Die COVID-19-Pandemie, die auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 beruhte, erfasste im Jahr 2020 auch Afrika,Coronavirus stats across Africa: 18,400+ cases, 966 deaths, 4,344 recoveries. africanews.com vom 17. April 2020 (englisch), abgerufen am 17. April 2020 forderte dort aber im Vergleich zu anderen Kontinenten deutlich weniger Todesopfer.
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie folgten zunächst der Politik der europäischen Staaten, ohne auf die besonderen afrikanischen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Das führte zu erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Folgeproblemen. So blieben in den meisten afrikanischen Ländern monatelang die Schulen geschlossen. Ein Konflikt um Regionalwahlen in der Region Tigray, die im September 2020 trotz der mit der Pandemie begründeten Absage durch die äthiopische Zentralregierung durchgeführt worden waren, eskalierte zu einem Bürgerkrieg, der allein ca. 500.000 Menschenleben forderte. Trotz der teils drastischen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung kam allerdings ein sehr großer Teil der afrikanischen Bevölkerung bereits früh mit dem Virus in Berührung.
Die Krankheit selbst forderte in den meisten afrikanischen Ländern im Verhältnis zur Bevölkerungszahl viel weniger Todesopfer als in Europa. Von Anfang 2020 bis April 2023 zählte die WHO in der WHO-Region Afrika 15,6 Covid-assoziierte Todesfälle je 100.000 Einwohner, im Vergleich zu 237 in Europa und 338 in den USA.
Das ist auch insofern bemerkenswert, als in Afrika relativ wenige Menschen gegen COVID-19 geimpft sind. Die Afrikanische Union sicherte sich zwar Anfang 2021 fast 300 Millionen COVID-19-Impfstoffdosen in der bisher größten Vereinbarung dieser Art für Afrika, welche am 13. Januar 2021 bekannt gegeben wurde. Dies war unabhängig von der globalen Initiative COVAX (Access to COVID-19 Tools Accelerator), die darauf abzielte, COVID-19-Impfstoffe an Länder mit niedrigem Einkommen zu verteilen. Bemerkenswert ist dabei, dass afrikanische Länder mehr als das Doppelte dessen zahlten, was europäische Länder für bestimmte Impfstoffe zahlen mussten. Die Vereinigten Arabischen Emirate belieferten den Kontinent mit einer Variante des chinesischen Sinopharm-Impfstoffs. Dennoch wurde bis Mitte Juni 2021 nur eine Impfquote von weniger als 1 Prozent erreicht, bis Anfang 2022 waren nur 7 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, und auch bis April 2023 nur etwa 30 Prozent. Trotzdem kamen die Menschen in Afrika vergleichsweise gut durch die Pandemie. Die Sterberaten sind niedrig. Neben einer größeren Dunkelziffer wird das geringe Durchschnittsalter der Bevölkerung vieler afrikanischen Staaten und auch ein möglicherweise schlagkräftigeres Immunsystem als Begründung dafür aufgeführt.
Ausbruch nach Ländern und Territorien, nationale Maßnahmen zu Beginn der Pandemie und Fallzahlen In dieser nach Ländern geordneten Übersicht werden die jeweils ersten Fälle und erste zur Eindämmung der Pandemie ergriffene Maßnahmen anhand von Presseberichten des Frühjahrs 2020 dargestellt. Außerdem werden die von der WHO erfassten positiven Nachweise von SARS-CoV-2 („Infektionen“) und die mit COVID-19 assoziierten Todesfälle (an bzw. mit COVID-19 gestorben) im Zeitverlauf in Diagrammen dargestellt. Insbesondere bei den Infektionen ist mit einer erheblichen Untererfassung zu rechnen, in geringerem Maße auch bei den Todesfällen.
Ägypten
Am 15. Februar 2020 wurde der erste Fall auf dem afrikanischen Kontinent in Ägypten bestätigt. Offizielle der WHO gemeldete Zahlen zu infizierten Personen entsprechen nach Ansicht kanadischer Wissenschaftler nicht den tatsächlichen Werten. Während am 21. März erst 210 Corona-Infektionen offiziell gemeldet waren, sprachen die kanadischen Forscher schon eine Woche vorher von mindestens 6.000 Infektionen.
