Velm ist ein Ort und eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Himberg im niederösterreichischen Bezirk Bruck an der Leitha.

Geographie und Nachbargemeinden

Historische Bezeichnungen des Ortes Velwen, Velwaren, Vavar, Vallera, Avlua, Velben, Vöhling, Fälling, Felling, Velmb – daraus entstand letztlich der Ortsname Velm. Die Ortsbezeichnung dürfte etymologisch mit dem Wort für Weiden (früher in Mundart genannt „Felberbäume“) in Zusammenhang stehen. Der erstbekannte Besitzer dieses Namens, ein gewisser Ulrich der Velber wird, 1370 urkundlich erwähnt. Er hat vermutlich, wie seinerzeit üblich, seinem Taufnamen den Ortsnamen angefügt. Allerdings vertritt Leopold Rupp zur Entstehung des Ortsnamens folgendes: „Es verdankt seinen Namen dem gleichnamigen Geschlechte, einem erloschenen Salzburger Uradel (aus der Gegend von Mittersill, Anm.) aus dem Stammhause Felm (Fellwer, Fellinger)“.

Die Entstehung des Ortes Den Velmer Ortskern bildet die Hauptstraße, wo sich die ältesten Gebäude des Ortes befinden. Velm war einst ein Straßendorf, links und rechts der Straße wurden die Häuser samt Höfen errichtet. Ausgangspunkt war das Schloss, zugleich Herrschaftssitz. Es bekam Hausnummer 1. Im Jahr 1820 wurden erstmals Velmer Grundstücke als Parzellen bezeichnet. Erste Straßenschilder und Hausnummern entstanden erst gegen 1900.

Rund um Velm gibt es seit den 1960er-Jahren zahlreiche Badeteiche, diese stehenden Gewässer sind aus ehemaligen Schottergruben entstanden.

Neuhofsee I+II Schneidergraben-See I+II Bauersee Blahasee Fasanensee Kienersee I+II

(Dürrsee, Babenbergersee I+II, Birkensee, Gemeindesee liegen im Gemeindegebiet von Münchendorf)

Miozän (Jungtertiär) In einer früheren Sandgrube im „Käfertal“ hat ein Paläontologe neben zahlreichen anderen Fossilien fossile Landschneckeneier gefunden, die er stratigraphisch in das Pontium (oberstes Miozän, Neogen) stellte. Damit handelt es sich um die ältesten fossilen Schneckeneier Mittel- und Osteuropas.miniatur|Fossile Schneckeneier (? Leucochroopsis kleini (KLEIN)) aus Velm (Niederösterreich). - 2) liegend; 3) auf die Längsachse gestellt; 4) Schalenoberfläche. - Der Maßstab entspricht bei Abb. 2-3 400 μ, bei Abb. 4 40 μ.

Mittlere Jungsteinzeit (Mittelneolithikum): ~ 5.–3. Jt. v. Chr. Auf einem Acker in der Flur Breunloiben (Parz. 371/5, 313/2, 313/1), zwischen Neuhofsee II und Schneidergrabensee, befindet sich eine dreifache mittelneolithische Kreisgrabenanlage (KGA). Im Rahmen eines archäologischen Forschungsprojekts (Lehr- und Forschungsgrabung), beauftragt durch das Ludwig Boltzmann Institut, unter der Leitung von Wolfgang Neubauer, wurden im Jahr 2019 Ausgrabungsarbeiten an der KGA Velm durchgeführt. Ziel war es, den Aufbau, die Datierung des äußeren Grabens und naher, bekannter prähistorischer Gebäudestrukturen zu erforschen. So wurden ein Teil des äußeren Grabens und eines von mehreren nahen prähistorischen Häusern freigelegt. Es wurde festgestellt, dass dieses Haus aus der Lengyel-Kultur stammt. Es wird auf ca. 4700–4550 v. Chr. datiert und kann somit, wie der Kreisgraben selbst, dem Mittelneolithikum zugeordnet werden. Unter den zahlreichen Funden befinden sich bemalte Tonscherben etwa gleicher Datierung. Der in der Nähe des lengyelzeitlichen Hauses gefundene Schädel stammt jedoch aus der Frühen Bronzezeit (ca. 1800–1600 v. Chr.). Ein besonders gut erhaltenes Baumstück, das im Zuge der Ausgrabungen freigelegt wurde, stammt vom Ende der Eiszeit (ca. 10000 v. Chr.) und ist somit bedeutend älter. Seit Abschluss der Ausgrabungen wird dieses Areal wieder landwirtschaftlich genutzt.

Späte Jungsteinzeit (Endneolithikum), Bronzezeit und Eisenzeit: ~ 3. Jt.–15. v. Chr. Im Bereich der Flur „Alte Gottesäcker“ lassen Hinweise von Luftbildern und Streufunde auf eine Besiedlung während der späten Jungsteinzeit und der Bronzezeit schließen. In der Ried „Hauslüsse“ wurde im Jahr 1943 eine birnenförmige Lanzenspitze aus Bronze gefunden, die aus der späten Bronzezeit (1200–800 v. Chr.) stammt. Auch drei Gräber aus der Keltenzeit (späte Eisenzeit, ca. 500–15 v. Chr.) sind bekannt. Sie wurden in den Jahren 1906–1910 ergraben. Eines davon befand sich auf dem Acker des Bauern Buchberger an der Straße nach Gutenhof.

