Die Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF) ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie wurde 2012 gegründet und ist als eingetragener Verein mit Sitz in Frankfurt am Main organisiert. Ihr Zweck ist die Förderung der empirischen Bildungsforschung und die Verbreitung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse.

Die Gesellschaft vereint Forschende unter anderem aus der Erziehungswissenschaft, der Psychologie, der Soziologie, den Fachdidaktiken, der Bildungsökonomik und der Politikwissenschaft. Sie veranstaltet jährlich einen wissenschaftlichen Kongress, fördert Forschende in wissenschaftlichen Qualifikationsphasen und veröffentlicht Stellungnahmen zu Fragen der Bildungsforschung.

Geschichte

Entwicklung des Forschungsfeldes Die Gründung der GEBF stand im Zusammenhang mit dem institutionellen Ausbau der empirischen Bildungsforschung seit den 1990er-Jahren. Nationale und internationale Schulleistungsstudien wie TIMSS und die PISA-Studien verstärkten das wissenschaftliche und bildungspolitische Interesse an empirischen Untersuchungen von Bildungsprozessen und Bildungsergebnissen. Hinzu kamen der Ausbau des Bildungsmonitorings, neue Förderprogramme und die Einrichtung universitärer und außeruniversitärer Forschungszentren.

Die empirische Bildungsforschung entwickelte sich dabei nicht als Teilgebiet einer einzelnen Disziplin, sondern als interdisziplinäres Forschungsfeld. Neben der Erziehungswissenschaft gewannen insbesondere die Pädagogische Psychologie, die empirischen Fachdidaktiken und die Bildungsökonomik an Bedeutung. Gefördert wurde diese Entwicklung unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ein organisatorischer Vorläufer war die 1965 gegründete Arbeitsgruppe für Empirische Pädagogische Forschung (AEPF). Sie wurde 1968 als Kommission in die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aufgenommen, blieb jedoch auch für Forschende anderer Disziplinen offen. Adolf Kell deutete die spätere Gründung der GEBF als Versuch, Spannungen zwischen der disziplinär organisierten Erziehungswissenschaft und dem interdisziplinären Forschungsfeld der empirischen Bildungsforschung zu bearbeiten.

Gründung und Entwicklung der Gesellschaft Die GEBF wurde am 9. Februar 2012 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main gegründet. Mit der neuen Fachgesellschaft sollte die Zusammenarbeit der unterschiedlichen an der Bildungsforschung beteiligten Disziplinen in einem gemeinsamen, nicht einer einzelnen Disziplin zugeordneten organisatorischen Rahmen gestärkt werden.

Der erste GEBF-Kongress fand vom 11. bis 13. März 2013 am IPN und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Er stand unter dem Thema „Bildungsverläufe über die Lebensspanne“. Die jährlich veranstalteten Kongresse entwickelten sich zu einem zentralen Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer Bildungsforschung im deutschsprachigen Raum.

Der für März 2020 vorgesehene Kongress in Potsdam wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. Im Jahr 2021 veranstaltete die Gesellschaft anstelle eines regulären Kongresses das digitale Veranstaltungsjahr digiGEBF21; die Tagung 2022 wurde als Onlinekonferenz durchgeführt.

Katharina Maag Merki ordnete die GEBF 2021 als wichtigen Ort des wissenschaftlichen Austauschs im deutschsprachigen Raum ein. Zugleich stellte sie fest, dass die Kongressbeiträge vor allem auf Schule, Unterricht, Lehrkräfte und das Lernen von Schülerinnen und Schülern ausgerichtet seien. Obwohl die empirische Bildungsforschung grundsätzlich nicht auf bestimmte Methoden festgelegt sei, dominierten in der Forschungspraxis standardisierte quantitative und hypothesenprüfende Verfahren.

Aufgaben und Organisation Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der GEBF gehören insbesondere die Veranstaltung wissenschaftlicher Kongresse, Seminare und Vorträge, die Förderung des interdisziplinären Austauschs sowie die Anregung gemeinsamer Forschungsprojekte. Die Gesellschaft unterstützt Forschende in wissenschaftlichen Qualifikationsphasen, fördert Fachpublikationen und informiert Öffentlichkeit und Bildungspraxis über Entwicklungen der empirischen Bildungsforschung.

Weitere Aufgaben sind die Benennung von Sachverständigen und Gutachtenden für Peer-Review- und Evaluationsverfahren, die Veröffentlichung wissenschaftlicher Stellungnahmen sowie die Mitarbeit in internationalen Vereinigungen der Bildungsforschung. Zu den Themen ihrer Stellungnahmen gehörten unter anderem das Forschungsdatenmanagement, die Folgen der COVID-19-Pandemie für Kinder und Jugendliche, alternative Qualifikationswege für Lehrkräfte sowie Open Science.

Organe der Gesellschaft sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand, der Wahlausschuss und weitere Ausschüsse. Die Mitgliederversammlung wird in der Regel einmal jährlich einberufen.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand besteht aus der Präsidentin oder dem Präsidenten, einer ersten und bis zu drei weiteren Vizepräsidentinnen oder Vizepräsidenten, einer Schriftführung und einem Schatzmeisteramt. Die Vorstandsmitglieder sollen mehrere an der empirischen Bildungsforschung beteiligte Disziplinen vertreten und werden alle zwei Jahre gewählt. Präsidentin für die Amtsperiode 2025 bis 2026 ist Tina Seidel.

