mini|Blick von Osten auf den Hügel von Zygouries mini|hochkant|Plan der archäologischen Stätte von Zygouries Zygouries ( = Stinksträucher) ist eine archäologische Stätte auf dem gleichnamigen Hügel in der Korinthia in Griechenland. Zygouries liegt südöstlich des Tales von Kleonai etwa 400 m südwestlich des Ortes Chania Agiou Vasiliou. Die vorgeschichtlichen Funde reichen von dem Neolithikum bis in die Mykenische Zeit. Wie der Ort in der Antike hieß, ist unbekannt. Er lag an der strategisch wichtigen Kreuzung wo von der Hauptroute von Korinth über den Tretos-Pass nach Argos der Weg nach Mykene abzweigte. Dieser Weg führte nach Süden durch eine Schlucht zur Burg Kastro Agiou Vasiliou und über das Arachneo-Gebirge nach Mykene.
Geschichte Im Frühhelladikum (FH) entstand die erste Siedlung auf dem Hügel. Fritz Schachermeyr vermutete, dass der Ort von Trägern der Keros-Syros-Kultur am Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit gegründet wurde.Fritz Schachermeyr: Die ältesten Kulturen Griechenlands, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1955, S. 146–147 Gegen Ende von FH wurde die Siedlung verlassen. Im späten Mittelhelladikum (MH) wurde Zygouries erneut besiedelt. Die Siedlung wuchs über die Jahrhunderte und erstreckte sich schließlich im Späthelladikum (SH) in der Ebene auch westlich und östlich des Hügels. Es handelte sich wahrscheinlich um einen Außenposten Mykenes mit hierarchischer Gliederung.Catherine Morgan: The Late Bronze Age Settlement and Early Iron Age Sanctuary: The Late Bronze Age Settlement and Early Iron Age Sanctuary, Princeton 1999, ISBN 978-0876619384, S. 349, 352 Um 1200 v. Chr. zu SH III B wurde die Siedlung durch Brand zerstört und verlassen. In Byzantinischer Zeit gab es weitere Baumaßnahmen auf dem Hügel. 1921–1922 führte hier der amerikanische Archäologe Carl Blegen Ausgrabungen durch.Konstantinos Kissas: Antike Korinthia, Athen 2013, ISBN 978-960-6849-37-4, S. 89–91
Die Funde befinden sich im Museum von Archea Korinthos und im Metropolitan Museum of Art in New York City.Gisela M. A. Richter: The Metropolitan Museum of Art. Handbook of the classical collection. New York 1930, S. 345 (online)
Beschreibung Der Hügel von Zygouries misst von Nord nach Süd etwa 165 m, ist etwa 70 m breit und erhebt sich etwa 10 m über die umliegende Ebene. Auf dem natürlichen Fels aus Konglomerat oder kieshaltigem Sandstein gibt es Kulturschicht von 0,3 bis 3 m Stärke. Vor allem in byzantinischer Zeit wurde durch Planieren ein Großteil der prähistorischen Siedlung zerstört. So lagen vielerorts die Frühhelladischen Schichten direkt unter der Oberfläche und die Mittelhelladischen und Späthelladischen waren größtenteils zerstört. Etwa 500 m westlich auf dem Ambelakia-Hügel befand sich ein antiker Friedhof.
Frühhelladikum Carl Blegen legte insgesamt 13 Grabungsschnitte an. In allen, die er auf dem Hügel anlegte, fand er Mauern aus dem Frühhelladikum. Im größten Grabungsschnitt VII fand er die meisten Häuser. Die Mauern waren zwischen 0,6 und 0,9 m dick, aus unbearbeiteten Steinen errichtet und hatten ursprünglich einen Aufbau aus groben Lehmziegeln. Zwischen den kleinen Häusern verliefen Straßen und Wege, die mit kleinen Kieseln und Tonscherben gepflastert waren. Wie Tierknochen, Muschelschalen, Schneckenhäuser, Teile von Bronzegegenständen und zerbrochene Tongefäße zeigen, entsorgte man den Abfall auf den Straßen. Die Häuser ähnelten denen auf den Kykladen, hatten oftmals einen kleineren Vorraum und einen Hauptraum mit Herd in der Mitte. Die Mauern verliefen eher geradlinig und bildeten keine Apsis.
mini|Grabungsschnitt VII mini|hochkant|Frühhelladische Sauciere aus Zygouries Haus D Haus D war eines der prunkvollsten aus dieser Zeit. Es hatte einen rechteckigen Grundriss von 5,65 m mal 2,50 m. Der Vorraum lag im Süden und war 1,40 m Tief und 2,50 m breit. Eine 0,65 m breite Tür führte in den nördlichen 3,65 m tiefen Hauptraum. Hier fand man auf dem Lehmboden eine Sauciere, einen zylindrischen Ständer für eine große Schüssel und mehrere Pithoi, die vor der Nordwand standen.