Römerzeit: 15 v. Chr.–5. Jh. n. Chr. Auf dem Gebiet von Velm sind aus der Römerzeit sowohl Siedlungsspuren als auch zwei Bestattungsplätze bekannt (Siedlungsspuren in den Fluren „Alte Gottesäcker“ und „Felder ober dem Dorfe“, Bestattungsplätze in den Fluren „Käfertal“ bzw. „Schafstand“). Die Gräber wurden bei archäologischen Ausgrabungen Ende 19. und Anfang 20. Jh. entdeckt. Den ersten Fund stellte ein 1845 ergrabener römischer Grabstein dar. Er war als Teil eines spätantiken Steinplattengrabes wiederverwendet worden. Der Stein wurde 1855 beim Bau der Kirche in deren Mauer eingelassen und ist heute unter Putz verborgen. Weitere römerzeitliche Funde sind verstreut in den Depots des Kunsthistorischen Museums Wien (eine Portraitstele aus dem 1. Jh., ein Grabrelief, das ein Ehepaar beim Totenopfer zeigt aus dem 1.–2. Jh. sowie eine wiederverwendete vermutliche Sarkophagfront mit Inschrift), des Museums Carnuntinum, Hainburg (Fragment der Porträtstele einer Familie und Fragment einer Grabinschrift) und des Museums in Mannersdorf am Leithagebirge (Relief einer Dienerin mit Spindel, 1.–2. Jh., gefunden in sekundärer Verwendung in einem spätröm. Grab) aufbewahrt.

12.–14. Jahrhundert Historisch fassbar wird Velm zu Beginn des Hochmittelalters, während der Entstehungszeit der Feste Himperg in den Jahren ~1115 bis 1118 unter den Babenbergern. 1117 schenkte ein gewisser Gampo alle Güter zu Velwen dem Stift Klosterneuburg.

Die erste urkundliche Erwähnung Velms in der Schreibweise Velwen an der Piesinike (Piesting) erfolgte 1120, um die nordöstliche Grenze der Pfarre Traiskirchen gemeinsam mit den umliegenden Orten Schranawand, Moosbrunn und Gramatneusiedl zu bestimmen. Im Zeitraum 1122–1136 wurde der Ort Velewen in weiteren Urkunden erwähnt. So heißt es z. B. in der Himberger Chronik, dass Gumpo von Medelic (Mödling) neben dem Altar der hl. Maria zu Neuenburch (Klosterneuburg) mit Zustimmung des Markgrafen zusätzlich 16 Joch und einen Hof in Velewen übergibt.

1206 war Velm bereits eine Pfarre, was aus einer Urkunde Leopold des Glorreichen hervorgeht. Der Babenberger Herzog Friedrich II. schenkte 1232 dem Abt des Klosters Maria Zell (gemeint ist Klein Mariazell in NÖ.) ein 1/2 Lehen bei Felling. Als Urkundzeugen scheinen Irenfridus von Hintperg (Himberg) und seine Brüder Chunradus und Ulricus auf. Diese Schenkung ist bereits im ersten Urbar des Stifts Klosterneuburg aus dem Jahr 1258 erfasst. Weiters ist aufgezeichnet worden, dass aus diesem Besitz in Velgen ein Einkommen von 5 tal. (1 Talent = 150 Kilogramm) Denar erzielt wurde. Nachweisbar ist auch eine weitere Schenkung, die den Ort Velm betrifft: Nämlich jene von Ofemia, Witwe von Rudolf von Potendorf (seinerzeit Offiziales von Velben), die dem Heiligengeistspital zu Wien eine Wiese, die bei der Fischa liegt, vermacht (oftmals wurde zu dieser Zeit Fischa mit Kalter Gang verwechselt).

In einem Archivregister der österreichischen Landesfürsten aus den Jahren 1310–1314, in dem die Grundstücksverpfändungen vermerkt sind, scheint Herzog Friedrich der Schöne als Landesherr und als Besitzer des Hofes Veliben auf. Der Herzog verpfändet an einen gewissen Eticho und seinen Erben 12 Schilling Einkünfte von diesem Hof so lange, wie Herr Trensch die Burg in Himberg vom selben Herzog besitzt. Aus dem Jahre 1360 sind in einer Verkaufsurkunde weitere Besitzer eines Lehens zu Velben angeführt.

Wolf der Kramer von Herzogenburg und Herzog Albrecht III. schenkten im Jahr 1371 den Zehent von Velm dem Bürgerspital zu Wien. Gegen Ende des 14. Jh. brach im Dorf die Pest aus und forderte unzählige Todesopfer.

