mini|Wappen von Lekë III. Dukagjini (* 1410; † 1481)

Der Stamm der Dukagjini (, , auch: Duchayna, Docaînî, Docagîna,I Conti albanesi Ducagini a Capodistria, S. 11. Ducaino, Docaino, DucainiI Conti albanesi Ducagini a Capodistria, S. 25.) nimmt in der Geschichte Albaniens eine außergewöhnliche Stellung ein und war eine der wichtigsten feudalen Familien im mittelalterlichen Albanien. Bekannt seit der Antike, waren die Dukagjini immer bei den dramatischsten Ereignissen des Landes anwesend. Einige behaupten, von diesem Clan abzustammen, der weiterhin eine wichtige Rolle in der albanischen und kosovarischen Gesellschaft spielt.Paolo Petta, S. 204.

Der italienische Historiker Paolo Petta weist darauf hin, dass einige Historiker des albanischen Mittelalters die genealogischen Daten der Dukagjini falsch interpretiert haben könnten. Sie betrachteten die Dukagjini eher als eine Familie denn als einen weit verzweigten Clan, dessen Mitglieder nicht unbedingt miteinander verwandt sein mussten. Besonders die Genealogien von Ducange, Hahn und Hopf stehen nach Petta in Zweifel. Man kann feststellen, dass die Dukagjini im 15. Jahrhundert auf beiden Seiten der Schlachtfelder vertreten waren, einschließlich der dramatischsten Phase der Kriege gegen die Osmanen.

Ein charakteristisches Merkmal der Dukagjini war die Präsenz zahlreicher Anführer innerhalb ihres Clans sowie eine Neigung zu inneren Konflikten. Im 15. Jahrhundert war es, laut Petta, typisch, dass Mitglieder der Dukagjini bei keinem bedeutenden Ereignis der albanischen Geschichte abwesend waren, auch nicht während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen. Dabei kam es vor, dass Angehörige des Clans auf beiden Seiten der Konflikte zu finden waren.

Das Wappen der Dukagjini bestand aus einem einköpfigen weißen Adler auf blauem Hintergrund.

Herkunft Die Herkunft der Familie ist bis heute noch nicht endgültig geklärt. Der Name „Ducagini“ leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Dux (Führer) und dem gebräuchlichen Namen „Gjin“, albanisch für Johann, ab.

Eine andere Theorie der Herkunft der Dukgajini soll eine Folge der angiovinischen Herrschaft (1272–1392) gewesen sein. So sollen die Dukagjini von einem Duc d’Agnin oder von Griffon de Hautefeuille entsprossen sein.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, S. 40.

Geschichte Ein byzantinischer Chronist aus dem 7. Jahrhundert, der sich auf Geschichten und Legenden beruft, schreibt, dass im 5. Jahrhundert ein gotischer Stamm unter der Führung von Duca Gentius (oder Gini) sich von Dalmatien kommend in Shkodra niederließ. Später sei dieser Duca Gini vom byzantinischen Kaiser zum Sebastokrator ernannt worden und „Magister Militum“ in Dalmatien gewesen. Ducas Gentius hätte seinen Einfluss auf die Gebiete Shkodra und Durrës erweitert, wo er seine Macht ausgeübt hätte, indem er sich nach den gotischen Gesetzen und Regeln gerichtet hätte.Lutfi Alia, S. 22.

mini|hochkant=1.2|Zeta, ein Teil von Serbien (1082–1106) Der russische Albanologe Vikentij Makušev behauptet, dass der Stamm im 7. Jahrhundert als Dukagjini von Arbania bekannt gewesen wären und über den albanischen Teil Montenegros geherrscht hätten (Piperi, Vasojevic, Podgorica und Kuči, d. h. Zeta).

Chroniken aus Ragusa berichten, dass 690 viele Menschen mit ihrem ganzen Hab und Gut aus Albanien (südlich von Shkodra) und Gebieten in Bosniens nach Ragusa kamen. Viele der Geflohenen aus Bosnien waren Partisanen der „Duchagini“ und retteten sich, weil sie fürchteten, dafür beschuldigt und bestraft zu werden.

Laut ragusianischen Quellen, die von Makušev veröffentlicht wurden, scheint es, dass die Dukagjini von Albanien im Jahr 695 einen Aufstand gegen die slawische Besatzung organisierten, dabei jedoch besiegt wurden und deshalb die Raguser um Schutz und Asyl baten, was jedoch abgelehnt wurde. Somit wurden die Dukagjini gezwungen, in ihr Land zurückzukehren und der slawischen Macht unterworfen zu werden. Nach den Chroniken von Ragusa stimmten die Dukagjini zu, für immer kollegial zu sein, sich aber nur untereinander zu helfen („compari per sempre e non accattarono che infra loro“).

