Chewing Gum ist eine britische semi-autobiographische Comedy-Fernsehserie von und mit Michaela Coel, deren zwei Staffeln erstmals von 2015 bis 2017 auf E4 ausgestrahlt wurden und international auf Netflix erschienen. Sie handelt von der 24-jährigen Jungfrau Tracey Gordon auf der Suche nach sexueller Erfahrung. Die Serie und Coels Performance wurden sehr positiv bewertet und 2016 unter anderem mit zwei BAFTA Awards ausgezeichnet.

Handlung Die Serie spielt in einer Sozialwohnunggegend in Tower Hamlets im östlichen Teil von London und folgt der 24-jährigen Schwarzen Tracey Gordon (gespielt von Michaela Coel), die mit ihrem neuen weißen Freund ihre Jungfräulichkeit verlieren möchte und dafür erst einmal ihre sexuellen Bedürfnisse entdecken muss und wie diese funktionieren. Tracey durchbricht dabei immer wieder die sogenannte Vierte Wand und wendet sich an die Zuschauer, um ihre Situation zu kommentieren.

Figuren Traceys Familie sind Evangelikale Christen in starkem Glauben an die Führung durch Christus. Ihre Mutter Joy und ihre verklemmte Schwester Cynthia, deren Freizeitbeschäftigung das Brettspiel Ludo ist, halten die Menschen ihres Umfelds für sündig und durch Satan verdorben. Sie predigen auf der Straße an die Bürger und verteilen Flyer für Joys eigene Kirche. Tracey glaubt zwar auch an Christus, aber weniger versessen, sondern ist gleichzeitig Fan von Beyoncé und möchte mit 24 Jahren endlich aus der religiösen Enge ausbrechen und sexuelle Erfahrungen machen. Ungünstigerweise bekommt sie, wenn sie erregt ist, Nasenbluten. Sie arbeitet an der Kasse in dem Minimarkt Deepak’s Delectables.

Ihr Partner Ronald ist allerdings ebenfalls evangelikal und möchte keinen Sex vor der Ehe. Nachdem sie sich von ihm trennt, erkennt sie, dass er in Wahrheit schwul ist, was er selbst aber erst zum Ende der ersten Staffel gegenüber sich selbst zugibt. Ihr neuer Partner ist ihr Nachbar Connor, der mit seiner Mutter Mandy zusammenlebt, die, ohne anzuklopfen, oftmals während sexuellen Situationen in sein Zimmer reinplatzt. Er ist faul und hat keinen Beruf, sondern schreibt auf oder auch in dem Müllcontainer vor ihrem Haus schlechte Gedichte. Er hatte zwar schon viele Sexualpartner vor Tracey, aber noch keine feste Freundin. In der Beziehung mit Tracey hat er aber dennoch Schwierigkeiten, dass beim Verkehr mit ihr sein Penis nicht steif bleibt. Nachdem er sich von Tracey trennt, hat er eine Beziehung mit der 45-jährigen Emma.

Traceys beste Freundin seit der Kindheit ist Candice. Sie ist in einer Beziehung mit Aaron und steht im Bett auf BDSM und Härte, aber der eher sensible Aaron kann ihr das nicht geben, weswegen Candice ihn nicht für Manns genug hält. Traceys Freundeskreis aus Candice, den Schwestern Karly und Kristy Raven, Candices Großmutter Esther und Connors Mutter Mandy und dem Schwulen Ola sind alle sexuell erfahren, reden mit Tracey offen über sexuelle Themen und geben ihr immer wieder Ratschläge, um jemanden kennenzulernen, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren und sich auszuprobieren, die sie aber aus ihrer Unerfahrenheit falsch umsetzt und vermasselt.

Episodenliste Staffel 1

Staffel 2

Besetzung und Synchronisation

Die deutschsprachige Synchronisation entstand durch SDI Media Germany GmbH nach dem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Constantin von Jascheroff, der auch eine Rolle spricht.

