mini|Verteilung der bestätigten Fälle auf die Provinzen (Stand: 20. März 2020): mini|Pressekonferenz vom 24. Februar 2020. Links der stellvertretende iranische Minister für Gesundheit Iradsch Harirchi, rechts Regierungssprecher Ali Rabiei.
Die COVID-19-Pandemie in Iran tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.Tagesschau: „Tief besorgt“. WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 14. April 2020.
Situation Im März 2020 gehörte Iran neben China, Südkorea und Italien zu den am stärksten betroffenen Staaten. Der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 5. April 2020 nannte 3.452 Todesfälle und damit mehr Todesfälle in Iran als in China, zum gleichen Zeitpunkt gab es in fünf weiteren Ländern noch höhere Opferzahlen.
Eingeführt wurde das Virus vermutlich von den zu mehreren Hundert in Ghom studierenden chinesischen Theologiestudenten. Die starke Verbreitung lässt sich u. a. auf schlechte medizinische Versorgung und fehlende Transparenz der Politik zurückführen.
mini|Isolierstation für Coronaviruspatienten im Hezar Takhtkhabi Hospital, Ende Februar 2020. mini|Desinfektion der U-Bahn Teheran, Ende Februar 2020. Der Führung Irans wurde vorgeworfen, seit Februar 2020 die Coronavirus-Epidemie zu verharmlosen und zu vertuschen, aus Gewohnheit äußere Feinde, (oft die USA) für Bedrohungen verantwortlich zu machen und auch die Epidemie als Angriff der USA mit einer biologischen Waffe auszugeben. Da bei den an die Weltgesundheitsorganisation gemeldeten Zahlen für Iran die Zahl der Todesfälle in Relation zur Zahl der Infizierten überdurchschnittlich hoch waren, wird in Presseberichten eine hohe Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht gemeldeter Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutet. Die iranische Exilopposition ging am 11. März 2020 von mehr als 3.000 Todesfällen aus, der WHO wurden an diesem Tag 354 Todesfälle (kumuliert) gemeldet. mini|Desinfektion im Stadtteil Sadeghiyeh in Teheran, Anfang März 2020. mini|Passanten in Schiras mit Mundschutz neben einem geschlossenen Geschäft, Mitte März 2020.
Verlauf Vermutlich wurde das neuartige Coronavirus von einem der mehr als 600 in Ghom studierenden chinesischen Studenten in die Islamische Republik Iran eingeschleppt. Die Tatsache, dass die iranische Fluggesellschaft Mahan Air ihre Passagierflüge nach China nicht eingestellt hatte, wurde ebenfalls als Ursache der Virusverbreitung genannt. Nach Aussage der iranischen Regierung war einer der beiden Indexpatienten ein Geschäftsmann, der sich in China infiziert hatte. Das iranische Gesundheitsministerium nannte als besonders betroffene Gebiete Teheran, Ghom und die Provinzen Mazandaran, Isfahan und Gilan (Stand 11. März 2020).
Februar 2020 Am 19. Februar 2020 kam es zu zwei Todesfällen in Ghom, bei denen am 20. Februar 2020 der Virusnachweis bestätigt wurde. In der ersten Stellungnahme der iranischen Regierung am 19. Februar wurde betont, dass für die Bevölkerung kein Anlass zur Sorge bestehe. Revolutionsführer Ali Chamenei sagte, „Irans Feinde“ würden die Gefahr aufbauschen. Am 24. Februar 2020 bestritt der stellvertretende iranische Minister für Gesundheit Iradsch Harirchi eine Krise. Dabei litt er bereits an Schweißausbrüchen und Husten; die Infektion wurde bei ihm am Tag darauf festgestellt. Am 13. März gab Harirchi im Fernsehen bekannt, wieder gesund zu sein. Am 25. Februar 2020 berichtete BBC News, es gebe bereits Engpässe bei der Schutzausrüstung, z. B. Schutzmasken des medizinischen Personals und mehrere Personen hätten sich bei ihrer Arbeit infiziert. Auch die Diagnosetests seien nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Am 27. Februar 2020 starb Elham Scheichi, Mitglied der iranischen Fußballnationalmannschaft der Frauen an der Krankheit COVID-19. Die Coronavirus-Infektion der iranischen Vizeministerin, Masoumeh Ebtekar, wurde bestätigt. Die USA boten Iran am 28. Februar 2020 Hilfe an. Der US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, dass humanitäre Spenden für Iran, beispielsweise in Form von Medikamenten, unabhängig von den US-Wirtschaftssanktionen möglich seien. Einige Tage später verneinte Iran, ein solches Angebot erhalten zu haben.
