In diesem Architektur-Glossar sind Fachbegriffe aus dem Bereich der Architektur gesammelt.
Was auf dieser Seite nicht aufgeführt wird Nicht in dieses Glossar aufgenommen wurden Bezeichnungen für Werkzeuge, für Möbel und für Baustile sowie Fachbegriffe aus den Bereichen Siedlungswesen, Tiefbau, Ausschreibungswesen, Katasterwesen, Baumanagement und Baurecht. Auch Handwerksberufe im Bauwesen sowie die Berufsorganisationen, Konferenzen und Fachzeitschriften der Architekten sind ausgespart.
Begriffe aus der Garten- und Landschaftsarchitektur sind nur berücksichtigt, wenn sie sich auf Bauwerke beziehen.
Nicht aufgenommen wurden ferner Fachbegriffe aus dem Festungsbau. Für diese siehe: Liste von Fachbegriffen im Festungsbau.
Glossar
A Aasdach Skandinavischer Blockhausbau: Eine Dachkonstruktion, bei der die Dachhaut nicht von Sparren, sondern von vielen eng aneinanderliegenden Pfetten getragen wird. Vgl. Sparrenpfette. Aaskopf Siehe Bukranion. Abakus Antike: Eine viereckige Platte, insbesondere die quadratische Deckplatte, die das Kapitell nach oben hin beschließt. Auf dem Abakus ruht meist der Architrav. Abbinden Siehe Erstarren. Abdach Siehe Unterstand. Abdachung (Architektur) Die Bedeckung von Strebepfeilern durch kleine Pultdächer oder Giebeldächer. Abdichtmittel Stoffe zur flächigen Abdichtung, etwa gegen Regenwasser oder Erdfeuchte. Abdichtung Siehe Bauwerksabdichtung, Dachabdichtung, Fugenabdichtung. Abfasung Siehe Fase: Die Abschrägung einer andernfalls scharfen Bauteilkante. Abgasanlage Siehe Schornstein, Saugzug. Abgehängte Decke Eine Leichtbaudecke, die unter den Dachstuhl oder die eigentliche Rohdecke gehängt wird. Zur Trittschalldämmung oder zur Verringerung großer Raumhöhen. Abgratung Bearbeitung von Holzbauteilen: Das Entfernen eines überstehenden Endes. Abhänger Siehe Direktabhänger. Abhängling Auch Hängezapfen: Im Gewölbebau ein herabhängender Schlussstein, oft in Form eines Zapfens oder eines Knaufes. Ablauf Verschiedene Bedeutungen: 1. In der Gebäudeentwässerung das oberste Element, das das Abwasser aufnimmt und in die Anschlussleitung führt. Vgl. Geruchsverschluss. 2. Auch Apophyge, Apophysis, Apothesis: Eine kurvige konkave Verbindung zu einem vorspringenden oberen Bauteil. Abluftfassade Eine Fassade, die so konstruiert ist, dass sie als Klimaanlage funktioniert. Zwischen einer geschlossenen Isolierverglasung und einer Innenfassade strömt dabei immer eine vorgewärmte Luft. Abseite Verschiedene Arten von Nebenräumen: 1. als ältere Bezeichnung für Seitenschiff; 2. im Hausbau bei mehrschiffigen Innengerüstbauten mit niedrigeren Außenwänden als Kübbung; 3. Nebengebäude oder Nebenflügel eines Hauptbaus; 4. Teil des Dachgeschoss, der mittels einer Wand (Abseitenwand) abteilt ist. Absteckung Die Übertragung und Kennzeichnung von planerisch bestimmten Abmessungen und geometrischen Punkten auf ein Grundstück. Absturzsichernde Verglasung Vertikalverglasungen, Glasbrüstungen und Ähnliches, das in ein Gebäude eingebaut wird, um das seitliche Abstürzen von Personen zu verhindern. Abtei Ein Kloster, dem ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht. Keine einheitliche Bauweise. Achse Eine gedachte Gerade, die durch ein Gebäudeensemble, einen Baukörper, ein Bauteil oder raumbildende Grünstrukturen und Gewässer gezogen werden kann und als Gestaltungs- und Ordnungsmittel benutzt wird. Achsknick Mittelalterliche Kirchenbauten: Ein Knick in der Längsachse von Langhaus und Chor, der daher rührt, dass die Ostung beider Teile nicht am selben Tag vorgenommen wurde. Achtort Gotik: Ein Proportionsschlüssel. Ädikula Antike: ein kleines Bauwerk oder Bauteil, z. B. ein Lararium, ein Grabmal, ein kleiner Tempel, ein Aufbau zur Bewahrung eines Standbildes oder die Umrahmung einer Nische oder Fensters mit einem kleinen Dach oder Giebel. Adyton Griechische Antike: Ein türloser, unzugänglicher Rückraum der Cella eines Tempels. Agadir Nordafrika: Ein burgartig ausgebautes Speicher- und Lagergebäude. Vgl. Ksar. Agdal