Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im März 1920.

Siehe auch: Nekrolog

Tagesgeschehen Montag, 1. März

mini|115px|Miklós Horthy Budapest/Königreich Ungarn: Die Nationalversammlung wählt Miklós Horthy als Reichsverweser (ungarisch kormányzó) mit 131 von 141 Stimmen zum provisorischen Staatsoberhaupt. Er bleibt nach der offiziellen Absetzung des Hauses Habsburg-Lothringen Staatsoberhaupt der „Monarchie ohne König“. Vereinigte Staaten: Die United States Railroad Administration gibt den Eisenbahngesellschaften der USA, die während des Ersten Weltkriegs unter staatliche Verwaltung gestellt waren, die Kontrolle über ihre Unternehmen zurück. bei Sambro vor der Küste von Kanada: Der 1900 in Dienst gestellte Transatlantikdampfer der britischen Reederei Leyland Line – Bohemian – fährt in einem Sturm auf einen Black Rock genannten Felsen auf. 6 der 180 Menschen an Bord kommen bei dem Untergang ums Leben.

Dienstag, 2. März

Istanbul/Osmanisches Reich: Ali Rıza Pascha beendet nach 5 Monaten und 7 Tagen seine Tätigkeit als Großwesir. Wegen der Ereignisse während seiner Amtszeit – etwa die andauernde Besetzung von Istanbul – bekommt er den Spitznamen Düztaban (dt.: Unheilbringender).

Mittwoch, 3. März

Linz/Österreich: Die Landeshauptstadt Linz gibt das erste offizielle Notgeld des Bundeslands Oberösterreich heraus, um den Kleingeldmangel zu beheben. Frankreich: Victor Kaluza, später deutscher Lehrer sowie Jugend- und Sachbuchautor, wird aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, wo er seit 20. Juli 1916 als prisonnier de guerre nr. 3137 drei Jahre und 225 Tage verbrachte. Er tritt die Heimreise nach Oberschlesien an. zwischen Radmer und Hieflau/Österreich: Die Waldbahn Radmer nimmt den Betrieb auf.

Donnerstag, 4. März

mini|115px|USS Stewart 1930 Philadelphia/Vereinigte Staaten: In der Werft William Cramp & Sons läuft der Zerstörer der Clemson-Klasse der United States Navy, Stewart, vom Stapel.

Freitag, 5. März

Sankt Petersburg/Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik: Die als Hilfsbibliothekarin in einer Bibliothek in Sankt Petersburg arbeitende und daneben die Geschichte Englands und Frankreichs am 3. Alexander-Herzen-Institut unterrichtende Julija Nikolajewna Dansas wird verhaftet, jedoch einen Tag später auf Fürsprache Maxim Gorkis wieder freigelassen. Seoul/japanische Kolonie Korea: Chōsen Nippō (jap. ), die älteste noch erscheinende Zeitung Südkoreas erscheint erstmals. Chosun Ilbo (koreanisch) Samstag, 6. März

mini|115px|Die Priwall Rostock/Weimarer Republik: Die deutsche Viermastbark Priwall. Sie war 1914 bestellt worden, lief 1917 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss unter der Baunummer 234 vom Stapel und wird, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, erst jetzt an die Reederei F. Laeisz ausgeliefert. Diese verzögerte Bauphase entbindet die Reederei aber schließlich auch von der im Versailler Vertrag festgelegten Ablieferungspflicht an die Siegermächte. Chelmsford/Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland: Marconis 15-kW-Station beendet ihr seit 23. Februar laufendes Versuchsprogramm auf Langwelle 107 kHz, bei dem zweimal täglich Nachrichten und Musik gesendet wurden.

Sonntag, 7. März

mini|115px|Schloss Tinz; von 1920 bis 1933 Sitz der Heimvolkshochschule Tinz. Damaskus/Königreich Syrien: Der syrische Kongress ruft die Unabhängigkeit von Großsyrien einschließlich Palästinas unter König Faisal aus. Darauf kommt es in sämtlichen Städten Palästinas zu Massendemonstrationen und in der Folge zu den Nabi-Musa-Unruhen. Volksstaat Reuß: Die Heimvolkshochschule Tinz nimmt ihre Arbeit mit dem ersten Halbjahreskurs auf. Sie soll jungen Frauen und Männern, denen der Zugang zur Kultur- und Bildungsgesellschaft bis dahin verschlossen gewesen war, die Möglichkeit gegeben, umfassende Kenntnisse auf politischem, geschichtlichem, wirtschaftlichem und psychologischem Gebiet zu erwerben; verbunden damit ist der Anspruch, Menschen zu selbständigem Denken anzuregen.