März 2020 Am 1. März 2020 waren laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 593 Infektionsfälle und 43 Todesfälle gemeldet worden, vor allem die Hauptstadt Teheran war betroffen. Vertreter ausländischer Medien begannen Iran zu verlassen; einige Staaten empfahlen ihren Bürgern die Ausreise aus dem Land. Am 3. März 2020 waren 23 Mitglieder des iranischen Parlaments erkrankt. Nachdem Anfang März 2020 mehrere europäische Fluggesellschaften ihre Flüge nach Iran gestoppt hatten, erklärte am 8. März die Fluggesellschaft Iran Air, nun ebenfalls Flüge nach Europa einzustellen. Begründet wurde dies mit „Beschränkungen“, die Iran Air aus „unbekannten Gründen“ von europäischen Behörden auferlegt bekommen habe. Zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass mehrere Politiker bereits an COVID-19 gestorben waren. Für den Schutz der Bevölkerung und des medizinischen Personals notwendige Schutzmasken, Fieberthermometer oder Medikamente waren nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Seit dem 4. März 2020 ist die Provinz Gilan am Kaspischen Meer für Reisende aus anderen Provinzen gesperrt, es wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Gesundheitsbeauftragte der Provinz Gilan meldete am 8. März bereits 200 Tote durch COVID-19. Die Zahl der offiziellen, an die WHO gemeldeten Todesfälle für ganz Iran lag an diesem Tag bei 194 (kumuliert, der WHO-Bericht wird einen Tag später veröffentlicht). Er korrigierte später seine Aussage dahingehend, dass es sich um Todesfälle, die allgemein durch Atemwegserkrankungen verursacht werden, handele. Der Gouverneur von Kaschan im zentralen Hochland gab zu diesem Zeitpunkt 80 Todesfälle an. Die Stadt ist umgeben von der ersten großen Oase entlang der Straße von Ghom (Qom) nach Kerman. Diese Straße wird von Pilgern genutzt, die die heiligen Stätten in Ghom besuchen. Am 9. März erklärte Iran, wegen der Epidemie 70.000 Gefängnisinsassen freigelassen zu haben, andere Quellen berichten von 54.000 Insassen. Das Kursieren von Gerüchten, Alkoholkonsum würde vor einer Infektion schützen, führte zum Tod von 16 Iranern durch eine Methanolvergiftung. Am 12. März berichtet die Washington Post von der eiligen Aushebung großer Massengräber für an COVID-19 Verstorbene in Ghom. Ärzte aus der Provinz Gilan berichteten Mitte März von fehlenden Krankenhauskapazitäten im Norden des Landes, die dazu führten, dass sogar erkrankte Personen abgewiesen wurden. Die andauernde Überlastung des medizinischen Personals führte zur Frustration. Am 17. März prognostiziert eine Studie der Scharif Universität für Technologie basierend auf einer Computersimulation, dass die maximale Zahl der Todesopfer der COVID-19-Pandemie in Iran unter idealen Umständen 12.000 erreichen werde. Dies setze jedoch voraus, dass sich die Bevölkerung an getroffene Einschränkungen und Maßnahmen der Regierung halte. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Bevölkerung sich weniger streng an Quarantäneregeln halte und dass auch schlechte medizinische Versorgung, schlechtes Management und die US-Wirtschaftssanktionen die Lage so verschärfe, dass bis zu 3,5 Millionen Menschen (das entspräche gut 4 % der 81,8 Millionen Einwohner) im Verlauf der Pandemie in Iran sterben werden. Dieses Szenario geht von einem Höhepunkt der Pandemie in Iran im Mai aus. Bis zum 17. März wurden insgesamt mehr als 85.000 Gefängnisinsassen freigelassen, darunter auch politische Gefangene, wie der Sohn des Oppositionellen Mehdi Karroubi. Anlässlich des Neujahrs- und Frühlingsfestes Nouruz (21. März 2020) wurde die Reisefreiheit der Iraner eingeschränkt. Am 23. März berichtete Der Spiegel über die zunehmende Überlastung des Gesundheitssystems, wegen fehlender Schutzausrüstung sei die Sterberate bei medizinischen Fachkräften hoch. Die Regierung rief Medizinstudenten und pensionierte Ärzte dazu auf, in den Krankenhäusern auszuhelfen. Ab dem 26. März 2020 wurden staatliche Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung implementiert. Am 30. März wurde mit 3.186 Fällen der Höchststand bei den täglichen Neuinfektionen erreicht.WHO Situation report Nr. 71 vom 31. März 2020 (PDF; 1,2 MB). Danach sank die Zahl von Tag zu Tag.
