Die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), in den Alpenländern umgangssprachlich auch als Tessinerpalme bezeichnet und verkauft, wobei sich diese auf die dortige Verbreitung als Neophyt bezieht, gehört zur Unterfamilie Coryphoideae in der Familie der Palmengewächse (Arecaceae).

In der Schweiz gehört die Hanfpalme, die dort ursprünglich als Zierpflanze kultiviert wurde, zu den invasiven Pflanzen, da sie einheimische Gehölze bedrängt. Sie wird dort daher in der Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz geführt20 Minuten: Hanfpalmen bedrohen den Schweizer Wald, 30. Januar 2015, abgerufen am 30. Januar 2015 und wurde zum 1. März 2024 in den Anhang 2.2 der Freisetzungsverordnung aufgenommen. Dadurch ist ihr Verkauf seit September 2024 verboten.

Geschichte Die nach dem englischen Forschungsreisenden Robert Fortune (1812–1880) benannte Chinesische Hanfpalme wurde erstmals 1712 vom deutschen Arzt und Japanreisenden Engelbert Kämpfer unter der japanischen Bezeichnung „Shuro“ erwähnt. Der schwedische Arzt Carl Peter Thunberg beschrieb 1784 die Chamaerops excelsa; unter diesem Namen wurde die heutige Hanfpalme bis 1861 geführt, als Hermann Wendland sie in die neu aufgestellte Gattung Trachycarpus stellte. 1830 kamen die ersten Hanfpalmen aus Japan (Dejima) durch den deutschen Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold als Samen nach Europa, und 1850 wurde die Palme noch unter dem Namen Chamaerops excelsa von Carl Friedrich Philipp von Martius ausführlich beschrieben. Bis 1931 trug sie den Namen Trachycarpus excelsa, seitdem lautet der korrekte botanische Name Trachycarpus fortunei, nachdem nachgewiesen worden war, dass Thunberg unter Chamaerops excelsa zwei Rhapisarten beschrieben hatte. Das Basionym Chamaerops fortunei hatte William Jackson Hooker 1860 in Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … Band 86 Tafel 5221 veröffentlicht. Hermann Wendland hatte die Art 1861 als Trachycarpus fortunei in Bulletin de la Société Botanique de France Band 8 Seite 429 in die Gattung Trachycarpus gestellt.

Beschreibung Habitus mini|Stamm mit Fasern

Trachycarpus fortunei ist eine mittelhohe Fächerpalme, die im Alter eine maximale Wuchshöhe von 12 bis 15 m erreicht. Der Stamm ist in der Jugend vollständig und später nur im oberen Teil dicht mit braunen Fasern bedeckt. Diese Fasern sind die Reste der Blattscheiden und der nach oben gerichtete Blattgrundreste. Die Blattbasen und Fasern bleiben sehr lange, manchmal fast das gesamte Pflanzenleben lang am Stamm haften, der bei erwachsenen Hanfpalmen einem Umfang von 70 bis 110 cm haben kann. Bei älteren Hanfpalmen ist aber oft zu beobachten, dass sich von der Stammbasis her die Blattbasen vom Stamm ablösen, sodass im Alter der untere Teil des Stammes häufig nackt ist. Es gibt auch Hanfpalmen, bei denen sich die Blattbasen schon frühzeitiger ablösen.

Der Stamm ist aufrecht und erreicht eine Höhe von 10 m oder auch mehr. Ab einer Stammhöhe von etwa 1 Meter erscheinen im Frühjahr entweder männliche oder weibliche Blütenstände. Der zylindrische Holzkörper hat einen Durchmesser von 15 bis 20 cm, ist aber vollständig von der Basis bis zur Stammspitze mit permanent anhaftenden Blattbasen besetzt, und zusammen mit dem dichten Geflecht aus ausgefransten Fasern beträgt der Stammdurchmesser 25 bis 35 cm.

Trachycarpus fortunei wird heute als Zierpflanze in vielen Gärten in Europa kultiviert und ist damit die am häufigsten ausgepflanzte Palme in Europa. Ihre Beliebtheit verdankt sie wohl dem Umstand, dass sie sich von allen hier getesteten Palmen als eine der robustesten Arten herausgestellt hat. Die Blattkrone kann aus 50 (und mehr) grünen Fächern bestehen. Nach und nach werden aber die ältesten Wedel im Laufe der Zeit von den Spitzen her gelb und vertrocknen. Die meisten Gärtner entfernen dann diese ältesten Wedel. Wenn diese eigentlich nun überflüssigen Blätter nicht der Schere des Gärtners zum Opfer fallen, verbleiben sie meist das ganze Palmenleben lang am Stamm, wobei die Blätter eine spiralförmig angeordnete Krone ausbilden. Daher nimmt die Krone der Trachycarpus fortunei ohne gärtnerische Eingriffe eine längliche Form an, oder besser gesagt, sie erscheint oben kugelförmig und verjüngt sich dann nach unten hin immer weiter, wobei sich die Blätter, je älter sie werden, mehr und mehr in Richtung des Stammes neigen.

