Die Pinzgauer Lokalbahn, auch Pinzgaubahn oder Krimmler Bahn genannt, ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760 Millimetern (Bosnische Spurweite) im österreichischen Bundesland Salzburg. Die seit 1. Juli 2008 im Eigentum des Landes Salzburg stehende ehemalige ÖBB-Strecke wird von der Salzburg AG unter der Bezeichnung SLB Pinzgauer Lokalbahn betrieben. Sie verläuft mit knapp 53 Kilometern Länge im Tal der Salzach zwischen Zell am See und Vorderkrimml durch die Hochgebirgsregion des Salzburger Pinzgaus.

Der Abschnitt zwischen Mittersill und Wald war wegen einer starken Beschädigung durch Hochwasser ab dem Jahr 2005 unbefahrbar und wurde in zwei Etappen wiederaufgebaut. Die komplette Strecke wurde am 11. September 2010, zwei Jahre nach der Übernahme durch das Land Salzburg, wiedereröffnet.

Geschichte Bau und früher Betrieb mini|links|Die Zugmannschaft und das Personal des Bahnhofs Krimml hat zum Gruppenfoto mit der Z.1 Aufstellung genommen (1929)

Bereits 1889 gab es Pläne zur Errichtung einer Eisenbahnstrecke von Zell am See in den Oberpinzgau. Die Vorarbeiten bis zur Konzessionserteilung dauerten jedoch noch bis 1896. Am 19. Mai 1896 unterzeichnete Kaiser Franz Joseph I. die Urkunde zum Bau und Betrieb einer schmalspurigen Lokalbahn von Zell am See über Mittersill nach Krimml.

Eröffnet wurde die Schmalspurbahn als Pinzgauer Localbahn am 2. Jänner 1898. Geplant war neben der Errichtung einer elektrisch zu betreibenden Kleinbahn von der Endstelle (Unter-)Krimml zu den Krimmler WasserfällenStarkstromanlagen. Oesterreich-Ungarn. a) Oesterreich. (…) Unterkrimml in Salzburg. Elektrische Bahn. In: Josef Kareis (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Band 15.1897, Heft 7/1897, 1. April 1897, . Lehmann & Wentzel (Kommission), Wien 1897, S. 205. — Text online auch die Verbindung mit der Zillertalbahn in Tirol. Beide Vorhaben wurden jedoch nicht verwirklicht.Gerald Breitfuss: Die Pinzgauer Lokalbahn.

Anfänglich verkehrten täglich zwei Personenzüge, wobei einer auch den Güterverkehr übernahm. Dieser diente in erster Linie dem Transport von Holz und landwirtschaftlichen Gütern. In Zell am See wurde die Fracht auf Normalspurwagen umgeladen. 1926 wurde der Rollwagenbetrieb eingeführt.

In der ersten österreichischen Republik gehörte die Strecke in den Zuständigkeitsbereich der Bundesbahndirektion Innsbruck. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 firmierte diese kurzfristig als Reichsbahndirektion Innsbruck, bevor sie bereits zum 15. Juli 1938 aufgelöst wurde. Die Strecke wurde der Reichsbahndirektion Linz unterstellt.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 6. August 1938, Nr. 36. Bekanntmachung Nr. 488, S. 213. Nach 1945 wurden die ÖBB wieder gegründet und die Direktionsstruktur aus der Zeit vor 1938 wieder eingerichtet, auch die Bundesbahndirektion Innsbruck.

Zweite Republik Der Personenverkehr litt seit dem Aufkommen des Individual- und Autobusverkehrs in der Nachkriegszeit zunehmend unter starkem Fahrgastschwund. Er konnte jedoch durch Verbesserungen wieder attraktiver gemacht werden: So wurden 1986 die ersten Triebwagen der Reihe 5090 angeliefert, die nach dem Vorbild der StLB VT 31–35 konstruiert waren.

1987 wurde die Bahntrasse zwischen Mittersill und Krimml durch Hochwasser schwer beschädigt. Dies führte jedoch nicht, wie befürchtet wurde, zur Einstellung der Bahn in diesem Abschnitt, sondern zu einem aufwändigen Wiederaufbau der Gleisanlagen. In späteren Jahren erfolgte zusätzlich die Entschärfung einiger besonders enger Bögen, wodurch die Pinzgaubahn die einzige Schmalspurbahn der ÖBB wurde, auf der fahrplanmäßig Geschwindigkeiten von 70 km/h erreicht werden konnten. Auch wurden zusätzliche Haltepunkte eingerichtet und der schaffnerlose Betrieb eingeführt.

