Die Spielvereinigung Erkenschwick (abgekürzt SpVgg Erkenschwick bzw. ESV) ist ein Fußballverein aus der Stadt Oer-Erkenschwick in Nordrhein-Westfalen, der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Jahrzehnt lang erstklassig spielte. Die Vereinsfarben sind Schwarz-Rot. Im Jahr 2023 stieg die Mannschaft in die fünftklassige Oberliga Westfalen auf. Die Mitgliederzahl liegt bei ca. 610.

Über Jahrzehnte bildete der Verein eine geradezu symbiotische Verbindung mit der Zeche Ewald Fortsetzung. Gekennzeichnet wurde dieses Bild sehr gut durch einen Ausspruch von Horst Wohlers, 1974 Libero des FC St. Pauli: „Von Erkenschwick wissen wir nur, daß es dort nur eine Zeche und einen Fußballplatz gibt.“Hans Dieter Baroth und andere: Wenn der „Kalli“ mit dem „Jule“. Kleine Stadt – große Sportgeschichte. 75 Jahre Spielvereinigung Erkenschwick 1916 e. V. Werner Kollmann, Recklinghausen 1991, S. 61.

Die A-Jugend des Vereins schaffte 2006 und 2010 den Sprung in die A-Junioren-Bundesliga.

Geschichte Frühe Jahre (1916 bis 1943) mini|Die Erkenschwicker Mannschaft 1916

Gegründet wurde der Verein am 18. Juli 1916 von 21 Jugendlichen als Sportverein Erkenschwick. Das erste Freundschaftsspiel ging bereits am 20. Juni 1916 beim Sportclub Preußen Recklinghausen mit 2:1 verloren. 1919 schloss sich der Verein dem Emschertaler Spielverband an und konnte am 10. August 1919 sein erstes Pflichtspiel gegen den Sportverein Edelweiß Haltern mit 4:2 gewinnen. Am 1. Februar 1920 schloss sich die Fußballabteilung dem TV 1909 Erkenschwick, dem Vorgänger der heutigen TuS 09 Erkenschwick, an. Dadurch erfolgte zur Saison 1920/21 der Wechsel zum Westdeutschen Spielverband. Nur ein Jahr später wurden die Fußballer von dem Turn- und Leichtathletikverein wieder ausgegliedert – es war die Zeit der Reinlichen Scheidung der Ballsportler von den Turnern – und schlossen sich am 5. August 1922 mit Blau-Weiß Oer zusammen; ab diesem Zeitpunkt firmierte diese Fusion unter dem Vereinsnamen Spielvereinigung 1916 Erkenschwick-Oer. Im Vereinsregister von 1932 war der Zusatz Oer dann verschwunden.

Von 1923 bis 1925 wurde das Ruhrgebiet und auch die Zeche Ewald-Fortsetzung von den Franzosen besetzt. Der Fußballsport ging allerdings weiter. Dem Aufstieg in die B-Klasse folgte 1924 der Durchmarsch in die A-Klasse. 1927 scheiterte der Verein erst in der Aufstiegsrunde zur 2. Bezirksklasse. Nach einer Reform der Spielklassen 1928 gelang 1930 durch die Meisterschaft in der 2. Bezirksklasse der Aufstieg in die 1. Bezirksklasse.

Im Jahr 1933 wurde im Verein auch eine Boxsport-Abteilung gegründet, die jedoch bereits 1936 wieder aufgelöst wurde.

Am 10. September 1934 wurde das neu erbaute Stimbergstadion eröffnet. Während des Baus wurde 1933 ein Versuch des Vorsitzenden Otto Huthwelker unternommen, alle fünf Erkenschwicker Fußballvereine zu fusionieren, der jedoch scheiterte.