Haus A Nordöstlich von Haus D lag Haus A, ebenfalls mit Nord-Süd-Ausrichtung. Die Außenmaße betrugen 6,40 × 4 m. Durch eine 0,62 m breite Tür gelangte man von Osten in den 1,50 × 2,50 m großen Vorraum. Nördlich schloss der fast quadratische Hauptraum von 2,70 × 2,70 m an. Wie der Vorraum hatte dieser einen Boden aus gestampftem Lehm. In Haus A fand man zerbrochene Keramik, ein Gefäß in Form eines Vogels, zwei Spinnwirtel, ein konisches Objekt aus Ton und ein flaches Bronzeband.
1995 untersuchte Steven Harrison die Architektur der frühhelladischen Häuser und kam zu dem Schluss, dass die Häuser A und D keine eigenständigen Wohneinheiten waren, sondern einen Teil des Hauses der Pithoi darstellten.Steven Harrison: Domestic architecture in Early Helladic II: some observations on the form of non-monumental houses in Annual of the British School at Athens, Band 90, November 1995, S. 23–40
Haus der Pithoi Das Haus der Pithoi ist bisher das größte und prunkvollste, das ausgegraben wurde, und lag westlich von Haus D. Von Norden betrat man das offene Vestibül. Eine 2,10 m breite Tür, die vermutlich durch eine Doppeltür verschlossen werden konnte, führte im Osten in den großen Hauptraum von 5,60 × 5,55 m. Die 0,9 m dicken Mauern waren bis in eine Höhe von 1,50 m erhalten. Wahrscheinlich gab es noch einige Pfosten, die das Flachdach des großen Raumes stützten. Eine Tür im Osten der Nordwand des Hauptraumes führte in einen kleineren Raum von 3,90 × 3,70 m. Möglicherweise gab es noch weitere Räume, die nicht freigelegt wurden. Das Haus war durch Feuer zerstört worden. Hierbei wurden einige Lehmziegel gebrannt, deren Größe bestimmt werden konnte. Sie waren etwa 0,3 m lang, 0,2 m breit und 0,15 m hoch.
An der Ostwand des Hauptraumes fand man vier Pithoi und Scherben von etwa drei weiteren. Sie dienten der Lagerung von Öl, Mehl und anderen Lebensmitteln. Außerdem fand man noch 16 weitere komplette Tongefäße: flache Schüsseln, eine Sauciere mit Ausguss in Form eines Bocks und einen einfachen Kochtopf, der noch große Rinderknochen enthielt – vermutlich stellte dies das letzte Essen vor der Zerstörung des Hauses dar. In der Raummitte fand man einen Herd und einen Mahlstein. In dem kleineren Raum entdeckte man nur Tonscherben.
1985/86 untersuchte der Archäologe Daniel J. Pullen die Aufzeichnungen und Funde aus Blegens Grabung. Dabei stieß er auf etwa 200 Dachziegel, die zum Teil Urfirnis trugen. Diese wurden unter dem Haus der Schneckenhäuser gefunden und stammten wahrscheinlich von einem Vorgängerbau des Hauses der Pithoi, der zu FH II zerstört wurde. Dieser Vorgängerbau war ein sogenanntes Korridorhaus und hatte einen ähnlichen Grundriss wie das Haus der Ziegel in Lerna und umfasste auch den Bereich, auf dem später das Haus der Schneckenhäuser errichtet wurde.Eva Alram-Stern: Die Ägäische Frühzeit: 2. Serie, Forschungsbericht 1975–2002, Die Frühbronzezeit in Griechenland, mit Ausnahme von Kreta. 2. Band, Teil 2, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften 2004, ISBN 978-3-7001-3268-4, S. 580–581 (online)
Haus der Schneckenhäuser Südlich an den Hauptraum des Hauses der Pithoi grenzt das kleine Haus der Schneckenhäuser mit West-Ost-Ausrichtung an. Durch eine 0,85 m breite Tür gelangte man in den östlichen Vorraum von 2 × 2 m. Der Hauptraum war 2,20 × 3,30 m groß. Auf dem Boden des Hauses fand man Schneckenhäuser, die vermutlich von der letzten Mahlzeit stammten, und Tonscherben von insgesamt 37 Gefäßen wie große Krüge und kleinere Saucieren.
Haus W Haus W erstreckte sich südlich von Haus D und dem Haus der Schneckenhäuser. Es hatte einen großen zentralen Hof von 4,25 × 3,25 m und einen 3,07 m breiten Eingang von Süden. Im Westen lagen ein größerer Raum von 3,45 × 2,45 m und im Osten ein größerer südlicher Raum von etwa 3 × 3 m und ein kleiner nördlicher Raum von 1,57 × 1,80 m. Im westlichen Raum befanden sich ein Pithos und Tonscherben, die zum Teil von Saucieren stammten.
