mini|Corona-Party in Kopenhagen, Dänemark
Der Ausdruck Corona-Party etablierte sich während der COVID-19-Pandemie als Schlagwort zur Bezeichnung eines geselligen Beisammenseins trotz bzw. wegen einer staatlich verordneten Massenquarantäne („Lockdown“). Dabei ist unerheblich, ob sich die Gruppe in Clubs, privaten Wohnbereichen oder an öffentlichen Plätzen trifft. Die Berichte nennen als Teilnehmer häufig Jugendliche, die sich aufgrund der allgemeinen Schulschließungen zu Partys treffen, statt zu Hause zu bleiben. Polizeiberichte und Massenmedien verwenden die Bezeichnung teils in Anführungszeichen. Politiker kritisierten solche Ereignisse scharf. Sie wurden als Verstöße gegen die erlassenen Corona-Verordnungen auch sanktioniert.
Beispiele Es gibt gelegentliche Polizei- und Medienberichte über „Corona-Partys“. Statistiken zur Gesamtzahl oder Häufigkeit bzw. wissenschaftliche Studien liegen bislang nicht vor. In den Medien gibt es ferner Aussagen von Partyteilnehmern, die ihr Verhalten im Nachhinein bedauern, so das Beispiel eines deutschen Austauschstudenten in ItalienBento: Appell eines Erasmus-Studenten aus Italien: Macht es besser als ich, 13. März 2020, abgerufen am 21. März 2020. sowie von Studenten einer Stuttgarter WG.Bild.de: Wir schämen uns für unsere Corona-Party, 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
Bereits vor den strengeren Maßnahmen, wie den Schließungen von Schulen und Gaststätten, gab es Infektionen in Clubs.17 von 48 Berliner Coronavirus-Infizierten besuchten Club „Trompete“, 10. März 2020, abgerufen am 21. März 2020. Laut der Website der Bundeshauptstadt (15. März 2020) gab es in Berlin 263 Infektionen mit dem Coronavirus. Davon gingen 42 auf Veranstaltungen in einem Club zurück.Berlin.de: , 15. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
Die Schwäbische Post berichtete am 19. März 2020 von etwa 40 Jugendlichen, die sich in Heubach getroffen hätten. Die Party sei kurz vor 15 Uhr von einem Anrufer gemeldet worden. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an und belehrte die Jugendlichen, die sich einsichtig gezeigt und den Ort freiwillig verlassen hätten., 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
Am 19. März 2020 informierte die Polizei, dass sie in mehreren Städten Baden-Württembergs Corona-Partys beendet haben. Die Jugendlichen seien zwischen 15 und Anfang 20 gewesen. Die meisten hätten sich einsichtig gezeigt. Man feiere auf Schulhöfen, Grillplätzen und in Parks. Polizeipräsident Reinhard Renter bat die Erziehungsberechtigten, auf ihre Kinder einzuwirken.Badische Neueste Nachrichten: , 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
Laut Süddeutsche.de (19. März 2020) hat die Polizei im Fünfseenland (zu dem der Starnberger See gehört) nicht nur Corona-Partys aufgelöst. Nach Hause geschickt wurden auch grillende Jugendliche sowie Mütter mit Kindern auf Spielplätzen. Die Polizei ermahnte Gastwirte, die ihr Lokal nicht spätestens um 15 Uhr schlossen, und eine Lottoladen-Inhaberin, deren Geschäft noch nach 17:30 Uhr geöffnet hatte. Ein Wirt am Starnberger Seebahnhof hatte seine Gäste erst gegen 20:15 Uhr dazu aufgefordert zu gehen. Die Polizei war nachsichtig, da die strengeren Bestimmungen erst am 18. März 2020 in Kraft getreten waren. Grundsätzlich können aber Anzeigen erstattet und Geldstrafen verhängt werden.Christian Deussing: Polizei sprengt mehrere Corona-Party, Süddeutsche Zeitung vom 19. März 2020, abgerufen 2020.
Ebenfalls am 20. März 2020 berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dass die Polizei in den vergangenen Nächten immer wieder solche Partys aufgelöst habe. Einige junge Teilnehmer sagten dem Fernsehsender, sie fühlten sich gesund und glaubten, dass keiner von ihnen das Coronavirus habe. RBB zufolge verabreden die jungen Leute sich über Facebook für „Coronaferien-Partys“. Bestimmte Orte in Berlin seien besonders beliebt.RBB24.de: Berliner Polizei zählt fast 100 Verstöße gegen Corona-Regeln – Nach wie vor laufen Corona-Partys, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020. Beispielsweise am 9. April löste die Polizei in Mannheim eine „Corona Party“ von fünf Männern in einer Gaststätte auf.Fünf Männer feiern „Corona-Party“ mit Marihuana, Die Rheinpfalz vom 10. April 2020, abgerufen am 10. April 2020.
