mini|Rudolf Kippenhahn, 1996 Rudolf Kippenhahn (* 24. Mai 1926 in Bärringen, Tschechoslowakei; † 15. November 2020 in Göttingen)Achim Weiss, Volker Springel: Rudolf Kippenhahn (24.5.1926–15.11.2020). Website des Max-Planck-Instituts für Astrophysik, abgerufen am 18. November 2020. war ein deutscher Astrophysiker und Wissenschaftsautor.
Leben und Werk Rudolf Kippenhahn erkrankte im Alter von zwei Jahren an Kinderlähmung und war seither behindert. Bereits während seiner Schulzeit interessierte er sich für Astronomie und absolvierte Ferienpraktika in der Sternwarte in Sonneberg unter Cuno Hoffmeister. Nach dem Abitur 1945 studierte er an der Universität Erlangen Physik und Mathematik; 1951 promovierte er dort in Mathematik bei Wilhelm Specht mit dem Thema „Der Wertevorrat einer Matrix“.
In Erlangen gab es damals keine Astronomie-Vorlesungen, so dass er sich autodidaktisch auf diesem Gebiet weiterbildete. Von 1951 bis 1957 führte ihn dann seine erste Anstellung als Assistent an die Bamberger Karl-Remeis-Sternwarte, der damals kleinsten Sternwarte Deutschlands. 1958 habilitierte Kippenhahn sich in Erlangen („Untersuchungen über rotierende Sterne“)Veröffentlicht in Zeitschrift für Astrophysik, Band 26, 1958, S. 26, 65 und ging an das Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen, mit dem er im selben Jahr nach München umzog. Ebenfalls 1958 veröffentlichte er, zusammen mit Stefan Temesváry und Ludwig Biermann eine wegweisende Arbeit zur Sternentwicklung. 1963 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astrophysik unter dessen Gründungsdirektor Ludwig Biermann. Von 1965 bis 1975 war er Professor für Astronomie und Astrophysik in Göttingen und an der dortigen Universitätssternwarte tätig, von 1975 bis 1991 war er als Nachfolger von Biermann Direktor des Max-Planck-Instituts für Astrophysik (MPA) in München, das unter seiner Leitung 1979 nach Garching bei München zog.Profil MPA Seit 1991 war er als freier Schriftsteller in Göttingen tätig. Er hat zahlreiche erfolgreiche populärwissenschaftliche Bücher über Astronomie und andere Themen wie Kryptologie und Atomphysik veröffentlicht und ein Buch über Astronomie für Kinder.
Kippenhahn, der sich anfangs mit Plasmaphysik befasste, war Ende der 1950er-Jahre und in den 1960er-Jahren ein Pionier in der Computersimulation von Sternaufbau und Sternentwicklung. Das nach ihm benannte Kippenhahn-Diagramm erlaubt eine übersichtliche Darstellung zentraler Ergebnisse von Sternsimulationen. In zum Teil mehr als vier Jahrzehnte währenden wissenschaftlichen Zusammenarbeiten – vor allem mit H.C. Thomas, Emmi Hofmeister und Alfred Weigert – schuf er die Grundlagen zum Verständnis der Sternentwicklung, die auch noch Jahrzehnte später als Stand der Technik gelten.
Seit 1970 war er Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, seit 1972 der Leopoldina. Im Jahre 2005 ehrte ihn die Royal Astronomical Society mit der Eddington-Medaille für seine wissenschaftlichen Verdienste um die Berechnung des Sternaufbaus und der Sternentwicklung.
Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Hochschullehrer engagierte sich Kippenhahn auch früh und mit großer Freude bei der Wissensvermittlung an die interessierte Öffentlichkeit. Dies wird nicht zuletzt durch die lange Liste der von ihm verfassten populärwissenschaftlichen Bücher und Zeitschriftenartikel bezeugt sowie durch seine zahlreichen Radiointerviews, Fernsehsendungen und Vorträge. Er war als unterhaltsamer und humorvoller Redner bekannt.
