Die Fürstliche Kirche „Heiliger Nikolaus“ in Iași, Rumänien, ist eine orthodoxe Kirche, welche von Ștefan cel Mare im Zeitraum von 1491 bis 1492 gebaut wurde. Durch den französischen Architekten André Lecomte du Noüy wurde die Kirche im Zeitraum von 1884 bis 1904 abgerissen und in etwa ihrer ursprünglicher Form auf demselben Grund wieder aufgebaut. Die Kirche liegt in der Innenstadt in der Anastasie Panu Str. 65, in der Nähe des Fürstlichen Hofs, zwischen Kulturpalast und Dosoftei Haus (genannt auch Haus mit Arkaden).
Die Kirche trägt den Namenszusatz „Fürstlich“, da sie neben dem Fürstlichen Hof liegt, in dem fast alle Herrscher Moldaus von Despot Voda bis zu Grigore Alexandru Ghica geweiht wurden. Dadurch unterscheidet sie sich von den anderen Kirchen in der Stadt, die den gleichen Namen, den des Heiligen Nikolaus, tragen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfüllte die Kirche acht Jahre lang die Rolle einer Metropolitankathedrale.
Die Fürstliche Kirche „Heiliger Nikolaus“ wurde 2015 in die Liste der historischen Denkmäler aus der Gemeinde Iași unter dem Code IS-II-m-B-03962 aufgenommen.
Geschichte Gestiftet von Ștefan cel Mare Im 15. Jahrhundert fingen die Herrscher von Moldau an, fürstliche Höfe in den Hauptstädten des Landes zu bauen. Dort wohnten sie auch auf ihren Reisen. Der fürstliche Hof in Iași wurde erstmals in einem Dokument erwähnt, das auf den 8. Oktober 1434 datiert.
Die Stadt Iași erfuhr eine starke Entwicklung während der Herrschaft von Ștefan cel Mare (1457–1504), der den fürstlichen Hof renovieren ließ und die Fürstliche Kirche „Heiliger Nikolaus“ stiftete.
Rechts vor dem Kircheneingang ist an der Mauer eine Tafel angebracht. Auf ihr steht in Kirchenslawisch, dass der Bau 1491 angefangen und ein Jahr später abgeschlossen wurde.
In den moldauischen Chroniken jedoch gibt es divergierende Angaben bezüglich der Baujahre der Kirche. Grigore Ureche schreibt in seiner Chronik, dass die Kirche von Ștefan cel Mare nach der Schlacht von Cătlăbuga am 16. November 1485 gegen die Osmanen erbaut worden sei. Axinte Uricariul widersprach dieser Behauptung mit dem Hinweis auf die Tafel vor dem Kircheneingang.
Nachdem Iași zur Hauptstadt Moldaus aufstieg, wurden in der Fürstlichen Kirche „Heiliger Nikolaus“ fast alle Herrscher Moldaus nach byzantinischem Stil geweiht. Dimitrie Cantemir beschreibt diese Prozession in seiner Monographie Descriptio Moldaviae (1714–1716).
In den Chroniken werden folgende Herrscher erwähnt, die in der Kirche geweiht wurden: Gheorghe Ștefan (1653, 1653–1658), Dimitrie Cantemir (1693, 1710–1711), Grigore al II-lea Ghica (1726–1733, 1735–1739, 1739–1741, 1747–1748) und Constantin Mavrocordat (1733–1735, 1741–1743, 1748–1749, 1769–1769). Am 2. Oktober 1849 wurde hier der letzte Herrscher Grigore Alexandru Ghica (1849–1856) geweiht. Vor einer Herrscherweihe fand die heilige Liturgie statt, an der alle Mitglieder des fürstlichen Rates teilnahmen.
Im 16. Jahrhundert, wahrscheinlich während der Herrschaft von Alexandru Lăpușneanu (1552–1561, 1564–1568), bekam die Kirche eine Vorhalle mit einer Steinglocke. Der russische Reisende Trifon Korobeinikov, der 1593 die Stadt besuchte, erwähnt mehrere Stein- und Holzkirchen, unter denen die Fürstliche Kirche „Heiliger Nikolaus“ als Kathedrale diente. Auch vermerkt er sowohl die Vorhalle mit der Steinglocke als auch die Außenmalerei der Kirche. Fachleute meinen, die von Korobeinikov beschriebene Außenmalerei beziehe sich auf die in den Kirchennischen gemalten Heiligen.
