mini|Wappen der Familien von Chalon, von Schloen gen. Tribbe und gen. Gehlen Schloen (auch: Sloen, Slon, Schlon, Schliern, Shloen, französisierend Chalon o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälischen Adelsgeschlechts mit Besitztümern nahe der Stadt Minden, der Stadt Lübbecke, der niedersächsischen Stadt Osnabrück und in der Grafschaft Ravensberg.

Familienzweige und Güter Die Herren von Schloen waren ein bis Anfang des 13. Jahrhunderts edelfreies, sodann in die Ministerialität abgestiegenes EdelherrengeschlechtHans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. 2013, S. 100., das an zahlreichen Orten im Gebiet rund um das Wiehengebirge über umfangreiche Lehensgüter und Allodialeigentum verfügte.Ahnentafel von Eckhard Artur Preuschhof (genetalogie.de PDF), Eintrag 7454720, S. 415 (Abgerufen am 18. Juni 2021). Benannt waren sie wohl nach dem ab 1150 erwähnten, 1379 verpfändeten (und dann bald wüst gefallenen) Ort Slon bei Mennighüffen, wo sie einen Adelshof als Stammsitz hatten.Hugo Preuschhof: Ahnenliste des Christian Friedrich Schlick aus Minden, Mindener Heimatblätter, Jg. 39 (1967), S. 88ff., hier S. 96 Digitalisat

Es gab zwei (drei) Zweige der Familie, die sich Anfang des 15. Jahrhunderts teilten, jedoch auch durch einige Heiraten wieder vereinten: mini|200px|Schloss Hueffe, Besitz der Schloen gen. Gehle mini|200px|Husenmühle in Hüllhorst, Besitz der Schloen gen. Tribbe von Schloen genannt Gehle (Gehlen), älterer Zweig, brachte Gutsherren, Ritter, Drosten, etwa zu Schlüsselburg um 1636, mehrere Obristen, einen Generalleutnant im Dreißigjährigen Krieg, einen Regierungsvorsitzenden des Konsistoriums der Herzogtümer Bremen-Verden 1715 hervor, und gelang mit Ludwig Konrad Anton Freiherr von Chalon gen. Gehle († 1758) in den Freiherrenstand. Dieser Zweig war 1529 gleichzeitig Eigentümer des Gutes Holzhausen, der Rittergüter Schloss Hollwinkel im Stadtteil Hedem und „Hüffe“ im Stadtteil Lashorst der Stadt Preußisch Oldendorf, sowie von Burgmannshöfen in Lübbecke. Hollwinkel stand 1439–1758 im Besitz des Zweiges Gehle, das Schloss Ovelgönne bis 1733. Eine Linie dieses Familienzweigs wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach Einheiratung in die Osnabrücker Bürgermeisterfamilie Hetlage bürgerlich, und deren Abkömmlinge nannten sich fortan nurmehr Gehle. mini|200px|Siegel des Reinecke von Schloen gen. Tribbe, 1487Theodor Ilgen: Die westfälischen Siegel des Mittelalters (Münster, 1894–1900); Heft IV, Tafel 230 Nr. 14 mini|200px|Epitaph des Bernd Gier von Voss und erster Gattin, Agnes von Schloen gen. Gehle von Schloen genannt Tribbe, erw. ab dem 14. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert ausgestorben. Die Figenburg war spätestens seit 1398 im Besitz des Tribbenschen Familienzweigs. Seit dem 14. Jahrhundert waren sie Besitzer des Guts Husen (Hüllhorst).Das Areal des Rittersitzes Husen derer von Schloen gen. Tribbe schloss den Hof Husemeyer (Hüllhorst Nr. 8) in Husen, etwa 600 Meter von der Kirche Hüllhorst im Ortskern entfernt, zusammen mit dem Nachbarhof Husemöller (Hüllhorst Nr. 4) ein (Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. 2013, S. 293). Zu anderen Gütern der Familie zählten u. a. 1379 ein Lehenshof in „Verstinchusen“ bei VolmerdingsenHans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. 2013, S. 133., eines der Herrenhäuser zu Arenshorst, ein Burgmannshof (Tribbenhof) in Lübbecke und ein weiterer Rittersitz des Zweiges Tribbe in Eickhorst im Amt Hausberge (später Hofgut Oexemann).Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. 2013, S. 144. Zudem war das Rittergut Wickriede (Weyckryden), Kirchspiel Hille, erworben 1617 von Reineke Amelung Tribbe, Domherr in Minden, noch um 1650 im Besitz seiner Söhne Hieronymus Henrich und/oder Johann Philipp von Schloen gen. Tribbe.Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. 2013, S. 428. Bekanntester Vertreter der Tribbe war wohl Heinrich von Sloen, gen. Tribbe († 1464), Domherr zu Minden und Geschichtsschreiber, der eine Beschreibung des Stifts Minden (um 1460) verfasste. Die Tribbe waren zudem Stifter der Kirche St. Ulricus (Börninghausen)private Website preussischoldendorf.de, abgerufen am 13. Februar 2022.In St. Ulricus finden sich an einer Wand alte eingeritzte Heiligenfiguren. Bei der linken handelt es sich um Thomas Becket, der in rotem Gewand und mit einem Barett dargestellt ist. Becket wurde besonders von den Welfen als Heiliger verehrt. Rechts neben einer Inschrift findet sich die Figur der Katharina von Alexandrien mit Attributen. Diese beiden Heiligen waren wohl Hausheilige des Gutes Figenburg der Familie von Schloen gen. Tribbe, deren Vorfahren einst Gefolgsleute der Welfen und daher mit dem Kult um Thomas Becket in Berührung gekommen waren. Noch bis in die Frühe Neuzeit hinein hielten die Tribbes die Erinnerung an Thomas Becket wach;Sebastian Schröder: Routen der Reformation Lübbecker Land-Börninghausen. Uni Münster, Institut für vergleichende Städtegeschichte (uni-muenster.de). und Besitzer von Gut Groß-Engershausen. von Schloen genannt Amstel (Armstenradt ?)Christian Friedrich August von Meding: Nachrichten von adelichen Wapen. Band 3, 1791, S. 825 (books.google.de). oder Hamstorf, ein in Urkunden kaum nachweisbarer, eher legendenhafter Zweig des Geschlechts.

