mini|330px|Die erste Schlacht des Ersten Dakischen Krieges, dargestellt auf der Trajanssäule

Als Dakerkriege werden mehrere militärische Konflikte zwischen dem Volk der Daker und dem expandierenden Römischen Reich unter den Kaisern Domitian (81–96) und Trajan (98–117) bezeichnet. Sie endeten mit der Annexion Dakiens durch die Römer. Die Daker lebten in den Karpaten im Gebiet des heutigen Rumäniens.

Vorgeschichte

mini|Büste des Domitian Die ersten beiden Regierungsjahre des Kaisers Domitian (81–96) waren von innenpolitischen Problemen geprägt, die zu einer ersten Welle von Verbannungen und Hinrichtungen führten. Zu den Opfern dieser Säuberungsaktion gehörten Titus Flavius Sabinus und eine Reihe von Männern, die Domitians verstorbenem Bruder Titus (79–81) nahegestanden hatten. Im Jahr 83 begab sich Domitian nach Mogontiacum, das heutige Mainz, um von dort aus einen Angriffskrieg gegen die Chatten zu führen. Begründet wurde diese Aktion mit der allgemeinen Bedrohungslage für die Provinz, die von diesen Stämmen ausging. Von mindestens ebenso großer Bedeutung war für Domitian die damit verbundene Gelegenheit, seine innenpolitische Stellung durch den Beweis seiner virtus imperatoria und Sieghaftigkeit zu stärken.Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. 266. Der Feldzug verlief erfolgreich und endete mit der deditio, der bedingungslosen Unterwerfung der Chatten. Domitian nahm den Siegerbeinamen Germanicus an und ließ Münzen mit der Aufschrift „Germania capta“ prägen.Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. 269. Mit letzterem verbunden war die Umwandlung der germanischen Militärbezirke in die beiden Provinzen Germania superior und Germania inferior. Die Gebietsgewinne waren nicht beträchtlich, vielmehr war es um die Arrondierung bereits gewonnener Landstriche im südwestlichen Germanien gegangen (im Bereich des Neuwieder Beckens, des Taunus und der Wetterau sowie dem Zusammenschluss mit dem Dekumatland). Dennoch propagierte Domitian, dass er hiermit einen Erfolg errungen hatte, der selbst Augustus versagt geblieben war. Domitians zunehmend harte Haltung gegenüber den Stämmen und Foederaten im Vorfeld des Reiches mögen dazu beigetragen haben, dass der dakische Fürst Diurpaneus eine antirömische Koalition gründete, die entweder bereits im Winter 85/86Cornelius Tacitus: Dialogus de oratoribus. Herausgegeben von Dieter Flach. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, S. 17.Wolfgang Czysz: Gontia: Günzburg in der Römerzeit. Likias-Verlag, 2002, S. 74. oder erst im Sommer 86 in die römische Provinz Moesia einfielen. Die genauen Umstände sind unbekannt.Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. 272. Der Provinzstatthalter Gaius Oppius Sabinus fand in den folgenden Kämpfen den Tod, die römischen Auxiliarlager an der Donau wurden überrannt und in der Provinz kam es zu Plünderungen und Brandschatzungen.

