Die COVID-19-Pandemie in Norwegen trat als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich ab Dezember 2019 von China ausgehend aus.Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.Tagesschau: „Tief besorgt“. WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 14. April 2020.
Fälle der Infektion traten in Norwegen ab Ende Februar 2020 auf. Mitte März 2020 zählte Norwegen zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. Ein erster Todesfall wurde am 12. März bekannt, am selben Tag wurde von der Regierung Solberg ein Shutdown angeordnet. Diese Maßnahmen wurden ab dem 20. April 2020 stufenweise gelockert, im Herbst 2020 kam es wie in vielen Ländern nach einem Anstieg der Fallzahlen erneut zu einer Verschärfung der Maßnahmen. Am 25. September 2021 wurden die meisten Regeln aufgehoben. Danach stiegen die Fallzahlen erneut an und die Regelungen wurden schließlich am 12. Februar 2022 vollständig aufgehoben.
Verlauf Februar 2020: Erste Fälle Der erste COVID-19-Fall in Norwegen wurde am 26. Februar 2020 gemeldet. Es handelte sich dabei um eine Frau aus Tromsø, die kurz zuvor einen Aufenthalt im stark betroffenen China hatte. In der folgenden Zeit wurden die neuen Infektionen zunächst alle auf Ansteckungsorte im Ausland, unter anderem die Pandemie in Italien und den Ausbruch in Österreich zurückgeführt. Erstmals eine größere Anzahl an Kontaktpersonen musste Ende Februar 2020 ausfindig gemacht werden, als ein Angestellter eines Osloer Krankenhauses zwei Tage zur Arbeit erschienen war, bevor die Infizierung festgestellt wurde.
März 2020
Ausbreitung des Virus In der Anfangszeit der Ausbreitung gab es zunächst wenige Personen, die im Krankenhaus aufgrund der Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2 behandelt werden mussten. Am 4. März 2020 gab es nach Informationen des Folkehelseinstituttet (FHI) keine Personen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Das Virus breitete sich Anfang März weiter aus und erreichte am 7. März 2020 mit der Provinz Nordland die letzte der elf norwegischen Provinzen (Fylker). Zu dieser Zeit waren die meisten Ansteckungsquellen auf Auslandsaufenthalte zurückzuführen. Am 8. März 2020 gab das FHI an, dass sich von den 169 bestätigten Fällen 109 in Verbindung mit einer Reise nach Italien oder Österreich angesteckt hätten. Am 12. März 2020 wurde bekannt, dass die erste Person verstorben sei. Mit den Fallzahlen waren auch die Personen in stationärer Behandlung angestiegen, am 13. März 2020 waren dies nach Angaben der Gesundheitsbehörde Helsedirektoratet 28 Personen.
Maßnahmen der Regierung Am 12. März 2020 wurden von der Regierung Solberg umfassende Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs verkündet. Ministerpräsidentin Erna Solberg bezeichnete diese als die weitreichendsten Maßnahmen, die Norwegen je in Friedenszeit ergriffen habe. Es wurden die Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen. In Oslo wurden sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern verboten und viele öffentliche Gebäude geschlossen. Um die Gesundheitssysteme der Kommunen zu entlasten, in denen viele Personen einen Zweitwohnsitz – insbesondere Hytten – haben, wurde der Aufenthalt in den Zweitwohnsitzen untersagt. Am 16. März 2020 wurde die Grenze für Einreisende ohne Aufenthaltserlaubnis in Norwegen geschlossen. Einreiseberechtigte mussten sich in Quarantäne begeben. Das norwegische Nationalparlament Storting verabschiedete am 21. März 2020 ein Gesetz, das es der Regierung erleichtern sollte, schneller neue Vorschriften zu erlassen. Dieses Vollmachtsgesetz erlaubte es, Maßnahmen erst nach dem Inkrafttreten im Parlament zu besprechen.
Fallzahlen Neben dem Anstieg an Patienten war für viele Kliniken auch problematisch, dass viele Angestellte unter Quarantäne standen. Am 17. März 2020 befanden sich Berichten des Fernsehsenders TV 2 zufolge insgesamt 8000 Krankenhausmitarbeiter in ganz Norwegen in Isolation. Im Osloer Universitätsklinikum standen zu einem Zeitpunkt über 1000 Angestellte unter Quarantäne. In: Oslo universitetssykehus. (norwegisch)
Im Tagesbericht des FHI vom 14. März 2020 gab das Institut an, dass sich 646 Infizierte im Ausland angesteckt hätten und weitere 223 in Norwegen. Den größten Anteil machten diejenigen Personen, die sich in Österreich infizierten. Im FHI-Bericht vom 18. März 2020 stand Norwegen mit nun 549 von 1423 Infektionen erstmals an Platz eins der Ansteckungsorte.
