Die Reichsvereinigung Eisen (RVE) war ein am 29. Mai 1942 per Anordnung gegründeter Lenkungsverband der Eisen- und Stahlindustrie im Dritten Reich.Reichswirtschaftsministerium: Anordnung über die Reichsvereinigung Eisen vom 29. Mai 1942. Ministerialblatt des Reichswirtschaftsministeriums. 18 (1942), 304–306.
Leitung + RohstahlerzeugungReichert an Poensgen: Schnellberichte 1943 und 1944. Zit. n.: Dietrich Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Berlin 1985, Band 2, S. 366. (ohne besetzte Gebiete)JahrMill t193719,85193823,3193923,7194021,5194126,6194227,1194330,6194425,85 Folgende Personen leiteten die RVE:Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft, S. 89. Hermann Röchling (Vorsitzender) Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (stellvertretender Vorsitzender) Walter Rohland (stellvertretender Vorsitzender)Laut Eichholtz, S. 89. Albert Vöglers Friedrich Flick (Präsidiumsmitglied) Ernst Poensgen (Präsidiumsmitglied) Wilhelm Zangen (Präsidiumsmitglied) Paul Pleiger (Präsidiumsmitglied) Alfred Pott (Präsidiumsmitglied) Hans-Günther Sohl (Geschäftsführer) Eugen Langen (Geschäftsführer)
Ziele und Aufgaben Ziel war eine massive Erhöhung der Eisen- und Stahlerzeugung, bei gleichzeitiger Rationalisierung.Wolfgang von Hippel: Hermann Röchling. Göttingen 2018, S. 678. Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt hielt Röchling vor der Bezirksgruppe Südwest eine Rede über die zukünftigen Aufgaben der RVE, in der ausführte, dass an der Steigerung der Eisen- und Stahlerzeugung die die sich in einem „Kampf der Systeme“ an der Ostfront bewähren müsse. Er führte aus:
In derselben Rede sagte Röchling er müsse und habe seine . Er könne nicht berücksichtigen. Er verlangte von allen Mitarbeitern eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben, alles zur Vermeidung unnötiger Verluste der Wehrmacht zu tun.Hippel, S. 679.
Im Verwaltungsrat der RVE wurde parlamentarisch abgestimmt. Jedes Mitglied hatte eine Stimme, bei Stimmengleichheit entschied der Vorsitzende. Willi A. Boelcke urteilt, dass sich die Wirtschaft nicht militärischer Kommandogewalt unterwerfen ließ, die Sachkenntnis der Wirtschaftler sei unentbehrlich gewesen.Willi A. Boelcke: Die deutsche Wirtschaft 1930-1945. Düsseldorf 1983, S. 288.
Mit einer Rohstahlerzeugung von 1,8–2 Millionen Monatstonnen, konnte die Kapazität von 3,5 Millionen Tonnen wegen Kohlemangels nicht ausgenutzt werden. Man schätzte aber das eine Erhöhung der Produktion um 3–5 Prozent möglich sei, durch die Konzentration der verfügbaren Kohle auf weniger Werke.Hippel, S. 666 ff.
Die RVE regulierte die gesamte Eisenwirtschaft Deutschlands und der besetzten Gebiete und stellte dazu Produktionspläne, Rohstoffversorgungs- und Transportpläne auf, führte technische und Rationalisierungverfahren und -maßnahmen ein, regulierte Absatz und Preise und schloss markregelnde Vereinbarungen.Eichholtz, S. 90. Laut Albert Speer war die Stahlproduktion . Dies beziehe sich nicht auf den Rohstahl, sondern dem Qualitätsstahl, dem Siemens-Martin- und Elektrostahl.Ulrich Schlie: Die Kransberg-Protokolle 1945. München 2003, S. 375. Nach Hans Kehrl traten Röchling, Krupp und Rohland in wichtigen Sitzungen meist gemeinsam auf wurde die genannt.Hans Kehrl: Krisenmanager im Dritten Reich. Düsseldorf 1973, S. 263.
Speer berichtet, dass die SS unter Heinrich Himmler eine SS-eigene Industrie aufbauen wollte. Dazu zitiert er ein Dokument einer Besprechung am 3. Juni 1944 unter Vorsitz des Generalgouverneurs Hans Frank, bei dem der SS-Gruppenführer Wilhelm Koppe ausführte:
Einschätzung Der marxistische Historiker Dietrich Eichholtz interpretiert die RVE im Rahmen der Theorie staatsmonopolistischen Kapitalismus. Für ihn waren die RVE und die Reichsvereinigung Kohle , mit denen sich die deutschen Monopole ein Instrument der Regulierungsgewalt geschaffen haben.Eichholtz, S. 91.
Für Rolf-Dieter Müller schützte die Industrie in der RVE hingegen . Von einer könne daher in diesem Zusammenhang kaum gesprochen werden.MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1990, Band 5/2, S. 325.
Gerhard Mollin spricht hingegen von einem mit dem auch die Montankonzerne fest in die Befehlswirtschaft der Nazis eingebunden, worden wären.Gerhard Mollin: Montankonzerne und „Drittes Reich“. Göttingen 1988, S. 136.
Einzelnachweise
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