Im Laufe der Zeit wurde die fürstliche Kirche von Erdbeben und Bränden mehrmals zerstört und wiederaufgebaut. Manche Forscher datieren den ersten Wiederaufbau nach der türkischen Invasion im Jahre 1538, als die Kirche darunter gelitten hat. Miron Costin vermutet, dass die Kirche wahrscheinlich 1650 durch Tataren in Brand gesetzt wurde: „(…) sie haben die ganze Stadt in Brand gesetzt. Nur da und dort ist ein kleiner Laden verschont geblieben. Im Nu standen der fürstlichen Hof, die Häuser der Bojaren und die ganze Stadt in Schutt und Asche (…)“.
Vom 20. bis 28. Juli 1672 verweilte Sultan Mehmed IV. in Iasi, bevor er nach Camenița weiterzog. Während dieser Tage ließ er die Kirche in eine Moschee umfunktionieren. Die Kirche blieb danach drei Jahre geschlossen. Erst nach der Thronbesteigung durch Antonie Ruset (1675–1678) wurde sie laut dem Chronisten Ion Neculce abermals geweiht.
Restaurierung durch Antonie Ruset und weitere Reparaturen 250x250px|mini|Verbleibender Teil an der Südseite der von Antonie Ruset erbauten Mauer
Im Jahre 1676 war die Kirche und die Steinglocke fast völlig zerstört. Der neue Herrscher Antonie Ruset begann im Frühling desselben Jahres mit dem Wiederaufbau der Kirche.
Er ließ die Steinglocke reparieren, die Innenwände bemalen, eine Mauer um die Kirche bauen und eine Krypta für sich einrichten. Weiterhin ließ er einen Brunnen in der Geländemauer vor dem großen Tor des fürstlichen Hofes graben. Fachleute sind der Meinung, dass damals auch die Trennwand zwischen Naos und Pronaos (Schiff und Vorhalle) abgerissen und durch zwei Säulen sowie drei Arkaden ersetzt worden sei.Dan Bădărău, Ioan Caproșu Iașii vechilor zidiri (ed. a II-a revăzută) Verlag:Casa Editorială Demiurg 2007 S. 52 Ruset schenkte der Kirche außerdem zwei Kerzenhalter aus Bronze und mehrere liturgische Silbergefäße. Nach der Ermordung von Ruset übernahm Gheorghe Duca (1665–1666, 1668–1672, 1678–1683) die Bauarbeiten. (idem S. 79) Im Frühling 1679 wurden die Malerarbeiten an den Innenwänden abgeschlossen.Dan Bădărău, Ioan Caproșu Iașii vechilor zidiri (ed. a II-a revăzută) Verlag:Casa Editorială Demiurg 2007 S. 47
Ruset verlegte den Sitz des moldauischen Metropoliten in ein Gebäude in der Nähe der Kirche, wovon ein Dokument des Herrschers vom 29. März 1677 berichtet. Die Autoren Dan Bădărău und Ioan Caproșu rechtfertigen den Umzug des Metropolitensitzes in die Fürstliche Kirche Heiliger Nikolaus durch die Tatsache, dass zu dieser Zeit die Weiße Kirche, der ursprüngliche Metropolitensitz, in einem schlechten Zustand und dadurch nicht geeignet war für liturgische Dienste. Die Nachfolger Rusets waren unzufrieden mit dieser Lösung und infolgedessen – berichten die Autoren weiter – hatte Anastasia, Gattin von Gheorghe Duca, gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine neue Kirche auf dem Friedhofsgelände der Weißen Kirche erbauen lassen. Die neue Kirche übernahm wieder die Rolle des Metropolitensitzes.
Der Metropolit Dosoftei Barilă (1671–1674, 1675–1686) hat 1680 eine Druckerei auf der Gelände der Fürstlichen Kirche Heiliger Nikolaus eingerichtet. Daraufhin wurden in der Kirche zahlreiche Bücher in rumänischer Sprache gedruckt.
250x250px|mini|Casa Dosoftei, Statue des Metropoliten Dosoftei, Hotel Moldova und die Fürstliche Kirche Heiliger Nikolaus
Während seines dreitägigen Aufenthalts in Iași hat der russische Zar Peter der Große am 26. Juni 1711 unter anderem die Fürstlichen Kirche „Heiliger Nikolaus“ besichtigt, wie Nicolae Costin berichtet. Auch Ion Neculce vermerkt, dass der russische Zar von den besichtigten Klöstern beeindruckt war.
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche um ein massives Gebäude nach Westen hin erweitert. Das Gebäude war rund eineinhalbmal größer als die ursprüngliche Kirche und beherbergte zwei Altäre. Der nördliche Altar wurde dem Herrscher Ștefan cel Mare gewidmet, der südliche der Heiligen Barbara. Zwischen den beiden Altären befand sich eine Vorhalle.
