mini|hochkant=1.5|Bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen in Belgien nach Gemeinde (kumulativ, seit Beginn der Erfassung) Die COVID-19-Pandemie in Belgien war ein Teil der COVID-19-Pandemie. Diese hatte sich seit Dezember 2019 von China ausgehend ausgebreitet.

Situation Die erste Welle der COVID-19-Pandemie traf Belgien hart. Ende Mai 2020 war Belgien mit etwa 840 COVID-Toten pro 1 Million Einwohner (vor Italien und Spanien und nach San Marino) das am zweitstärksten betroffene Land Europas.Coronavirus update, bei worldometers.info, abgerufen am 2. Juni 2020, 16h15Kleines Land, viele Tote. Tagesschau, 16. April 2020, abgerufen am 29. April 2020.

Dies liegt unter anderem daran, dass die belgischen Behörden auch Verdachtsfälle als Corona-Tote zählen.Analysis: Can we trust Belgium's COVID-19 death statistics?. Euronews, 22. April 2020 Maßgeblich ist der Eintrag auf dem Totenschein. Belgiens Statistik folgt damit den Empfehlungen der europäischen Infektionsschutzbehörde (ECDC). Belgien erfasse so die Übersterblichkeit akkurat, äußerte Belgiens Chefvirologe Steven Van Gucht; in Frankreich und Luxemburg wird dies ebenso gehandhabt. Das gilt als der beste Indikator dafür, wie stark ein Land von der Pandemie betroffen ist.FAZ.net vom 4. Mai 2020: Warum gibt es in Belgien so viele Corona-Tote? Marc van Ranst (Professor für Virologie an der Katholischen Universität Leuven) meinte in einem Interview mit der Zeitung De Volkskrant, dass die belgische Staatsstruktur Leben gekostet habe. Laut seiner Aussage seien acht Gesundheitsminister, die sich untereinander nicht einmal kennen würden, für ein kleines Land wie Belgien zu viel. Gemeint war damit die Aufteilung der Kompetenzen im Gesundheitswesen zwischen Föderalstaat, Regionen und Gemeinschaften. So liegt beispielsweise die Zuständigkeit für Regelungen für einen Rettungstransport beim Föderalstaat, für einen normalen Krankentransport dagegen bei den Regionen.

Am 1. Oktober 2020 sprach das Auswärtige Amt wegen stark gestiegener Neuinfektionszahlen eine Warnung vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ nach Belgien aus.www.auswaertiges-amt.de, FAZ.net Zuvor hatte es bereits Warnungen vor Reisen in einzelne Provinzen Belgiens gegeben.

In KW 40 wurden 18.878 neue Infektionen registriert, in der 41. KW 38.807 (+ 106 %), in der 42. KW 72.113 (+ 89 %) und in der 43. KW 104.781 (+ 45 %). In vier Wochen (28. September bis 25. Oktober 2020) stieg die Zahl also von 18.878 auf 104.781 (+ 455 %).alle Zahlen von epistat.wiv-isp.be, abgerufen am 31. Oktober 2020.

Ende Oktober 2020 kündigte die Föderalregierung weitere Verschärfungen an, unter anderem die Schließung vieler Geschäfte bis zum 13. Dezember, die Verlängerung der Schul-Herbstferien bis zum 15. November und weitere Kontaktbeschränkungen.Belgier dürfen nur einen Besucher pro Woche zu Hause empfangen; bei Alleinstehenden sind es zwei (sogenannte „knuffelcontacte“). faz.net vom 30. Oktober 2020, Meldung von 19:18 Die zweite Welle erreichte in der letzten Oktoberwoche ihre Hochphase (bis zu 1600 Neuinfektionen täglich); dann flaute sie ab. Im Januar und Februar wurden täglich etwa 200 Neuinfektionen registriert. Im März 2021 stieg die Zahl der Neuinfektionen wieder an (bis zu 500 Neuinfektionen pro Tag); in der dritten Juniwoche erreichte sie einen Tiefpunkt. Seitdem steigt sie wieder; Mitte Juli verursachte die ansteckendere Delta-Variante 63 % der Neuinfektionen.

Verlauf

Februar 2020 Die erste SARS-CoV-2-Infektion wurde Anfang Februar 2020 bei einem Rückkehrer aus Wuhan festgestellt.

März 2020 Am 1. März 2020 wurde bekannt gegeben, dass eine am 27. Februar 2020 von einer Geschäftsreise aus Nordfrankreich Zurückgekehrte COVID-infiziert war. Sie meldete sich bei der Uniklinik Antwerpen, einem der beiden Referenzkrankenhäuser des Landes in Sachen Coronavirus, und kam in Quarantäne. Am 4. März 2020 wurde ein Baby mit COVID-Symptomen in die Notaufnahme der Clinique Notre-Dame de Grâce in Charleroi gebracht.

