mini|300px|Karte des Amtes Düben (oben, rot) aus dem Jahr 1759 Das Amt Düben war eine im Leipziger Kreis gelegene territoriale Verwaltungseinheit des Kurfürstentums Sachsen. Bis zur Abtretung an Preußen im Jahr 1815 bildete es als sächsisches Amt den räumlichen Bezugspunkt für die Einforderung landesherrlicher Abgaben und Frondienste, für Polizei, Rechtsprechung und Heeresfolge. Verwaltungssitz war die Burg Düben.
Geographische Lage Das Amt Düben lag im Norden des Leipziger Kreises. Es wurde im Südwesten von der Mulde tangiert.
Das Territorium des früheren Amtes Düben ist heute geteilt. Der Südteil mit Düben, Durchwehna, Authausen und Görschlitz gehört zum Landkreis Nordsachsen im Freistaat Sachsen, der nördliche Teil mit der Dübener Heide und den Orten Schwemsal, Schwerz, Söllichau und Tornau gehört zu den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg im Bundesland Sachsen-Anhalt.
Angrenzende Verwaltungseinheiten Das Amt Düben grenzte im Osten an das Amt Torgau, im Süden an das Amt Eilenburg, mit dem es zeitweilig verbunden war, gegen Westen an die beiden Ämter Delitzsch und Bitterfeld und nach Norden an das Amt Wittenberg.
Geschichte Das Amt Düben entstand in den 1390er Jahren aus einer an die Markgrafen von Meißen gelangten Herrschaft der Herren von Querfurt und gehörte fortan zum Leipziger Kreis.
Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt zur ernestinischen Linie der Wettiner. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 war es in Besitz der Albertiner.
Infolge der sächsischen Kollaboration mit dem französischen Kaiser Napoléon Bonaparte wurde das Amt Düben 1815 durch den Wiener Kongress Preußen zugeschlagen. Es wurde in den Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen integriert.
1785 ist das Amt in Justiz- und Rentamt geteilt und seitdem zusammen mit dem Amt Eilenburg verwaltet und verpachtet worden.
1857/60 wurde das Amt aufgelöst und ins Forstamt eingegliedert. Lediglich ein Amtsgericht unter einem Kreisrichter und die Forstkasse unter einem Forst-Rendanten verblieben bis 1944 in den Amtsgebäuden.
Entstehung des Amtes um 1383–1406 In den Wirrungen um den Falschen Woldemar in den 1350er Jahren konnten die wettinischen Markgrafen von Meißen die Burg und die Stadt Düben von den Askaniern erobern und an sich ziehen.Vgl. Woldemar Lippert, Wettiner und Wittelsbacher sowie die Niederlausitz im XIV. Jahrhundert. Ein Beitrag zur deutschen Reichs- und Territorialgeschichte, Dresden 1894, S. 81–84, S. 252, Nr. 43 (1353 Belagerung und Gefangenenaustausch); Johann E. A. Martin (Hg.), Urkundenbuch der Stadt Jena und ihrer geistlichen Anstalten, Band 1: 1182–1405 (Thüringische Geschichtsquellen 6 / NF 3), Jena 1888, Bd. 1, S. 246, Nr. 260 (1354 Landgrafen von Thüringen liegen erneut ante Dybin); Nennung der Burgen Düben, Gräfenhainichen und Kleutsch als Besitzungen der Wettiner in Schutz und Beistandspakten mit Kaiser Karl IV. SächsHStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 03520 (1358) und ebd., Nr. 04036 (1372). Aus Geldnöten versetzten die Wettiner die Besitzungen in den folgenden Jahren immer wieder, so gelangte Düben samt Umland 1483 an die Herren von Querfurt, die dort eine eigene Dübener Herrschaft mit Lehn der askanischen Herzöge von Sachsen formten.Vgl. Markus Cottin, B. Querfurt, in: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Bd. 15.IV: Grafen und Herren, Ostfildern 2012, S. 1134–1147, hier S. 1135 f.; Jan Brademann, A. Querfurt, in: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich - Band 15.IV: Grafen und Herren, Ostfildern 2012, S. 1128–1134, hier S. 1130. Die askanischen Herzöge zu Sachsen beanspruchten in der Vogtei bzw. den Gerichten zu Düben (Dyben) die Lehnshoheit über Durchwehna, Wölknitz, Nassendeupzig, Holzgloss, Goptitz und Schwerz; LATh-HStA Weimar, EGA, Kopialbuch B 1, fol. 19v. Zur Herrschaft um den Burgward Düben gehörten in den 1390er Jahren die Dörfer Söllichau, Tornau, Durchwehna (askanisches Lehn), Kossa, Schwemsal und Authausen sowie die später wüst gefallenen Siedlungen Watschwitz, Groß-Dreiseil, Holzglos, Kirch(g)los (askanisches Lehn), Gleina, Nassen Deupzig (askanisches Lehn) und Wölknitz (askanisches Lehn).SächsHStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 04851 (1394 März 17./18.). online Bereits 1394 mussten die Querfurter Teile ihrer Dübener Besitzungen an die Herren von Eilenburg sowie an Bürger zu Torgau und den Pfarrer zu Düben verpfänden.