Einige Autoren wie N.A. Bogdan sind der Meinung, dieses hinzugefügte Gebäude datiere aus der Zeit Antonie Ruset, wofür es aber keine Belege gibt. Unter Beide Altäre wurden erstmals in einem Dokument aus dem Jahre 1786 erwähnt. Daher sind andere Forscher wie Dan Bădărăru und Ioan Caproșu der Ansicht, dass dieses Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut worden sein muss, und stellen es in den Kontext intensiverer Beziehungen zu Russland. Wieder andere Forscher wie Constantin Cihodaru vermuten, die Altäre datieren aus der Zeit von Ioan Teodor Callimachi (1758–1761).
Vor jedem der drei Altäre der Kirche wurde der Gottesdienst in einer anderen Sprache gehalten. Während vor dem Hauptaltar in rumänischer Sprache zelebriert wurde, war es vor dem Altar Ștefan cel Mare auf Kirchenslawisch (später Russisch) und vor dem Altar der Heiligen Barbara in Griechisch.
Wiederaufbau der Kirche durch Lecomte du Noüy mini|Die Fürstliche Kirche Heiliger Nikolaus von Westen gesehen
In der zweiten Hälfte der 19. Jahrhunderts befand sich die Kirche in äußerst schlechtem Zustand und benötigte dringend eine gründliche Restaurierung. Im Frühling 1884 wurde ein Betrag in Höhe von 100.000 Lei für die Restaurierungsarbeiten durch die Regierung bewilligt. Der Minister für Kirchenangelegenheiten erbat beim französischen Architekten André Lecomte du Noüy, der gerade das Kloster Sfinții Trei Ierarhi in Iași restaurierte, einen Bericht über den Zustand der Kirche und die nötigen Restaurierungsarbeiten als auch ein voraussichtliches Leistungsprogramm.
Der Architekt stellte gravierende Schäden sowohl an der ursprünglichen Kirche als auch an dem später hinzugefügten Gebäude fest. Infolgedessen sprach er sich in seinen Berichten entweder für den kompletten Abriss und Wiederaufbau aus oder lediglich für den Abriss des Anbaus.
Im Sommer 1885 wurde das im 19. Jahrhundert hinzugefügte Gebäude abgerissen, ohne zunächst seine Erhaltung zu versuchen. Im Juni 1887 bestimmte Lecomte du Noüy, auch die Hauptkirche abzureißen.
Viele Intellektuelle jener Zeit wie der Metropolit Iosif Naniescu und Mihail Kogalniceanu hatten sich für den Erhalt der während der Jahre hinzugefügten Teile ausgesprochen. Du Noüy wiederum wollte statt der im Jahre 1884 568,40 m² großen Kirche eher ein Gebäude von nur 219,71 m² wiedererbauen.
Kogălniceanu setzte sich für den Erhalt des multilinguistischen Charakters der Kirche ein, der eine Besonderheit der Stadt Iași sei.
1890 beschloss das Kultusministerium nur den Wiederaufbau der von Ștefan cel Mare gestifteten Kirche mit der Begründung, nur diese ursprüngliche Version sei würdig für zukünftige Generationen. Lecomte du Noüy erbaute die Kirche weitgehend im Stil der von Ștefan cel Mare gestifteten Kirche und nach dem Bild von Ruset.
Es gibt jedoch folgende Unterschiede: Die Kirchenmauern wurden durch eine dritte Reihe von Nischen erhöht, was die Kirche schlanker aussehen lässt. Die Streben vor dem Rüsttisch (Prothesis) und der Sakristei (Diakonikon) wurden entfernt. Die Bögen aus der Zeit von Ruset wurden beibehalten, während die Mauer zwischen dem Vorraum (Narthex) und dem Kirchenschiff (Naos) entfernt wurde.
Während des Wiederaufbaus wurden auch archäologische Forschungen um die Kirche herum durchgeführt. Dabei wurden alte Gräber mit kostbaren Gegenständen entdeckt sowie die oben bereits erwähnte Tafel von Ștefan cel Mare. Vasile Panopol erinnert in seinem Buch daran.
Die Arbeiten endeten im Jahr 1904 und kosteten etwa 645.000 Lei.N.A. Bogdan Orașul Iași (monografie istorică și socială) (1913) Verlag:Tehnopress (2004) S. 196 Die Kirche wurde am 2. Oktober 1904 in Anwesenheit der königlichen Familie, mehrerer Mitglieder der Regierung und zahlreicher Würdenträger geweiht.
Westlich vor dem Kircheneingang ist an der Mauer eine Bronzeplatte angebracht, die über den gesamten Wiederaufbau der Kirche berichtet. Eine weitere Marmorplatte im Altar dokumentiert die Spenden von Rumäniens König Carol I.
Geschichte nach dem Wiederaufbau mini|Inschrift aus der Zeit von Rumäniens König Carol I.
Nach dem Wiederaufbau der Kirche wurden anstelle der früheren seitlichen Altäre zwei Flurkreuze errichtet.