1936 gelang zeitgleich mit dem 20. Jubiläum die Meisterschaft in der A-Klasse und der Aufstieg in die Bezirksklasse. Im Frühjahr 1937 wurde der erst 17-jährige Julius „Jule“ Ludorf in einem Freundschaftsspiel der 1. Mannschaft erstmals eingesetzt. 1938 verfehlte der Verein knapp den Meistertitel und musste nur Preußen Münster den Vortritt lassen.

Bisher war die SpVgg. Erkenschwick dem aufgrund schlechter Verkehrsverbindungen ungeliebten Bezirk Münster zugeordnet. 1939 stieg die Spielvereinigung daher freiwillig ab und wurde der Kreisklasse Recklinghausen Ost zugeordnet. Hier gelang umgehend die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die Bezirksklasse Gelsenkirchen. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits zehn Aktive der ersten Mannschaft im Fronteinsatz. Auch im folgenden Jahr standen zahlreiche Spieler aufgrund von Wehr- oder Arbeitsdienst nicht zur Verfügung, sodass lediglich der Klassenerhalt gesichert werden konnte.

1942/43 wurde dann mit der SpVgg. eine neue Bezirksklassenstaffel Recklinghausen gebildet, um die Anfahrtswege zu reduzieren und kriegswichtiges Benzin zu sparen.Hans Dieter Baroth und andere: Wenn der „Kalli“ mit dem „Jule“. Kleine Stadt – große Sportgeschichte. 75 Jahre Spielvereinigung Erkenschwick 1916 e. V. Werner Kollmann, Recklinghausen 1991, S. 76. Trotz oder gerade wegen der beschwerlichen Kriegsjahre wurde der Fußball im Ruhrgebiet mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. Die Spiele der Spielvereinigung verfolgten regelmäßig 700–1.500 Zuschauer. Der Verein hatte gezielt Spieler der Lokalrivalen Titania Essel (heute Titania Erkenschwick) und VfL Rapen (heute FC Erkenschwick) abgeworben und konnte bereits im Februar 1943 die überlegene Meisterschaft feiern. Für die Aufstiegsrunde zur damals höchsten Spielklasse, der Gauliga, konnte Vereinsvorsitzender Hans Beckmann den Schalker Ernst Kuzorra als Trainer verpflichten. Am 16. Mai 1943 musste das Auswärtsspiel der Aufstiegsrunde bei der SG Wattenscheid 09 aufgrund eines Fliegeralarms abgebrochen werden. Dank zweier Heimsiege gegen Preußen Münster und die SG Wattenscheid 09 vor jeweils über 5.000 Zuschauern gelang der Aufstieg. Saisondaten 1925 bis 1942 Saison Liga Level S G U V T G Pkt Pos Anmerkung 1925/26 Kreisklasse Recklinghausen III. 14 15:13 4. 1926/27 Kreisklasse Recklinghausen III. 14 17:11 3. 1927/28 Kreisklasse Recklinghausen III. 22 25:19 4. Einführung der Bezirksliga 1928/29 2. Bezirksklasse Süd III. 14 7:21 8. 1929/30 2. Bezirksklasse Süd III. 18 13 5 0 1. 1930/31 1. Bezirksklasse II. 18 4 5 9 51 50 13:23 9. 1931/32 1. Bezirksklasse II. 17 7 2 8 45 39 16:18 7. Tabelle unvollständig, da Sport und Spiel Hüls nicht alle Spiele bestreiten durfte. 1932/33 1. Bezirksklasse II. 18 9 4 5 45 25 22:14 4. Durch Umstrukturierung wieder der Kreisklasse Recklinghausen zugeordnet. 1933/34 Kreisklasse Recklinghausen III. 14 5 1 8 34 36 11:17 6. 1934/35 Kreisklasse Recklinghausen III. 18 12 2 4 52 29 26:10 2. 1935/36 Kreisklasse Recklinghausen III. 20 15 1 4 55 24 31:9 1. Aufstiegsrunde: 3. Platz (12:8 Punkte, 26:21 Tore) 1936/37 Bezirksklasse Münster II. 20 7 6 7 49 45 20:20 5. 1937/38 Bezirksklasse Münster II. 16 7 5 4 44 32 21:11 2. 1938/39 Bezirksklasse Münster II. 16 7 5 4 49 36 19:13 5. 1939/40 Kreisklasse Recklinghausen III. 14 8 2 2 58 22 21:7 1. 1940/41 Bezirksklasse Gelsenkirchen II. 10 27 4 12:8 3. Zwischenstand vom 10. Spieltag 1941/42 Bezirksklasse Gelsenkirchen II. 20 46 50 19:21 7. Zwischenstand vom 20. Spieltag 1942/43 Bezirksklasse Recklinghausen II. 18 13 2 3 75 37 28:8 1. Aufstiegsrunde zur Gauliga

