Die Herren von Winkel, werden gelegentlich auch „von Winkl“ genannt, obwohl die Form von Winkel nicht nur mit der Erstnennung des Stammvaters der Familie 1138/43 als „Poppo von Winchele“,Günter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie, Universität Wien, 2015, S. 17 (Online PDF; 5,2 MB). sondern auch mit der Siegelumschrift des Friedrich von Winkel „S. Friderice de Winchel“ aus dem Jahre 1362 übereinstimmt.Raimundi Duelii, „Exceptorum Genealogico-Historicorum Libri Duo, Lipsiae , Petrum Conradum Monate“, Anno MDCCXXV, S. 186. Sie waren ein niederösterreichisches Adelsgeschlecht mit dem (abgekommenen) Stammsitz in Winkl und später in Schloss Winklberg – ein heute abgegangenes Schloss in Mitterstockstall in der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, im Bezirk Tulln in Niederösterreich. Dessen Stammvater Poppo von Winkel tritt erstmals um 1138/40 urkundlich auf, wodurch die Familie zum niederösterreichischen Uradel zählt. Das Geschlecht, über dessen Herkunft verschiedene Vermutungen bestehen, zählte zunächst zu den Ministerialen der österreichischen Landesfürsten aus dem Haus der später so genannten Babenberger und später zum österreichischen Herrenstand, verschwägerte sich mit bedeutenden österreichischen Adelsgeschlechtern und stellte mit Albert III. von Winkel einen Fürstbischof im Hochstift Passau der von 1363 bis 1380 regierte. Das Geschlecht erlosch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, hinterließ jedoch in weiblicher Linie bis heute lebende Nachkommen – etwa über die Herren und Grafen von Schärffenberg, die zu den zwölf Apostelgeschlechtern Österreichs zählen, da sie schon zur Zeit der Babenberger (976–1246) hier ansässig waren.

Herkunft Über die Herkunft des als Stammvater angesehenen Poppo von Winkel bestehen nach der umfassenden Arbeit von Günter MarianGünter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. op. cit, S. 17 f. verschiedene Vermutungen, die auf das gemeinsame Auftreten in Urkunden und auf Gemeinsamkeiten der Namensgebung gestützt werden, aber keine Gewissheit.

Identisch mit dem Ministerialen Poppo († vor 1136)? Demnach besteht einerseits die Vermutung, dass der um 1038/41 erstmals urkundliche Poppo von Winkel, der als Stammvater gilt, mit Poppo, einem Ministerialen von Markgraf Leopold III. von Österreich (regiert von 1095 bis 1136) identisch sei, und damit vermutlich aus der bedeutenden Sippe der Sittendorf-Hietzing-Maissauer abstammen dürfte, deren namengebende Sitze in Niederösterreich, im Wienerwald sowie zwischen Manhartsberg und Wagram zu finden sind. Die Vorfahren des markgräflichen Ministerialen kamen möglicherweise bereits während der Ungarnkriege in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach Österreich, wo sie im Zuge ihres Einsatzes bei der Abwehr gegen das aus dem Osten vordringende Reitervolk der Ungarn zunächst in Sittendorf im Wienerwald einen ihrer ersten Stützpunkte errichtet haben dürftenNÖUB Vorausband 162, 291; Maximilian Weltin: Landesfürst 519 f. Zu den Ungarnkriegen und der anschließenden Grenzraumstabilisierung NÖUB I 279–284. Bei den ersten in den Quellen fassbaren Vertretern der Herren von Sittendorf handelte es sich um die Brüder Rüdiger, Rupert und Rudolf, von denen die beiden erstgenannten Rüdiger und Rupert zweifellos mit den gleichnamigen Brüdern des in Klosterneuburg bestatteten markgräflichen Ministerialen Poppo gleichgesetzt werden können.Günter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. op. cit, S. 18.

Identisch mit Poppo von Kierling (cl. 1114) ? Andererseits besteht die Vermutung, dass Poppo von Winkel mit einem Poppo von Kierling (heute Teil der Stadt Klosterneuburg) identisch sei, der bereits 1114 urkundlich auftritt und aus der – bescheideneren – markgräflichen „familia“ stammen dürfte, die in engem Bezug zur markgräflichen Residenz in Klosterneuburg stand und deren Kern von der sogenannten „Opold-Pilgrim-Erchenger-Sippe“ gebildet wurde, einem Personenverband, der wahrscheinlich auf die Gefolgschaft des in den achtziger Jahren des 11. Jahrhunderts als „Antigregorianer“ zur Emigration gezwungenen Grafen Walter von Kling (im Landkreis Rosenheim in Bayern) zurückführen ist.Hilde Dienst, Regionalgeschichte, S. 150–164.