Am 10. Juni 2020 gab es ungefähr 79.254 SARS-CoV-2-Infektionen (plus Dunkelziffer), über 3.600 an Covid-19 Gestorbene und ungefähr 22.753 Genesene.https://www.worldometers.info/coronavirus/country/egypt/
Algerien
Am 25. Februar 2020 meldete Algerien den ersten Fall einer SARS-CoV-2-Infektion. Es war ein Mann aus Italien, wo die Pandemie sehr früh begonnen hatte. 34 Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt. Bis zum 3. März wurden insgesamt elf Fälle diagnostiziert. Am 25. März waren 264 Infizierte bekannt; 17 Menschen waren bis dahin an der Krankheit gestorben. Am 4. April gab es 1251 Infizierte; die Ausgangssperren wurden verlängert, darunter in der Hauptstadt Algier und acht weiteren Provinzen.Algeria extends curfew as coronavirus cases rise. africanews.com vom 5. April 2020 (englisch), abgerufen am 5. April 2020
Von Ende Mai bis zum 25. Juni 2020 wurden der WHO weniger als 190 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Seit dem 4. Juli werden über 400 Neuinfektionen pro Tag gemeldet und jeden Tag fast 3 Prozent mehr als am Vortag.diese und weitere Daten siehe COVID-19-Pandemie in Algerien#Statistik (zuletzt abgerufen am 10. Juli 2020) Bei einer solchen Steigerungsrate verdoppelt sich die Zahl der Infizierten alle 25 Tage.
Angola
Am 3. März 2020 setzte Angola an allen seinen 32 Eingangsstellen ins Staatsgebiet ein Einreiseverbot für Reisende aus China, Südkorea, Iran und Italien in Kraft und schrieb für Einreisende aus Portugal, Frankreich und Spanien eine Zwangsquarantäne von mindestens 14 Tagen vor, dazu kamen allgemeine Aus- und Einreisebeschränkungen für angolanische Staatsbürger. Bis zum 20. März 2020 befand sich das Land in einer Phase der Erwartung möglicher Fälle von SARS-CoV-2-Infektionen. So erklärte der Leiter des Unternehmens Civep Contravem Angola, man verzeichne für die hier hergestellten Schutzmasken und -Kleidung noch keine erhöhte Nachfrage, verfüge aber über genügend Lagerbestände an Rohmaterial, um im Bedarfsfall die Produktion zu erhöhen und die Nachfrage zu decken.Produtora angolana de máscaras com matéria-prima suficiente para procura – „Angolanischer Hersteller von Schutzmasken hat genügend Rohmaterial für Nachfrage“, Artikel vom 20. März 2020 des portugiesischen Nachrichtenportals Notícias ao minuto, abgerufen am 21. März 2020 (portugiesisch)
Am 21. März bestätigte die angolanische Gesundheitsministerin Sílvia Lutucuta die zwei ersten Infektionsfälle in Angola, zwei am 17. und 18. März aus Portugal eingereiste Angolaner. Die Ministerin erklärte als Sofortmaßnahmen zusätzliche Flüge zwischen Angola und Lissabon und Porto, um angolanische Staatsbürger zurückzuholen, parallel würden umgehend Quarantäneeinrichtungen zu dem Zweck geschaffen.Covid-19: Angola anuncia primeiros dois casos positivos – „Covid-19: Angola meldet erste zwei positiv getestete Fälle“, Artikel vom 21. März 2020 des portugiesischen Nachrichtenportals Notícias ao minuto, abgerufen am 21. März 2020 (portugiesisch)
Seit dem 27. März galt ein Verbot, sich auf der Straße aufzuhalten, ausgenommen waren notwendige Wege zum Einkaufen und zur Arbeit in bestimmten, gesellschaftsrelevanten Berufen. Ein Verstoß konnte mit der sofortigen Festnahme geahndet werden. Diese Anordnung galt jedoch nicht für Angehörige des Diplomatischen Corps und der im Land akkreditierten internationalen Organisationen. Außerdem galt ein interprovinzielles Reiseverbot sowie ein Ein- und Ausreiseverbot für Personen von und nach Angola, ausgenommen waren Patienten, welche die Landesgrenzen zur medizinischen Behandlung passieren mussten. governo.gov.ao, 27. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (portugiesisch)
Äquatorialguinea
Am 14. März 2020 wurde die Infektion bei einem Touristen aus Spanien im Land bestätigt.Equatorial Guinea: Government implements travel restrictions due to COVID-19 March 13
Äthiopien
Die ersten Infektionsfälle wurden Mitte März 2020 gemeldet. Am 8. April wurde, bei 55 bis dahin gemeldeten Infizierten, ein fünfmonatiger Ausnahmezustand ausgerufen.Abdur Rahman Alfa Shaban: Ethiopia coronavirus: 5-month state of emergency imposed, First Lady sings. africanews.com vom 8. April 2020 (englisch), abgerufen am 8. April 2020 Die damit begründete Absage der für Sommer 2020 geplanten Wahlen und die in der Region Tigray dennoch durchgeführten Regionalwahlen, die von der Zentralregierung nicht anerkannt wurden, führten zu einem Konflikt, der schließlich in den Bürgerkrieg in Äthiopien ab 2020 mündete, der mehr als 500.000 Todesopfer forderte.