Die „große Zeit“ (1943 bis 1962) mini|Vereinswappen 1916–1954

Die Spielvereinigung war nun weit über das nördliche Ruhrgebiet hinaus bekannt. Zwar beeinträchtigte der Zweite Weltkrieg den Spielbetrieb auch bei der SpVgg; aber andererseits profitierte der Verein davon, dass seine Spieler als Bergleute auf der Zeche Ewald arbeiteten. Da der Bergbau während des Krieges eine hohe wehrwirtschaftliche Bedeutung besaß, galten die Spieler als unabkömmlich und wurden von einem Fronteinsatz verschont. Am fünften Spieltag empfing die SpVgg als Tabellenführer den Vorjahresmeister FC Schalke 04 vor 12.000 Zuschauern, musste jedoch eine deftige 1:8-Niederlage hinnehmen.

In der Saison 1943/44 belegte die SpVgg den vierten Platz. Das Spieljahr 1944/45 konnte nicht zu Ende gespielt werden. Am 15. Januar 1945 erfolgten schwere Bombenangriffe auf die Zeche. Am 1. April 1945 nahmen amerikanische Truppen Erkenschwick kampflos ein.

Bereits am 5. August 1945 nahm der Verein unter seinem Vorsitzenden Hans Beckmann mit einer Ausnahmegenehmigung der Militärverwaltung den Spielbetrieb wieder auf. Es folgten 25 Freundschaftsspiele mit insgesamt über 100.000 Zuschauern. Das erste Spiel fand am 5. August 1945 gegen den FC Schalke 04 (1:1, 15.000 Zuschauer) statt, weitere u. a. am 30. September 1945 gegen eine englische Militärauswahl (6:3, 10.000 Zuschauer) und am 14. Oktober 1945 gegen Borussia Dortmund (8:1, 3.500 Zuschauer).

Die Himmelsstürmer Die ersten Nachkriegsligaspiele bestritt die SpVgg in der zweigleisigen Landesliga Westfalen, wo sie Meister der Staffel 2 wurde. Ein Endspiel um die Westfalenmeisterschaft gegen den Sieger der Parallelstaffel Schalke 04 wurde von der britischen Militärregierung verboten. Am 23. Juni 1946 kam es vor 15.000 Zuschauern zu einem Freundschaftsspiel gegen den Hamburger SV, das mit 1:5 verloren ging. Eine 0:2-Niederlage erfuhr die Mannschaft am 22. Juli 1946 am Mainzer Bruchweg gegen den FSV Mainz 05 vor 4.000 Zuschauern. Ebenfalls geschlagen geben musste man sich bei Eintracht Braunschweig am 1. September 1946 mit 1:2 vor 18.000 Zuschauern. In der Saison 1946/47 wurde die Spvgg. Vizemeister hinter Borussia Dortmund.