Der ORF berichtete über ein Treffen mit lauter Musik von vier Männern am Samstag, 21. März 2020 in einem Vereinslokal in Heiligenkreuz am Waasen. Die Polizei löste die Feier auf und zeigte die Männer an. Der teilnehmende steirische Landtagsabgeordnete Gerhard Hirschmann (FPÖ) wurde parteiintern und von Seiten anderer Parteien scharf kritisiertFPÖ-Abgeordneter feierte „Corona-Party“, orf.at, 22. März 2020, abgerufen am 22. März 2020. und legte daraufhin sein Landtagsmandat nieder. Das Strafverfahren gegen Hirschmann wurde eingestellt. Ebenfalls für Empörung sorgte im April 2020 ein als „Poolparty, die 38.“ durch die Medien gegangenes Video, bei dem Unternehmer in einem privaten Schwimmbecken feierten und die Kurzarbeit verhöhnten. Der Staatsanwalt stellte ein halbes Jahr danach das Verfahren ein, da sich die Corona-Gesetze nicht auf den Privatbereich erstreckt hatten. Allerdings gab es unmittelbar nach dem Vorfall einen Rücktritt aus einer leitenden Funktion in einem Gesundheitsbetrieb.Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Unternehmer feierten Corona-Party, Kurier vom 25. April 2020Staatsanwalt stellt Verfahren gegen Feiernde ein, Kleine Zeitung vom 4. November 2020
Im August 2020 wurde bekannt, dass Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) mit einer privaten Feier anlässlich seiner Wiederberufung ins Amt im Juni 2020 gegen die zu diesem Zeitpunkt geltende Corona-Eindämmungsverordnung des Senats, dem er selbst angehörte, verstoßen und damit eine Ordnungswidrigkeit begangen hatte. Die zuständige Behörde verhängte gegen Grote ein Bußgeld in der Höhe von 1.000 Euro, das dieser umgehend zahlte, um seine Schuld einzugestehen. Oppositionsvertreter in Hamburg kritisierten Grotes mangelndes Verantwortungsbewusstsein sowie seine politische Unglaubwürdigkeit als Innensenator und forderten seinen sofortigen Rücktritt oder seine Entlassung durch den Ersten Bürgermeister und Regierungschef Peter Tschentscher (SPD). Dem kamen weder Grote noch Tschentscher nach.Corona-Bußgeld für Innensenator Grote, Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 5. August 2020.
Im Dezember 2020 wurde eine Party in Wien-Hietzing von der Spezialeinheit WEGA gestürmt, nachdem sich Jugendliche eine Villa gemietet hatten.Jugendliche mieteten sich eigens Haus für Corona-Party, Kleine Zeitung, 27. Dezember 2020.
In Frankreich und Spanien kam es zum Jahresbeginn 2021 zu illegalen Rave-Partys mit ca. 2.500 bzw. 1.000 Teilnehmern. Das sorgte für Empörung im Land. Kritik gab es dabei auch an der Polizei, die in beiden Fällen die Party erst am nächsten Tag beendete.Frankreichs Polizei löste Rave-Party mit 2.500 Teilnehmern auf, der Standard, 2. Jänner 2021Nach illegalem Rave: Spanien verschärft Maßnahmen, orf.at, 3. Jänner 2021Riesige Rave-Partys in der Bretagne und in Barcelona aufgelöst, Wiener Zeitung, 2. Jänner 2021
Für mediales Aufsehen sorgte eine Adresse in Wien, an der innerhalb weniger Tage zwei Partys mit Drogen und illegalem Glücksspiel stattfanden.Wieder illegale Party in Liesing, orf.at, 23. Jänner 2021 Ebenfalls kam es in Österreich zu vorzeitigen Faschingsfeiern, die von der Polizei aufgelöst wurden.Corona-Party in Faschingswagen endet mit Anzeigen, Kronen Zeitung, 24. Jänner 2021Polizei löst Faschingsparty in Wirtshauskeller auf, Kronen Zeitung, 24. Jänner 2021 Dienstliche Konsequenzen gab es für fertig ausgebildete Soldaten, die trotz Verbots in einer Kaserne in Güssing eine Abschlussfeier veranstalteten, von der Videos mit sexuellen Handlungen an die Öffentlichkeit kamen.Trotz CoV: Soldaten feiern Party in Kaserne Güssing, orf.at, 29. Jänner 2021 Einer der Beteiligten beging daraufhin Suizid, was zu Kritik an der Reaktion der Heeresleitung führte, der auch Homophobie vorgeworfen wurde.Homophobie im Bundesheer? Für das Ministerium "kein Thema", der Standard vom 10. Februar 2021
Rechtliches Die rechtliche Beurteilung einer Feier hängt vom Rechtskreis ab.