Benin
Am 16. März 2020 wurde der erste COVID-19-Fall des Landes in Porto-Novo, der Hauptstadt von Benin, bestätigt. Drei Tage später wurde der zweite bestätigte Fall gemeldet. Die Stadt stellte verschiedene internationale Flüge ein; Menschen, die auf dem Luftweg ins Land kamen, sollten für 14 Tage vorsorglich unter Quarantäne gestellt werden. Außerdem wurde den Menschen in Benin empfohlen, Masken zu tragen und nur bei Bedarf das Haus zu verlassen.
Botswana
Mit einer Verfügung im Amtsblatt der Regierung wurde der internationale Reiseverkehr von und nach Botswana im Frühjahr 2020 zeitweilig eingeschränkt. Zudem empfahl die botswanische Regierung ihren Bürgern, Händeschütteln und Umarmungen zu vermeiden. Alle nicht zwingend erforderlichen Auslandsreisen sollen vorerst unterbleiben. In Botswana wurden öffentliche Versammlungen mit mehr als 10 Personen untersagt.Jerry Omondi: Botswana restricts travel from COVID-19 affected countries. Meldung von CGTN (Peking) vom 21. März 2020 auf www.africa.cgtn.com (englisch)
Nach der Rückkehr des Präsidenten Mokgweetsi Masisi vom Treffen einiger Staatschefs benachbarter Länder in Windhoek (Namibia) mit Beratungen über Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus begab sich dieser auf eigenen Entschluss in eine 14-tägige Quarantäne. Er ging seinen Amtsgeschäften weiter nach, hielt jedoch zu seiner Familie vorübergehend räumliche Distanz.Zebilon Maine: Botswana President in 14-days self-isolation after visiting Namibia. Meldung der SABC vom 23. März 2020 auf www.sabcnews.com (englisch)
Am 30. März 2020 meldete Botswana die ersten drei Fälle;Botswana records first 3 cases of coronavirus - health minister. National Post, 30. März 2020. zwei Infizierte kamen aus Thailand, einer aus Großbritannien.Poloko Tau: Lockdown expected for Botswana as it records its first 3 COVID-19 cases. citypress.news24.com vom 31. März 2020 (englisch), abgerufen am 31. März 2020 Einen Tag später wurde der Ausnahmezustand erklärt;Press conference by President Masisi on Botswana's preparedness for COVID-19. Government of Botswana, 31. März 2020. er beinhaltete eine „extreme“ Ausgangssperre ab dem 2. April. Ebenfalls am 31. März wurde ein Todesfall durch COVID-19 am 25. März bekannt.Woman, 79, first person to die of Covid-19 in Botswana. iol.co.za vom 31. März 2020 (englisch), abgerufen am 31. März 2020 Präsident Masisi beabsichtigte die Verlängerung des Ausnahmezustands von 28 Tagen auf sechs Monate.Mqondisi Dube: Botswana president wants to extend Covid-19 state of emergency by six months. voanews.com vom 6. April 2020 (englisch), abgerufen am 7. April 2020
Burkina Faso
Am 5. Februar 2020 wurde der erste COVID-19-Verdachtsfall in Burkina Faso gemeldet und am 9. März bestätigt. Es war ein heimkehrender Tourist aus der Volksrepublik China mit Grippesymptomen.Cas suspect d’infection par le nouveau coronavirus au Burkina Faso : les résultats d’investigation du laboratoire de l’institut Pasteur de Dakar négatifs Meldung des Pasteur Institutes Dakar (französisch) Am 28. März gab es 207 Infizierte und mehrere Tote. Es wurden Testreihen mit dem Wirkstoff Chloroquin initiiert.Nadoun Coulibaly: To fight Corona virus, BurkinaFaso is tempted by chloroquine. theafricareport.com vom 28. März 2020 (englisch), abgerufen am 31. März 2020
Burundi