15.–16. Jahrhundert Eindringlinge aus dem Osten vorwiegend Ungarn fügten dem Dorf um 1400 sehr starke Schäden zu. Achaz von Velben (gest. 1420) ein Hubmeister in Österreich und zugleich Herzog Wilhelms „großer Schenk“ bekennt diesen Umstand öffentlich in seinen Briefen aus den Jahren 1408 + 1411. Er gab letztendlich 1441 den endgültigen Ortsnamen Velm (in der Volkssprache damals „Felling“ genannt).

Im ersten Grundbuch des Marktes Himberg aus dem Jahre 1499 findet sich die Eintragung, dass „das Dorf Velden öd liegt und mit der Obrigkeit zur Herrschaft Himberg gehört“. Es ist darin auch vermerkt: … dass es noch Holden anderer Herren gibt: Schönauer 9 Holden, Fronauer 3 Holden. Die anderen gehören der königlichen Majestät Herrschaft gen Hymmperg. Berichte aus 1530 besagen, dass in Velm 6 Holdenhäuser bewirtschaftet werden. In den Jahren rund um die Erste Wiener Türkenbelagerung 1529 dürfte Velm jedoch völlig zerstört, die Bevölkerung vertrieben oder ermordet worden sein. Eine Grundbucheintragung aus 1546 belegt, dass der Hof „jeco öd ligt“.

Ein Bericht in den Vizedomischen (Landesverwaltung) Büchern aus 1562 belegt eine Wiederbesiedlung in Velm: Das Dorf ist „ödt“ gewesen und die Gemeinde hat einige Gründe wieder urbar gemacht. Da die Landfürsten im Jahr 1590/91 die Auflistung der Eigentumsverhältnisse samt Feuerstätten vom gesamten Land Niederösterreich angeordnet hatten, gibt für diese Jahre genaue Aufzeichnungen über die damaligen Besitzverhältnisse: In Felling waren im Vizedomb 24 Güter und ein Hof, der dem Bürgerspital zu Wien gehörte. 1591 scheiterte eine „Verkaufung der Untertanen zu Felben samt Fischwasser“ von Leopold Hutstocker (Sohn des damaligen Wiener Bürgermeisters Christoph Hutstocker), da Kaiser Rudolf II. ein entsprechendes Ansuchen abwies.

17. Jahrhundert Im Zuge der Kriegswirren von 1622 gab der damalige Landesfürst an Leonhart von Herberstain das 1/2 Lehen, die Urbarsteuer musste weiterhin dem Vizedomamt entrichtet werden. Zu dieser Zeit ging der Wein- und Getreide-Zehent an das Bürgerspital zu Wien. Nach dem Ableben Herberstains wurden diese Besitztümer mit Lehensbrief an dessen Bruder Ferdinand Freyherr zu Herberstain, Neuperguthag, Herrn auf Lancowic und Sierndorf, Erbkämmerer und Truchsess in Kärnten, verliehen. Noch im selben Jahr wurde das Besitztum an Tobias Helffriedt von Kayserstain zu Innernstain, römisch kaiserlicher Rat und Handt Grafen in Österreich und der Markgrafschaft Mähren, verkauft. Er erbaute 1654 die St. Thomas-Kapelle. Um 1679 raffte der schwarze Tod nahezu die gesamte Ortsbevölkerung nieder, lediglich 7 Männer überlebten.

Nach der Türkenvertreibung erließ Kaiser Leopold I. 1688 an das Vizedomamt eine Verordnung, wonach dem Verkauf „des halben Dorfes Velmb“ an Ludwig Colloredo, Grafen zu Walsen (Walsee), Geheimer Rath, Kämmerer und Leib Quardy Trapanten Hauptmann, unter gleichen Bedingungen, wie im Vertrag vom Jahre 1643 angeführt, zugestimmt wird.

18. Jahrhundert Aus 1705 ist bekannt, dass Felling sowie die anderen umliegenden Nachbarorte nur die Hälfte an Mautgebühren abführen mussten. Als damaliger Besitzer erließ Peter Anton von Hilleprandt Freiherr von Prandau im Jahr 1725 Rechtsvorschriften (gen. Banntaiding) für die Orte Velmb und Guettenhoff, darin fanden sich die Rechte, Gewohnheiten, Pflichten und auch die Gebräuche angeführt, die zur damaligen Zeit großteils das Leben der Bewohner für diese beiden Ortschaften regelten. Am Ende des Ortes ließ er einen Ziegelofen errichten, gebrannte Ziegel mit der Kennzeichnung „H V“ (für Herrschaft Velm) wurden u. a. 1772 bei der Rauchenwarther BründlkircheAus der Geschichte der Gemeinde Rauchenwarth, auf rauchenwarth.gv.at verbaut.

1743 erging an die „Unterthanen zu Velmb“ wegen der in Verzug geratenen Robotleistungen bei Androhung einer Geldstrafe der Erlass das königliche Heu umgehend nach Wien oder Laxenburg abzuführen. Das Heu wurde dennoch nicht eingebracht und sehr zum Leidwesen der kaiserlichen Majestät verdarb es auf den Wiesen. 1751 bestand Velmb aus 54 Wohnhäusern. Die Herrschaft Velm errichtete 1792 ein neues Schulhaus, in dem 1793 erstmals unterrichtet wurde.