Montag, 8. März

mini|115px|Antizionistische Demonstration am Damaskustor, 8. März 1920 Palästina/Königreich Syrien: Wie schon am Vortag kommt es in sämtlichen Städten Palästinas zu Massendemonstrationen, worauf Geschäfte geschlossen und zahlreiche Juden angegriffen werden. Die Angreifer skandieren „Tod den Juden!“ und „Palästina ist unser Land, die Juden sind unsere Hunde!“, was sich auf Arabisch reimt.Tom Segev: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, S. 143. Der Lage eskaliert dann Anfang April bei den Nabi-Musa-Unruhen zu einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Dienstag, 9. März

Berlin/Weimarer Republik: Im Ufa-Palast am Zoo wird die Filmkomödie Kohlhiesels Töchter uraufgeführt. Der Stummfilm mit Henny Porten in einer Doppelrolle basiert auf einem gleichnamigen Bauernschwank. München/Weimarer Republik: Der Springstock wird im Reichspatentamt zum Patent angemeldet. Die alternative Bezeichnung Pogo-Stick leitet sich wahrscheinlich von den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Anmeldenden des Patentes Max Pohlig und Ernst Gottschall ab.

Mittwoch, 10. März

Deutschland: Zwei Asteroiden des Hauptgürtels werden entdeckt. (929) Algunde von K. Reinmuth in Heidelberg und (930) Westphalia von Walter Baade in Hamburg-Bergedorf. Weimarer Republik: Bei einem persönlichen Gespräch am Abend stellt Walther von Lüttwitz ein Ultimatum an Reichspräsident Friedrich Ebert. Tags darauf wird er von Reichswehrminister Gustav Noske wegen Insubordination gegenüber den zivilen Reichsbehörden zur Disposition gestelltHarold J. Gordon Jr.: Die Reichswehr und die Weimarer Republik. Verlag für Wehrwesen Bernard & Graefe, Frankfurt am Main 1959, S. 113–114. worauf Lüttwitz am 13. März den Kapp-Putsch beginnt. Donnerstag, 11. März

mini|115px|Manuel Estrada Cabrera Guatemala-Stadt/Guatemala: Eine von der Unionistischen Partei (Partido Unionista) organisierte Demonstration zugunsten einer Wiederherstellung der Zentralamerikanischen Föderation findet statt. Dabei kommt es zu Schüssen, denen ein Demonstrant zum Opfer fällt. Dieser Vorfall führt zu einer Radikalisierung der Proteste, die sich nun unmittelbar gegen den Präsidenten Manuel José Estrada Cabrera richten. Die Auseinandersetzungen eskalierten in den folgenden Tagen und führen zu der Suspendierung des Präsidenten am 8. April und schließlich seinen Rücktritt am 14. April. Diedelsheim/Weimarer Republik: Die Jüdische Gemeinde des Ortes wird aufgelöst. Freitag, 12. März

Nikolajewsk am Amur/Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik: Die Kaiserlich Japanische Armee startet als Teil der Sibirischen Interventionskräfte einen Überraschungsangriff da Partisanen unter dem Kommando von Jakow Trjapizyn, der in einem losen Bündnis mit der bolschewistischen Roten Armee steht, damit beginnt Sympathisanten der Weißen Bewegung zusammenzutreiben und hinzurichten. Dieser misslingt jedoch und führt zur Hinrichtung der Überlebenden der Garnison und der Tötung zahlreicher japanischer Zivilisten. Siehe auch: Nikolajewsk-Zwischenfall. Berlin/Weimarer Republik: Der Erzberger-Helfferich-Prozess endet mit einem Schuldspruch gegen den ehemaligen Staatsminister Karl Helfferich. Der eigentliche Verlierer ist aber Reichsfinanzminister Matthias Erzberger. Das Gericht urteilt, Helfferich habe im Wesentlichen keine unwahren Behauptungen verbreitet und außerdem aus „vaterländischen Gründen“ gehandelt. Erzberger dagegen werden in zwei Fällen Meineid und in sieben Fällen die Vermischung von Politik und Geschäftsinteressen vorgeworfen. Noch am gleichen Tag tritt Erzberger als Minister zurück. Belgrad/Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen: Der Fußballverbände Beogradski loptački podsavez wird im Zuge des Aufstiegs des Fußballsports gegründet. Guanajuato/Mexiko: Der Grundstein für die Christus von El Cubilete, ein Christusdenkmal auf dem Cerro del Cubilete (2579 m), wird gelegt. 8 Jahre später, am 30. Januar 1928, wird es im Bürgerkrieg auf Befehl von Plutarco Elías Calles bombardiert und gesprengt.Paloma Rives: Breve historia del monumento a Cristo Rey en el cerro del Cubilete. Tradición Católica, 28. März 2012. Berlin/Weimarer Republik: Im Mozartsaal und im U.T. Kurfürstendamm findet die Uraufführung der Stummfilm-Groteske Romeo und Julia im Schnee statt. Sie ist nach Motiven von William Shakespeares Drama Romeo und Julia entstanden.

