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Der Weltpostverein (WPV; , , kurz UPU) wurde 1874 gegründet und regelt bis heute die internationale Zusammenarbeit der Postunternehmen bzw. -behörden und die Rahmenbedingungen des grenzüberschreitenden Postverkehrs. Der Hauptsitz des Weltpostvereins ist seit der Gründung in Bern in der Schweiz. Er hat seit dem 4. Oktober 2011 insgesamt 192 Mitgliedstaaten. Hauptrechtsgrundlagen des Vereins sind die Satzung (Constitution) vom 10. Juli 1964, ergänzt durch die Allgemeine Verfahrensordnung (Règlement général), sowie der Weltpostvertrag (Convention postale universelle).Siehe Art. 22 der Satzung; Gesetz zu den Verträgen vom 15. September 1999 des Weltpostvereins vom 18. Juni 2002 ().
Geschichte Am 9. Oktober 1874 wurde im Rathaus zum Äusseren Stand von Bern (Schweiz) auf Vorschlag des deutschen Generalpostdirektors Heinrich von Stephan ein Allgemeiner Postverein von 22 Staaten gegründet. Dieser zählt zu den ältesten Internationalen Organisationen. Der WeltpostvertragVertrag, betreffend die Gründung eines allgemeinen Postvereins. In: Reichsgesetzblatt, 1. Juni 1875, Nr. 19, S. 223–240; Volltext (Wikisource). wurde von 20 Gründungsstaaten ratifiziert und trat am 1. Juli 1875 in Kraft.
Die Gründerstaaten waren: Ägypten, Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich-Ungarn, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, die Schweiz, Serbien, Spanien, die Türkei, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika. Zum 1. Januar 1876 traten auch Frankreich und im Juli 1879 Japan dem Weltpostverein bei.
Der Postverein regelt auf seinen Postkongressen die internationale Zusammenarbeit der nationalen Postverwaltungen. Auf dem zweiten Kongress, der 1878 stattfand, wurde der Allgemeine Postverein zum Weltpostverein, im selben Jahr entstanden das Wertbriefabkommen und das Postanweisungsabkommen. 1881 trat der Postpaketvertrag in Kraft. Auf dem Weltpostkongress 1885 folgten Zusatzabkommen zum Weltpostvertrag, Wertbriefabkommen, Postpaketvertrag und zum Postanweisungsabkommen. Das Postauftragsabkommen und ein Abkommen über Ausweisbücher traten 1886 in Kraft.
Auf dem Weltpostkongress in Wien 1891 wurden alle bestehenden Verträge erneuert. Die Änderungen traten am 1. Juli 1892 in Kraft, das neu hinzugekommene Postzeitungsabkommen am 1. Januar 1893. Die auf dem Kongress in Washington 1897 erzielten Verbesserungen traten am 1. Januar 1899 in Kraft.
In den Jahren 1903 und 1904 gab es zwei Architektenwettbewerbe für den Bau des Weltpostvereins-Denkmals.
Am 4. Juli 1947 wurde der Weltpostverein eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er ist mit 192 Mitgliedstaaten das internationale Forum für die Kooperation zwischen Postverwaltungen (oder den entsprechenden Postministerien und Regulierungsbehörden) und Postunternehmen. mini|hochkant|links|Sonderbriefmarke zum 50-jährigen Bestehen des Weltpostvereins 1924 zeigt den Mitbegründer Heinrich von Stephan. mini|hochkant|75 Jahre Weltpostverein mit einer Abbildung von Stephans, Erstausgabe am 9. April 1949
Von Bern aus wird alle vier Jahre (bis 2004 betrug das Intervall durchweg fünf Jahre) der Weltpostkongress organisiert. Generaldirektor des Internationalen Büros des Weltpostvereins war von 2013 bis 2021 Bishar Hussein aus Kenia. UPU, 9. Januar 2013 (englisch); abgerufen am 24. Februar 2013. Seit dem 1. Januar 2022 bekleidet der japanische Politiker Masahiko Metoki den Posten des Generaldirektors.
An die Bedeutung der Stadt Bern für das weltweite Postwesen erinnert das dortige Weltpost-Denkmal.
Seit 1969 findet jährlich am 9. Oktober, dem Jahrestag der Gründung des Weltpostvereins, der Weltposttag statt.