Anfang des Jahres 1989 wurde der sogenannte Stadtverkehr Zell am See eingerichtet, das bedeutete zusätzliche Fahrten zwischen Zell am See und Bruckberg Golfplatz. Dadurch ergab sich auf diesem Teilstück werktags ein 30-Minuten-Takt. Die Fahrt auf dieser Teilstrecke konnte fortan fahrplanmäßig in nur acht Minuten Fahrtzeit, gegenüber zwölf Minuten mit dem Autobus, zurückgelegt werden. Der Fahrplan konnte so konzipiert werden, dass kein zusätzliches Fahrzeug nötig wurde. Mit solchen Maßnahmen konnte man die Strecke als „Paradeschmalspurstrecke“ der ÖBB bezeichnen. Seit dem 26. Mai 1990 wird die Strecke im Zugleitbetrieb betrieben, der Zugleitfahrdienstleiter hat seinen Dienstsitz in Tischlerhäusl.

Dennoch wurde der Güterverkehr 1998 von den ÖBB als unrentabel betrachtet und eingestellt, ab 2000 bestanden Bestrebungen der ÖBB, den Betrieb komplett einzustellen. Dies führte zu langwierigen Verhandlungen mit dem Amt der Salzburger Landesregierung. Nach praktisch jährlich wiederkehrenden Ankündigungen einer Betriebseinstellung wurde letztlich ein Verkehrsdienstevertrag mit dem Land Salzburg geschlossen, welcher einen langfristigen Bestand der Pinzgaubahn garantieren sollte. Der zwischen dem Bund, dem Land Salzburg und den ÖBB unterzeichnete Vertrag sah für die Bahn Investitionen in der Höhe von 21,2 Millionen Euro vor. 80 Prozent dieser Summe wurden vom Verkehrsministerium beigetragen, 20 Prozent vom Verkehrsressort des Landes Salzburg. Als erstes Anzeichen für die Wirksamkeit dieses Vertrages wurde die 2005 erfolgte Bestellung neuer Fahrzeuge angesehen. Ab der Neuorganisation der ÖBB zum 1. Jänner 2005 gehörte die Pinzgaubahn zunächst zur Personenverkehr AG der ÖBB.

Zerstörung durch Hochwasser und Übernahme durch das Land mini|links|Bauzug mit Schotterwagen an der Haltestelle Sulzbachtäler (Juni 2010) mini|links|Gleisneulage mit schwerem Schienenprofil auf Betonschwellen bei Rosental-Großvenediger (Juni 2010) links|mini|Eröffnungszug in Krimml, 11. September 2010

Zwischen dem 10. und 12. Juli 2005 (ein lokal stärkeres Ereignis als das große Augusthochwasser) unterspülte die Hochwasser führende Salzach auf weiten Teilen die Gleise der Bahntrasse und bewirkte, dass die Pinzgaubahn vorübergehend nur mehr auf einem kurzen Teilstück bis Piesendorf verkehren konnte. Am 21. Oktober 2005 wurde nach Wiederherstellung des Unterbaues und des Gleiskörpers der Betrieb wieder bis Mittersill aufgenommen. Ab Streckenkilometer 28,857 blieb die Bahn weiterhin unbefahrbar.

Der Wiederaufbau des vor allem für den Tourismus in den Nationalpark Hohe Tauern bedeutenden Streckenabschnittes bis Krimml war lange Zeit nicht gesichert. Zur Wiederherstellung des Schutzdammes der Salzach mussten die beschädigten Gleisanlagen in mehreren Abschnitten gänzlich abgetragen werden.

Im Jänner 2007 schlossen die ÖBB und das Land Salzburg eine Übereinkunft zum Wiederaufbau der 2005 schwer beschädigten Strecke in einer verbessert trassierten Linienführung, die Bahndämme waren bereits beim Bau der Hochwasserschutzmaßnahmen hergestellt worden. Die dafür benötigten Beträge kamen vom Verkehrsministerium, aus dem Infrastrukturvertrag von 2005, sowie vom Land Salzburg. Die ÖBB übertrugen zum 1. Juli 2008 die Pinzgaubahn an das Land Salzburg.ORF (Artikel vom 26. Juni 2008): Pinzgaubahn mit 1. Juli in Hand des Landes (abgerufen am 28. Dezember 2022) Mit der Betriebsführung beauftragt wurde die Salzburg AG, welche bereits die Bahnstrecken Salzburg–Lamprechtshausen und Bürmoos–Trimmelkam und über das Tochterunternehmen Salzkammergutbahn GmbH die Schafbergbahn betreibt. Infrastruktur und Fahrzeuge wurden von der Salzburg AG erworben. Als erste Maßnahme wurde in allen Zügen der Schaffner wieder eingeführt.

Auf private Initiative wurde eine Bausteinaktion für den Wiederaufbau organisiert, der erlangte Erlös von 13.000 Euro wurde nunmehr nicht in den Streckenaufbau, sondern in die Beschaffung eines Aussichtswagens investiert. Das aus einem Güterwagen der Mariazellerbahn umgebaute Fahrzeug wurde im Juli 2010 angeliefert. vom 5. Juli 2010, schmalspur-modell.at.

