelingen 1098 fis1 4 Marien 1946 F. Otto, Bremen-Hemelingen 981 gis1 Viertelstundenschlag, Angelus
Literatur Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Oldenburg. III. Heft: Amt Cloppenburg und Amt Friesoythe, Neudruck der Ausgabe 1903, Osnabrück 1976, S. 87 ff. Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bd. 2: Bremen/Niedersachsen, Neubearb., München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 457 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Johann Bernhard Hensen Bartholomaeus Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Cloppenburg Kategorie:Kirchengebäude im Offizialatsbezirk Oldenburg Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Hallenkirche in Niedersachsen Kategorie:Bartholomäuskirche (Patrozinium) Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Niedersachsen Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Essen (Oldenburg)