mini|hochkant=1.2|Johanneskirche und Dreikönigskapelle vor dem Dom auf einem Stich von ca. 1678 St. Johann (alternativ St. Johannes der Täufer) in Augsburg war die alte Pfarr- und Taufkirche der Augsburger Dompfarrei. Das Gotteshaus stand unter dem Patrozinium des heiligen Johannes des Täufers. Das Patronatsfest wurde am Johannistag gefeiert. Die Ausgrabungen auf dem Domvorplatz legen eine weit über tausendjährige Baugeschichte offen: Sie beginnt bei den Fundamenten eines antiken, römischen Peristylhauses samt vermuteter frühchristlicher Taufstelle. Darüber entstand im Frühmittelalter eine karolingische Vorgängerkapelle mit Baptisterium, ehe im 10. Jahrhundert Bischof Ulrich einen ottonischen Kirchenbau stiftete. Nach der vorübergehenden Nutzung als evangelisches Gotteshaus im 16. Jahrhundert, verlor die Kirche ihre liturgische Funktion an den Dom. Um den heutigen Domvorplatz zu planieren, wurde die nach der Säkularisation profanierte Kirche 1808/09 vollständig abgebrochen. Die heute sichtbaren Fundamente sind ein geschütztes Bodendenkmal.

Vorgeschichte Die Kirchenruine St. Johann am Augsburger Dom steht direkt auf den überbauten Fundamenten eines antiken, römischen Peristylhauses. Es wurde im 2. bis 3. Jahrhundert im äußersten Süden von Augusta Vindelicorum an der Wehrmauer errichtet, nachdem die Siedlung das Stadtrecht zur Aelia Augusta erhalten hatte. Welche Rolle dieses Bauwerk im antiken Alltag spielte, lässt sich mangels eindeutiger Funde nicht rekonstruieren. Mutmaßlich anfangs als Villa rustica genutzt, könnte sich der Bau mit Eingangshof zum Wohnsitz eines wohlhabenden Händlers oder Herberge an der Römerstraße Via Claudia Augusta entwickelt haben. Durch Erweiterungen im 3. und 4. Jahrhundert wuchs das Anwesen zu einer stattlichen Villa heran. Die Anlage umschloss nun einen Innenhof und verfügte über ein eigenes Badehaus, einen Apsidenraum sowie ein Brunnenzimmer. Bis zum 5. Jahrhundert war das Bauwerk bewohnt. Ob der römische Brunnen als frühchristliche Taufstelle diente, lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Eine im 6. bis 7. Jahrhundert auf Teilen des Anwesens entstandene Kapelle mit Baptisterium wurde im 10. Jahrhundert abgetragen.

Johanneskirche mini|hochkant|Hl. Ulrich von Augsburg Der Überlieferung nach ließ Bischof Ulrich auf dem Friedhof des Mariendomes eine kreuzförmige Kirche mit fünf Altären und einem steinernen Taufbecken errichten, die er zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers weihte. Der Bericht über den Neubau stammt aus der Vita Udalrici. Die Quelle nennt jedoch keinen konkreten Zeitpunkt. Die moderne Forschung datiert das Gebäude aufgrund des historischen Kontextes wahrscheinlich in den Zeitraum zwischen 956 und 960:

Wie ein anderer Textabschnitt schilder, zelebrierte der gesundheitlich angeschlagene Bischof Ulrich wenige Tage vor seinem Tod am Hochfest der Geburt Johannes des Täufers 973 in der Kirche St. Johannes Baptist seine letzten beiden Gottesdienste:

Archäologisch handelte es sich bei dem Bau aus der Zeit Bischof Ulrichs um einen einfachen, einschiffigen, rechteckigen Saalbau aus der Mitte des 10. Jahrhunderts. Die Chronologiekritik sieht daher in der Erwähnung einer kreuzförmigen Johanneskirche eine falsche zeitliche Zuordnung. Sie geht von einer Entstehung oder Überarbeitung der Vita Udalrici im 11. oder 12. Jahrhundert aus. Meisegeier nimmt an, dass man mit Aufkommen der Marienverehrung das alte Patrozinium Johannes des Täufers in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vom Dom auf einen für diesen Zweck angelegten Neubau auf der Südseite übertrug. Auch die Mauerwerksstruktur von St. Johann sprach für eine Errichtung im 12. Jahrhundert. Das sehr alte Marienpatrozinium der Kathedrale reicht jedoch nachweislich bis in das Jahr 822 zurück. Es spiegelt das typische frühmittelalterliche Doppelpatrozinium von Bischofs- und Taufkirche wider, die traditionell mit Johannes dem Täufer verknüpft war. Möglicherweise bezog sich die Vita Udalrici mit der Erwähnung der Kirche in Kreuzform auch auf einen kreuzförmigen Altar.vgl. Kayser, Scheumann, S. 135mini|Die Domkirche in Augsburg mit Johanneskirche ganz außen auf einer Zeichnung ca. Mitte 18. Jahrhundert St. Johann diente über Jahrhunderte als Seelsorgekirche der Augsburger Dompfarrei. Als geistliches Zentrum der Gemeinde war im Mittelalter den Laien St. Johann und den Klerikern der Dom vorbehalten. Seit der Zeit ihres Stifters Bischof Ulrich wurde in der Kirche jährlich das Patroziniumsfest gefeiert, auch nachdem sie ihre liturgische Bedeutung an den Dom verlor. Der Augsburger Stadtpfleger Konrad Minner stiftete 1356 auf dem Domfriedhof neben St. Johann die Dreikönigskapelle die seiner Familie als Grabstätte diente inkl. einem Kaplan. 1505 rief der Domklerus in der Kirche die Sebastiansbruderschaft ins Leben. 1527 gründete man dort außerdem eine Dreifaltigkeitsbruderschaft. In der Reformationszeit nutzte auf Druck des Stadtrates ein lutherischer Geistlicher die Kirche St. Johann. In Folge verlagerte sich die katholische Frühmesse von 1534 bis 1548 in den Dom. 1535 hielt in der Johanneskirche der Theologe Martin Bucer eine Predigt.vgl. Kayser, Scheumann, S. 139 Auch nach der Reduktion fand der Gottesdienst dauerhaft in der Augsburger Domkirche statt. St. Johann blieb zwar die offizielle Taufkirche der Dompfarrei, wurde aber nur noch selten genutzt.vgl. Kayser, Scheumann, S. 141

Abbruch und Ausgrabungen mini|Archäologisches Feld am Domplatz Die nach der Säkularisation profanierte Kirche musste 1808/09 zur Schaffung eines Waffenübungsplatzes weichen. Das gleiche Schicksal ereilte zuvor der 1801 devastierten Dreikönigskapelle. Laut einem Steuerkatasterplan von 1810 war der Fronhof zu diesem Zeitpunkt vollständig planiert und nur noch wenige lebende Personen konnten Angaben über die dort gestandenen Gebäude machen. Der historische Verein ließ mit Genehmigung der königlichen Kommandantschaft 1860 erste Ausgrabungen auf dem Areal vornehmen. Zweck war der Nachweis der von Bischof Ulrich 956 erbauten Johanneskirche. In den Jahren 1928 bis 1930 wurden die Kirchenmauern systematisch freigelegt und die Fundamente für eine dauerhafte Sichtbarkeit konserviert. Archäologen untersuchten 1997 noch einmal die Überreste der Johanneskirche sowie des römischen Peristylhauses aus dem 2. oder 3. Jahrhundert, das sich direkt unter den Kirchenfundamenten befindet. Dabei wurden auch die im Boden verborgenen Fundamente des römischen Peristylhauses an der Oberfläche durch Pflastersteine nachgebildet.Regio Augsburg Tourismus: Römerstadt Augsburg . Römerfunde und Römerstraßen (Werbebroschüre) Ein Plan des Bistums sieht vor, den Domplatz städtebaulich umzugestalten, um die Johanneskirche wieder erfahrbar zu machen.

Johannesaltar Von der ursprünglichen Ausstattung existiert heute noch der sogenannte Johannesaltar, den der Maler Hans Burgkmair der Ältere im Jahr 1518 für die Kirche St. Johann erschuf. Das später veränderte Renaissance-Triptychon, das auf dem linken Flügel den heiligen Erasmus von Antiochia, auf dem Mittelteil den Evangelisten Johannes auf Patmos und auf dem rechten Flügel den heiligen Martin von Tours zeigt, wurde vor 1630 vom bayerischen Kurfürsten Maximilian I. gekauft. In Folge nach München gekommen befindet sich der Flügelaltar heute in der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek München.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Johann Kategorie:Augsburg-Innenstadt, St. Ulrich–Dom Johann

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