Rolle Beschreibung Darsteller Synchronsprecher Tracey Michaela Coel Anne Helm (Staffel 1) Giovanna Winterfeldt (Staffel 2) Cynthia Traceys Schwester Susan Wokoma Sarah Alles Joy Traceys und Cynthias Mutter Shola Adewusi Anna Dramski Ronald Traceys erster Partner, schwul John MacMillan Mario von Jascheroff Connor Traceys neuer Partner Robert Lonsdale Constantin von Jascheroff Mandy Connors Mutter Tanya Franks Cathlen Gawlich Candice Traceys beste Freundin Danielle Walters Anne Düe Esther („Nan“) Candices Großmutter Maggie Steed Luise Lunow Aaron Candices Partner Kadiff Kirwan Nico Mamone Karly Raven Traceys und Candices Freundinnen Sarah Hoare Josephine von Jascheroff (Staffel 1) Olivia Büschken (Staffel 2) Kristy Raven Abby Rakic-Platt Lena Rettinghaus Ola Candices und Traceys schwuler Freund Olisa Odele Kaze Uzumaki (Staffel 1) Leonhard Mahlich (Staffel 2) Emma Connors neue Partnerin (Staffel 2) Sinnead Matthews Alice Bauer

Entstehung und Ausstrahlung Die Serie basiert auf dem Theaterstück Chewing Gum über die 14-jährige Tracey, das 2012 von Michaela Coel geschrieben wurde. Coel schrieb und sang auch den Titelsong sowie weitere Lieder in der ersten Staffel. In der zweiten Staffel wirkte Coel auch an der Produktion mit. Die Dreharbeiten fanden von Coel beabsichtigt im Sommer statt, damit die Sozialwohnungssiedlung ästhetisch nicht als deprimierender Ort erscheine.

Die erste Staffel wurde vom 6. Oktober bis zum 10. November 2015 auf E4 ausgestrahlt und erschien in Deutschland am 20. November 2016 auf Netflix. Die zweite Staffel lief auf E4 vom 12. Januar bis zum 9. Februar 2017 und erschien auf Netflix am 4. April. Im April 2017 gab E4 bekannt, dass es keine dritte Staffel geben werde. Im Januar 2018 sagte Coel, dass sie an einer dritten Staffel arbeite; im Dezember dann aber endgültig, dass es keine geben wird.

Rezeption Chewing Gum und die darstellerische Leistung von Michaela Coel erhielten äußerst positive Kritiken. Bei Rotten Tomatoes halten beide Staffeln eine Kritikerbewertung von 100 %.

Für Mike Hale von der New York Times war sie eine der zehn besten internationalen Serien des Jahres 2016. Nach der zweiten Staffel schreibt er, Coel sei ein Clown im besten und traditionellen Sinn: „voll Freude, zügellos, ohne Scham und bereit, in jede Richtung zu gehen auf der Suche nach Lacher.“ In den letzten Episoden der zweiten Staffel seien ihr aber die Ideen knapp geworden, dennoch gebe es Episoden und Momente, die gleichauf mit der ersten Staffel sind. „So lange sie ihre Unsicherheiten mit Getöse, fantastischen Lügen und einigen der witzigsten Trotzanfälle im Fernsehen überdeckt, ist Chewing Gum wert, sie zu bingewatchen.“

Für den Guardian schreibt Filipa Jodelka nach der ersten Staffel, Coels Timing, Wärme und Gabe für Körper-Comedy mache sie zur Wiederkunft von Lucille Ball. Außerdem lobt sie die Darstellung der Sozialwohnungssiedlung, die auskommt ohne „ein einziges Bild von düsteren, baufälligen Wohnblocks, Jungen mit Pitbulls und verwitterten Männern, die versuchen, neben einem Nissan Sunny bedrohlich zu wirken“. Sam Wollaston schreibt zur zweiten Staffel, Coels Schöpfung und Performance sei urkomisch schmuddelig, aber zur gleichen Zeit menschlich, zart, sogar weise und ganz bestimmt wahrhaftig – ein großes Stück aus dem modernen städtischem Leben der Arbeiterklasse, das dem Zuschauer unsanft und herrlicherweise ins Gesicht gedrückt werde.

Noemi Molitor schreibt für die Taz, die Serie sei so dreckig, ehrlich und dreist, Sex and the City wirke im Vergleich wie niedliches Geplänkel hinter vorgehaltener Hand. Sie amüsiert sich besonders über Traceys „unbeirrtes Scheitern“.

Auszeichnungen British Academy Television Awards 2016: Beste weibliche Comedy-Leistung an Coel British Academy Television Craft Awards 2016: Breakthrough Talent an Coel RTS Television Awards: Breakthrough, Comedy-Performance an Coel Screen Nation Awards 2016: Lieblings-Comedy-Produktion

Weblinks Website bei Channel 4

Einzelnachweise

Kategorie:Fernsehserie (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Comedy-Fernsehserie Kategorie:Netflix