IgG4-Autoimmunerkrankungen sind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, die durch Antigen-spezifische Autoantikörper der Immunglobulin-G-Subklasse IgG4 verursacht werden. Zu den Erkrankungen zählen unter anderem die MuSK-positive Myasthenia gravis, Pemphigus vulgaris, Pemphigus foliaceus, Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura oder Idiopathische membranöse Glomerulonephritis.
Im Gegensatz zur Gruppe der IgG4-assoziierten Erkrankungen (IgG4-related diseases) werden Fibrose, IgG4-Plasmazell-Infiltrate und erhöhte IgG4-Serumspiegel für gewöhnlich nicht beobachtet.
Epidemiologie IgG4-Autoimmunerkrankungen sind selten, mit Prävalenzen bis maximal 5 pro 10.000 Einwohnern.Orpha.net
Erkrankung Antigen Prävalenz pro 10.000 Einwohner MuSK Myasthenia gravis Muskelspezifische Kinase / MuSK 0.02 Chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie Contactin-1 / CNTN1 < 0.014 Periphere Neuropathie, Chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie Neurofascin 155 / NF155 < 0.014 Pemphigus foliaceus Desmoglein 1 / Dsg1 0.1-0.95 Pemphigus vulgaris Desmoglein 3 / Dsg3 1-5 Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura A disintegrin and metalloproteinase with a thrombospondin type 1 motif, member 13 / ADAMTS13 1-5Diverse Erkrankungen des peripheren und zentralen Nervensystems, z. B. Limbische Enzephalitis Contactin-associated protein-like 2 / CASPR2 unbekannt Limbische Enzephalitis Leucine-rich, glioma inactivated 1 / LGI1 unbekannt Primäre membranöse Glomerulonephritis Phospholipase-A 2-Rezeptor / PLA2R 0.1 Primäre membranöse Glomerulonephritis Thrombospondin Type 1 Domain Containing 7A / THSD7A 0.003 Chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie Contactin-associated protein-like 1 / CASPR1 < 0.014 Goodpasture-SyndromTyp IV Kollagen 0.001-0.009 Autoimmune Enzephalopathie mit Parasomnie und obstruktiver Schlafapnoe / IgLON5 Parasomnie IgLON Family Member 5 / IgLON5 <0.001 Limbische Enzephalitis mit DPP6-Antikörpern Dipeptidyl-peptidase-like protein 6 / DPPX <0.001
Krankheitsmechanismus IgG4-Autoantikörper blockieren wichtige Bindestellen auf Proteinen und verhindern ihre normale Funktion im Körper. Dabei werden Protein-Protein-Interaktionen blockiert, das führt zur Unterbrechung von Signaltransduktionswegen, Verlust von Zelladhäsion oder Blockierung von Enzymen oder Rezeptoren. Beispielsweise blockieren Antikörper gegen die muskel-spezifische Kinase (MuSK) die Interaktion mit dem Protein lipoprotein receptor-related protein 4 (Lrp4) und unterbindet so die Signaltransduktion für die Aggregation von Acetylcholinrezeptoren (AChR) an der neuromuskulären Synapse. Somit kommt es zu reduzierter Rezeptordichte und Beeinträchtigung der neuromuskulären Reizweiterleitung, was zu ermüdbarer Muskelschwäche führt.
Diagnose Zur Identifizierung von IgG4-Autoimmunerkrankungen existiert ein Klassifizierungssystem. Hierbei wird die Pathogenizität der IgG4-Autoantikörper festgestellt. Dazu müssen drei Kriterien erfüllt werden: Die IgG4-Autoantikörper müssen ein spezifisches Antigen erkennen, das im betroffenen Organ vorhanden ist. Ein Krankheitsmechanismus muss in vitro nachweisbar sein. Die Krankheit muss sich durch passiven Transfer von isoliertem IgG4 aus Patientenserum in Tiermodelle reproduzieren lassen.
Einzelnachweise
Kategorie:Autoimmunerkrankung