mini|hochkant|Stolpersteine in Tromsø Die Liste der Stolpersteine in Troms listet alle Stolpersteine in der norwegischen Provinz Troms auf. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Kölner Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden im Regelfall von ihm selbst verlegt. Meistens liegen die Stolpersteine vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers.
Die ersten Verlegungen in dieser Provinz erfolgten am 16. Juni 2014 in Harstad.
Verlegte Stolpersteine Harstad In Harstad wurden drei Stolpersteine an einer Stelle verlegt. Die Beschädigungen resultieren wahrscheinlich von Schneeräumgeräten, sind folglich ohne Absicht erfolgt. Alljährlich müssen in Norwegen zahlreiche beschädigte oder zerstörte Stolpersteine ersetzt werden, denn in den langen Wintern kommt es immer wieder zu derartigen Beschädigungen.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEEVA SHOTLANDGEB. GLICKJG. 1909DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Hvedingsgate 3 geb. Glick wurde am 1. November 1909 in Trondheim geboren. Ihre Eltern waren Kalman Glick und Rakel Lea geb. Bekker. Sie heiratete Isak Shotland, die Hochzeit fand in Trondheim statt. Das Paar hatte einen gemeinsamen Sohn, Harry Simon Shotland, geboren am 24. August 1941. Ihr Ehemann wurde am 26. Oktober 1942 wegen seiner jüdischen Abstammung verhaftet, nach Auschwitz deportiert worden, zur Zwangsarbeit im KZ Monowitz eingeteilt und dort am 29. Januar 1943 ermordet. Auch Eva Shotland und ihr Sohn Harry, erst eineinhalb Jahre alt, wurden am 26. November 1942 verhaftet, blieb knapp drei Monate interniert und wurden am 24. Februar 1943 mit dem Schiff Gotenland deportiert. Es folgte der Weitertransport im Viehwaggon, ohne das Ziel zu kennen. Mutter und Sohn wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz am 3. März 1943 zur Vernichtung selektiert und sogleich in einer der Gaskammern ermordet., mit einem Familienbild, welches Eva Shotland mit Mann und Kind zeigt120px HIER WOHNTEHARRY SIMON SHOTLANDJG. 1941DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Hvedingsgate 3 wurde am 24. August 1941 in Harstad als Sohn von Isak Shotland und dessen Frau Eva geborene Glick geboren. Der Junge wurde gemeinsam mit seiner Mutter am 26. November 1942 verhaftet und blieb dann knapp drei Monate interniert. Am 24. Februar 1943 wurden er und seine Mutter Eva in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Beide wurden unmittelbar nach der Ankunft am 3. März 1943 in einer der Gaskammern ermordet. Der Junge war eineinhalb Jahre alt.
Sein Vater war bereits am 26. Oktober 1942 wegen seiner jüdischen Abstammung verhaftet, dann nach Auschwitz deportiert worden, zur Zwangsarbeit im KZ Monowitz eingeteilt und dort am 29. Januar 1943 ermordet worden. Die gesamte Verwandtschaft väterlicherseits wurde im Zuge der Shoah ausgelöscht.120px HIER WOHNTEISAK SHOTLANDJG. 1907DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 29.1.1943 Hvedingsgate 3 wurde am 20. März 1907 in Trondheim geboren. Seine Eltern waren Meyer Leib Shotland und Rosa geborene Becker. Er leistete seinen Militärdienst, führte dann das Bekleidungsgeschäft Centrum Herreekvipering in Harstad und hatte zwei Kinder, ein uneheliches, Jan (geboren 1933), und ein eheliches, Harry Simon (geboren 1941). Letzteres entstammte seiner 1940 geschlossenen Ehe mit Eva geborene Glick. Er war ein exzellenter Fußballspieler und diente später als angesehener Schiedsrichter. Im Norwegen-Feldzug verteidigte er als Feldwebel sein Heimatland. Er wurde am 26. Oktober 1942 wegen seiner jüdischen Abstammung verhaftet. Seine Frau bemühte sich um seine Freilassung. Auch ein exzellentes Leumundszeugnis des Bürgermeisters Nils Hunstad vom 14. November 1942 nützte nichts. Er wurde in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, zur Zwangsarbeit im KZ Monowitz eingeteilt und dort am 29. Januar 1943 ermordet.
Die Ehefrau und der noch nicht zweijährige Sohn Harry Simon wurden am 26. November 1942 verhaftet, schließlich ebenfalls nach Auschwitz deportiert und am 3. März 1943 dort in einer Gaskammer ermordet. Auch die Eltern, Geschwister, der Schwager, die Nichten und Neffen von Isak Shotland wurden alle in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Überleben konnte einzig sein unehelicher Sohn Jan, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und ein exzellenter Fußballspieler wurde. Er war in den frühen 1950er Jahren als Spieler der ersten Mannschaft des IF Fløya verpflichtet.