Die Wiederherstellung des Streckenabschnitts Mittersill–Bramberg sollte entsprechend den Planungen der SLB Pinzgauer Lokalbahn von Anfang 2009 bis zum Dezember desselben Jahres dauern.Pinzgauer Lokalbahn: Abgerufen am 21. Dezember 2008. Am 22. Juli 2009 wurde mit dem Wiederaufbau des Gleiskörpers bis Bramberg begonnen, am 9. Dezember wurde der Abschnitt behördlich abgenommen und damit für den Verkehr freigegeben. auf: eurailpress.de Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 wurde der reguläre Betrieb bis Bramberg wieder aufgenommen.

Weiter bis Krimml wurde bis August 2010 gebaut. Mit Aufnahme des Vollbetriebes am 12. September 2010 verkehrten 13 Zugpaare im Stundentakt zwischen Zell am See und Krimml. Bis zur Wiederherstellung der noch unbefahrbaren Streckenabschnitte fuhren auf der Strecke Mittersill–Krimml bzw. Bramberg–Krimml Busse der ÖBB-Postbus GmbH im Schienenersatzverkehr. Die Haltestelle Kreilsiedlung wurde aufgelassen.Fahrplan ab 12. September 2010. Website der Pinzgauer Lokalbahn. Die Strecke wurde in großen Teilen neu trassiert, auf 24 km wurde auf Betonschwellen verschweißtes Gleis verlegt. Drei Kreuzungsbahnhöfe wurden mit Rückfallweichen versehen. Am 11. September 2010 wurde der oberste Streckenabschnitt zwischen Bramberg und Krimml mit Volksfesten an den Bahnhöfen wiedereröffnet. Festredner waren neben dem Lokalbahndirektor Gunter Mackinger Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) und ihr Stellvertreter und Verkehrslandesrat Wilfried Haslauer (ÖVP).Pinzgaubahn ab sofort in voller Länge. salzburg.orf.at.Festakt anlässlich der Eröffnung der Bahnstrecke am Samstag, 11. September, in Mittersill, Bramberg und Krimml / Wald. Salzburger Landeskorrespondenz, 2. September 2010. Am 12. September wurde der Planverkehr bis zum – in der Gemeinde Wald liegenden – Bahnhof Krimml wiederaufgenommen. Es gab nun einen Stundentakt bis Krimml/Gde. Wald im Pinzgau.

Nach der Fertigstellung wurde die eingleisige Strecke mit einem rechnergestützten Zugleitsystem ausgerüstet. Auf ortsfeste Signale wird verzichtet, über GPS werden die Fahrzeuge geortet. Auf einem Bildschirm am Führerstand wird den Lokführern angezeigt, ob und wie weit sie fahren dürfen. Fahren sie zu weit, wird der Zug automatisch gestoppt und die anderen Lokführer werden gewarnt. Auch die historische Dampflok Mh3 besitzt ein Fahrzeuggerät. Das System wurde nach einer siebenmonatigen Erprobungsphase am 1. April 2012 in Betrieb genommen.Gerd Wolff: Fünf Jahre Pinzgauer Lokalbahn unter der Regie der Salzburger Lokalbahnen. In: Die Museums-Eisenbahn. 3/2014, S. 14.

Damit gehörte die Wiederherstellung der Krimmlstrecke neben der Hochleistungsstrecke Westbahn Salzburg–Attnang-Puchheim, der Verlängerung der Bahnstrecke Bürmoos–Trimmelkam nach Ostermiething und dem festgefahrenen Ausbau der Tauernbahn im Gasteinertal – zu den wichtigsten Bahninfrastrukturprojekten im Land Salzburg in den 2000ern.

Weitere Hochwasserschäden seit 2014

Es kommt immer wieder vor, dass die Strecke aufgrund von Naturereignissen gesperrt werden muss – meist Starkniederschläge (Unterspülung) und Murenabgänge.www.meinbezirk.at abgerufen am 2. Juli 2019

Nach dem schweren Hochwasser vom 31. Juli 2014 wurde der Bahnverkehr zwischen Niedernsill und Krimml für längere Zeit gesperrt, da die Strecke an mehreren Stellen völlig unterspült worden war. Der Betrieb zwischen Niedernsill und Mittersill wurde am 15. September, auf dem Reststück nach 88 Tagen Sperre im Oktober wieder aufgenommen. abgerufen am 12. September 2014.

Durch das Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 wurde die Strecke an mehreren Stellen unterbrochen. Zwischen Niedernsill und Krimml wurde daher ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Im April 2023 begann der Wiederaufbau der schwer beschädigten Gleisanlagen.