mini|hochkant=1.8|Mückentaler von 1599 (Durchmesser 41 mm)
Der Mückentaler, fälschlich auch WespentalerHeinz Fengler, …: transpress Lexikon Numismatik … (1976), S. 418 genannt, war ein 1599 geprägter sogenannter emblematischer Taler des Herzogs Heinrich Julius zu Braunschweig und Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel (1589–1613), der dem Wahrheitstaler folgte. Die Vorderseite zeigt zwölf Wappenschilde, die Rückseite einen Löwen, der den Herzog versinnbildlicht. Ihm fliegen zehn Wespen zu, die adelige Familien seines Landes symbolisieren. Die Wespen werden vom Löwen als Mücken wahrgenommen, da der Adler, der den Kaiser versinnbildlicht, ihn schützt.
Der Taler diente dem Herzog als Propagandamittel in den Auseinandersetzungen mit einigen adligen Familien seines Landes.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon … (2005), S. 290: Mückentaler Auf den Mückentaler folgte der Pelikan- oder Patriotentaler.
Münzgeschichtliche Zusammenhänge mini|hochkant|In J. D. Köhlers Münzbelustigung ist der Taler als Mückentaler bezeichnet, obwohl er im Münzbild Wespen beschreibt.
Der Taler des Herzogs Heinrich Julius ist einer der emblematischen Taler, der von dem Historiker und Numismatiker Johann David Köhler als vierter Sinnbildtaler und sogenannter „Mücken-Thaler“ bezeichnet wurde. Dieser zeigt
Köhlers Erklärung dazu ist, dass der Herzog damit sagen will,
mini|Eine der Wespen des Mückentalers
Das ist wahrscheinlich auch eine Erklärung dafür, dass Köhler den Talernamen „Mückentaler“ übernommen hat, obwohl er Wespen in seiner Beschreibung erwähnt. Der Talername stammt wahrscheinlich vom Herzog selbst, der die Wespen auf dem Taler als Mücken bezeichnete (die er nicht zu fürchten braucht).
Unter dem „Schwarm unruhigen Köpfe“ sind adelige Familien seines Fürstentums gemeint, mit denen er Auseinandersetzungen vor dem Reichskammergericht hatte.
Nach Karl Christoph Schmieder ist der „Wespenthaler [oder] Mückenthaler, eine Stachelmünze des Herzogs […] Heinrich Julius von 1599“. Die Vorderseite zeigt, so Schmieder, „zwölf Wappenschilder in Form einer Rose zusammengesetzt.“ Der Löwe auf der Rückseite „zerstört ein Wespennest, daraus 10 Wespen wild auf ihn zufahren. Dieser Thaler wurde geschlagen“, so der Gelehrte, „nach dem der Kaiser die 10 Vasallen des Herzogs, die sich wider ihn aufgelehnt, bestraft hatte.“Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde (1811), S. 472: Beschreibung Der Mückentaler wurde nach dem Rebellentaler, Lügentaler und dem Wahrheitstaler geprägt, nach dem Heinrich Julius vom Kaiser Rudolph II. (1567–1612) unterstützt wurde.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon … (2005), S. 290: Unterstützung durch den Kaiser
Heinrich Julius, der sich bald nach seinem Regierungsantritt durch Verschwendungssucht und Steuererhöhungen unbeliebt machte, wurde auch als Dramatiker bekannt.Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, 1885–1890 Wahrscheinlich erklärt das auch seinen ausgeprägten Hang zu emblematischen Darstellungen auf Talern, mit denen er Sympathie für seine Politik erzielen wollte.
Münzbeschreibung Der sogenannte Mückentaler ist ein in der Münzstätte Osterode und Goslar geprägter silberner Reichstaler des Herzogs Heinrich Julius aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Verantwortlich für die Münzprägung in Osterode war der Münzmeister Heinrich Oeckeler, der von 1590 bis 1600 dort tätig war, sowie Heinrich Depsem,N. D. Nicol, Marian S. More, Fred J. Borgmann: Standard Catalog (1995): Heinrich Depsern und Heinrich Oeckeler der in der Münzstätte Goslar den Münzbetrieb leitete. Der abgebildete Taler trägt das Münzmeisterzeichen Herz über Zainhaken mit Pfeil gekreuzt des Münzmeisters Heinrich Depsern. Der Taler im Bild oben wiegt 29,05 Gramm und hat einen Durchmesser von 41 mm.
Vorderseite Die Vorderseite zeigt zwölf Wappenschilde, die in Form einer Rose zusammengesetzt sind. Zwischen zwei Wappen am Innenkreis befindet sich das Münzmeisterzeichen.
Umschrift: HENRICUS • IULIUS • D(ei) • G(ratia) • P(ostulatus) • E(piscopus) • HA(lberstadensis) • D(ux) • B(runsvicensis) • ET •L(uneburgensis) • 15 * 99 • P(ro) • P(atria) • C(onsumor) • (Nach der Jahreszahl erscheint der Wahlspruch von Heinrich Julius.)Johann David Köhler: Münzbelustigung, Band 3 (1731), S. 346 Übersetzung: Heinrich Julius von Gottes Gnaden, postulierter Bischof zu Halberstadt, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Sein Wahlspruch lautet übersetzt: Für das Vaterland verzehre ich mich.
Rückseite Die Rückseite zeigt einen sitzenden Löwen auf einer Blumenwiese mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf, der von sechs Wespen von vorn und vier von hinten angegriffen wird. Über dem von der Sonne bestrahlten Löwen schwebt ein Adler. Das Rückseitenbild ist von einem Lorbeerkranz umrahmt, der aus vier miteinander verbundenen Teilen besteht. Der abgebildete Taler zeigt einen Doppelschlag.Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde (1811), S. 472
Siehe auch Luftpumpentaler der Braunschweiger Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel Lichttaler von Herzogs Julius des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel Brillenmünze oder Brillentaler von Herzogs Julius des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel Juliuslöser aus der Münzstätte Heinrichstadt in Wolfenbüttel
Literatur Johann David Köhler: Im Jahr 1729 wöchentlich herausgegebene Historischer Münz-Belustigung, Band 3, 1731 Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, Halle und Berlin 1811 Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005 N. D. Nicol, Marian S. More, Fred J. Borgmann: Standard Catalog of German Coins 1601 to present 1995
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Talermünze Furstentum Braunschweig Wolfenbuttel Furstentum