Außervillgraten ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Lienz in Tirol, Österreich. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Lienz.

Geografie Außervillgraten liegt im Villgratental, einem Seitental des Osttiroler Pustertals am Zusammenfluss von Villgratenbach und Winkeltalbach. Die Gemeinde ist eine ausgeprägte Streusiedlung.

Gemeindegliederung Sie besteht aus den Fraktionen Unterwalden, Dorf, Unterfelden, Versellerberg und Winkeltal. In den letzten 20 Jahren haben sich neben dem Ortskern (Fraktion Dorf) zwei weitere geschlossene Siedlungskerne gebildet: Die Aue talauswärts und der Weiler Walchboden im Winkeltal.

Einzige Katastralgemeinde ist Außervillgraten.

Nachbargemeinden

Geschichte Das Villgratental gehörte vermutlich bereits zum Ausstattungsgut, das Herzog Tassilo III. von Bayern im Jahr 769 dem Stift Innichen übertrug und von Kaiser Otto I. bestätigt wurde. Zu dieser Zeit war das Tal noch nicht dauerhaft besiedelt, nur rätoromanische Namen weisen auf gelegentliche Almwirtschaft hin.Hermann Wopfner: Siedlungsgeschichte (von Villgraten), in: Bericht des Akademischen Alpinen Vereines (Innsbruck) über die Vereinsjahre 1928/1929 und 1929/1930, S. 28–45.Robert Perfler: Die Namenwelt Villgratens im Spiegel seiner Geschichte, in: Andreas Rauchegger, Josef Schett (Hrsg.): Villgrater Natur - Villgrater Kultur. Eine anthropogene Landschaft. Besiedlungsgeschichte, Almhistorie, demographische Entwicklung und Handwerkskunst, Innsbruck 2021, S. 34–80.

1140 ließ der Innichner Vogt des Bistums Brixen, Graf Arnold von Morit-Greifenstein, im hinteren Teil des Tales (Gemeinde Innervillgraten) Rodungen durchführen („in loco qui dicitur Ualgratto“). Das Gebiet sollte von Bauern aus der Nachbarschaft besiedelt werden. Als Lockmittel wurden den Siedlern Gratiszuteilungen von Vieh und Getreide angeboten. Die Höfe waren als Schwaighöfe konzipiert, das bedeutet, dass es sich vor allem um Viehwirtschaft handelte. Sie waren überwiegend in kirchlichem Besitz. So waren die Klöster Innichen, Freising und Sonnenburg die wichtigsten Grundherren im Tal. Das Gebiet der Gemeinde Außervillgraten im vorderen Teil des Tales wurde erst später besiedelt. 1243 wurde Hochwalden als erster Hof in Außervillgraten urkundlich erwähnt, als zweitältester Hof gilt Perfl. Ursprünglich wurden in Außervillgraten 64 Urhöfe gegründet, die später durch Teilungen vermehrt wurden. Aufgrund von hohen Abgaben und Missernten wanderten im 15. Jahrhundert ca. 300 Außervillgrater nach Sappada im Piavetal aus. 1827 errichtete Michael Pirgler die erste Güterseilbahn Tirols in Außervillgraten. Erst am 12. Februar 1927 gab es erstmals elektrisches Licht. Jedoch beschränkte sich dies nur auf die Kirche und den Dorfbereich. Außervillgraten veränderte sich bis in die 1960er Jahre nicht grundlegend. Erst zu dieser Zeit wurde das Gebiet mit moderner Infrastruktur erschlossen.

Kirchengeschichte Außervillgraten gehörte ursprünglich zur Urpfarre Sillian. 1679 erhielt die Gemeinde durch Vermittlung des Pflegers von Heinfels eine eigene Kuratie. Bereits ein Jahr zuvor wurde für den zukünftigen Kuraten ein eigener Widum errichtet. 1795 wurde die heutige Pfarrkirche zur heiligen Gertraud an der Stelle der bisherigen gotischen Kirche errichtet.

Im 18. Jahrhundert war in Außervillgraten eine Volksmission der Jesuiten mit großem Erfolg tätig.