Nach Günter Marian ist die erste These wenig wahrscheinlich, da Poppo, der „ministerialis marchionis Lubold Bobpo nomine“ noch zu Lebzeiten seines Herrn Markgraf Leopold III. in dessen Stiftung Stift Klosterneuburg bestattet wurde, während Poppo von Winkel erst kurz vor 1060 verstarb. Daher hält er die zweite These, der Identifizierung Poppos von Winkel mit Poppo von Kierling für wahrscheinlicher.Günter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. op. cit, S. 18.

Offene Fragen Aber auch die Wahrscheinlichkeit der zweiten These lässt sich hinterfragen, da sie gleich auf mehrfachen Vermutungen beruht. So etwa auf der Vermutung, dass Poppo von Winkel, der erstmals um 1140 urkundlich fassbar wird und erst gegen 1160 verstarb, identisch mit dem bereits 1114 urkundlichen Poppo von Kierling sein soll. Dies setzt nicht nur ein für damals sehr hohes Lebensalter voraus, sondern auch, dass Poppo von Kierling nicht aus der Ministerialität, sondern aus der bescheideneren – oft kaum über Eigenbesitz verfügendenHilde Dienst, Regionalgeschichte, S. 164. – „familia“ der österreichischen Landesfürsten in Klosterneuburg stammt, da mit diesen eine deutliche Übereinstimmung bezüglich der Namensgebung besteht.Günter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. op. cit, S. 22. Gestützt wird diese These durch die weitere Vermutung, dass Poppo von Winkel mit dem 1131 urkundlichen markgräflichen Güterpropst (prepositus marchionis) in Krems namens Poppo identisch sei, der sein Amt für die Errichtung der nahegelegene Herrschaft Winkl auf dem Boden des ehemaligen Königsgutes Sigemareswerd genutzt haben könnte. Eine günstige Heirat könnte dann die materiellen Voraussetzungen zu herrschaftlichen Erschließung des Umlandes und der Errichtung weiterer Sitze geboten haben.Günter Marian: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld. op. cit, S. 27, S. 31. Aus der Familie des Ministerialen Poppo (+ vor 1136) ? Angesichts der zahlreichen Vermutungen könnte auch eine dritte These zur Herkunft des Poppo von Winkel in den Raum gestellt werden, wonach dieser zwar nicht mit dem Ministerialen Poppo des Markgrafen Leopold III. identisch war, aber dessen Sohn gewesen sein könnte.

Für diese These spricht die geringe Wahrscheinlichkeit der alternativen Vermutungen. Die Vermutung über die doppelte Identität von Poppo von Winkel mit dem bereits 1114 genannten Poppo von Kierling und mit dem 1131 bloß als „Poppo“ bezeichneten markgräflichen Güterpropst erscheint doppelt fraglich, da sie nicht nur ein außergewöhnliches Lebensalter des erstmals um 1140 auftretenden Poppo von Winkel, sondern darüber hinaus ein wenig wahrscheinlichen mehrfachen Namenswechsel voraussetzt: von Poppo von Kierling (1114) zu „Poppo“ ohne Herkunftsnamen (1131) und schließlich zu Poppo von Winkel ab 1140. Auch ist der vermutete soziale Aufstieg Poppos von Winkel nicht erkennbar, da er bereits zu Beginn seines urkundlichen Auftretens 1141 als einer der engsten Ministerialen der österreichischen Landesfürsten, von Markgraf-Herzog Leopold IV. und 1156 von Herzog Heinrich II. Jasomirgott auftritt.

Für die These der Verwandtschaft des Poppo von Winkel mit Poppo dem Ministerialen (+ vor 1136) von Markgraf Leopold III. und damit zu der bedeutenden Sippe der Sittendorf-Hietzing-Maissauer, spricht vor allem die Tatsache der weitgehenden Identität der Wappen der Winkler mit dem Wappen der Herren von Maissau, wie Günter Marian selber festhält: „Das von Enenkel († 1627) den ungleich bedeutenderen Herren von Maissau nachgesagte Wappen, beschrieb er als schwarzes Einhorn im silbernen Schild. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um das Wappen der Herren von Winkl, das sich von dem der Maissauer alleine in der Schildfarbe unterscheidet, denn die Maissauer führten gleichfalls ein schwarze Einhorn – allerdings im goldenen Schild.“Günter Marian, S. 108.

Es ist daher ziemlich sicher, dass Poppo von Winkel aus der Familie des Ministerialen Poppo stammt und immerhin sehr wahrscheinlich, dass er – wegen der Namensgleichheit, aus zeitlichen Gründen sowie wegen der Ausübung derselben Funktion als Ministeriale am Hof der österreichischen Landesfürsten – dessen Sohn war.

Bekannte Vertreter