Köritz ist ein Wohnplatz der Stadt Neustadt (Dosse) im Südwesten des Landkreises Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.
Lage Köritz liegt unmittelbar südöstlich des Kernstadtgebietes von Neustadt (Dosse). Weitere Nachbarorte sind Segeletz im Osten, Schönfeld, Neu Amerika und Hohenofen im Süden, Strubbergshof und Hauptgestüt im Westen und Spiegelberg im Nordwesten.
Durch Köritz führen die Bundesstraße 102 nach Rathenow und die Landesstraße 141 nach Dreetz. Nördlich des Ortes liegt die Bahnstrecke Berlin–Hamburg.
Geschichte Köritz wurde im Jahr 1305 als kuritz erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname ist von einem aus einer slawischen Sprache stammenden Wort für Baumrinde abgeleitet und bezeichnet einen Ort, in dem Bast verarbeitet wurde. Die Siedlungsform ist in ihrem Ursprung ein Kreuzangerdorf.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil II, Ruppin. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, S. 127. Köritz gehörte früher in der Historie zur Herrschaft Ruppin, dann bereits zu großen Teilen zur Herrschaft Neustadt, die das Dorf 1699 vollständig erwerben konnte. Der Ort war Erbpachtvorwerk im kurfürstlich-brandenburgischen Amt Neustadt an der Dosse. Ab 1524 lag Köritz im Ruppinischen Kreis. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag Köritz fast vollständig wüst, lediglich das Gut des ansässigen Adelsgeschlechtes von Kröcher stand noch. Nach 1687 wurde der Ort wieder aufgebaut, um 1800 zählte der Ort wieder über 600 Einwohner.Geschichte der Pfarrkirche Köritz., In: Amt Neustadt (Dosse), Stand 22. März 2020.
Von 1815 an gehörte Köritz zur preußischen Provinz Brandenburg. Nach der Preußischen Verwaltungsreform im April 1817 wurde der Ruppinische Kreis als Landkreis Ruppin weiter geführt. 1846 erhielt Köritz einen Bahnanschluss, was zu einem starken Bevölkerungswachstum führte. Mitte der 1850er Jahre wurde die Familie von Platen vertreten durch Frau von Platen als Gutsherrin.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. 1857. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 167. Im Jahre 1872 erfolgte nach der neuen Kreisordnung die Aufteilung in Amtsbereiche, und Kampehl kam zum Amtsbereich Köritz hinzu. Die frühere Verwaltung von Köritz hatte ihren Sitz in einem Haus gegenüber der Köritzer Kirche (Eck-Schulze). 1872 wurde ebenso das Amt Neustadt an der Dosse aufgelöst. Fast zeitgleich wurde in Brandenburg-Preußen die vormals eigenständige Gerichtsbarkeit der Gutsherren vom Staat übernommen. 1879 war das örtliche Gut weiter in der HandPaul Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. Mit Angabe der Besitzungen, ihrer Größe (in Culturart), ihres Grundsteuer-Reinertrages, ihrer Pächter, Industriezweige und Poststationen. I. Das Königreich Preußen. I. Lieferung: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1879, PDF, S. 154–155. der Familie von Platen mit Hauptwohnsitz in Mechow im Landkreis Ost-Prignitz. Als Pächter agierte Ober-Amtmann Fritz Stolle. Eigentlicher Eigentümer war Karl Hermann von Platen-Mechow auf Gantikow, der in Köritz geboren wurde und teils hier mit seiner zweiten, bürgerlichen Ehefrau, und den Kindern lebte.Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter. 1881. Jahrgang 6, Verlag von Buschak & Irrgang, Brünn/Wien November 1880, S. 451. 1910 hatten die von Platen das Rittergut an Emil Neubauer verpachtet.Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 8a: Provinz Brandenburg. 12. Ausgabe: 1910, Selbstverlag von C. Leuchs & Co., Nürnberg 1910, S. 284.
BereitsGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. Jg. 1, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 832. vor 1907 und im Jahr 1914 hieß der Gutsherr Otto von Wolf, seines Zeichens Geheimer Justizrat sowie Kammergerichtsrat.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Handbuch der Königlichen Behörden. 2. Auflage, In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 124–125. Er war verheiratet mit Agnes von Arnim-Gerswalde, sie hatten fünf Kinder. Sein Vater Carl von Wolf wurde 1865 in den preußischen Adelsstand erhoben und besaß in der Niederlausitz u. a. das Gut in Buchwäldchen bei Calau, Erbe wurde hier der Bruder, der Hofkammerrat Eugen von Wolf.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1921. Jahrgang 15, Justus Perthes, Gotha 1920, S. 932/933.
