Inge Götze (geboren 1. Juli 1939 in Wangerin) ist eine deutsche Textilkünstlerin, Malerin und Zeichnerin.
Leben und Wirken Inge Götze ist das zweite von vier Kindern von Siegfried Liermann (21. Dezember 1912 – 3. März 1981, Bäckergeselle, Schlosser, dann LPG-Vorsitzender in Rubow und Lehmkuhlen) und Else Liermann, geb. Werner (31. Januar 1915 – 12. September 2006, Verkäuferin im Textilgeschäft, zu DDR-Zeiten tätig in einem Baukombinat).
Inge Götze studierte von 1956 bis 1959 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Malerei. 1959/1960 arbeitete sie in Warnemünde in den Webwerkstätten Katja Witt. Von 1960 bis 1966 studierte sie in Halle an der damaligen Hochschule für industrielle Formgestaltung (HIF) Bildteppichgestaltung. Ihre wichtigsten Lehrer waren Willi Sitte, Irmgard Glauche und Lothar Zitzmann. Anschließend hatte sie dort bis 1969 eine Aspirantur. Von 1969 bis 1972 war sie als Künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin insbesondere für die Betreuung des zeichnerischen Aktstudiums in den Fachklassen verantwortlich. Ab 1972 war sie Lehrerin im Hochschuldienst für zeichnerisches Naturstudium und Leiterin des Fachgebietes Textilgestaltung, ab 1978 Dozentin und ab 1989 Professorin für Textilkunst.
Inge Götze hat eine „Neigung zu großzügigen Formen und starken Farben.“Eva Mahn: Materialien. In: Bildende Kunst, Berlin, 2/1983, S. 68 Frühzeitig wandte sie sich in ihren Arbeiten vom ausschließlich figurativem, gegenständlichen Anspruch der DDR-Kunst ab. Auf einengende Vorgaben des staatlichen Kulturbetriebs reagierte sie in ihrem Werk mit einem Wandel zu mehr Abstraktion und Kleinformat, Ornamenten und experimenteller Bildgestaltung. Ihr Œuvre besteht aus Gobelins, Gemälden, Papierarbeiten, Scherenschnitten und figurativen Applikationsarbeiten, auch als Auftragswerke für repräsentative öffentliche Objekte. Ihre späten Arbeiten werden als Neuerfindungen von Landschaften, von Licht und Luftbewegungen mit Bezügen zu Gewächsen und Erdreich beschrieben, die Nachdenken und Anschauungen sichtbar machen.
Inge Götze war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Sie hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1972 bis 1983 an der VII. bis IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden, 1980 an der Internationalen Textilausstellung in Lodz, 1983 in Göttingen an Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung und in Hannover und Tilburg an Minitextilkunst aus der DDR und 1984 in Wien an Textile Kunst aus der Textilmanufaktur Halle/Saale.
Sie war nach der deutschen Wiedervereinigung aktiv an der Neuausrichtung der HIF beteiligt. Von 1991 bis 1994 war sie Dekanin der Fakultät Kunst. Von 1992 bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Hochschuldienst 2004 hatte sie eine Professur für Malerei/Textil. Sie lebt in Halle/Saale. Zu ihren Schülerinnen und Schülern gehörten u. a. Ulrich Reimkasten und Christiane Werner.
2001 erlitt sie auf einer Exkursion mit Studenten in Krakow einen Unfall mit langwierigen gesundheitlichen Folgen.
Inge Götze ist mit Wasja Götze verheiratet, ihr Sohn Moritz ist Maler. „Am Tage war sie Professorin, am Abend Mutter und in der Nacht ging sie noch in das Atelier, um eigene Kunstwerke zu schaffen. […] Das ist der Weg gewesen, ich weiß nicht, wie oft ich den Weg gegangen bin von 1960 bis praktisch jetzt. Er ist so schön, dass er einem nie über werden konnte.“
Ehrungen
1975: Kunstpreis der DDR 1985: Preis der Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder in Erfurt
2004: Medaille „Dank der Burg“ für ihre außergewöhnlichen Verdienste um die Hochschule.