Laut einer Reportage des flämischen TV-Senders VRT lassen sich 13 der ersten 23 Fälle in Belgien auf ein Hotel in Südtirol zurückführen, in dem belgische Urlauber in den Karnevalsferien Ende Februar wohnten. Da die Erkrankung damals noch unterschätzt wurde, erfolgte die Testung der Erkrankten und eine Ermittlung der Kontaktpersonen nur verzögert. Der erste Todesfall wurde am 11. März 2020 registriert. Bis zum 16. März 2020 wurden 1.058 Fälle und zehn COVID-Tote registriert.

April 2020 Die Zahl der Todesfälle in Belgien stieg ab Mitte März 2020 und erreichte am 10. April ihren höchsten Stand (an diesem Tag starben insgesamt 676 Menschen – genau ein Jahr zuvor waren es nur 303). Von Ende April gab es fast keine Übersterblichkeit mehr (dies blieb bis Mitte Oktober 2020 so).Belgisches Statistikamt: Sterblichkeit 2021 Am 1. April 2020 zählte die amtliche Statistik 1011 COVID-Tote; am 1. Mai waren es 7765, also 6754 Tote im April. Belgien war damit vor Italien (Zahlen) und Spanien (Zahlen) das von der ersten COVID-19-Welle am härtesten getroffene Land.

Juli 2020 Von etwa Mitte Juli bis Ende Oktober verzeichnete Belgien eine deutlich steigende Zahl von Neuinfektionen – allein am 22. Juli 2020 waren es 542. Am 27. Juli 2020 beschloss die Regierung Maßnahmen, die als letzte Stufe vor einem neuen Lockdown galten. Die Provinz Antwerpen war besonders stark betroffen; für die dort lebenden zwei Millionen Menschen gelten weitere Beschränkungen.Belgien steht kurz vor erneutem Lockdown Tagesspiegel, 28. Juli 2020, abgerufen am 30. Juli 2020.

September 2020 Anfang September 2020 gab es in Belgien 26 Gemeinden mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: alle Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt, fünf nördlich dieser Region gelegene Gemeinden im Arrondissement Halle-Vilvoorde sowie die Stadt Antwerpen und die östlich an sie grenzende Gemeinde Borsbeek. Diesen Gemeinden wurde am 4. September 2020 auferlegt, eigene Krisenzentren zu bilden, die auch örtliche Maßnahmen anordnen dürfen.

Ende September 2020 war die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den beiden Wochen auf 139 gestiegen.Belgien verabschiedet sich von der Maskenpflicht (faz.net vom 24. September 2020) Die Zahl der notwendigen Krankenhausbehandlungen war doppelt so hoch wie Anfang September. Allerdings blieb die Zahl der notwendigen Behandlungen auf der Intensivstation auf relativ niedrigem Niveau.

Am 26. September 2020 gab es täglich 1.540 Neuinfektionen pro Tag. Das entsprach landesweit durchschnittlich 150 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen. Es gab Gemeinden, wo der örtliche Wert noch höher war, und die daher von der Regierung zu lokalen Maßnahmen aufgefordert wurden.

Oktober 2020 Per 3. Oktober 2020 war die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Durchschnitt der letzten sieben Tage auf landesweit 145 Infektionen pro 100.000 Einwohner gestiegen.

In den Folgetagen stiegen die Werte weiter an. In den wallonischen Provinzen hat sich die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche verdoppelt. Vor allem in den Städten Lüttich, Charleroi und Namur beschleunigte sich die Epidemie. In der Region Brüssel-Hauptstadt stieg die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner bis zum 8. Oktober auf 723.

Wegen der steigenden Infektionszahlen halten seit dem 14. Oktober 2020 alle belgischen Krankenhäuser 25 % ihrer Intensivbetten für COVID-19-Patienten frei. In der Region Brüssel-Hauptstadt überholte die Infektionsrate diese Vorgabe, so dass am 14. Oktober 2020 die Krankenhäuser in dieser Region verpflichtet wurden, ab 16. Oktober 2020 die Quote auf 50 % ihrer Intensivbetten zu erhöhen.