Nordafrika, historisch: eine Parkanlage mit zentralem Wasserbecken. Agora Antikes Griechenland: Zentraler Fest-, Versammlungs- und Marktplatz einer Stadt, ein kennzeichnendes Element der Polis. Agraffe Ein architektonisches Ornament, das in einem Bogenscheitel als speziell gestalteter Schlussstein eingefügt wird. Ähre Renaissance: Ein Pflanzenornament, das die Turm- oder Giebelspitze eines Profanbaus ziert. Aigikranion Siehe Bukranion. Aithusa Griechische Antike: Eine offene, mit Säulen versehene Vorhalle vor einem Haus. Ajimez Maurischer Stil: Ein Zwillingsfenster; vgl. Biforium. Akanthus Ein Pflanzenornament, stilisierte Darstellung der gleichnamigen Pflanzenart. Charakteristisches Element u. a. der korinthischen Kapitelle. Akroterion Auch Akroter: Antike: Ein verzierendes Element am Giebelfirst. Bei entsprechenden Elementen an den Giebelecken spricht man von einem Eckakroter. Akustik-Deckensegel Ein an die Raumdecke montierter Schallabsorber, der zur Enthallung eines Raumes dient. Alcaicería Spanien, historisch: Ein Markt für Luxuswaren, in Säulengängen rund um einen Innenhof untergebracht. Alemannisches Fachwerk Teilweise in Frage gestellte Bezeichnung für Oberdeutsches Fachwerk. Kennzeichen: Rähmbauweise mit weitem Ständerabstand, durchlaufende Sturz- und Brustriegel und darin eingespannte Fenster und Bohlendeckenlagen. Alfiz Islamischer Raum, traditionell: Ein dekorativer rechteckiger Rahmen rund um eine gewölbte Wandöffnung. Alkoven Eine Bettnische. Oft verschließbar. Allgäuer Fenster Allgäu, historisch: Ein mit horizontalen Sprossen dreigeteiltes Fenster, das im mittleren Teil ein Fenster („Ruckerfenster“) enthält, das separat geöffnet werden kann. Almhütte Auch Alphütte, Kaser: Eine almwirtschaftliche Hütte (Wohn- und Stallgebäude). Alpiner Einhof Auch Einhof, Eindachhof: Alpenraum: Ein Bauernhof, in dem alle Teile in einem Gebäude untergebracht sind. Altan Siehe Söller. Altarschranke Siehe Chorschranke. Altarumgang Siehe Opfergang. Altenburger Vierseithof Altenburger Land, historisch: Ein Vierseithof mit bestimmten typischen Bauelementen (u. a. Laubengängen und Bohlenstuben mit Umgebinde). Altfriesisches Bauernhaus Friesland, historisch: Ein kleines Wohnstallhaus. Althamburger Bürgerhaus Auch Althamburger Kaufmannshaus: Hamburg, historisch: Ein Haustyp mit hoher Diele im Zentrum und langgestreckter Form, die zugleich Straße und Fleet erreicht. Altneubau DDR: Bezeichnung für ein in der Nachkriegszeit errichtetes viergeschossiges städtisches Wohnhaus. Ambo Christliche Kirchen: Ein etwas erhöhter Ort mit Bücherständer, von dem während des Gottesdienstes aus sakralen Texten vorgelesen wird. Amphiprostylos Griechische Antike: Ein Tempel mit Säulenreihen vor und hinter der Cella. Amphitheater Römische Antike: Ein meist unbedachtes Rundtheater mit rund oder oval angelegter Arena und darum angelegten, stufenweise ansteigenden Sitzreihen. Anathyrosis Auch Anathyrose: Antike: Eine technische Bearbeitung von Anschlussflächen zwischen Werksteinen. Andron Griechische Antike: Das repräsentative und öffentliche Männergemach eines Wohnhauses. Vgl. Oikos. Anfallsgebinde Dachkonstruktion: Ein Gebinde, das den Anfallspunkt berührt. Anfallsparren Dachkonstruktion: Die Sparren, die den Anfallspunkt berühren. Anfallspunkt Dachkonstruktion: Ein Punkt der Firstlinie, an der drei oder mehr Dachflächen zusammenstoßen. Angelner Dreiseithof Angeln (Schleswig-Holstein), historisch: Eine Hofform, bei der zwei Wirtschaftsgebäude einander gegenüber liegen, während das oft im bürgerlichen Stil gehaltene Wohnhaus die Rückseite des Hofes bildet. Anhydritestrich Eine Estrichart, die unter anderem Anhydritbinder enthält und besonders schnell verlegefertig ist, aber wenig Feuchtigkeitsbelastung verträgt. Anker Ein Bauteil zur zugsicheren Verbindung (Verankerung) von Bauteilen. Beispiele: Mauer-, Zug-, Giebelanker. Ankerschiene Ein stählernes C-Profil, das in Beton eingebaut bzw. eingegossen wird. In den Schlitz des