Ob eine in manchen Schriftquellen unterstellte Verwandtschaft zum französischen Geschlecht Chalon, einer Linie des Hauses Burgund-Ivrea, oder zu den Grafen von Chalon bestand, bleibt spekulativ. Jedoch lässt sich eine vage Ähnlichkeit bei den jeweiligen Wappen feststellen.

Wappen Blasonierung: In Rot ein goldenes Andreaskreuz mit vier in den Winkeln eingeschlossenen goldenen Kugeln (Ringen). Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein gold bekleideter Rumpf (oder Puppe, in vielen Aufschwörungen braune Hautfarbe) mit nach rechts abflatternder schwarzer Binde zwischen einem rechts goldenen und links roten offenen Flug.Anton Fahne: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter. (Verlag J. M. Heberle, Köln 1848), S. 165 (books.google.de).

Es ist Bestandteil des Wappens der Gemeinde Hüllhorst.

Stammliste Namensträger (Auswahl), mit ungefährem Datum laut diversen Quellen Älteste Linie

Linie nach Reineke II. von Schloen, gen. Tribbe (1450–1516)

Mitglieder des Tribbe-Zweigs mit unklarer Zuordnung Eustachius von Schloen gen. Tribbe (lebt um 1360?) Georg Tribbe († 1665), Bürgermeister und Bildhauer, in der Stiftskirche St. Marien (Obernkirchen) Tribbe-Epitaph Lambert von Schloen gen. Tribbe, Domkantor zu Minden, und Bruder Johann um 1637 (Obligation zugunsten der Vikare im Dom zu Minden)Landesarchiv NRW Abt. Westfalen; Minden-Ravensberg Regierung Lehen II, 131 II (Bl. 312).

Zweig von Schloen, genannt Gehlen

Literatur Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Neue Folge. Historische Kommission für Westfalen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Aschendorff Verlag, 2013, ISBN 978-3-402-15113-6 (lwl.org PDF, abgerufen am 1. Juni 2020). Helmut Hüffmann: Der Tribbenhof am Markt in Lübbecke und seine Bewohner. 2007 (luebbecke.de). Ahnenprobe des Chalon genannt Gehlen zu Hollwinkel. Hüffe u. Lübke, 25. Januar 1755, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, A 12, 63 (deutsche-digitale-bibliothek.de). Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil 2, 1.2: Estland, Görlitz, 1930, S. 95–111, hier S. 102 (daten.digitale-sammlungen.de). Karl Adolf von der Horst: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden. Stargardt, Berlin 1894, S. 17–18 (sammlungen.ulb.uni-muenster.de). Karl Adolf von der Horst: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden. Nachtrag. Werneburg, Lübbecke 1899, S. 15–16 (sammlungen.ulb.uni-muenster.de). Helmut Richtering: Der Nachlaß des Ludwig von Chalon gen. Gehlen, Herr zu Hollwinkel und Hüffe In: Sonderdruck aus: An Weser und Wiehen, Mindener Geschichtsverein, 1983 (Eingeschränkte Vorschau bei books.google.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 30; Band 2, Görlitz 1903, Tafel 75.

Weblinks

Artikel Dorfgemeinschaft Hedem e. V. (2020) nach Berthold von der Horst über Schloss Hollwinkel und den Zweig Gehlen, abgerufen am 18. März 2020 Darstellung zu Rittergut Holzhausen und dem Zweig von Schloen, genannt Gehlen, abgerufen am 18. März 2020 private Website www.30jaehrigerkrieg.de Dr. Bernd Warlich, Volkach, Näheres zu Cord Plato v. Schloen, gen.Gehle С. К. Яковченко: Рейнеке – не только Лис 291 с. (Sergej Yakovchenko: Reinecke – nicht nur Fuchs; veröffentlicht als issuu.com PDF, Kopenhagen 2012. S. 192), abgerufen am 18. März 2020.

Einzelnachweise und Anmerkungen

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