1396 konnten die meißnische Markgräfin Elisabeth von Mähren (um 1355–1400), in der sächsischen Chronistik als Ludmilla geführt, eine Hälfte der Dübener Herrschaft (huse zcu Dyben unde an andern gutern unde zcugehorungen) für 800 Schock Groschen erwerben.Hubert Ermisch, Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1396–1406 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 2), Leipzig 1902, S. 13, Nr. 28 (LATh-HStA Weimar, EGA, Reg. Rr, fol. 448, IV, M 13), S. 24 f, Nr. 48 (SächsHStA Dresden, 10005 Hof- und Zentralverwaltung [Wittenberger Archiv], Loc. 4333, fol. 107v), vgl. weiterhin die Quittung Bothos Sächs-HStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 04954. Der meißnische Markgraf Wilhelm I. (1343–1407) ließ ihr 1397 die Dübener Besitzungen und zugleich jene in Elsterberg, Mühldorf, Gleißberg und Zörbig als Leibgut und Wittum im Fall seines Todes garantieren.Hubert Ermisch, Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1396–1406 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 2), Leipzig 1902, S. 58, Nr. 100 (Sächs-HStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 4998); online. Doch erst 1406 konnte Markgraf Wilhelm I. auch die Ansprüche der Nachfahren von Gebhart XII. von Querfurt († 1402) auf die zweite Hälfte der Herrschaft bzw. des Schlosses Düben für 1000 Schock Groschen ablösen.Hubert Ermisch (Hg.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1396–1406 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 2), Leipzig 1902, S. 491 f., Nr. 700 (LATh-HStA Weimar, EGA, Reg. Rr, fol. 448,IV M 15); online.
Der Markgräfin gelang es bis zu ihrem Tod im Jahr 1400 erste lokale Verwaltungsstrukturen eines Amtes zu etablieren. Für die Jahre 1400 bis 1402 hat sich die älteste Dübener Geleitsrechnung erhalten.LATh-HStA Weimar, EGA, Reg. Cc 620. Ein erstes Rechenregister der Ämter Delitzsch, Düben und Zörbig aus dem Jahr 1404 ist in Dresden als Kriegsverlust notiert, liegt aber nachweislich im Moskauer „Zentrum für die Aufbewahrung historisch dokumentarischer Sammlungen“ im Gebäude des Russischen Staatlichen Militärarchivs (RGWA).SächsHStA Dresden, 10005 Hof- und Zentralverwaltung (Wittenberger Archiv), Loc. 4333/05: "Eyn rechen register Ampts Deliczsch, Diben, Zcorbegk belangend. Registrata Martinus Rotleben, Cuntz Rumpff" von 1404 (online). Christian Hesse konnte die Akte in den Beständen des Moskauer Militärarchiv ausmachen (CChlDK Moskau, 1524-1-40; online); vgl. Christian Hesse, Amtsträger der Fürsten im spätmittelalterlichen Reich. Die Funktionseliten der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen, Sachsen und Württemberg 1350–1515 (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 70), München 2005, S. 863. Aus ebendort befindlichen Akten kann für 1422 auch der Name eines Dübener Vogtes erschlossen werden (vgl. die Liste unten).Hesse, Amtsträger 2006, S. 629, Nr. 2478 nach CChIDK Moskau, 1524-1-48, fol. 2v = SächsHStA Dresden, 10005 Hof- und Zentralverwaltung (Wittenberger Archiv), Loc. 4333/08 (online).