Die Blattscheide bildet sich zurück zu einem Netz aus Fasern, das dann in ein dichtes Geflecht aus langen, groben, dunkelbraunen, haarigen Fäden übergeht. Aus der Öffnung der Blattscheide entspringt ein langer blättchenförmiger Anhang, der sich in dünne papyrusartige, braune Streifen von 15 bis 50 cm Länge aufteilt, die in großer Anzahl am zentralen Trieb erscheinen, nach unten hängen, und sich dann in hunderte hanfartiger Fäden auffasern. Auf der Rückseite der Blattbasis verbleibt in der Mitte ein dreieckiger verholzter Teil, der nach oben sich verjüngend, in die Petiole (den Blattstiel) übergeht.

Die Petiolen sind 0,5 bis 1,0 m lang, mit mehr oder weniger dreieckigem Querschnitt, die Oberseite ist glatt, die Unterkante ist stark gerundet; Breite etwa 2 cm, von der Basis bis zur Spitze beinahe gleichmäßig breit und sich am Blattansatz kaum vergrößernd, wo sich auf der Oberseite eine beinahe verholzte, halbmondförmige Zunge (Ligula oder auch Hastula) oder ein Kamm mit unregelmäßiger und gezahnter Umrandung befindet, die Petiolen sind an den Seiten scharfkantig und über die gesamte Länge hinweg mit spitzen Dornen oder Zähnen besetzt, die insbesondere zur Basis hin unterschiedlich groß sind, dort vermehrt vorkommen, bisweilen auch warzenförmig aussehen und in entgegengesetzte Richtungen weisen.

Blätter mini|Blatt der Chinesischen Hanfpalme im Detail

Die Krone setzt sich aus bis zu 50 Blattfächern oder mehr zusammen. Die Oberseite ist dunkelgrün und nur schwach glänzend, die Unterseite ist häufig bläulich-weiß bereift, insbesondere bei jungen Blättern. Die Blätter haben 40 bis 50 Segmente, mit einer Länge von 50 bis 90 cm, gemessen von der Hastula bis zur Spitze der mittleren Segmente. Die Blattspreite erreicht dadurch einen Durchmesser von 90 bis 160 cm und wird durch die Segmente in unregelmäßiger Abfolge tief gespalten, wobei aber alle 2 oder 3 Blattsegmente (manchmal auch 4) ein viel tieferer Einschnitt bis zu einer Tiefe von nur 10 bis 15 cm bis zur Hastula zu sehen ist. Die Segmente sind schwertförmig, ca. 3 cm breit und sich nur zum Ende hin verjüngend, dort etwa 2 bis 4 cm tief eingeschnitten, oder leicht zweigezahnt, mit kurzen divergenten Spitzen. Die seitlichen Segmente sind viel schmaler, viel kürzer und verjüngen sich stärker zur Segmentspitze hin. Alle Blattsegmente haben auf der Unterseite eine kräftige Mittelrippe, die an der Petiolenspitze entspringt, zur Segmentspitze hin aber immer dünner wird. Auf der Blattoberseite entspringen ebenso viele Rippen, die aber nicht so ausgeprägt sind wie auf der Blattunterseite, und die in recht unterschiedlicher Entfernung (10 bis 25 cm) von der Hastula in einer Art Schwiele in der Ausbuchtung zwischen den einzelnen Segmenten enden. Feine aber dennoch erkennbare, engmaschige Sekundärnerven sind im Abstand von ½ mm voneinander auf beiden Blattseiten nahezu gleich gut sichtbar.