Tromsø In Tromsø wurden 14 Stolpersteine an sechs Adressen verlegt. In der Stadt erinnert auch eine Gedenktafel an die verschleppten und ermordete jüdischen Mitbürger.Foto der Gedenktafel, abgerufen am 19. Juli 2021
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px HIER ARBEITETECHONE MOSES(CONRAD) CAPLANGEBOREN 1922DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET FEBRUAR 1945DORA / MITTELBAU Strandgata 34 , auch Conrad, wurde am 2. Dezember 1922 geboren. Seine Eltern waren Daniel Caplan und Anna Sara, geborene Glück. Er hatte fünf Geschwister. Caplan wurde bei der ersten Massenverhaftung von Juden am 18. Juni 1941 mitten in einer Prüfung an der Wirtschaftsschule Moldenæs festgenommen. In der Folge wurde er im Jahr 1942 in das KZ Mittelbau-Dora deportiert. Chone Moses Caplan wurde im Februar 1945 während eines Todesmarsches ermordet.
Von seiner Familie überlebten ein Bruder und eine Schwester die Shoah.120px HIER ARBEITETEDANIEL CAPLANGEBOREN 1870DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Strandgata 34 wurde am 15. April 1870 geboren. Er stammte aus dem Golf von Riga im heutigen Lettland und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ende des 19. Jahrhunderts flüchtete er mit seiner Familie vor den Pogromen in Russland. Zuerst lebte und arbeitete er mehrere Jahre in Manchester, später in Bergen und Trondheim. Er heiratete Anna Sara geborene Glück. Das Paar bekam sechs Kinder, darunter die vier Söhne Jakob (geboren 1903), Solly (Salomon) (geboren 1908), Hertze (geboren 1913) und Chone Moses (Conrad) (geboren 1922). 1910 ließ sich die Familie in Tromsø nieder. Daniel Caplan wurde dort ein erfolgreicher Geschäftsmann, erwarb ein Geschäftsgebäude, hatte sechs bis sieben Angestellte und betrieb zusätzlich ein kleines elegantes Geschäft für Einrichtung und Möblierung. Er handelte auch mit Reinigungsartikeln und war Großhändler für Seife. Seine soziale Ader führte dazu, dass er verarmten und benachteiligten Bürgern der Stadt half, praktisch und finanziell. Die NS-Besatzung Norwegens vernichtete alles, was er und seine Familie aufgebaut hatten. Das Haus wurde „arisiert“, er erlitt einen Schlaganfall, wurde verhaftet und auf einer Bahre abtransportiert. Er wurde in den Süden des Landes verschleppt und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Unmittelbar nach seiner Ankunft am 3. März 1943 wurde er in einer Gaskammer ermordet.
Alle vier, oben genannten Söhne wurden ebenfalls in Auschwitz ermordet. Zwei seiner Kinder konnten die Shoah überleben, seine Tochter und einer seiner Söhne. Nach dem Untergang des NS-Regimes kehrte das geraubte Geschäftshaus in Familienbesitz zurück. Heute führt ein Urenkel dort ein Dessous-Geschäft. Der Stolperstein für seinen Sohn Jacob Caplan wurde in Narvik verlegt.120px HIER ARBEITETEHERTZE CAPLANGEBOREN 1913DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Strandgata 34 wurde am 18. Juni 1913 als Sohn von Daniel Caplan und Anna Sara geborene Glück geboren. Seine Eltern stammten aus Litauen und waren aufgrund der Pogrome im Russischen Reich zur Jahrhundertwende nach Manchester emigriert. 1910 kam die Familie nach Norwegen. Hertze hatte fünf Geschwister. Er war ein begeisterter Sportler, unter anderem spielte er Fußball und zählte zur Kampfmannschaft des Vereins SKARP in Tromsø. Er absolvierte seine Lehre als Kaufmann und arbeite im Geschäft seines Vaters, Londoner Basaren. Seine Begeisterung für die Ballsportart Bandy, Vorläuferin des heutigen Eishockey, führte dazu, dass er die notwendige Ausrüstung aus dem Ausland importierte. Er verliebte sich in Ingebjørg Berg, ein Mädchen aus einer christlichen Familie. Sie heirateten in New York und planten, sich dort niederzulassen. Ingebjørg Caplan war zum Judentum konvertiert. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrten sie zurück und bezogen eine Wohnung in Ramfjordgata 14. Im August 1940 wurde die gemeinsame Tochter Anne-Lise geboren. Am 18. Juni 1941 wurde Hertze Caplan verhaftet und in das Gestapo-Lager Sydspissen gebracht. Dort mussten die arbeitsfähigen jüdischen Männern aus Nordnorwegen Zwangsarbeit verrichten, auch er und einer seiner Brüder. 1942 wurde in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort im folgenden Jahr ermordet, ebenso wie sein Vater und drei seiner Brüder.120px HIER ARBEITETESOLLY CAPLANGEBOREN 1908DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 16.12.1942 Strandgata 34 wurde am 12. Mai 1908 geboren. Seine Eltern waren Daniel Caplan und Anna Sara, geborene Glück. Er hatte fünf Geschwister. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung als Vorbereitung auf die Übernahme des väterlichen Geschäftes zusammen mit seinem Bruder Hertze. Caplan wurde bei der ersten Massenverhaftung von Juden am 18. Juni 1941 festgenommen und in das Gestapo-Lager Sydspissen gebracht. Im Jahr 1942 wurde er in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und zur Zwangsarbeit eingeteilt. Solly Caplan wurde am 16. Dezember 1942 ermordet.