Als akustische Gitarre wird umgangssprachlich eine Gitarre bezeichnet, bei der die Tonverstärkung im Gegensatz zur elektrischen Gitarre (E-Gitarre) allein mechanisch erfolgt. Die Töne entstehen durch Auslösen der Saitenschwingungen durch die „Anschlagshand“ mittels Zupfen mit dem Daumen und den Fingern oder unter Verwendung eines Plektrums sowie mit den Fingern der „Greifhand“ durch Abzugs- und Aufschlagsbindungen. Die Schwingungen der Saiten werden über den Steg auf die Decke und den Korpus übertragen und dadurch verstärkt, wobei der dabei erzielte Lautstärkezuwachs und dessen Klangbild von der Konstruktion des Instruments, den verwendeten Materialien und der individuellen Spieltechnik beeinflusst wird.

Begriffsklärung Die Bezeichnung akustische Gitarre dient allgemein der Abgrenzung zu elektrischen Gitarren, während das Kompositum Akustikgitarre auch explizit auf akustische Gitarren mit Stahlsaiten verweisen kann und somit zur Abgrenzung von Gitarren mit Nylonsaiten verwendet wird. Diese werden ihrerseits als Spanische Gitarre, Klassische Gitarre oder nach dem speziellen Kontext ihrer Verwendung auch als Konzertgitarre beziehungsweise Flamencogitarre bezeichnet. Auch für Gitarren mit Stahlsaiten sind differenzierende Bezeichnungen, wie Folk-, Western- und Jazzgitarre (Archtop) üblich, die zusätzlich zur Verwendung im Rahmen bestimmter musikalischer Stilistiken (Folkmusik, Country oder Jazz) implizit auch auf konstruktionstechnische Unterschiede hinweisen.

Bei halbakustischen Gitarren handelt es sich um elektroakustische Halbresonanzgitarren, also um E-Gitarren mit einem meist flachen Resonanzkorpus, der jedoch nicht primär der Tonverstärkung dient, sondern die Klangfarbe der Instrumente beeinflussen soll.

Konzertgitarre mini|hochkant|Konzertgitarre

Geschichte der Konzertgitarre Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die (vier- bis) fünfchörige Barockgitarre bzw. Spanische Gitarre, wie sie etwa von Antonio Stradivari (zum Beispiel 1688 in Cremona) gebaut wurde, zur sechssaitigen (und einchörigen) Gitarre des 19. Jahrhunderts. Der Gitarrist Francisco Tárrega (1852–1909) beschritt in Spanien mit seinen bis heute üblichen Griff- und Anschlagtechniken neue Wege. Zur gleichen Zeit vervollkommnete der Gitarrenbauer Antonio de Torres (1817–1892) die Gitarre in Form und Abmessungen, Anordnung der (fächerförmigen) Decken-Verleistung und mechanischen Details. Die Torres-Gitarre aus dem 19. Jahrhundert ist bis heute die Grundlage einer jeden klassischen Konzertgitarre geblieben.

Weiterentwicklungen entstanden auch noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts u. a. in der Zusammenarbeit zwischen den Gitarrenvirtuosen Miguel Llobet (1878–1938) und Andrés Segovia (1893–1987) mit den Gitarrenbauern Manuel Ramírez (1864–1916) und Hermann Hauser I (1882–1952). Bedeutende Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts sind auch die Spanier Santos Hernandez (1870–1942), Domingo Esteso (1884–1937), Ignacio Fleta (1897–1977), Marcelo Barbero (1904–1956) und José Ramirez III (1922–1995), die deutschen Gitarrenbauer Hermann Hauser II (1911–1988) und Richard Jacob „Weißgerber“ (1877–1960) sowie der Franzose Robert Bouchet (1898–1986).

Bauform und Stimmung Die Konzertgitarre hat im Vergleich zur Westerngitarre und zur E-Gitarre ein breiteres Griffbrett, das Normalmaß am Sattel beträgt 52 mm bei einer Standardmensur von 65 cm. Für kleinere Gitarristen und als Schülergitarre werden kleinere Bauformen angeboten, deren Größe in Bruchteilen einer Standardgitarre angegeben wird (z. B. 3/4-Gitarre mit Mensurlängen von 595 bis 614 mm, 1/2-Gitarre mit Mensurlängen von 530 bis 547 mm, 1/4-Gitarre mit Mensurlängen von 472 bis 487 mm). Mensurlänge und Korpusgröße werden im Maßstab verkleinert, während die Saitenabstände nicht im gleichen Maßstab abnehmen.Michael Koch: Kindergitarren, Schülergitarren – allgemeine Informationen. (PDF; 87 kB) European Guitar Teachers Association, Sektion Deutschland; abgerufen am 20. Dezember 2012 Gitarren mit kleineren Mensuren werden auch als Oktav-, Terz-, Quintgitarre usw. bezeichnet. Auch Kindergitarren besitzen kleinere Mensuren.