Am 14. September 1947 wurde Erkenschwick durch einen 5:0-Sieg bei Alemannia Aachen erster Tabellenführer der neu gegründeten Oberliga West und gewann am 5. Oktober 1947 vor 25.000 Zuschauern auch in der Glückauf-Kampfbahn mit 2:1 – damit brachten die Schwarz-Roten dem FC Schalke 04, bei denen auch Erkenschwicks aktueller Trainer Ernst Kuzorra mitspielte, die erste Heimniederlage seit 1938 bei. Die Mannschaft dieser Ära wurde „Die Himmelsstürmer“ genannt. Dieser Name soll auf einen Polizisten zurückgehen, der die Mannschaft auf der Heimfahrt mit dem Zug vom Auftaktsieg in Aachen ansprach: „Ihr seid die Erkenschwicker? Ich habe euch in Aachen spielen sehen – Jungens, euch gehört der Himmel!“. Am Ende der ersten Oberliga-Saison stand die Spvgg. auf dem achten Platz. Am 28. März 1948 unterlag die Mannschaft in einem Freundschaftsspiel daheim dem VfB Stuttgart vor 8.000 Zuschauern mit 1:3.

Die monatlichen Gehälter bewegten sich zwischen 160 DM und 320 DM. Das Höchstgehalt entsprach einem Facharbeiterlohn. Zusätzlich wurde eine Leistungszulage von 10 DM pro Spieleinsatz gewährt. Die Saison 1948/49 beendeten die „Himmelsstürmer“ als Neunte. Das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 am 23. Januar 1949 konnte erneut mit 0:2 gewonnen werden. Jule Ludorf wurde Vierter der Torschützenliste, Siggi Rachuba gar Dritter. Letzterer wechselte nach der Saison zu Preußen Münster in deren sog. „100.000 Mark-Sturm“.

Ab dem 15. November 1949 hatte die Spvgg. eine Damen-Handballmannschaft, die geschlossen vom TUS 09 übertrat.Hans Dieter Baroth und andere: Wenn der „Kalli“ mit dem „Jule“. Kleine Stadt – große Sportgeschichte. 75 Jahre Spielvereinigung Erkenschwick 1916 e. V. Werner Kollmann, Recklinghausen 1991, S. 78.

Aufgrund der schwächeren Platzierung in der vorangegangenen Saison wurde die Zusammenarbeit mit Trainer Ernst Kuzorra nicht verlängert. Als Spielertrainer übernahm Ex-Nationaltorhüter Willy Jürissen zur Saison 1949/50 das Training. Jürissen, der selbst immer mit eingefetteten Haaren und „linealgeradem Scheitel“ spielte, soll seine Spieler in der Halbzeitpause zum Duschen angehalten haben, um dem Gegner entsprechende Frische vorzutäuschen. Zu Beginn der Saison stand die Mannschaft zwölf Spieltage lang an der Oberliga-Spitze. Nach dem 2:1-Heimsieg über Borussia Dortmund am 30. Oktober 1949 vor 20.000 Zuschauern (was in etwa der damaligen Einwohnerzahl von Oer-Erkenschwick entsprach) im restlos ausverkauften Stimbergstadion reiften gar Titelträume. Die Mannschaft schloss die Halbserie auf Platz 3 ab, die Saison wurde auf Platz sieben beendet.

Trotz eines schwächeren Saisonstarts gelang es der Elf vom Stimberg am 8. Oktober 1950 erneut, beim 0:3-Auswärtserfolg die Punkte aus der Schalker Glückauf-Kampfbahn zu entführen. Zu einem besonderen Zwischenfall kam es am 18. Februar 1951 beim 1:1 im Rückspiel gegen den FC Schalke 04 vor 15.000 Zuschauern. Nachdem der Schalker Paul Matzkowski dem Erkenschwicker „Kalli“ Matejka den nassen, schweren Lederball in den Rücken geschossen hatte, kam es zu einer Spielunterbrechung, da Matejkas Ehefrau den „Übeltäter“ auf dem Spielfeld mit dem Regenschirm attackierte. Das Spiel wurde nach weiteren Tumulten fortgesetzt. Die Saison beendeten die Erkenschwicker auf dem elften Platz.

Die Spvgg. übernahm 1951 die Herren-Handballabteilung des TUS 09.

Das „Petroleum-Spiel“