Österreich In Österreich kam es zu Beginn der Pandemie unter anderem darauf an, ob die Feier im öffentlichen Raum oder auf einem Privatgrundstück abgehalten wurde. So berichtete die Wiener Zeitung, dass die österreichischen COVID-19-Verordnungen keine Grundlage dafür abgäben, eine Party auf Privatgrund zu untersagen. Wenn gegen eine solche Feier vorgegangen werde, hieß es aus dem Innenministerium, dann wegen anderer Gründe wie Lärmbelästigung.Covid-Gesetz geht an Höchstgericht, 2. April 2020, abgerufen am 15. April 2020. Der Verfassungsrechtler Andreas Janko sah in der damaligen Verordnung ebenfalls eine Regelungslücke: Eine Corona-Party etwa sei verantwortungslos, aber nicht immer verboten: Wer zum Beispiel Mitbewohner in einem Mehrparteienhaus aufsucht, muss dafür keinen öffentlichen Ort durchqueren.Kurier: Party unter Nachbarn nicht verboten, aber „verantwortungslos“, 7. April 2020, abgerufen am 15. April 2020. Mit den Maßnahmen im Februar 2021 wurden in der Covid-19-Virusvariantenverordnung keine Unterschiede mehr zwischen privatem und öffentlichem Raum gemacht: Es wurde beschlossen, eine Ausgangssperre von 20 bis 6 Uhr einzuführen und die maximale Anzahl von Haushalten, die sich treffen dürfen, auf zwei zu reduzieren, wobei nur vier Erwachsene und sechs Kinder anwesend sein dürfen.
Niederlande Auch niederländischen Zeitungen zufolge gab es Undeutlichkeit darüber, was genau verboten ist. So gebe es nur eine Empfehlung des Kabinetts, nicht mehr als drei Gäste Zuhause zu empfangen. Für sie gelte die Abstandsregel von anderthalb Metern. Justizminister Ferdinand Grapperhaus kommentierte, dass man kein größeres Fest feiern solle, wenn die Wohnung für den Abstand zu klein sei. Die Polizei habe, so das Algemeen Dagblad, nicht das Recht, ein Haus (zur Kontrolle) einfach so zu betreten.Algemeen Dagblad: Kan de politie binnenvallen op mijn verjaardag? Negen vragen over het nieuwe coronabeleid, 24. März 2020, abgerufen am 15. April 2020.
Motive Laut FAZ lassen sich einige Menschen
Wer sich jetzt bewusst anstecke, sei dann immun, so die Idee. Forscher sagten schließlich, dass das neue Virus bei gesunden Menschen unter 60 Jahren meist keinen großen Schaden anrichte. Jedoch, so die NZZ: „In seltenen Fällen können auch junge Menschen schwer erkranken oder sterben, und durch solches Verhalten gefährdet man die Risikogruppen.“NZZ: Auf keinen Fall sollte man jetzt eine Corona-Party veranstalten, 16. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
Die Sozialpsychologin Margarete Boos erklärte dem NDR gegenüber, dass Menschen soziale Bedürfnisse hätten, die nicht leicht kontrolliert werden könnten. Wenn Menschen glaubten, dass ihre Freiheit beschränkt werde, könnten sie unreflektiert mit Trotz reagieren. Gerade jungen Menschen falle es schwer, die Erfüllung von Wünschen zurückzustellen. Außerdem nähmen sie mehr Risiko in Kauf als Ältere.NDR.de: Corona-Partys: Ist manchen die Gefahr nicht bewusst?, 22. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
Reaktionen Der Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, warnte vor „Coronapartys“ in den eigenen vier Wänden. „Bitte tun Sie das nicht. Schränken Sie das gesellschaftliche Leben ein.“Tagesschau.de: RKI warnt vor „Coronaparty“, 16. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am 19. März 2020: „Wir haben Nachrichten bekommen, dass es Corona-Partys gibt bei Jugendlichen […]“. Er verwies darauf, dass man Eltern und Großeltern anstecken könne – „wer möchte denn dafür verantwortlich sein?“Merkur: Coronapartys in Bayern: Ministerpräsident Markus Söder warnt, 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020. Schon zwei Tage zuvor hatte er bemerkt: „Sorry, aber das geht gar nicht […]. Das ist eine wirkliche Gefährdung.“Polizei beendet „Corona-Partys“ in Franken – Söder empört, Welt Online, 17. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.