Bei der Fachkollegienwahl der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehört die GEBF zu den fachgebunden vorschlagsberechtigten Gesellschaften für alle vier Fächer des Fachkollegiums Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung.

Mitgliedschaft Die Satzung unterscheidet zwischen ordentlichen, assoziierten und studentischen Mitgliedern. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine wissenschaftliche Tätigkeit oder Qualifikation im Bereich der empirischen Bildungsforschung sowie ein Vorschlag durch mindestens zwei ordentliche Mitglieder. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand mit einer Zweidrittelmehrheit.

Ordentliche Mitglieder müssen in der empirischen Bildungsforschung wissenschaftlich ausgewiesen sein. Dies wird in der Regel durch eine Promotion und mindestens zwei einschlägige wissenschaftliche Publikationen nachgewiesen. Personen, die an einer Dissertation im Bereich der empirischen Bildungsforschung arbeiten, können assoziierte Mitglieder werden. Die studentische Mitgliedschaft steht Studierenden einschlägiger Studiengänge offen.

Ordentliche und assoziierte Mitglieder sind in der Mitgliederversammlung stimmberechtigt; studentische Mitglieder besitzen ein Teilnahmerecht, jedoch kein Stimmrecht. Die mit dem Preis für das Lebenswerk ausgezeichneten Personen erhalten eine Ehrenmitgliedschaft.

Kongresse Die GEBF veranstaltet jährlich einen mehrtägigen Fachkongress, an dem auch Nichtmitglieder teilnehmen können. Vor oder nach dem Hauptkongress findet üblicherweise eine Veranstaltung für Promovierende und Postdoktorierende statt. Veranstaltungsort und Ausrichtung wechseln jährlich.

+ Kongresse und Jahrestagungen Jahr Veranstaltungsort Thema Anmerkung 2013 Kiel Bildungsverläufe über die Lebensspanne 1. GEBF-Kongress 2014 Goethe-Universität Frankfurt am Main Die Perspektiven verbinden 2015 Ruhr-Universität Bochum Heterogenität. Wert. Schätzen 2016 Berlin Erwartungswidriger Bildungserfolg über die Lebensspanne 2017 Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Durch Bildung gesellschaftliche Herausforderungen meistern 2018 Universität Basel und Fachhochschule Nordwestschweiz Professionelles Handeln als Herausforderung für die Bildungsforschung 2019 Universität zu Köln Lehren und Lernen in Bildungsinstitutionen 2020 Universität Potsdam Bildung gestalten – Partizipation erreichen – Digitalisierung nutzen Wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt 2021 Online digiGEBF21 Digitales Veranstaltungsjahr anstelle eines regulären Kongresses 2022 Otto-Friedrich-Universität Bamberg Alles auf Anfang? Bildung im digitalen Wandel Onlinekonferenz 2023 Universität Duisburg-Essen Bildung zwischen Unsicherheit und Evidenz 2024 Universität Potsdam Bildung verstehen – Partizipation erreichen – Transfer gestalten 2025 Universität Mannheim Bildung als Schlüssel für gesellschaftliche Herausforderungen: Interdisziplinäre Beiträge aus der Bildungsforschung 2026 Technische Universität München Bildungsforschung für technologiebedingte gesellschaftliche Entwicklungen 13. GEBF-Kongress 2027 Bergische Universität Wuppertal Nachhaltige Bildung – Welchen Beitrag kann die interdisziplinäre empirische Bildungsforschung leisten? geplant

Preise

Nachwuchspublikationspreise Die GEBF vergibt seit 2015 jährlich Nachwuchspublikationspreise. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Veröffentlichungen von Promovierenden und von promovierten Forschenden ohne Professur. Die Preise sind mit jeweils 700 Euro dotiert und werden während des jährlichen Kongresses verliehen. Seit 2026 wird zusätzlich ein Preis für Forschungssynthesen vergeben, für den sich Promovierende und Postdoktorierende bewerben können.

Preis für das Lebenswerk Der Preis für das Lebenswerk wird ungefähr alle drei Jahre vergeben. Die Auszeichnung ist mit einer Eröffnungsrede der ausgezeichneten Person auf dem GEBF-Kongress und mit der Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft verbunden.

Jahr Ausgezeichnete Person 2019 Jürgen Baumert 2023 Eckhard Klieme 2026 Petra Stanat

Preis für die Förderung der Interdisziplinarität Der Preis für die Förderung der Interdisziplinarität in der Bildungsforschung wird ebenfalls ungefähr alle drei Jahre verliehen. Er würdigt Personen oder Forschungsverbünde, die zur disziplinübergreifenden Zusammenarbeit in der Bildungsforschung beigetragen haben.

Jahr Ausgezeichnete 2019 Hans E. Fischer, Detlev Leutner und Elke Sumfleth 2023 Forschungsgruppe COSIMA der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München 2026 Erweiterte Leitung des Nationalen Bildungspanels und das NEPS-Netzwerk

Weblinks Offizielle Website Übersicht der GEBF-Kongresse

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftliche Gesellschaft Kategorie:Bildungsforschung Kategorie:Verein (Frankfurt am Main) Kategorie:Vereinsgründung 2012