110px|zentriert|Wappen der Stadt Leipzig 90px|1. FC Lokomotive Leipzig 69px|BSG Chemie Leipzig
RekordderbysiegerAnzahl Derbysiege x25px 1. FC Lokomotive Leipzigund Vorgängervereine57 amtierender bzw. letzter Derbysiegerseit BSG Chemie Leipzig12. April 2026 (29. Spieltag, Regionalliga Nordost 2025/26) Pflichtspiele 117 Erstaustragung 8. November 1908 (Testspiel)31. Oktober 1909 (Pflichtspiel) letztes Derby 12. April 2026 nächstes Derby 17. Oktober 2026
Als Leipziger Stadtderby, in der Fachliteratur häufiger Ortsderby genannt, werden die Fußballspiele zwischen der in Leipzig-Leutzsch beheimateten BSG Chemie Leipzig und dem in Leipzig-Probstheida ansässigen 1. FC Lokomotive Leipzig sowie zwischen deren Vorgängervereinen bezeichnet.
Im Unterschied zu anderen bekannten Derbys im deutschen Fußball, etwa dem Münchner Stadtderby, wurde das Leipziger Stadtderby nicht zwischen zwei kontinuierlich existierenden Vereinen ausgetragen: Vielmehr spiegeln sich in der wechselvollen Geschichte der fußballerischen Rivalität zwischen den beiden Leipziger Stadtteilen die für die Entwicklung des Fußballs in Ostdeutschland im 20. Jahrhundert typischen Brüche wieder: Auflösung der Vereine nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mehrere von staatlicher Seite verordnete Umstrukturierungen in der Vereinslandschaft in der Zeit der DDR sowie finanzielle Schwierigkeiten und Insolvenzen nach der Wiedervereinigung führten auf beiden Seiten zu Fusionen, Namenswechseln und Neugründungen. Dieses hohe Maß an institutioneller Diskontinuität wird in bemerkenswerter Weise durch die stark ausgeprägte Kontinuität der jeweiligen Anhängerschaften kontrastiert, die all diese Umbrüche überdauern konnten.
Der derzeit erfolgreichste Leipziger Fußballverein RB Leipzig hat in seiner noch jungen Geschichte bisher kaum sportliche Berührungspunkte mit anderen Leipziger Vereinen gehabt, sodass sich noch keine innerstädtischen Rivalitäten entwickeln konnten, die den Begriff „Derby“ rechtfertigen würden und mit der Rivalität „Leutzsch–Probstheida“ vergleichbar wären. Eine Auflistung der bisherigen Begegnungen findet sich unter „Weitere Leipziger Derbys“.
Amtierender Derbysieger ist die BSG Chemie Leipzig, die sich am bis dato letzten Stadtderby am 12. April 2026 heimwärts mit 1:0 durchsetzen konnte. In der Gesamtbilanz der Pflichtspiele führen der 1. FC Lokomotive Leipzig und seine Vorgängervereine, die bisher 53 Derbys für sich entscheiden konnten. Die BSG Chemie und ihre Vorgänger gewannen das Derby bislang 38 Mal. 22 Leipziger Stadtderbys endeten unentschieden.
mini|Lok Leipzig Fans beim Ortsderby 2017 im Bruno-Plache-Stadion mini|Lok Leipzig Fans beim Ortsderby 2022 im Alfred-Kunze-Sportpark mini|Platzierungen in den beiden höchsten Ligen der DDR mini|Platzierungen in der Zuschauertabelle der DDR-Oberliga mini|Ligahöhe im DFB Spielbetrieb 1991–2021
Geschichte Die Geschichte sowohl des Leutzscher als auch des Probstheidaer Fußballs ist durch eine Vielzahl (sport-)politisch und finanziell bedingter institutioneller Brüche geprägt. Beide heute existierenden Vereine sind nicht in rechtlichem Sinne mit ihren verschiedenen Vorgängern identisch, die außerdem jeweils eine Vielzahl unterschiedlicher Namen getragen haben. Zur Verwirrung trägt bei, dass beide Vereine in der Vergangenheit – unabhängig voneinander – bereits den Namen „Lokomotive“ trugen. Diese Entwicklungen werden im Folgenden in vereinfachter Form zusammengefasst.