Werkbeispiele
Textilkunst Der Mensch im Sozialismus (1967; Wandteppich, Wolle, 5,60 × 4,80 m; gewebt im VEB Haweba Halle; Potsdam, Festsaal des Standesamtes im damaligen Kulturhaus „Hans Marchwitza“Altes Rathaus)Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 12/13
Leben im Sozialismus (Wandteppich, 4,30 × 2,55 m; vormals im Gästehaus des Staatsrats der DDR)Abbildung in: Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demo-kratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970, S. 275
Lob der Poesie (1971, Wandteppich, appliziert; auf der VII. Kunstausstellung der DDR)https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/hauptkatalog/0177000/df_hauptkatalog_0177374.jpg Fregatte (1977, Wandteppich, appliziert und gestickt; auf der VIII. Kunstausstellung der DDR)https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/hauptkatalog/0191000/df_hauptkatalog_0191009.jpg Sommer (1977; Gobelin, 2,00 × 4,40 m)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 8/1984, S. 342 Die Ernte des Waldes (1977, Bildteppich, Wolle, gewebt; auf der VIII. Kunstausstellung der DDR) Wasser (1983, Wandbehang; Applikation und Faltentechnik, Synthetik, 1,68 × 1,68 m; Kunstgewerbemuseum Dresden, Inv.-Nr. 47415) Ein Tag im Herbst (Applikation; auf der IX. Kunstausstellung der DDR)
Publizierter Essay
Von einer reichen thematischen Welt auf Bildteppichen bis zum textilen Experiment. Zur Ausbildung im Fachbereich Bildteppichgestaltung an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle. In: Bildende Kunst, Berlin,8/1984, S. 355–358
Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig)
Einzelausstellungen 2012 Werkschau: Fürst Pückler träumt in Zeitz unter einem Dach. Schloss Moritzburg (Zeitz) 2015: Inge Götze und Johannes Nagel. Zeitkunstgalerie, Halle 2017 Annäherungen an den Croÿ-Teppich, Evangelisches Zentrum Berlin 2017/18 Ins Angesicht geschaut, Pommersches Landesmuseum Greifswald 2018: „4 mal Götze – eine Hallenser Künstlerfamilie.“ Speyer 2018 Ein Tag am Meer, Pommersches Landesmuseum Greifswald 2019 Ausstellung in Museum Stolp/Słupsk
Ausstellungsbeteiligungen 2000: Bildteppiche aus Halle nach 1945. Kunsthalle „Talstrasse“, Halle 2011: Der Hallesche Bildteppich. Willi-Sitte-Galerie Merseburg 2016: Gewebte Träume – Der Bildteppich in Mitteldeutschland. Reflexionen auf Jean Lurçat. Kunstmuseum Moritzburg, Halle
Literatur (chronologisch)
Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970, S. 275–277
Paul Jung (Hrsg.): Inge Götze – Bildteppiche. Burg Giebichenstein: Hochschule für industrielle Formgestaltung, Halle 1976 (Katalog). Inge Götze: Inge Götze und Schüler. Textilgestaltung. 19. April – 20. Mai 1989. Staatlicher Kunsthandel der DDR (Galerie Unter den Linden), Berlin 1989 (Katalog) Rüdiger Giebler und Klaus E. Göltz (Hrsg.): Inge Götze. Werke 1964–2004. Verlag für moderne Kunst, Wien 2005. Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 57, 2008, S. 122/123 Götze, Inge. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 264/265
Weblinks
https://www.burg-halle.de/hochschule/information/personen/ehemalige/p/inge-goetze/
Einzelnachweise
Kategorie:Textilkünstler (Deutschland) Kategorie:Maler (DDR) Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) Kategorie:Träger des Kunstpreises der DDR Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Frau