April 2020 Am 4. April übertraf die Todeszahl mit 3.452 die des vermutlichen Ursprungslandes China. Sie war damit nur noch in fünf anderen Ländern (Italien, Spanien, Frankreich, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich) höher.WHO Situation report Nr. 76 vom 5. April 2020 (PDF; 1,1 MB). Am 7. April meldete der iranische Gesundheitsminister Saeed Namaki über die staatliche Nachrichtenagentur IRNA, dass im Plan zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus ein Rekord erzielt worden sei, da 70 Millionen der 83 Millionen Einwohner Irans bereits einem Screening unterzogen worden waren. Wie das Screening abläuft, wurde nicht berichtet, es handelt sich nicht um die Diagnosetests zum Nachweis des Virus, vergleiche #Reaktionen und Maßnahmen in Iran. Am 8. April konnten erstmals seit dem 24. März wieder unter 2.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet werden. Mit insgesamt 64.586 Infektionen gehört das Land aber weiterhin zu den am stärksten betroffenen Staaten weltweit (mehr als vier Prozent aller bekannt gewordenen Infektionen), da nur sechs andere Länder mehr Fälle aufzuweisen haben.WHO Situation report Nr. 80 vom 9. April 2020 (PDF; 1,3 MB). Am 12. April erklärte Präsident Hassan Rohani, dass Iran nun zu einem smart social distancing plan (gemeint sein dürfte: ‚Plan zur klugen räumlichen Distanzierung‘) umschwenken würde, mit einer schrittweisen Lockerungen der Beschränkungen. Am 16. April bedankte sich der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif auf Twitter für die Unterstützung Chinas im Kampf gegen das neuartige Coronavirus.
Mai bis Dezember 2020 Mitte Mai 2020 wurden insgesamt 100.000 Neuinfektionen gemeldet, Mitte Juni waren es 200.000, Ende Oktober 500.000 und Anfang Dezember eine Million. Steil verlief auch der Anstieg bei den Todesfällen: Ende Juni 2020 waren es 10.000, Ende Juli 14.000 (gemäß BBC mindestens 42.000)Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 232. Ende August 20.000 und Anfang Dezember 50.000. Deutschland, das eine ähnliche Einwohnerzahl besitzt, aber sehr viel dichter besiedelt und stärker überaltert ist, hatte Anfang Dezember 2020 deutlich mehr Infizierte (knapp 1,2 Millionen), aber deutlich weniger Tote (knapp 20.000). Die benachbarte Türkei, ebenfalls ein Land mit knapp über 80 Millionen Einwohnern und jüngerer Bevölkerungsstruktur, aber mit einer doppelt so hohen Bevölkerungsdichte wie Iran, hatte bis dahin nur halb so viele Fälle (über 500.000) wie Iran registriert und 14.000 Tote gezählt.
2021
Am 8. Januar verbot Ali Chamenei die Einfuhr aller Arten von „amerikanischen und britischen Impfstoffen“ und erklärte, er habe „kein Vertrauen in sie“. Dies verzögerte den Beginn der Impfmaßnahmen im Land erheblich, so dass im Iran im August des Jahres erst 6 % der Bevölkerung geimpft waren. Die fünfte Welle der Pandemie brachte diesen Monat 30.000 Neuinfiozierte und forderte 430 Tote pro Tag. Im September wurde angekündigt, das man den Pfizer-Impfstoff für schwangere Frauen doch importieren wollen würde.
Statistik der WHO