Mitte März 2020 zählte Norwegen zu den relativ zur Bevölkerungszahl am stärksten betroffenen Ländern in Europa. So lag Norwegen im Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 17. März 2020 in absoluten Zahlen mit 1169 Infizierten vor Österreich mit 1132 Infizierten.
April 2020: Lockerung der Maßnahmen Am 1. April 2020 verkündete Gesundheitsminister Bent Høie, es gebe Grund zur Annahme, dass in Norwegen keine Zustände wie in Italien zu erwarten seien. Der Ausbruch in Italien war zu diesem Zeitpunkt der stärkste in Europa. Vom FHI wurde der Gipfel des Pandemieverlaufs in Norwegen für Mai oder Juni prognostiziert. Am 6. April erklärte Høie, dass die Pandemie unter Kontrolle gebracht worden sei. Als Grund hierfür gab er an, dass zuvor jede infizierte Person im Schnitt nur noch 0,7 weitere Personen angesteckt hätte. Vor Einführung der Maßnahmen, sei der Wert noch bei 2,5 gelegen. Somit sei das Ziel, einen Wert von unter 1,0 zu erhalten, erreicht worden.
Ab dem 20. April 2020 wurden die Maßnahmen wieder gelockert. Schrittweise wurde der Kindergarten- und Schulbetrieb wieder aufgenommen und auch das Arbeitsverbot für Friseure und Masseure wurde aufgehoben. Die Lockerungen im stärker betroffenen Oslo verliefen langsamer. Das Einreiseverbot für Personen ohne Aufenthaltsberechtigung in Norwegen wurde nicht aufgehoben.
Am 16. April 2020 wurde die App veröffentlicht. Sie war freiwillig und sollte beim Nachvollziehen von potenziellen Infektionsketten helfen. Es wurde zudem vermeldet, dass immer mehr Krankenhäuser den COVID-19-Bereitschaftsdienst wieder runterfuhren.
Mai bis Juli 2020: Weitere Lockerungen Im Mai wurden viele Maßnahmen weiter gelockert. Ab dem 7. Mai 2020 wurden erstmals wieder Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen erlaubt. An diesem Tag lag die Zahl der insgesamt positiv Getesteten bei 7995 und 217 Kranke lagen auf Intensivstationen. Die Zahl der Todesopfer wurde auf 209 beziffert. Am 5. Mai wurde erstmals die Zahl der wieder Genesenen berechnet. Sie lag laut FHI bei etwa 90 Prozent.
Im Juni blieb die Zahl der Neuinfektionen weiter gering, einige Maßnahmen wurden weiter gelockert. So durfte etwa der Spielbetrieb in der Fußballliga Eliteserien mit bis zu 200 anwesenden Personen wieder aufgenommen werden. Die erste Version der App Smittestopp wurde aufgrund von Datenschutzbedenken am 12. Juni 2020 gestoppt.
Ab dem 15. Juli 2020 wurde das generelle Einreiseverbot aufgehoben und durch ein System ersetzt, nach welchem Personen aus gewissen Ländern mit geringen Infektionszahlen wieder nach Norwegen kommen durften. Ende Juli warnte das FHI davor, dass zu viele Personen die Schutzmaßnahmen nicht mehr befolgen würden und somit lokale Ausbrüche wahrscheinlicher werden. Solche lokalen Ausbrüche wurde im Juli 2020 unter anderem in der südostnorwegischen Stadt Moss und auf einem Schiff der Hurtigruten verzeichnet.