Die Dakerkriege Domitians

Domitian ließ unverzüglich Truppen aus den umgebenden Provinzen (unter anderem Pannonien und Obergermanien) zusammenziehen und begab sich persönlich an die Front. Die neuen imperatorischen Akklamationen des Kaisers deuten darauf hin, dass die Invasoren noch im Jahr 85 wieder über die Donau zurückgeworfen werden konnten. Domitian zog sich daraufhin nach Rom zurück und feierte Anfang 86 einen Triumph. Um die Niederlage des Sabinus zu rächen, brachen die römischen Truppen im Sommer 86 unter der Führung des Prätorianerpräfekten Cornelius Fuscus zu einer Strafexpedition in das dakische Gebiet auf. Die Donau wurde wahrscheinlich bei Oescus mittels einer Schiffsbrücke überquert. Anschließend bewegte sich das Heer entlang dem Lauf des Aluta (Olt) nach Norden auf die Südkarpaten zu. Am Rotenturmpass wurde Fuscus jedoch vernichtend geschlagen. Er verlor in der Schlacht das Leben. Die komplette Ausrüstung seiner Armee sowie zahlreiche Gefangene fielen in die Hände des Diurpaneus. Diese erneute Niederlage schmälerte das römische Ansehen bei den Donaustämmen und schwächte auch die innenpolitische Stellung des Kaisers. Domitian kehrte deshalb noch im selben Jahr nach Mösien zurück. Im folgenden Feldzug, der durch Cornelius Nigrinus geführt wurde, konnte Diurpaneus ausgeschaltet werden. Ende 86 war der Kaiser wieder in Rom, doch verzichtete er diesmal auf eine Siegesfeier.

Ein anderes Ereignis innerhalb Dakiens sollte dem Konflikt jedoch bald eine entscheidende Wendung geben: Duras, der Fürst eines südwestdakischen Königreiches war nämlich um das Jahr 85 zugunsten seines Verwandten Decebalus zurückgetreten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass einige Rekonstruktionen der Ereignisse nicht von einer Ausschaltung des Diurpaneus im Jahr 86 ausgehen. Stattdessen wird es als wahrscheinlich erachtet, dass der zurückgetretene Duras mit Diurpaneus gleichzusetzen istBrian Jones: The Emperor Domitian. Routledge, London 1992, ISBN 0-415-10195-6, S. 226. Fußnote 78.Nicolae Gudea – Thomas Lobüscher: Dacia. Philipp von Zabern, Mainz 2006, S. 15. (ähnlich auch die Darstellung von Karl ChristKarl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 1995, ISBN 3-406-36316-4, S. 272.). Karl Strobel weist diese Deutung jedoch entschieden zurück. Mit Decebalus kam eine politisch und militärisch hoch qualifizierte Persönlichkeit auf den Thron, die großes Verhandlungsgeschick und charismatische Züge trug. Nachdem sich Decebalus im Jahr 86 noch neutral verhalten hatte, zeigte sich bald, dass bezüglich seines Status als Klientelfürst keine Einigung erzielt werden konnte. Domitian reagierte darauf mit massiven Umstrukturierungen in den Donauprovinzen und neuen Kriegsplänen. Ein Jahr später versuchte der Legat Tettius Julianus vom Banat aus nach Sarmizegetusa (Regia), dem dakischen Machtzentrum, vorzustoßen. Trotz mehrerer Erfolge (u. a. bei Tapae) wurde der Feldzug jedoch abgebrochen. Gründe hierfür mögen hohe römische Verluste oder auch einfach die zu weit fortgeschrittene Jahreszeit gewesen sein.

Während der Kämpfe um Dakien waren die germanischen Stämme der Quaden und Markomannen ihrer Verpflichtung, den Römern Truppen zu stellen, nicht nachgekommen, was einem Zusammenbruch des Föderatensystems in diesem Gebiet gleichkam. Die Gefahr, die diese untreuen Stämme darstellten, veranlasste Domitian vor dem geplanten Dakerkrieg im Jahr 89 eine Strafexpedition ins Barbaricum zu unternehmen, die jedoch scheiterte (1. Pannonischer Krieg). Die Markomannen schlugen die römischen Truppen in die Flucht, was nun auch die Jazygen zum Kriegseintritt bewog.Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. 272. Diese Niederlage schwächte Domitians Ansehen in Rom besonders stark, da er selbst an der Front anwesend war und das Scheitern somit ihm selbst angelastet werden konnte. Die Kluft zwischen der Selbststilisierung des sieghaften Kaisers und der Realität wurde trotz vieler im Einzelnen rationalen Regierungshandlungen immer größer.Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. 274.