13. Jahrhundert Zwischen 1190 und 1216 gehörte das Gebiet der Dukagjini zum Fürstentum Arbëria. mini|hochkant=1.5|Blick von der Burg von Lezha in die Zadrima-Ebene Laut dem schottischen Orientalisten Gibbe soll die Geschichte der Dukagjini bis zur Zeit der Kreuzzüge zurückreichen als Männer des Normannen „Le Duc Jean“ sich im Gebiet von Shkodra niedergelassen hätten und später durch Vermischung mit den Einheimischen Albaner geworden wären.

Während des Vierten Kreuzzuges (1202–1204) soll Duca Progon, Sohn von Tanush, das Gebiet seines Reiches nach Nordosten erweitert haben und soll die Gebiete bis zum Fluss Fan in der Mirdita mit Zentrum Lezha besetzt haben. Laut byzantinischer Chroniken hätte Duca Progon zwei Söhne gehabt, Pal und Lekë, die auch als Herren von Zadrima (das Gebiet zwischen dem Unterlauf der Flüsse Drin und Mat)Hasan Kaleshi. bekannt gewesen wären. Zwei ihrer Nachkommen, Gjergj Dukagjini, Herr von Zadrima, und Tanush, Herr von Fandi (zwischen den beiden Zuflüssen des Mat), hätten viele Kinder gehabt.

1281 wurde erstmals schriftlich ein albanischer Häuptling „ducem Qinium Tanuschum“, „dux Ginius Tanuschus“ (in der byzantinischen Rangbezeichnung „Dukas Ginos“latinisierte Form aus dem griechischen Higinos mit der Bedeutung von gesund, die im Sinne von wohlhabend, intakt, verheißungsvoll, kurz Gin, Gino interpretiert werden kann (I Conti albanesi Ducagini a Capodistria, S. 11 f.). oder Ducam Ginum Tanuschum Albanensem), Tanush I., der Ahnherr der DukagjiniAllgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, S. 96. als politischer Gefangener und Gegner der Anjou-Herrschaft im Regnum Albaniae erwähnt.

14. Jahrhundert mini|Ungefähre Lage der Herrschaftsgebiete von Pal I. und Lekë I., 1356

1356 teilte sich der Stamm der Dukagjini in zwei Teile. Im Norden erweiterte Pal I. († 1393) seine Macht auf die Stämme Gashi und Krasniqi im heutigen Albanien, Peja, Pristina, Gjakova und Prizren im heutigen Kosovo. Hauptstadt wurde Lipjan im heutigen Kosovo. Im Süden übte Lekë I. († nach 1380) seine Herrschaft in den Regionen Lezha, Zadrima, Pukë, Selita, Mirdita im heutigen Albanien und Zhub im heutigen Kosovo mit Hauptstadt Lezha und Wohnsitz in der Festung von Lezha aus.Lutfi Alia, S. 23.

Am 2. September 1368 schloss Alexander Giorič mit seinen Edelmännern, dem Woiwoden von in Kanina, Progan I. (Dukagjini), dem Kapitän Nikolaus von Vallona und dem Kapitän Branilo Kastriota – möglicher Vater von Pal Kastrioti – und anderen ein Bündnis mit Ragusa ab.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, S. 43. mini|links|hochkant=1.2|Herrschaftsgebiet der Balšić 1372–1378 1372 mussten sich die Dukagjini sich den Balšić, den Fürsten von Zeta, beugen.

In einem Dokument von Ragusa aus dem Jahr 1377 wird ein „Nicolaus Tuderovich Duchaghi“ erwähnt. Allerdings ist es nicht möglich ein Verwandtschaftsverhältnis mit anderen Mitgliedern des Dukagjini-Stammes herzustellen.

mini|hochkant=1.2|Fürstentum Dukagjini im 15. Jahrhundert Nach Milan von Šufflay werden die Dukagjini 1387 zusammen mit den Balšić und den Kastrioti genannt.Momčilo Spremić, S. 203. Dies ist das Jahr, in dem die Brüder Pal und Lekë I. Dukagjini das kleine Fürstentum Dukagjini um Lezha gründeten, das die Hauptstadt des Fürstentums Dukagjini wurde. Schon 1393 wurde die Stadt an Venedig abgegeben als das Fürstentum unter osmanischem Druck stand. Ende 1395 versuchte Progon II. (oder Progan; † 1401) Dukagjini, Fürst von Lezha, sich auf Kosten Georgs II. Balšić, Fürst von Zeta, in Shkodra auszudehnen.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, S. 97. 1397 wurde der venezianische Staatsbürger Progon II. von Koja Zaharia zum Kastellan von Sati ernannt.