Kippenhahn war auch in der astronomischen Community engagiert. So diente er von 1966 bis 1969 der Astronomischen Gesellschaft als Vorsitzender, im Anschluss drei Jahre als stellvertretender Vorsitzender. Von 1980 bis 1986 war er Vorsitzender des Rats westdeutscher Sternwarten. Zudem war er von 1985 bis 1991 Vizepräsident der Internationalen Astronomischen Union. mini|Grabstelle, Friedhof Göttingen-Geismar Von Kippenhahn stammt der berühmte astrologiekritische Ausspruch „Die Sterne lügen nicht – sie schweigen!“. mini|Kippenhahn im Interview 1985Das Gespräch dreht sich um die Fliehkraft auf der Erde, um Radiowellen von fernen Sternen, den Urknall, dem Begriff der Zeit, und schließlich um Astrologie.
Kippenhahn-Preis Seit 2008 verleiht das Max-Planck-Institut für Astrophysik den von Kippenhahn gestifteten Kippenhahn-Preis für die „beste wissenschaftliche Arbeit eines Studenten am MPA“ aus dem Vorjahr.siehe Berichte über die Auszeichnung unter , und
Ehrungen und Auszeichnungen 1973: Carus-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 1974: Carus-Preis der Stadt Schweinfurt 1992: Bruno-H.-Bürgel-Preis der Astronomischen Gesellschaft 1980: Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste 1984: Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz 1. Klasse) 1986: Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte 1991: Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1991: Namensgeber für den Asteroiden des inneren Hauptgürtels (2947) Kippenhahn 1995: Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1996: Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) 2005: Eddington-Medaille der Royal Astronomical Society 2007: Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft. 2016: Ehrenmitgliedschaft der Astronomischen Gesellschaft
Schriften (Auswahl) Wissenschaftliche Werke mit Alfred Weigert: Stellar Structure and Evolution. Springer-Verlag Berlin, 1990 (2. Auflage mit Achim Weiss 2012). ISBN 3-540-58013-1, ISBN 0-387-58013-1, mit Claus Moellenhoff: Elementare Plasmaphysik. Bibliographisches Institut Mannheim, 1975, ISBN 3-411-01489-X, Light from the depths of time, Springer 1987.
Populärwissenschaftliche Werke Verschlüsselte Botschaften: Geheimschrift, Enigma und digitale Codes, 1997, Rowohlt TB 2012 Kosmologie: Basics, Piper 2011 Eins, zwei, drei...unendlich, Piper 2007 Kippenhahns Sternstunden, Stuttgart: Kosmos 2006 Kosmologie für die Westentasche, Piper 2003 Das Geheimnis des großen Bären, Rowohlt TB 2003 Streng geheim! Wie man Botschaften verschlüsselt und Zahlencodes knackt, Rowohlt TB 2002 Amor und der Abstand zur Sonne. Geschichten aus meinem Kosmos, Piper 2001 mit Wolfram Knapp: Schwarze Sonne, roter Mond. Die Jahrhundertfinsternis, DVA 1999 mit Andreas Burkert: Die Milchstraße, Beck 1996 Atom: Forschung zwischen Faszination und Schrecken, Piper 1994 Abenteuer Weltall, 1991, Deutscher Bücherbund 1992 Der Stern, von dem wir leben, Stuttgart: DVA 1990 Unheimliche Welten, Piper 1987 Licht vom Rande der Welt, DVA 1984 100 Milliarden Sonnen, Piper 1980
Weblinks Porträtfoto
Veröffentlichungen von R. Kippenhahn im Astrophysics Data System
Ulrich Schnabel, Ein Planet trägt seinen Namen, Die Zeit, 25. Dezember 1992 Interview bei Astronomie.de, 2004 Nachruf der Astronomischen Gesellschaft, verfasst von Joachim Wambsganß, Achim Weiß und Wolfgang J. Duschl Rudolf Kippenhahn zum Nachhören. Eine Radiosendung. (Von Tag zu Tag, 1981) im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
Kategorie:Astronom (20. Jahrhundert) Kategorie:Astrophysiker Kategorie:Sonnenforscher Kategorie:Person (Klassische Kryptologie) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Sachliteratur (Astronomie) Kategorie:Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Absolvent der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Mann