mini|alt=Eine Übersicht über mit 14 Schemata einer Gittarenrückseite mit eingezeichneten Chladni Klanglinien|Chladni-Figuren beim Gitarrenbau Im Gegensatz zu einfachsten Instrumenten, bei denen auch Sperrholz und laminierte Hölzer verbaut werden, wird der Korpus einer hochwertigen Konzertgitarre in der Regel aus massivem Hartholz für Zargen und Boden hergestellt. Früher war vor allem Rio-Palisander für die Böden und Zargen gefragt. Heute werden verschiedene Mahagoniarten, Ovangkol, Ostindischer Palisander (Dalbergia latifolia)Peter Päffgen: Eine Gitarre entsteht (1985), S. 20–22. aber auch heimische Hölzer wie Ahorn oder Kirsche für den Bau von Boden und Zargen verwendet.

Von besonderer Bedeutung für den Klang sind das Material und die Qualität der meist mit einem (mit einer Rosette verzierten) Schallloch versehenen Decke (Holzplatte, die den Saiten zugewandt ist). Diese wird überwiegend aus Red Cedar (einer Thuja-Art)Peter Päffgen: Eine Gitarre entsteht. Beobachtungen von Peter Päffgen. In: Gitarre & Laute. Band 6, Heft 6, 1984, S. 20–24 (Teil 1), und Band 7, Heft 1, 1985, S. 20–24 (Teil 2), sowie Heft 3, S. 24–26 (Teil 3); hier: Teil 1 (1984), S. 22: „Daß aber die Zeder, die für den Instrumentenbau verwendet wird, eigentlich gar keine ist, sondern eine »unechte« Zeder (eine Thuja-Art, auch als Red Cedar bezeichnet) ist vielen nicht bekannt“. oder Fichtenholz hergestellt, in Nordamerika ist dies vor allem Holz der Sitka-Fichte, Engelmann-Fichte oder Adirondack-FichteVgl. Jürgen Richter: Taylors BTO-Program: Mehr als ein Custom-Shop. In: guitar. Band 112, Nr. 9, 2009, S. 118–121, hier: S. 120 (Holz und Klang).. Die Bedeutung der Decke für die Klangqualität erkannte bereits Torres in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der eine Gitarre mit Fichtendecken und einem Korpus aus Pappmaché baute. Der Hals besteht meist aus Cedro, Ahorn oder Mahagoni, das Griffbrett aus Ebenholz oder Palisander.

In Handarbeit hergestellte hochwertige Konzertgitarren werden oftmals mit einem Schellack-Harz-Gemisch auf Spiritusbasis handpoliert. „Schellack“, wie das Gemisch oft vereinfachend genannt wird, hat den Vorteil, dass er jederzeit wieder auf Hochglanz poliert werden kann und kleine Kratzer dadurch wieder verschwinden. Vor allem aber stellt er den dünnstmöglichen Oberflächenschutz für das Holz dar, ermöglicht der Decke also weitgehend ungehindertes Schwingen. Allerdings verlangt Schellack eine konsequente Pflege und Nachpolitur, daher sind Lackierungen mit unempfindlicheren Nitrolacken auch bei hochwertigen Instrumenten üblich.

Die Standardstimmung einer sechssaitigen Gitarre ist E – A – d – g – h – e′. Die Gitarrensaiten sind auf der Bassseite (D-, A- und E-Saite, gelegentlich auch die g-Saite) aus Nylonseide und mit Kupfer- oder Silberdraht umsponnen, auf der Diskantseite aus homogenem Nylon. Seit einiger Zeit wird auch Polyvinylidenfluorid (PVDF) benutzt (sog. Carbonsaiten). Das Material weist eine höhere Dichte auf als Nylon, die Saiten sind daher bei gleicher Tonhöhe etwas dünner, was sich insbesondere bei schnellen Anschlagsimpulsen und Tonhöhenmodulationen positiv auswirken kann. Historische Gitarren werden zuweilen noch mit Darmsaiten gespielt, die heutzutage aus Schafsdarm hergestellt werden.

Die ersten Konzertgitarren von heutiger Größe und Bauart finden sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Spanien. Der Hals wird bei diesen Instrumenten nicht mehr, wie heute noch bei Streichinstrumenten üblich, nach der Fertigstellung des Schallkörpers eingeschoben. Die wohl wichtigsten Gitarrenbauer jener Epoche waren Antonio de Torres und Gaetano Guadagnini, ein Verwandter des bekannten Geigenbauers. In Deutschland wurde die Bauart nach Torres maßgeblich von Hermann Hauser (I) umgesetzt und verbreitet.