August bis November 2020: Erneuter Anstieg der Fallzahlen Wegen der ansteigenden Infektionszahlen kündigte Gesundheitsminister Bent Høie am 7. August 2020 eine erneute Verschärfung der Regeln an. Unter anderem wurde wieder dazu aufgerufen, alle nicht notwendigen Reisen zu vermeiden. Durch lokale Ausbrüche wurden in einigen Kommunen wieder striktere Maßnahmen ergriffen. Anfang September waren beispielsweise in der südostnorwegischen Kommune Fredrikstad etwa 1300 Personen unter Quarantäne gestellt worden, nachdem es dort unter anderem zu Fällen in Schulen und Kindergärten gekommen war. Für Oslo wurde am 21. September 2020 erneut ein Versammlungsverbot für über zehn Personen im Privatraum ausgesprochen.
Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern wurde im Oktober 2020 ein weiterer Anstieg der Infektionen sowie der im Krankenhaus aufgrund von COVID-19 behandelten Personen vermeldet. Zum 28. Oktober 2020 wurde es verboten, mehr als fünf Gäste aus verschiedenen Haushalten zu haben. Für quarantänepflichtige Einreisende ohne Wohnsitz in Norwegen wurden am 5. November 2020 sogenannte Quarantänehotels eingerichtet.
Dezember 2020 bis Februar 2021: Beginn der Impfungen Am 21. Dezember 2020 wurde eine neue Version der App Smittestopp veröffentlicht. Am selben Tag wurde der erste Impfstoff für die Verwendung in Norwegen zugelassen. Die erste Person wurde schließlich am 27. Dezember 2020 geimpft. Weltweit galt Norwegen im Jahr 2020 als eines der Länder mit der niedrigsten Anzahl an Todesfällen in Zusammenhang mit einer Infektion mit SARS-CoV-2.
Um die Ausbreitung von mutierten Virusformen, die zuvor unter anderem in Großbritannien (VOC-202012/01) und Südafrika (501.V2) festgestellt worden waren, zu verhindern, wurde ab dem 2. Januar 2021 eine COVID-19-Testpflicht für alle aus besonders betroffenen Ländern nach Norwegen Einreisenden aktiv. Beide Virusformen wurden im Laufe vom Januar 2021 auch in Norwegen bei Tests entdeckt. Am 27. Januar 2021 wurden die Einreiseregelungen erneut verschärft und unter anderem die Einreise für Ausländer ohne Aufenthaltsrecht in Norwegen verboten. Ab Mitte Januar ging die Anzahl der neuen Ansteckungen wieder zurück. Die Reproduktionszahl sank laut FHI Ende Januar auf einen Wert von 0,8.
März bis April 2021 Wegen der ungleichen Ansteckungssituation in den verschiedenen Regionen Norwegens gab die Regierung Anfang März an, dass man damit beginnen werde, die Zahl der zur Verfügung gestellten Impfdosen pro Gemeinde an die aktuellen Fallzahlen anzupassen. Nachdem es bei mehreren Personen nach einer Impfung mit dem Impfstoff AZD1222 des Pharmaunternehmens AstraZeneca zu Komplikationen kam, verkündeten die Behörden Folkehelseinstituttet und Legemiddelverket am 11. März 2021, dass der Einsatz des Impfstoffs ausgesetzt werden solle. Am 15. März 2021 wurde berichtet, dass eine mit dem Stoff geimpfte Person an den Folgen eines Blutgerinnsels gestorben sei.
Am 23. März 2021 gaben Vertreter der Regierung Solberg neue Einschränkungen bekannt. So wurde ein Alkoholschankverbot für das ganze Land verkündet. Des Weiteren wurde unter anderem beschlossen, dass auch ein negativer COVID-19-Test nach der Rückkehr von einer als unnötig eingestuften Auslandsreise nicht von der Quarantäne abhalte. Im Bereich der Empfehlungen wurde die maximale Gästeanzahl auf zwei gesenkt. Am 13. April 2021 wurde die erneute Lockerung dieser Regelung verkündet.
Mai bis August 2021 Am 5. Mai 2021 gab die norwegische Regierung bekannt, dass für als geschützt eingestufte Personen die Maßnahmen gelockert werden. Als geschützt eingestuft wurden all diejenigen, die vollständig geimpft waren, die vor drei bis zehn Wochen die erste Impfdosis erhalten hatten und sich in den letzten zehn Tagen in Norwegen aufhielten, sowie Personen, die in den letzten sechs Monaten an COVID-19 erkrankt waren. Diese Personen konnte etwa bei Besuchen als Haushaltsmitglieder gezählt werden und auch nahen sozialen Kontakt haben. Im öffentlichen Raum galten für sie dieselben Regeln.