Fußball in Leutzsch 1899–1922 FC Britannia 1899 Leipzig 1922–1932 Leipziger SV 1899 1932–1938 Tura 1932 Leipzig / Leipziger SV 1899 1938–1945 TuRa 1899 Leipzig 1946–1949 SG Leipzig-Leutzsch 1949–1950 ZSG Industrie Leipzig 1950–1954 BSG Chemie Leipzig 1954–1963 SC Lokomotive Leipzig / BSG Chemie Leipzig-West 1963–1990 BSG Chemie Leipzig 1990 FC Grün-Weiß 1990 Leipzig 1990–2008 FC Sachsen Leipzig 2008–2011 FC Sachsen Leipzig / BSG Chemie Leipzig 2011–2014 BSG Chemie Leipzig / SG Sachsen Leipzig seit 2014 BSG Chemie Leipzig
Die Geschichte des Leutzscher Fußballs beginnt mit dem FC Britannia 1899 Leipzig. Nach einer Reihe von Verschmelzungen, fusionierte dieser Verein 1938 mit dem SV 1932 Tura zum neuen „Großverein im Westen“ Tura 1899 Leipzig. Tura '32 spielte ab 1936 erstklassig (Gauliga Sachsen). Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 erfolgte aufgrund der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates die Auflösung des Vereins. Bereits 1946 erfolgte die Neugründung des Vereins unter dem Namen SG Leipzig-Leutzsch. 1949 fusionierte die SG Leipzig-Leutzsch mit der SG Lindenau-Hafen zur ZSG Industrie Leipzig.
Aufgrund der Neuorganisation der DDR-Sportvereine im Jahr 1950 wurde die ZSG am 16. August 1950 in eine Betriebssportgemeinschaft (Trägerbetrieb VEB Lacke und Farben Leipzig) umgewandelt; der Verein trug nun erstmals den Namen BSG Chemie Leipzig. In der Saison 1950/51 wurde die BSG Chemie DDR-Meister und holte somit die erste Meisterschaft nach Leutzsch. Im Jahr 1954 erfolgte eine erneute Umstrukturierung im Leipziger Fußball, in deren Folge die erste Mannschaft der BSG Chemie von dem neugegründeten SC Lokomotive Leipzig übernommen wurde. Der SC Lokomotive gewann 1957 den FDGB-Pokal.
Im Jahr 1963 kam es zu einer weiteren Umstrukturierung der Vereinslandschaft: Der SC Lokomotive wurde mit dem Stadtrivalen SC Rotation Leipzig zum SC Leipzig vereinigt. Mit dieser Fusion war das Ziel verbunden, die Kräfte im Leipziger Fußball zu bündeln. Da durch die Fusion ein Platz in der DDR-Oberliga frei wurde, konnte die BSG Chemie Leipzig in die Oberliga zurückkehren; allerdings wurden der BSG Chemie nur die als weniger förderungswürdig erachteten Spieler zugeteilt. Was folgte, war die wohl größte Sensation in der Geschichte des DDR-Fußballs: Die auf dem Papier deutlich schwächer als der Stadtrivale besetzte und vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte BSG Chemie wurde sensationell DDR-Meister und holte die zweite Meisterschaft.Vgl. Fuge: Leutzscher Legende, S. 57–72. Es ist seitdem keinem Leipziger Verein mehr gelungen, einen nationalen Meistertitel zu erringen. In der Saison 1965/66 gelang der BSG Chemie noch ein weiterer FDGB-Pokalsieg; danach entwickelte sie sich zunehmend zu einer „Fahrstuhlmannschaft“.
Im Jahr 1990 folgte im Zuge der sich abzeichnenden Deutschen Wiedervereinigung und den damit verbundenen Folgen für den Fußballspielbetrieb zunächst eine Umbenennung in FC Grün-Weiß 1990 Leipzig und kurz danach eine Fusion mit der BSG Chemie Böhlen, durch die ein Startplatz in der letztmals erstklassigen NOFV-Oberliga 1990/91 gesichert werden konnte. Der Verein, der nach der Fusion den Namen FC Sachsen Leipzig trug, konnte in den Jahren nach der Wiedervereinigung seine selbstgesteckten sportlichen Ziele nie erreichen und kam zu keinem Zeitpunkt über den drittklassigen Ligaspielbetrieb hinaus. Hinzu kamen wiederholt finanzielle Schwierigkeiten und politische Konflikte in der Anhängerschaft: Wie bei vielen ostdeutschen Vereinen kam es auch beim FC Sachsen in den 90er Jahren zu einer zunehmenden Unterwanderung der Fanszene durch rechtsextreme Gruppierungen. Im Unterschied zu den meisten anderen Vereinen setzte sich in Leutzsch die organisierte Fanszene, etwa die Ultra-Gruppe Diablos Leutzsch, seit den frühen 2000er Jahren entschieden gegen diese Entwicklung zur Wehr.
