mini|Zentrum von Kardaun Kardaun () ist ein Dorf mit rund 500 Einwohnern in Südtirol. Es gehört als Fraktion zur Gemeinde Karneid und beherbergt auch das Rathaus dieser. Mit ist es das tiefgelegenste Dorf im Eisacktal und grenzt am äußersten an die Landeshauptstadt Bozen. Das Ortsbild von Kardaun ist heute stark von den großen Verkehrsinfrastrukturen bestimmt, die sich von Bozen kommend ins Eisacktal ziehen. In Kardaun befinden sich das Rathaus der Gemeinde Karneid, eine Grundschule für die deutsche Sprachgruppe, ein Sozial- und Gesundheitssprengels sowie ein Sozialzentrum mit Behindertenwerkstätte.

Geographie Kardaun ist mit das tiefgelegenste Dorf des Eisacktals, das hier seinen schluchtartigen Charakter verliert, ehe es sich im Bozner Talkessel mit dem Etschtal vereint. Bei Kardaun zweigt das Eggental vom Eisacktal Richtung Südosten ab. Der kleine Ortskern liegt im engen Talboden zwischen dem Eisack und dem Kardauner bzw. Eggentaler Bach. In erhöhter Hanglage über dem Ort befinden sich das Dorf Karneid und Burg Karneid.

Demographie mini|Maria-Hilf-Kirche im alten Ortskern Zum 31. Dezember 2025 hatte Kardaun 483 Einwohner, 251 Frauen und 232 Männer.

Geschichte Möglicherweise ist die aus der Antike bezeugte römische Militärstation Pons Drusi bei Kardaun zu suchen.

Die Örtlichkeit Kardaun wird im Traditionsbuch des hier begüterten Augustinerchorherrenstifts Neustift in den Jahren 1190–1196 als Kardun ersturkundlich genannt.Max Schrott: Liber testamentorum Conventus Neocellensis (= Geschichtsquellen des Etschlandes 1). Bozen 1967, Nr. 143. Der Name dürfte auf zurückgehen; das mögliche Ausgangswort *Cardumen (Mengensuffix -men) bedeutet so viel wie ‚bei den Disteln‘.

Historisch war Kardaun bis 1760 der Standort eines Zollhauses des Kunterswegs, der – ausgehend von der bis 1866 bestehenden Brücke am Feigenstein – seit der Mitte des 14. Jahrhunderts die Eisackschlucht zwischen Kardaun und Kollmann als bedeutende inner- und transalpine Verkehrsroute erschlossen hatte. Gerichtsherrschaftlich rechnete Kardaun in älterer Zeit zum Gerichtssprengel Steinegg, wie Urkunden des 15. Jahrhunderts bezeugen („ad Gardaun in iurisdictione Stainegkh“ im Jahr 1426; „im Gardaun im gericht Stainegkh“ 1490). Im gleichen Zusammenhang ist 1490 auch das Ortsried Unterkardaun (Vnndergardaun) belegt.

Die Maria-Hilf-Kirche im Dorf wurde um 1700 erbaut, 1875 vergrößert und 1944 aufgrund der Bombardierung der Brennerbahnlinie im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt; ihr wurde in der Nachkriegszeit eine an erhöhter Position nach Entwurf von Erich Pattis neu errichtete Pfarrkirche zur Seite gestellt (mit Fassadenfresko des Hl. Wolfgang von Johann Baptist Oberkofler).Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. Band 2: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau. 7. Auflage, bearb. von Magdalena Hörmann-Weingartner. Bozen-Innsbruck-Wien: Athesia-Tyrolia 1991. ISBN 88-7014-642-1, S. 109–110.

Im 19. und 20. Jahrhundert befand sich in Kardaun eine Porzellanfabrik, die die Lehmvorkommen des Gebiets nutzte.Traudl Oberrauch-Wittig, Klaus-Jürgen Wittig: Zur Chronologie der Porzellanfabrik von Ignaz Kircher in Kardaun bei Bozen. In: Der Schlern 71, 1997, S. 139–154.

Infrastruktur

Verkehr mini|Wasserkraftwerk Kardaun Das Ortsbild von Kardaun ist heute stark von den großen Verkehrsinfrastrukturen bestimmt, die sich von Bozen kommend ins Eisacktal ziehen: die Brennerautobahn, die Brennerstaatsstraße und die Brennerbahn. Letztere verläuft seit 1998 ostwärts Richtung Blumau im nach dem Dorf benannten Kardauntunnel. Ebenfalls östlich des Ortszentrums nimmt die das Eggental erschließende SS 241 ihren Anfang. Zudem führt die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ vorbei, die bei Kardaun als Radkunstweg „Augenreise“ gestaltet ist.

Unternehmen Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Laufwasserkraftwerk Kardaun, welches seit dem 25. August 1929 in Betrieb ist und eine mittlere Jahresproduktion von 620 GWH aufweist. Es ist das einer der größten Kraftwerke seiner Art in Südtirol.

Zudem gibt es in Kardaun einige Unternehmen der Lebensmittelindustrie.

Persönlichkeiten Waltraud Gebert-Deeg (* 1928 in Kardaun; † 1988 in Bruneck), Politikerin der Südtiroler Volkspartei und Mitglied der Landesregierung

Literatur Hans Rottensteiner: Gemeinde Karneid: Steinegg, Gummer, Karneid, Kardaun und Blumau (= Südtiroler Gebietsführer 11). Bozen: Athesia 1977.

Weblinks

Kardaun auf suedtirolerland.it

Einzelnachweise

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