Belgien wird seit dem 1. Oktober 2020 von der Regierung De Croo regiert. Belgiens neuer Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sagte am 18. Oktober 2020, Belgien sei „sehr nahe an einem Tsunami“ und habe „keine Kontrolle darüber, was passiert“. Am 20. Oktober 2020 betrug die Zahl der täglichen Neuinfektionen 8.500 Fälle (Durchschnitt der Woche vom 10. bis 16. Oktober 2020). Ab 21. Oktober 2020 halten die Krankenhäuser in den Provinzen Namur und Luxemburg, die dem Vivalia-Netzwerk angehören, 60 % der Intensivbetten für COVID-19-Patienten frei. Zusätzlich soll die Zahl der Intensivbetten um 15 % erhöht werden („Phase 2a“). Die Zahl der täglichen Krankenhausaufnahmen hat sich vom 13. bis zum 20. Oktober 2020 verdoppelt.

Per 23. Oktober 2020 hatten 16 % der durchgeführten Tests ein positives Ergebnis. Die Provinz Lüttich hat dabei die höchsten Werte (800 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen). 33 % der Tests sind dort positiv. Die Krankenhäuser in der Stadt Lüttich waren nicht mehr in der Lage, alle Patienten aufzunehmen, so dass Patienten in die Provinzen Flämisch-Brabant und Limburg, wo die Werte relativ gering waren, verlegt wurden. Bis zum 2. November 2020 müssen alle Krankenhäuser 60 % ihrer Intensivbetten für COVID-19-Patienten reservieren.

Per 25. Oktober 2020 waren über 18 % der durchgeführten Tests positiv. 4.400 Personen werden wegen COVID-19 stationär behandelt, davon 708 auf einer Intensivstation (bei insgesamt 2.000 Intensivbetten landesweit). Um weitere Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen, wurde am 22. Oktober 2020 angeordnet, ab 26. Oktober 2020 alle Tageskliniken zu schließen.

Der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo erwartete am 26. Oktober 2020 eine extrem schwierige Woche, „denn wir befinden uns im exponentiellen Wachstum. Mathematisch ist es völlig klar, dass die Epidemie sich weiter ausbreiten wird.“ Er erwartete deshalb leider dramatische Situationen, vor allem in den Krankenhäusern. Er schloss die Nutzung von Hotelzimmern für die Behandlung weniger schwerer Fälle nicht aus.

Am 30. Oktober 2020 wurden 1.057 COVID-19-Erkrankte auf einer Intensivstation behandelt. Damit waren mehr als 50 % der 2.000 Intensivbetten durch COVID-19-Erkrankte belegt. 25 % der durchgeführten Tests hatten ein positives Ergebnis.

Ab dem 18. Oktober 2020 stieg die Sterblichkeit in Belgien deutlich (am 31. Oktober 2020 waren es 505). Sie erreichte am 6. November 2020 ihren zweiten Hochpunkt (567 Tote statt ungefähr 300 in den Jahren zuvor).

November 2020 Per 2. November 2020 waren 29 % der durchgeführten Tests positiv. 1.223 COVID-19-Erkrankte lagen auf einer Intensivstation. Da weitere Betten aufgrund Patienten mit anderen Erkrankungen belegt waren, gab es landesweit nur noch 106 freie Intensivbetten. Insbesondere in der Region Brüssel-Hauptstadt (1,2 Millionen Einwohner) gab es keine freien Intensivbetten mehr. Seit Anfang Oktober 2020 wurden bereits 720 an COVID-19 Erkrankte innerhalb Belgiens zu einem freien Intensivbett verlegt. Weitere 13 Patienten wurden nach Deutschland verlegt. Die Regierung verpflichtete daher am 1. November 2020 die Krankenhäuser, landesweit 60 % der vorhandenen Intensivbetten für an COVID-19 Erkrankte zu nutzen bzw. freizuhalten und weitere 800 Intensivbetten (durch Umwandlung von Aufwachbetten etc.) zu schaffen. Dafür müssen nicht zwingend erforderliche Operationen verschoben werden. („Phase 2b“)

Am 2. November 2020 wurden an den Universitätskrankenhäusern in Löwen, Gent und Mons neue Testlabore errichtet. Bis Jahresende sollen an acht belgischen Universitäten derartige Labore errichtet sein, wodurch die Zahl der möglichen Testauswertungen auf 100.000 pro Tag verdoppelt wird.

Am 3. November 2020 wurden 7.231 Personen wegen einer COVID-19-Erkrankung stationär behandelt, davon 1.302 auf einer Intensivstation. Das waren jeweils mehr Fälle als der Höchstwert aus der ersten Erkrankungswelle im Frühjahr 2020. Allein an diesem Tag mussten 42 Erkrankte mangels Kapazitäten in ein anderes Krankenhaus innerhalb oder außerhalb Belgiens verlegt werden. Seit Beginn der Pandemie haben sich mehr als 7.500 Pflegekräfte mit COVID-19 infiziert. Am 5. November 2020 waren 7.405 Menschen wegen COVID-19 in stationärer Behandlung, davon 1.412 auf einer Intensivstation.