mini|Dorfkirche Reetz. Die evangelische Dorfkirche Reetz ist eine romanische Feldsteinkirche im Ortsteil Reetz von Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Wiesenburg/Mark im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.
Geschichte und Architektur Die Dorfkirche ist ein Saalbau aus Feldsteinquadern aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit eingezogenem Chor und mächtigem, leicht aus der Flucht der Schiffswände vortretendem Westquerturm. In einer anderen Quelle wurde das Jahr 1181 genannt und ihr eine „Rolle als Wehr- und Fluchtkirche“Martin Zinkernagel: Entwicklung der Kirchen in 850 Jahren, veröffentlicht in: Gemeinde Wiesenburg/Mark (Hrsg.): 3 Dörfer in der Brandtsheide, inmitten des „Hohen Flämings“: Festschrift zum Jubiläum, S. 28–29. zugewiesen. Als sicher gilt, dass sie im Dreißigjährigen Krieg von Schweden zerstört und in den Jahren 1654–1663 auf Initiative des Patrons Wolf Dietrich Brandt von LindauBeate Schubert: Reetzerhütten – ein Dorf in der Brandtsheide. Beiträge zur Geschichte. Hrsg. Gemeinde Reetzerhütten, Verlag Komplettservice für Druckerzeugnisse Frank Schroeder, Berlin 2000, S. 42–43. wiederhergestellt wurde. Allerdings wurde vermutlich der Chor infolge der Zerstörungen mit Rechteckschluss anstelle einer Apsis wiederhergestellt. Von 1786 bis 1787 errichtete der Zinnaer Orgelbauer Friedrich Starke unter Verwendung älterer Bauteile eine erste Orgel. Die Kosten beliefen sich auf 85 Taler. In den Jahren 1805/1806 erfolgte eine Erneuerung des Chorschlusses, 1854 wurden die Fenster stichbogig erweitert und ein nördlicher Emporenaufgang am Chor angebaut. In den Jahren 1904/1905 wurde eine eingreifende Renovierung vorgenommen und im Schiff eine Tonnendecke eingebaut.
Das Schiff aus den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts ist aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk erbaut; der etwas jüngere Kirchturm besteht demgegenüber aus sorgfältig gequadertem Mauerwerk und wird auf das erste Drittel des 13. Jahrhunderts datiert.
Im Turm sind ein dreifach gestuftes, rundbogiges Feldsteinportal und rundbogige Schallluken eingelassen, ihre Zwillingsarkaden in Backstein erneuert. Der Innenraum ist von der Renovierung 1904/05 geprägt: Den Raumabschluss bildet ein hölzernes Tonnengewölbe, zweigeschossige Emporen sind im Norden und Süden eingebaut, im Westen befinden sich die dreiseitig gebrochene Orgelempore und die Chorempore. Gleichzeitig wurden im Wesentlichen die Ausstattung und die Ausmalung geschaffen. Am Triumphbogen ist der Rest eines Stuckkämpfers mit Blattornament erhalten.
Ausstattung Die hölzerne Kanzel mit schwerem polygonalem Fuß stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts und wurde 1905 ergänzt. Zwei Schnitzfiguren stammen aus Medewitz (stark beschädigt; zur Zeit ausgelagert): eine Madonna um 1430/40; ein heiliger Sebastian aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ein hölzernes Epitaph aus dem 17. Jahrhundert ist mit Gemälden des Abendmahls und einer Kreuzesallegorie versehen (ausgelagert). Ein Grabstein aus Ton wurde für Michael Hörnigk († 1684) gesetzt. Eine mittelalterliche Glocke ist erhalten. Der ursprünglich vorhandene Hochaltar wurde in den 1960er Jahren durch ein schlichtes Kreuz ersetzt.
Die Orgel ist ein Werk von Adam Eifert aus dem Jahr 1904 mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal, das 1975 durch die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt restauriert wurde.
Des Weiteren befinden sich mehrere Wappen und Allianzwappen der letzten adeligen Kirchenpatrone von Gut Mahlsdorf in der Dorfkirche Reetz.
Galerie
Literatur Rudolf Bergau: Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler in der Provinz Brandenburg. Mitarbeit: u. a. Paul Lehfeldt, Ernst Wernicke, Verlag Vossische Buchhandlung, (Rudolf Strikker), Berlin 1885, S. 627–628. Gerhard Vinken, u. v. a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 3-422-03054-9, S. 919. Gerhard Vinken, Barbara Rimpel u. v. a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 965.
Weblinks
Informationen zur Dorfkirche Reetz - Evangelische Kirchengemeinde Wiesenburg
Einzelnachweise
Kategorie:Saalkirche in Brandenburg Kategorie:Baudenkmal in Wiesenburg/Mark Kategorie:Kirchengebäude des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Brandenburg Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude in Wiesenburg/Mark Reetz, Wiesenburg