Bevölkerung Bevölkerungsstruktur 2012 lebten in der Gemeinde Außervillgraten 789 Menschen. Ende 2001 waren 95,6 Prozent der Bevölkerung österreichische Staatsbürger (Tirol: 90,6 Prozent), bis zum Jahresbeginn 2012 stieg der Wert auf 99,4 Prozent. Lebten 2001 noch 34 Deutsche in der Gemeinde, so waren es 2012 nur noch insgesamt vier EU-Staatsbürger sowie ein weiterer ausländischer Staatsbürger. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 2001 99,9 Prozent der Einwohner (Tirol: 83,4 Prozent), lediglich eine Person hatte kein religiöses Bekenntnis.Statistik Austria Gemeindedaten von Außervillgraten

Der Altersdurchschnitt der Gemeindebevölkerung entsprach 2001 ungefähr dem Landesdurchschnitt. 18,7 Prozent der Einwohner von Außervillgraten waren jünger als 15 Jahre (Tirol: 18,4 Prozent), 61,3 Prozent zwischen 15 und 59 Jahre alt (Tirol: 63,0 Prozent). Der Anteil der Einwohner über 59 Jahre lag mit 20,0 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt von 18,6 Prozent. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung von Außervillgraten stieg in der Folge deutlich. Der Anteil der unter 15-Jährigen sank per 1. Jänner 2012 auf 16,1 Prozent, während sich der Anteil der Menschen zwischen 15 und 59 Jahren auf 65,5 Prozent erhöhte. Der Anteil der über 59-Jährigen sank hingegen leicht auf 18,4 Prozent. Nach dem Familienstand waren 2001 53,0 Prozent der Einwohner von Außervillgraten ledig, 41,6 Prozent verheiratet, 5,0 Prozent verwitwet und 0,4 Prozent geschieden.Landesstatistik Tirol (VZ 2001) (PDF; 3,9 MB)

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerentwicklung der Gemeinde Außervillgraten lag ab dem späten 19. Jahrhundert stets unter dem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum des Bezirks Lienz bzw. des Bundeslandes Tirol. Bereits zwischen 1869 und 1900 musste Außervillgraten eine Schrumpfung der Einwohnerzahl von 14 Prozent hinnehmen, wobei im Jahr 1900 mit 727 Einwohnern der bisherige Tiefststand verzeichnet wurde. Danach stagnierte die Einwohnerzahl bis in die 1920er Jahre praktisch, um in der Folge langsam zu steigen. Ihr größtes Bevölkerungswachstum erreichte die Gemeinde in der Folge zwischen 1951 und 1971, als die Einwohnerzahl um 34 Prozent wuchs. Nachdem sich die Bevölkerungszahl bis 1981 nochmals leicht auf 1.171 Menschen erhöht hatte, begann in der Gemeinde ein neuerlicher Schrumpfungsprozess. In der Folge büßte Außervillgraten zwischen 1981 und 2018 ein Drittel seiner Bevölkerung ein. Außervillgraten leidet bereits seit Jahrzehnten unter einer stark negativen Wanderungsbilanz. Konnte diese in den 1970er Jahren noch durch eine stark positive Geburtenbilanz ausgeglichen werden, so wirkten eine sich verdoppelnde, negative Wanderungsbilanz und eine sich mehr als halbierende positive Geburtenbilanz stark negativ auf die Einwohnerzahl aus. In den 1990er Jahren reduzierte sich die negative Wanderungsbilanz zwar, blieb jedoch noch rund doppelt so hoch wie die positive Geburtenbilanz. Seit der Jahrtausendwende erhöhte sich die negative Wanderungsbilanz noch, während die Geburtenbilanz nur noch schwach positiv ausfiel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Außervillgraten