Die Trachycarpus fortunei ist eine ziemlich variable Pflanze; einerseits gibt es aufgrund ihres großen geografischen Verbreitungsgebietes zahlreiche lokale Varianten, andererseits zeigt diese Pflanze eine beträchtliche Varianz je nach den Umständen, unter denen sie kultiviert wird. Tatsächlich wird demnach ein und dieselbe Pflanze an einem sonnigen und trockenen Ort einen untersetzten Stamm mit kurzen Petiolen und kürzeren, steifen und festen Blattsegmenten ausbilden. Transportiert man aber dieselbe Pflanze an einen kühlen, schattigen Ort, insbesondere an einen geschützten Ort mit Licht hauptsächlich von oben, wird diese dort schneller wachsen, die Wedel bilden längere Petiolen aus, und die Blattsegmente wurden länger und weicher, sodass sie sich schließlich unter ihrem Eigengewicht nach unten biegen. Diese Variabilität hatte früher zu der Auffassung geführt, dass es zwei eng miteinander verwandte, aber dennoch spezifisch unterscheidbare Arten gäbe, von denen die eine die wahre T. excelsa, und die andere die Trachycarpus fortunei sei. Es war und ist jedoch unmöglich, Merkmale zur Unterscheidung dieser beiden angeblichen Arten zu finden; zudem fand man heraus, dass sich beide „Arten“ aus den Samen ein und derselben Mutterpflanze entwickelten.

Blütenstände und Blüten mini|Männlicher Blütenstand mini|Weiblicher Blütenstand

Diese Palmenart ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), selten zwittrig.

Die männlichen Blütenstände wachsen zunächst aufrecht, dann deutlich gekrümmt und schließlich nach unten hängend. Sie sind 70 bis 90 cm lang, zur Hälfte aus einem dicken Stiel bestehend, rispenförmig, pyramidenförmig, mit drei bis vier Hauptverzweigungen. Nach der Blüte verwelken sie und trocknen aus, ohne abzufallen, sodass man an intakten Pflanzen häufig die Überreste der Blütenstände vergangener Jahre finden kann. Bei großen und starken Palmen erreicht der Stiel etwa den Umfang eines Handgelenks und ist von drei vollständigen Hüllblättern (Spatha) umgeben.

Die männlichen Blütenstände sind mit sehr dicht stehenden, auffallend gelb gefärbten Blüten besetzt, die Blütenstaub absondern. Die weiblichen Blütenstände sind hellgrün und weniger dicht mit Blüten besetzt. Früchte entwickeln sich nach der Bestäubung nur an den weiblichen Blütenständen, es sei denn, dass sich neben den männlichen Blüten auch noch zwittrige Blüten an den männlichen Blütenständen befanden.

Die männlichen Blüten verfügen über winzige, kleine, durchsichtige Brakteolen (Deckblätter). Die Blüten sind gelb, fleischig und während der Blüte entfernt kugelförmig-dreieckig, etwa 3 mm groß. Die Sepalen (Kelchblätter) sind unterschiedlich groß, eiförmig, oben spitz zulaufend, an den Rändern durchsichtig und makellos glatt. Die Petalen (Kronblätter) sind breit und eiförmig, doppelt so breit und viel länger als die Sepalen, konkav, stumpf, glatt und von der Mitte ab nach oben hin nicht überlappend, darunter bis zur Blütenbasis an den Rändern überlappend oder verzahnt: 6 gleich große Staubblätter (Stamen), mit freistehenden, fleischigen, beinahe spindelförmigen Staubfäden (Filamenten), die sich kurz unter der Spitze verjüngen und so lang wie die Petalen sind. Die Staubbeutel (Antheren) sind länglich-pfeilförmig, vor der Vollblüte (Anthese) gerade und aufrecht (nicht nach innen gebogen). Sie sitzen mittig an ihrer Unterseite auf den Filamenten. Sie sind biegsam und längsseitig tief eingeschnitten, an beiden Enden abgestumpft und an den Seiten geöffnet. Die Blüte hat drei Fruchtblätter (Karpelle) von leicht konischer Form, die ein wenig gekrümmt und auseinander laufend (divergent) sind. Sie sind haarlos und etwa halb so lang wie die Kronblätter.

mini|Männliche Blüte von Trachycarpus fortunei, Illustration Die weiblichen Blütenstände sind den männlichen sehr ähnlich und fleischig. Während der Blüte sind sie gespreizt, später nach dem Reifen der Früchte nach unten gebogen. Die Seitenäste sind gespreizt und beinahe waagerecht. Die weiblichen Blüten sind grünlicher als die männlichen, ansonsten diesen aber sehr ähnlich. Zum Zeitpunkt der Bestäubung ist sie kugelförmig und ca. 2 mm im Durchmesser, glatt und unbehaart.