Am 30. September 1928 wurden die Landgemeinde Köritz und der gleichnamige Gutsbezirk zu der neuen Gemeinde Köritz vereinigt. Dadurch ergaben sich keine Änderungen am fiskalischen, kirchlichen oder gar privaten Besitz; lediglich waren die Gutsbezirke juristisch nun keine eigenständigen Ortschaften mehr. Um 1929/1930 war das Rittergit in der Hand der von Wolf`schen Erben. Die Funktion des Gutsverwalters übte Wilhelm Lange aus. Der Besitz beinhaltete samt dem Gnadenhof 457 ha..Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg: Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. 4. (vermehrte und verbesserte) Auflage, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher. Band VII, Selbstverlag von Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 101.
Zum 1. April 1938 erfolgte die Eingemeindung des südlichen Nachbardorfes Schönfeld. Bei der Bodenreform nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 221 Hektar Ackerland auf 89 Neubauern verteilt. Zu DDR-Zeiten gehörte der Ort nach einer Gebietsreform im Juli 1952 zum Kreis Kyritz im Bezirk Potsdam. Am 1. August 1954 wurde Köritz mit den Ortsteilen Gadenshof, Ihlenhaus, Schönfeld und Vogelsang nach Neustadt (Dosse) eingemeindet. Gadenshof ist heute eine Wüstung. Im gleichen Jahr gründete sich im Ort eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft des Typs I. Nach der Wiedervereinigung gehörte Köritz zum Landkreis Kyritz des Landes Brandenburg, der im Dezember 1993 im Landkreis Ostprignitz-Ruppin aufging.
Dorfkirche Köritz Die Dorfkirche Köritz wurde als Putzbau zwischen 1741 und 1743 errichtet.Wolf-Dietrich Meyer-Rath: Die Die Kirchen und Kapellen der Prignitz. Wege in eine brandenburgische Kulturlandschaft. Lukas-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-253-9, S. 140. Der quadratische Westturm mit geschweifter Haube wurde 1802 angebaut. Die Erweiterung des Querhauses mit neuen Fenstern erfolgte im Zuge eines Innenausbaus des Gebäudes im Jahr 1901. Damals veranschlagt waren und auch benötigt wurden 36.000 Mark. Die Innenausstattung kostete 5.700 Mark, die sächliche Bauleitung rund 2.100 Mark. Über eine anteilige Kostenübernahme seitens der Kirchenpatrone, zumeist ein Drittel, liegen keine belastbaren Erhebungen vor. Das Kirchenschiff wurde um 1970 als Winterkirche abgeteilt. 1996/97 wurde die Kirche restauriert.
Ursprünglich befand sich in der Kirche eine 1824 von Tobias Turley aus Treuenbrietzen gebaute Orgel,Vgl. Uwe Pape: Norddeutsche Orgelbauer und ihre Werke. Band 1: Friedrich Hermann Lütkemüller. 2. Auflage, In: Veröffentlichung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Orgeldokumentation (IAOD), 2; Selbstverlag, Berlin 2000/2001, ISBN 3-921140-54-4, S. 52.Vgl. Wolf Bergelt: Orgelreisen durch die Mark Brandenburg. Zweitauflage-Online-Ressource, BoD, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7431-5217-5, S. 61. die 1902 durch einen Neubau von Albert Hollenbach ersetzt wurde. Die Orgel wurde 2003 restauriert und ist die größte noch erhaltene Hollenbach-Orgel. In der Winterkirche steht eine Orgel von Friedrich Hermann Lütkemüller aus dem Jahr 1869, die sich zuvor in der abgerissenen Dorfkirche in Ganzer befand.Dorfkirche Köritz., In: Kirchenkreis Prignitz, Stand 22. März 2020.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner1875 13191890 14021910 1471 Jahr Einwohner1925 15551933 15401939 1604 Jahr Einwohner1946 25881950 2439 Gebietsstand des jeweiligen Jahres
Literatur Köritz, in: Köritz, In: Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil II: Ruppin. (Nachdruck/Neu-Auflage), Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, S. 127.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Neustadt (Dosse)) Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ersterwähnung 1305 Kategorie:Gemeindeauflösung 1954