Nach diesen zahlreichen Rückschlägen blieb Domitian keine andere Wahl, als Decebalus im Jahr 89 einen Kompromissfrieden anzubieten um Zeit zu gewinnen. Ein zentraler Punkt des Kompromisses war die Anerkennung des Decebalus als Vasallenkönig von ganz Dakien. Zusätzlich schloss er die Zahlung von Subsidien an Decebalus sowie den Transfer von ziviler und militärischer Technologie mit ein. Erst dieser Friedensvertrag erlaubte es Decebalus, ein gesamtdakisches Königreich zu schaffen; das erste seit dem Reich des Burebista († 44 v. Chr.). In der Folgezeit versuchte Domitian mit diplomatischen Mitteln eine zweite Front gegen die Markomannen und Quaden in deren Rücken zu errichten. Die beiden bedrohten Stämme reagierten mit einer Erneuerung ihres Bündnisses mit den Jazygen, die im Jahr 92 in römisches Gebiet einfielen. Nachdem die Legio XXI Rapax von ihnen aufgerieben wurde, eilte Domitian wieder persönlich an die Front um die Situation zu stabilisieren. Sein Sieg über die Jazygen war vollständig, so dass sich dieses Volk erst im Jahr 107/108 gegen Rom erhob, als es sich von Trajan betrogen sah. Die anschließenden Kämpfe gegen Markomannen und Quaden konnten jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt werden und endeten mit einem Waffenstillstand (2. Pannonischer Krieg).

Vorbemerkung zu den Dakerkriegen Trajans

mini|Trajanssäule von Osten gesehen (2004)

Viele Ereignisse der Dakerkriege Trajans sind auf den Reliefs der Trajanssäule in Rom dargestellt. Allerdings ist die Interpretation dieser Bildzeugnisse nicht einfach, da die Darstellungen nicht zuletzt auch propagandistischen Zwecken dienten und oft idealisiert sind.Kate Gilliver: The Augustan Reform and the Structure of the Imperial Army. In: Paul Erdkamp: A Companion to the Roman Army. Blackwell, Oxford-Malden 2007, ISBN 978-1-4051-2153-8, S. 183. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele schriftliche Quellen zur Ära Trajans verloren sind, so zum Beispiel auch die Commentarii de bellis Dacicis von Trajan selbst. Die erhaltenen schriftlichen Quellen bieten eher spärliche Informationen. Auf den Rückseiten von Münzen des Trajan wird aber sehr häufig auf seinen Sieg über die Daker Bezug genommen. mini|Daker mit ihren Waffen auf Münzrückseiten des Trajan

Der erste Dakerkrieg Trajans 101/102

mini|hochkant=1.5|Die römische Provinz Dakien bis zum Tode Trajans

Kaiser Trajan (98–117), der für seine Herrschaftslegitimation auch eines überzeugenden militärischen Erfolges bedurfte, begann schon im Jahr seines Regierungsantrittes mit der Vorbereitung des nächsten Dakerkrieges. Die reichen Gold- und Erzvorkommen Dakiens dürften einen weiteren Anreiz dargestellt haben, das Land zu erobern, obschon dieser Aspekt nicht überbewertet werden sollte. Zu den Kriegsvorbereitungen gehörte auch ein massiver Ausbau der Infrastruktur in den betroffenen Regionen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Begradigung der Donausüdstraße durch die Fertigstellung einer bereits unter Tiberius (14–37) begonnenen Kunststraße durch die felsigen Regionen am südlichen Donauufer im Bereich des Eisernen Tores (die Tabula Traiana legt noch heute hiervon Zeugnis ab). Da die Stromschnellen des Eisernen Tores auch für die Schifffahrt ein großes Problem darstellten, wurde zusätzlich ein 3,2 km langer und 30 m breiter Schiffskanal in dieser Gegend angelegt.Die Bauinschrift ist erhalten. vgl. EDCS-10000490 (=AE 1973, 00475).