Katholische Pfarrkirche Außervillgraten hl. Gertraud: Die Pfarrkirche geht auf eine Vorgängerkirche aus dem 14. Jahrhundert zurück, der im 15. Jahrhundert durch einen spätgotischen Neubau ersetzt wurde. Von dieser Kirche blieben jedoch nach dem barocken Neubau durch Thomas Mayr Ende des 18. Jahrhunderts nur noch Grundmauern und die Sakristei erhalten. Das Widum wurde nach einem Brand in den 1920er Jahren neu errichtet. Der Friedhof der Gemeinde ist wie die Pfarrkirche denkmalgeschützt und seit dem 14. Jahrhundert belegt. Er beherbergt eine Friedhofskapelle aus dem Jahr 1832. Weitere Denkmäler sind die 1765 errichtete Kapelle St. Genoveva (Bachlechenkapelle), die Mariahilfkapelle (Stöckl-Kapelle) aus dem Jahr 1912. Einziges weltliches Denkmal ist der Bauernhof Wurzer, dessen Hofstelle bereits 1433 urkundlich erwähnt wurde. Zu dem Einhof gehört eine Kapelle, eine Waschküche, eine Getreidemühle und eine Sägemühle. Neben den denkmalgeschützten Objekten finden sich in Außervillgraten zudem die 1954 errichtete Schupferkapelle, die 1979 erbaute Ignatiuskapelle und das 1912/14 erbaute Antonius-Stöckl. Zudem liegen in Außervillgraten mehrere weitere erwähnenswerte Bauernhöfe. Bachlehenkapelle hl. Genoveva in Winkeltal Wurzerhof: Einhof im Winkeltal, mit Waschküche/Selche, Säge, Hofkapelle hl. Katharina und Getreidemühle. Mit 2010 wurde das Sternsingen im Villgratental zum Immateriellen Welterbe, wie es die UNESCO deklariert, in der Österreichliste (Nationales Kulturgut) aufgenommen. . nationalagentur.unesco.at

Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsstätten und Beschäftigte Die im Rahmen der Volkszählung durchgeführte Arbeitsstättenzählung ergab 2001 in Außervillgraten 26 Arbeitsstätten mit 118 Beschäftigten (ohne Landwirtschaft), wobei 76 Prozent unselbständig Beschäftigte waren. Die Anzahl der Arbeitsstätten war dabei gegenüber dem Jahr 1991 um zwei Betriebe (plus 8 Prozent) gestiegen, die Anzahl der Beschäftigten jedoch um 24 Personen (minus 17 Prozent) geschrumpft. Wichtigster Wirtschaftszweig war 2001 die Sachgütererzeugung mit vier Betrieben und 54 Beschäftigten (46 Prozent der Beschäftigten in Außervillgraten). Dahinter folgten das Beherbergungs- und Gaststättenwesen mit sieben Arbeitsstätten und 27 Beschäftigten und die Öffentliche Verwaltung bzw. Sozialversicherung mit 11 Beschäftigten. 44 Prozent der in Außervillgraten Beschäftigten waren Arbeiter, 22 Prozent Angestellte oder Beamte und 19 Prozent Betriebsinhaber.

Zu den Gewerbebetrieben gehören Bekleidung Mühlmann, die Tischlereien Gardener, Perfler und Walder sowie die Malerei Kapferer. Es besteht zudem eine Trafik mit angrenzendem Café, die Kaufhäuser Obbrugger (Spar) und Perfler (Adeg) sowie eine Raiffeisenkasse., abgerufen am 27. August 2013 Von den 2010 in Außervillgraten lebenden 393 Erwerbstätigen waren 93 in der Sachgütererzeugung (24 Prozent), 54 in der Land- und Forstwirtschaft (14 Prozent) und 46 im Bauwesen (12 Prozent). Weitere wichtige Branchen waren der Bereich Erziehung und Unterricht mit 45 Beschäftigten (12 Prozent) und der Handel mit 39 Beschäftigten (10 Prozent). Von den 388 Erwerbstätigen aus Außervillgraten (ohne temporär von der Arbeit abwesende Personen) erwerbstätigen Einwohnern aus Außervillgraten gingen 2010 lediglich 136 Personen in Außervillgraten ihrer Beschäftigung nach. 252 mussten zur Arbeit auspendeln. Von den Auspendlern hatten 13 Prozent ihre Arbeitsstätte im benachbarten Ballungszentrum Lienz, weitere 21 Prozent pendelten nach Sillian, 17 Prozent in die Nachbargemeinde Heinfels. 19 Prozent der Auspendeler mussten in einer anderen Gemeinde des Bezirks arbeiten. Weitere 19 bzw. 8 Prozent pendelten nach Nordtirol oder in ein anderes Bundesland, zehn der Einwohner mussten ins Ausland auspendeln. Im Gegenzug arbeiteten 2010 75 Einpendler in Außervillgraten, die zu 84 Prozent aus dem Bezirk stammten.

Land- und Forstwirtschaft Viehbestand der Gemeinde AußervillgratenKatholischer Tiroler Lehrerverein (Hrsg.): Bezirkskunde Osttirol. S. 198–203. Viehstand1951196119711981199120002010 Pferde 1611221139 Rinder 702731757765736682657 Schweine 1942282832071536760 Schafe 375411461490551400917 Ziegen 4532918121624 Geflügel 785120515351000719680304