Vereinszweck Der Weltpostvertrag von 1874 regelt die internationale Zusammenarbeit der Postunternehmen und -behörden, die Rahmenbedingungen des grenzüberschreitenden Postverkehrs und die Abrechnung der dabei anfallenden Postgebühren.Verlustgeschäft mit Paketen aus China In: Tages-Anzeiger vom 11. Juni 2016 Bis heute besteht die Hauptaufgabe des Weltpostvereins in der Sicherstellung einer weltumspannenden, zeitnahen Zustellung von Briefen und Paketen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Die Notwendigkeit einer koordinierenden Instanz wie des Weltpostvereins wird deutlich angesichts der Zahlen, die das weltweite Postwesen beschreiben (Stand 2014): 5,2 Millionen Postmitarbeiter 680.000 Poststellen 327 Milliarden Briefe (davon 3,5 Milliarden grenzüberschreitend) 7,4 Milliarden Pakete (davon 101 Millionen grenzüberschreitend)
Zahlreiche Übereinkommen (Arrangements) zum Weltpostvertrag wurden bei den Weltpostkongressen beschlossen. Auf dem Kongress 1999 in Peking wurde z. B. das Postzahlungsdienste-Übereinkommen verabschiedet, welches das Postgiroübereinkommen, das Postanweisungsübereinkommen und das Postnachnahmeübereinkommen zusammenfasst.
Praktische Bedeutung für den einzelnen Postkunden hatte der Weltpostverein vor allem bei Verlust von Sendungen. So richtete sich beispielsweise der Entschädigungsbetrag für eine verlorene Einschreibsendung zunächst nach dem Goldfranken (für eine Einschreiben-Sendung gab es 75 Goldfranken), später nach Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds, wobei immer eine Umrechnung in die Währung des Landes des Absenders stattfand.
Der Weltpostverein gibt auch den Internationalen Antwortschein (Coupon-réponse international) heraus. Dieser Kupon kann in jedem Land der Welt in Briefmarken umgetauscht werden, deren Nennwert dem billigsten Auslandsbrief entspricht. Auf diese Weise kann ein Absender die Kosten für einen Antwortbrief übernehmen. Die von den Postverwaltungen in Briefmarken umgetauschten Antwortscheine werden an den Weltpostverein gesandt, mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Antwortscheinen der jeweiligen Postverwaltung verrechnet und gegebenenfalls Mehrausgaben erstattet.
Weltpostkongresse
(General-)Direktoren Die ersten neun Direktoren (bis 1966) stammten alle aus der Schweiz und wurden vom Bundesrat gewählt. Danach lag die Wahl in der Kompetenz der Weltpostkongresse.
Top-Level-Domain Anfang August 2012 wurde die Top-Level-Domain .post in die Root-Zone der ICANN eingetragen. Der Weltpostverein tritt dabei als sogenannter Sponsor der generischen Domain auf und ist auch für deren Vergabe an dritte Personen und Unternehmen verantwortlich. Allerdings gibt es aufgrund der absehbar hohen Anforderungen an Registrare derzeit keine Provider, die eine Registrierung von .post-Domains ermöglichen.
Sprache Französisch ist die offizielle Sprache des Weltpostvereins. 1994 wurde Englisch als Arbeitssprache hinzugefügt. Der Großteil der Dokumente und Veröffentlichungen ist in den Amtssprachen der Vereinten Nationen zuzüglich Portugiesisch verfügbar.Sprachen. upu.int Als Übersetzungshilfe für Fachbegriffe des Postwesens stellt der Weltpostverein die Datenbank Termpost zur Verfügung.
Siehe auch Union Postale Ländercodes vor PLZ
Literatur Fritz Koller, Hans Friedrich Leinung: 40 Jahre Vollzugsrat des Weltpostvereins, in: Jahrbuch der Deutschen Bundespost 1987 S. 9–100. Marc Moser: 100 Jahre Weltpostverein. (Fortsetzungsartikel) In: Archiv für deutsche Postgeschichte 1974 Nr. 1 S. 3–26 und 1975 Nr. 1 S. 21–78. Hans Paikert, Armin Gasser, Dietrich Oldenburg: Union Postale Universelle UPU. Die UPU-Studie. Philatelistische Belege zum Thema Weltpostverein, Düsseldorf 1979. O. Veredarius: Das Buch von der Weltpost, Berlin 1885. 100 Jahre Weltpostverein. In: Sammler Express Ausgabe Nr. 17/1974, S. 390 f Moussibahou Mazou, L'Union postale universelle – Passé, présent et avenir, Maisonneuve & Larose / Servedit, Paris 2004 R. Egidy: Die Entwicklung des Weltpostvereins. In: Illustriertes Briefmarken-Journal, Nr. 17/1910, S. 403–405 140 Jahre Weltpostverein – Über Grenzen hinweg; in: postfrisch – Das Philatelie-Journal; Heft: September–Oktober 2014 Nr. 5/2014; S. 26–27. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Gründung des Weltpostvereins In: Schweizer Illustrierte, 1903, Band 7, S. 526–527. (e-periodica)
Weblinks
Offizielle Website des Weltpostvereins (englisch und französisch)
Madeleine Herren: Der Weltpostverein Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 8. Oktober 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Internationale Organisation (Völkerrecht) Kategorie:UN-Sonderorganisation Kategorie:Verein (Bern) Kategorie:Heinrich von Stephan Kategorie:Organisation (Postwesen) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1874