Nicht zuletzt die sich daraus ergebenden Konflikte führten dazu, dass im Jahr 2008 ein bereits 1997 gegründeter Förderverein des FC Sachsen wieder unter dem Namen BSG Chemie Leipzig den Spielbetrieb in der zwölftklassigen 3. Kreisklasse aufnahm. Da die organisierte Fanszene des FC Sachsen sowie zahlreiche weitere Anhänger diesen Schritt mitvollzogen, kam es zu einer Spaltung des Leutzscher Fußballs, die bis 2014 andauerte. Der FC Sachsen wurde zwar 2011 nach einer weiteren Insolvenz aufgelöst, allerdings wurde unter dem Namen SG Leipzig-Leutzsch (später SG Sachsen Leipzig) noch ein weiterer Neugründungsversuch unternommen, der aber bereits nach drei Jahren an einer erneuten Insolvenz scheiterte. Während der 2014 gegründete LFV Sachsen Leipzig nie über die unteren Ligen hinauskam, entwickelte sich die „neue“ BSG Chemie hingegen deutlich erfolgreicher und spielt mittlerweile nach zahlreichen Aufstiegen in der viertklassigen Regionalliga.
Fußball in Probstheida 1893–1896 Sportbrüder Leipzig 1896–1898 Sportbrüder Leipzig / VfB Leipzig 1898–1900 VfB Sportbrüder 1893 Leipzig 1900–1945 VfB Leipzig 1945–1949 SG Leipzig-Probstheida 1949–1950 BSG Erich Zeigner 1950–1954 BSG Einheit Leipzig-Ost 1954–1963 SC Rotation Leipzig / SC Lokomotive Leipzig 1963–1966 SC Leipzig 1966–1991 1. FC Lokomotive Leipzig 1991–2004 VfB Leipzig 2004–2021 1. FC Lokomotive Leipzig seit 2021 1. Fußballclub Lokomotive Leipzig,Verein für Bewegungsspiele e.V.
Die Geschichte des Probstheidaer Fußballs beginnt mit dem VfB Leipzig, der 1903 erster Deutscher Fußball-Meister wurde und 1906 sowie 1913 zwei weitere Meistertitel erringen konnte. Ein weiterer Titel wurde im Tschammerpokal 1936 gewonnen. Auch der VfB Leipzig wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgelöst und reorganisierte sich zunächst unter dem Namen SG Leipzig-Probstheida. 1949 wurde der Verein in BSG Erich Zeigner umbenannt, bereits ein Jahr später in BSG Einheit Leipzig-Ost.Vgl. Freundeskreis Probstheida (Hg.): 1. FC Lokomotive Leipzig, S. 12. Im Zuge der ersten großen Umstrukturierung des Vereinsfußballs in der DDR 1954 ging die BSG Einheit Leipzig-Ost im SC Rotation Leipzig auf.Vgl. Schröter: Fussballstadt, S. 105–106. Falsch dargestellt bei Freundeskreis Probstheida (Hg.): 1. FC Lokomotive Leipzig, S. 12. Der SC Rotation fusionierte 1963 mit dem SC Lokomotive Leipzig zum SC Leipzig (siehe oben). Deshalb gilt der SC Leipzig als Nachfolger des SC Lokomotive.Franke, Hofmann, Löffler: 125 Jahre. Vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig: Die Geschichte des Ersten Deutschen Meisters MMT Verlag, Leipzig, 2019.
1966 wurde die Fußballabteilung des SC Leipzig aus dem Verein ausgegliedert und trat fortan unter dem Namen 1. FC Lokomotive Leipzig als eigenständiger Verein auf.Freundeskreis Probstheida (Hg.): 1. FC Lokomotive Leipzig, S. 13. Obgleich sich der 1. FC Lokomotive bald zur sportlichen Nummer eins der Stadt entwickeln konnte, gelang ihm nie eine DDR-Meisterschaft, dafür nach dem Pokalsieg 1957 als SC Lok noch weitere vier FDGB-Pokalsiege (1976, 1981, 1986 und 1987) sowie eine Teilnahme am Finale des Europapokals der Pokalsieger 1986/87.
Nach der Wiedervereinigung nahm der Verein wieder seinen alten Namen VfB Leipzig an.Freundeskreis Probstheida (Hg.): 1. FC Lokomotive Leipzig, S. 20. In der Saison 1993/94 spielte der VfB in der 1. Bundesliga, spielte dort aber die bis heute zweitschlechteste Saison aller Bundesligateilnehmer und verfehlte den Klassenerhalt deutlich. Es sollte bis 2016 die letzte Teilnahme einer Leipziger Mannschaft in der höchsten Deutschen Spielklasse sein. 2004 musste der VfB Leipzig Insolvenz anmelden und meldete alle Teams aus dem Spielbetrieb ab. Bereits im Jahr zuvor wurde, erneut unter dem Namen 1. FC Lokomotive Leipzig, ein Nachfolgeverein gegründet, der in der 3. Kreisklasse von vorne anfing, mittlerweile aber in der viertklassigen Regionalliga spielt. Mit Wirkung vom 8. Oktober 2021 sind der VfB Leipzig und der 1. FC Lokomotive fusioniert zum 1. Fußballclub Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e.V.
Die Rivalität