Neben den 6-saitigen Gitarren werden auch Gitarren mit sieben oder mehr Saiten hergestellt. Bekanntheit erlangte eine auf Anregung des spanischen Gitarristen Narciso Yepes entwickelte zehnsaitige Gitarre, bei der weniger die Erweiterung des Tonumfangs, sondern ein ausgeglicheneres Resonanzverhalten des Instruments im Vordergrund stand.

Flamencogitarre mini|108px|Flamencogitarre

Die beim Flamenco verwendete Flamencogitarre ging aus den aus heimischen Hölzern gebauten guitarras de tablao, wie sie im Café cantante anzutreffen waren, hervor und ist der von Antonio Torres entwickelten, mit oft anderer Deckenkonstruktion (Verbalkung mit Fichten- oder Zederleisten)Gerhard Graf-Martinez: Flamenco-Gitarrenschule. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz u. a. 1994 (= Edition Schott. 8253), ISBN 3-7957-5083-0. gebauten Konzertgitarre ähnlich, weswegen zum Flamencospiel auch eine klassische Gitarre verwendet werden kann. Unterschiede sind:

Je nach Spielweise (begleitend/konzertant) bzw. Wunsch des Gitarristen eine niedrigere Saitenlage am (Ebenholz-)Griffbrett (bzw. am Steg). Die dadurch entstehenden perkussiven Nebengeräusche („Schnarren“ oder Anschlagen der Saiten auf den Bünden) sind eine charakteristische Eigenschaft des Klanges von Flamencogitarren. Der Boden und die Zarge sind traditionell (bei der guitarra blanca) aus leichtem spanischen oder marokkanischen Zypressenholz (vor allem von der Mittelmeer-Zypresse aus Spanien),Gerhard Graf-Martinez: Die Holzarten der Flamecogitarre. aber auch Holz von Ahorn oder WalnussIvor Mairants: The Flamenco Guitar. A complete method for playing flamenco. Latin-American Music Publishing, London 1958, S. 2. werden verwendet. Bei der Guitarra negra –Instrumenten, die sich klanglich der Konzertgitarre nähern sollen – benutzt man häufig Zargen und Böden aus Palisander (palo santo aus ostindischem, von Dalbergia latifolia, oder Rio-Palisander, von Dalbergia nigra).

Die Decke besteht wie bei der klassischen Gitarre aus meist von der Gemeinen Fichte (Picea abies, Picea excelsa, Europäische Fichte) stammendem Fichtenholz (spanisch pinapete). Es kommen jedoch auch Sitka (Picea sitchensis), Engelmann-Fichte (Picea engelmannii), Adirondack (Picea rubens), andere Picea-Arten und Douglasie (Pseudotsuga menziesii) in Betracht. Die Resonanzdecke der Flamencogitarre wird aber auch aus vom Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata, Thuja gigantea, „Rot-Zeder“, „kanadische Zeder“) oder anderen „Zedern“ (spanisch cedro; gemeint sind meist bestimmte Zypressengewächse) stammendem Holz gefertigt. Das Zedernholz soll etwas hölzerner bzw. „nasaler“ klingen und eine kürzere Lebensdauer als das als brillanter und kräftiger im Ton geltende Fichtenholz haben. Dünnere Wandstärken von Decke, Boden und Zargen. Etwas (etwa ein, manchmal auch zwei bis drei Zentimeter) geringere Höhe der Zargen Der Hals von Flamencogitarren wird typischerweise aus „Zigarrenschachtelholz“ von der Honduras-Zeder (Westindische Zedrele, Cedrela odorata) gefertigt. Die übliche Ausstattung mit einem Deckenschoner (Golpeador). Der Golpeador besteht aus einer durchsichtigen oder opaken, harten Kunststofffolie, die auf die Decke ober- und unterhalb des Schalllochs aufgeklebt wird, um Beschädigung durch die flamenco-typische Schlagtechnik Golpe zu vermeiden.

Bei der Flamencogitarre wurden traditionell hinterständige Holzwirbel (clavijas) verwendet, die seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert zunehmend von der modernen Stimmmechanik (clavijero) verdrängt wurden.

Bei der Wahl des Holzes für den Korpus (caja) der Flamencogitarre spielt die Nutzung der Gitarre eine Rolle. Für Tanzbegleitung wird ein perkussives Instrument gewünscht, das sich deutlich vom Klang anderer Instrumente abhebt.