Profils können Spezialschrauben (Ankerschrauben) eingelegt werden. Anlauf Eine konkav gekrümmte Profilierung am Übergang zweier unterschiedlich weit vorstehender Bauteile. Anmutung Der erste Eindruck, den ein räumlich komplexer Zusammenhang im Betrachter bewirkt (z. B. hell, dunkel, frei, beengt, schön, hässlich). Annex Ein niedriger Anbau an ein Gebäude. Anschlag Die Befestigung einer Tür oder eines Fensters (innen, außen, links, rechts). Beim Stumpfanschlag ist eine Tür nicht überfälzt ausgeführt. Anschlagtür Auch Schwenktür: Eine Tür, deren Türflügel an einer Seite angeschlagen (mit einem Scharnier befestigt) ist. Siehe auch Öffnungsrichtung von Türen. Gegensätze: Schiebetür, Falttür, Klapptür. Anschlusskanal Eine Abwasserleitung von der Grundstücksgrenze bis zum öffentlichen Straßenkanal. Ansicht Planung und Darstellung von Bauten: Eine Zeichnung, die wiedergibt, wie eine Seite des Bauwerks frontal aussieht. Vgl. Grundriss. Anstrich Malerhandwerk: Das Beschichten der Oberfläche eines Bauteils mit Anstrichmittel. Erfolg meist durch Streichen oder Rollen. Anstrichmittel Ein Beschichtungsstoff, der einen physikalisch trocknenden oder chemisch härtenden Anstrich ergibt. Besteht u. a. aus Binde-, Farb- und Lösungsmittel. Anta Portugal: Eine Form von Dolmen (Megalithanlagen). Ante Griechische und römische Antike: eine vorgezogene Mauerzunge; bei einem Tempel die verlängerte Seitenwand der Cella. Antefix Auch Stirnziegel: Antike: Ein verzierter Dachziegel, der an der untersten Ziegellage der Traufe angebracht ist. Antenkapitell Der obere Abschluss eines Antenpfeilers. Antenpfeiler Die als Pfeiler gestaltete Stirn einer Ante. Kann eine andere Quaderschichtung aufweisen als die anschließende Wand. Antentempel Griechische Antike: Ein einfacher Tempel, der nur aus einer Cella und einer Vorhalle (Pronaos) besteht. Die Vorhalle wird aus den Anten und zwei dazwischen angeordneten Säulen gebildet. Antepagment Antike: Die verzierte Zarge einer Maueröffnung. Anthemion Auch Anthemienfries: Griechische Antike: Ein Friesband, das sich aus Lotosblüten und Palmetten im Wechsel zusammensetzt. Antichambre Ein als Warteraum dienendes Vorzimmer in einem Schloss. Antikdielen Parkett- und Dielenböden aus gealtertem Holz, das meist aus alten Scheunen und Gehöften stammt. Anulus Säulen der dorischen Ordnung: Eine Rille am Kapitell. Am Übergang vom Säulenhals (Hypotrachelion) zum Echinus sind meist mehrere Anuli angebracht. Vgl. Scamillus. Apodyterion Auch Apodyterium: Antike: Ein An- und Auskleideraum in einem öffentlichen Bad. Apotropaion Auch Apotropäum: Ein meist an der Außenwand angebrachter magischer Gegenstand oder ein Bild zum Schutz gegen böse Kräfte. Appartement Verschiedene Bedeutungen: 1. Eine Wohnung. 2. Schlösser der Renaissance und des Barock: eine funktional zusammengehörige Folge von Räumen. Appenzeller Bauernhaus Appenzellerland (Schweiz), traditionell: Eine bäuerliche Hofform mit charakteristischen Fensterbändern. Apsis Kirchenbauten: Ein im Grundriss meist halbkreisförmiger oder polygonaler Raumteil, der sich an den Chorraum anschließt. Apsiskalotte Kirchenbauten: Die gerundete, halbkuppelartige Wölbung einer Apsis. Apsissaal Ein Grundrisstyp im mittelalterlichen Dorfkirchenbau, bestehend nur aus einem einschiffigen Langhaus und einer abschließenden Apsis. Aquädukt Seit der Antike: Ein Bauwerk zum Transport von Wasser. Arabeske Ein Rankenornament. Arbeitsfuge Eine Trennlinie innerhalb von Bauteilen. Eine Arbeitsfuge entsteht z. B., wenn Betonbauteile nebeneinander gearbeitet werden. Architekt Diejenige Person, die für die Gestaltung und Genehmigung von Bauten (Neubauten, Modifikationen an vorhandenen Bauwerken) sowie oft auch für die Planungen für die Baustelle zuständig ist. Vgl. Bauunternehmer, Bauingenieur, Baumanager, Landschaftsarchitekt, Innenarchitekt. Architekturtheorie Die theoretische Fundierung des Handelns und der Rolle der Architekten sowie der Inhalte und Ausdrucksformen der Architektur selbst.