Samstag, 13. März

mini|115px|Kapp-Putschisten am Potsdamer Platz in Berlin Weimarer Republik: General Walther von Lüttwitz startet mit Unterstützung von Erich Ludendorff einen konterrevolutionären Putschversuch gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik. Der Kapp-Putsch – bei der der namensgebende Wolfgang Kapp mit seiner „Nationalen Vereinigung“ nur eine Nebenrolle spielt – bringt das republikanische Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges und zwingt die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung zur Flucht aus Berlin. Nach 100 Stunden – am 17. März – scheitert der Umsturzversuch.

Sonntag, 14. März

Herzogtum Schleswig: Es findet nach der Abstimmung in Zone I am 10. Februar 1920 die Volksabstimmung in Zone II über die staatliche Zugehörigkeit Schleswigs statt. Beteiligt ist Mittelschleswig (dem heutigen nördlichen Südschleswig) mit Flensburg, Niebüll, Föhr, Amrum und Sylt. Dort votieren von 70.286 Stimmberechtigten 51.742 (80,2 %) für Deutschland und 12.800 (19,8 %) für Dänemark. So bleibt Zone II geschlossen bei Deutschland. Penzberg/Weimarer Republik: Der Fußballclub Penzberg wird gegründet. Montag, 15. März

mini|115px|„Denkmal der Märzgefallenen“ von Walter Gropius (1922) Weimarer Republik: Im Zuge des Kapp-Putschs und des Ruhraufstands kommt es zu Kämpfen zwischen Arbeitern (etwa Rote Ruhrarmee) und Freikorps-Einheiten, bei denen es viele Tote gibt. Gleichzeitig beginnt der größte Generalstreik in der deutschen Geschichte, bei dem sich in den folgenden Tagen über 12 Millionen Menschen beteiligen.Deutsches Historisches Museum: Generalstreik 1920, abgefragt am 15. März 2009 Finnland: Das Kabinett Erich, das sechste Regierungskabinett in der Geschichte Finnlands, beginnt seine Amtszeit. Dienstag, 16. März

mini|115px|Liste der Aktionäre von United Artists am 16. März 1920 Konstantinopel/Türkei: Großbritannien besetzt die Stadt, um die nationalen Aktivitäten zu unterbinden. Führende Parteimitglieder der „Gruppe zur Rettung des Vaterlandes“ (Felâh-ı Vatan Grubu) werden verhaftet. Daraufhin löst Sultan Mehmed VI. das Osmanische Parlament auf. Zeitgleich beginnen griechische Truppen damit, tiefer ins anatolische Landesinnere vorzudringen. Siehe auch: Griechisch-Türkischer Krieg Poschiavo/Schweiz: Beim Bernina Hospiz wird ein Schneeschleuderzug der Berninabahn, bestehend aus einer Dampfschneeschleuder, den beiden Triebwagen BCe 4/4 1 und BCFe 4/4 23 und einem Postwagen, von einer Lawine erfasst. Die Lawine reißt die Schneeschleuder und den ersten Triebwagen mit, während der zweite Triebwagen vom Druck der Schneemassen umstürzt. Acht Bahnangestellte kamen ums Leben. Die Mannschaft der Schneeschleuder erlitt tödliche Verbrühungen durch den ausströmenden Heissdampf. Berlin/Weimarer Republik: Dietrich Eckart stellt Adolf Hitler einigen Initiatoren des Kapp-Lüttwitz-Putsches vor. Der Putsch bricht am Folgetag zusammen.Thomas Friedrich: Die missbrauchte Hauptstadt. Hitler und Berlin, Berlin 2007, S. 39–44.

Mittwoch, 17. März

Weimarer Republik: Der Kapp-Putsch scheitert. Wolfgang Kapp flieht nach Schweden, und Walther von Lüttwitz wird nach Verhandlungen zum Aufgeben bewegt. Donnerstag, 18. März

mini|115px|Aktie der Ogston Motor Company vom 18. März 1920 mini|115px|Das Denkmal an der Kreuzung Frankfurter Straße – Kasseler Straße Königreich Island: Eine Verfassung tritt in Kraft.Verfassung des Königreiches Islandvom 18. März 1920