Die Askanier hielten bis in die 1420er Jahre ihre Ansprüche auf einige Dörfer im Amt Düben aufrecht. Neben den oben schon genannten Orten, beanspruchten sie in der Vogtei bzw. den Gerichten Dübens das Dorf Schwerz und das wüste Dorf Goptitz bzw. Koptitz.LATh-HStA Weimar, EGA, Kopialbuch B 1, fol. 19v. In einer Schlichtung vom 30. Mai 1421 wurde bestimmt, dass diese Dörfer von den wettinischen Vögten und Pfandherren zu Düben als Lehn von den Herzögen von Sachsen zu erbitten waren.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941 S. 82–85, Nr. 138 (SächsHStA Dresden, Org. Urk. 5845; ebd., Org. Urk. 5846; LATh-HStA Weimar, EGA, Reg. D 461). Mit dem Aussterben der Wittenberger Linie der Askanier 1422 und dem Übergang des sächsischen Herzogtums und der Kurwürde an die Wettiner 1423 waren diese Bestimmungen obsolet.
Verpfändungen und Besitzwechsel 1401–1478 Nach dem Ableben seiner Gemahlin nutzte der stetig Fehden und Kriege führende Markgraf Wilhelm I. das Amt Düben als Pfandobjekt für ausstehende Zahlungen. Bereits 1402 verpfändete er das Amt Düben für 2.600 Gulden an seinen Marschalk Günther von Bünau den Älteren, Ahnherr der Linie Droyßig. Dieser sollte die Untertanen bei den alten Rechten belassen und 112 Gulden am Schloss verbauen.Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1396–1406 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 2), Leipzig 1902, S. 272 f, Nr. 406 (SächsHStA Dresden, 10004 Kopiale, Nr. 30, fol. 145r).
In den folgenden Dekaden setzten die Wettiner das Amt Düben immer wieder als Pfand für ausstehende Zahlungen ein. Die Pfandnehmer waren meist im Hofdienst stehende Räte und Verwalter weiterer Besitzungen. Die Verpfändungen währten teilweise nur einige Monate. Für die Einwohner des Amtes blieben die Bezugspersonen die regionalen Verwalter, die Vögte (später Amtmänner), Geleitsleute, Förster und Schösser.Die Geleitsmann Johannes notierte z. B. in der fortlaufenden Dübener Geleitsrechnung unter dem 23. Juni 1401 lediglich, dass von nun an der capitaneus Gunther von Bünaw zuständig war und berechnete dessen Teil an den Geleitseinnahmen; LATh-HStA Weimar, EGA, Reg. Cc 620, fol. 10r, 12r-v.
1419 verpachteten die Wettiner Haus und Stadt Düben auf drei Jahre an Dietrich Pack. Zugleich garantierte Pack die Rückgabe, zahlte jährlich 70 Schock Groschen, Naturalien und Anteile an Gerichtsbußen an die Wettiner.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941, S. 22, Nr. 35 (SächsHStA Dresden, Org. Urk. 5774). 1423 urkundet zwischenzeitlich Dietrich von Schleinitz zu Düben, möglicherweise als kurzfristiger Pächter.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941, S. 209, Nr. 328 (SächsHStA Dresden, 10004 Kopiale, Kopial Nr. 34, fol. 24v).
1423 verkaufte Kurfürst Friedrich der Streitbare das Amt Düben (sloß und stad Dybin mit allen yren zcugehorungen mit dorffern etc.) für 1.000 Schock Groschen an die Brüder Heinrich und Tham Löser. Ausgeschlossen waren die Jagdrechte sowie die adligen und geistlichen Lehn, zugleich war eine Option auf den Rückkauf mit anderthalbjähriger Vorankündigung festgehalten.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941, S. 209, Nr. 327 (Sächsisches Staatsarchiv Dresden, 10004 Kopiale, Kopial Nr. 34, fol. 17v); online. Dieser Rückkauf muss bald darauf erfolgt sein.
Im Mai 1425 wurde das Amt dann an Hans Pack auf Finsterwalde und seine Frau Ilse verpfändet.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941, S. 265, Nr. 414 (SächsHStA Dresden, Org. Urkunde 5990). Bereits im Oktober 1425 ließ der Kurfürst Düben mit 3.000 Gulden aus den Einnahmen anderer Städte wieder auslösen.Hubert Ermisch / Beatrix Dehne (Bearb.), Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1419–1427 (Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, B 4), Leipzig 1941, S. 293, Nr. 450 (Leipzig, Urkunden Kasten I 30, Nr. 5 S XX7).