1398 unterstellte sich Tanush II. den Osmanen, machte sich aber 1402 nach deren Niederlage bei Ankara und der Gefangennahme des Sultans Bayezid I. wieder von ihnen frei.

15. Jahrhundert In einem Dokument vom 27. Mai 1402 werden Progan II., Tanush II. und sein Sohn Pal II. erwähnt. In diesem Dokument gilt Progan II. als „Getreuer“ der Republik Venedig. Außerdem wird auch Lekë I. mit seinem Sohn Progan II., der als venezianisch loyal galt, 1397 zum Kastellan der venezianischen Burg ernannt wurde und bei der Verteidigung der Burg Sati getötet wurde. Bedroht von den Osmanen wandten sich Progan II., Tanush II. und sein Sohn Pal II. an die Republik Venedig, um Zuflucht für ihre Familien in der Stadt Shkodra zu erhalten, die zu jener Zeit zu Venedig gehörte. Der Antrag wurde bewilligt; zusätzlich zu der Erlaubnis der Unterbringung ihrer Familien in Shkodra wurde jedem von ihnen ein Pferd und ein Gehalt von drei Golddukaten pro Monat zugewiesen.I Conti albanesi Ducagini a Capodistria, S. 21.

Gjergj II. Dukagjini stand 1403 in Handelsverbindung mit venezianischen Kaufleuten und wurde gleichzeitig als Pronoiar in Kakarriqi und Balldreni bestätigt.Das venezianische Albanien, S. 503. Es ist bekannt, dass er in dieser Region eine kleine Armee von 50 Rittern und 100 Infanteristen ausgebildet hatte, mit denen er auf der Seite Venedigs ins Feld zog. Sein Nachfahre Nikollë II. floh 1479 nach der zweiten Belagerung von Shkodra (1478–1479) mit 100 Familien auf venezianisches Gebiet.

Während des Ersten Shkodra Krieges (1405–1413) blieben die Dukagjini neutralJohn Van Antwerp Fine, S. 512. und während des Zweiten Shkodra Krieges (1419–1426) unterstützten sie den serbischen Despoten Stefan Lazarević bis Januar 1423, als die Dukagjini zusammen mit anderen Stammesanführern (Paštrovići aus Zeta, Gjon I. Kastrioti und Koja Zaharia) von den Venezianern bestochen wurden. Obwohl Venedig keiner von ihnen tatsächlich mobilisierte, um Venedig militärisch zu helfen, wurden ihre Männer aus den Reihen der Stefan-Streitkräfte entfernt und wurden so zu einer potenziellen Gefahr für den Despoten.John Van Antwerp Fine, S. 517. Obwohl der venezianische Kapitän des GolfesKommandeur der Adria-Flotte, stationiert bei Korfu. in der südlichen Adria, Francesco Bembo, Gjon I. Kastrioti (300 Dukaten), den Dukagjini, Tanush II. und Tanush III. je 100 Dukaten,Das venezianische Albanien, S. 543. und Koja Zaharia (100 Dukaten) im April 1423 Geld anbot, um sich den venezianischen Streitkräften gegen das serbische Despotat anzuschließen, lehnten diese ab.Istorija Crne Gore, S. 144.

mini|Sandschak Albanien, 1431 Nach der Chronik von Gjin III. Muzaka hatte Gjergj I. Dukagjini drei Söhne: Gjergj III., Tanush IV. und Nikollë I. († vor 1454). Die Söhne von Nikollë, Draga und Gjergj Dukagjini, die um 1462 überfallen und getötet wurden, spielten eine untergeordnete politische Rolle.Nemirno pomorje XV veka, S. 379.

Die Hauptvertreter des Dukagjini-Stammes im 15. Jahrhundert waren Pal II. mit seinen Söhnen Lekë III. und Nikollë II.

Albanischer Aufstand (1432–1436) mini|links|Karte der militärischen Aktivitäten während des albanischen Aufstands von 1432–1436