Haus S Haus S lag südlich von Haus W. Es bestand aus einem östlichen Vorraum, einem Hauptraum und einem kleinen Hinterzimmer. Der Vorraum maß 2,10 × 4 m, der Hauptraum 3,90 × 3,90 m und der Hinterraum 2 × 3,45 m. Im Hauptraum, der als Wohnbereich diente, gab es als Feuerstelle eine Steinplattform von 0,25 m Höhe und einem Durchmesser von 1,05 m. In dem Haus fand man kleine Vasen und winziges Geschirr und Löffel.
Auch bei den Häusern W und S zweifelte Steven Harrison die Eigenständigkeit an. Er vermutete, dass die beiden Häuser sich um einen Hof gruppierten und zu einer Wohneinheit gehörten.Steven Harrison: Domestic architecture in Early Helladic II: some observations on the form of non-monumental houses in Annual of the British School at Athens, Band 90, November 1995, S. 23–40
Haus E Östlich von Haus W befand sich Haus E. Es wurde in mykenischer Zeit größtenteils zerstört, nur der westliche Teil blieb erhalten. Es hatte einen Grundriss ähnlich dem des Hauses D.
Haus L Haus L lag im Norden des Hügels von Zygouries in Grabungsschnitt I. Drei Räume gruppierten sich westlich und südlich um einen Hof. Westlich des Hofs gab es einen kleinen Raum von 3,25 × 2,25 m, der durch eine Tür mit dem Hof verbunden war. In ihm fand man einen Askos, eine winzige Patera, ein Teil eines Löffels und viele Tonscherben. Der südöstliche Raum von 2,50 × 3,50 m diente vermutlich als Küche, da man hier zwei Kopftöpfe und Reste des Herdes entdeckte. Weitere Funde waren eine Klinge, ein Wetzstein, zwölf Obsidianklingen, Teile von zwei Saucieren und ein Krug mit ovalem Ausguss.
Der südwestliche Raum maß 2,60 × 3,55 m, diente als Lagerraum und konnte vermutlich über den südöstlichen erreicht werden. Hier fand man sechs Pithoi, die in den Boden eingelassen waren, zwei Spinnwirtel oder Knöpfe, zwei Mahlsteine, einen Stampfer, zwei Wetzsteine, zwei Austernschalen, sechs Obsidianklingen, eine Klinge aus grauem Feuerstein, einen großen Askos, zwei komplette flache Schalen und eine Perle aus Chalcedon. Im Hof an der südlichen Wand gab es vermutlich eine Steinbank. Der Hof war nicht gepflastert, sondern hatte einen Boden aus gestampftem Lehm. Hier fand man drei Pithoi und fünf weitere Obsidianklingen. Da man in Haus L insgesamt 23 Obsidianklingen fand, wurde die Vermutung geäußert es könnte sich um das Haus eines Messer- oder Klingenhändler handeln. Westlich des Hauses gab es vermutlich einen Schutthaufen, da man hier die Scherben von zwei Saucieren, einem Krug und weiteren kleineren Vasen entdeckte.
Haus Y Am südlichen Abhang von Zygouries fand man in Grabungsschnitt XI Haus Y. Da es nur 20–30 cm unter der Oberfläche lag, wurde es durch Bautätigkeit in byzantinischer Zeit und die Anlage eines frühchristlichen Grabes stark zerstört. Es hatte einen kleinen Vorraum und einen Hauptraum von etwa 4,20 × 4,25 m. Hier fand man neben der üblichen Anzahl an Tonscherben ein knopfförmiges Siegel aus Terracotta. Dies war das erste seiner Art, das bis dato auf dem Festland zum Vorschein kam, und war deshalb sehr bedeutend.
Haus des Dolches (Haus U) Haus U wurde direkt westlich von Haus Y gefunden. Es besteht aus zwei Räumen, wovon wahrscheinlich nur der hintere überdacht war. Da die Mauern des Vorraumes sehr dünn waren, vermutete Blegen, dass diese nicht sehr hoch waren und deshalb kein Dach trugen. In dem 1,50 × 4 m großen Hauptraum gab es einen gut erhaltenen Lehmboden mit kleinen Steinen und Tonscherben. Auf dem Boden fand man eine Bronzeahle, einen Stöpsel aus Terrakotta und Obsidianabschläge. In der Südostecke des 3,75 × 4,50 m großen Vorraums gab es einen Herd und in der Nordwestecke einen Bothros von 0,8 m Durchmesser und 1 m Tiefe. In der Nähe gab es noch eine Grube aus der byzantinischen Zeit.