mini|Schloss Ahlsdorf mini|Ansicht von der Straße

Das Schloss Ahlsdorf ist ein barocker Schlossbau im Ortsteil Ahlsdorf (vormals Wendisch-Ahlsdorf) von Schönewalde im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Er befindet sich in Privatbesitz und wird für Hochzeiten und Veranstaltungen vermietet.

Lage und Würdigung Das östlich der Dorfstraße, auf der Höhe der Kirche gelegene Schloss ist deutlich gegenüber dem Anger zurückversetzt und durch den vorgelagerten Wirtschaftshof vom Ort getrennt. Im Osten schließt sich die weiträumige Parkanlage an. Aufgrund seiner Ausmaße, Raumdisposition und der Fülle erhaltener Ausstattungsdetails sowie seiner Einbindung in die großzügige Park- und Wirtschaftshofanlage gehört Schloss Ahlsdorf zu den anspruchsvollsten und repräsentativsten Adelssitzen aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts in der sächsisch-brandenburgischen Grenzregion. Von der gehobenen Wohnkultur der Schlossbesitzer zeugen insbesondere die erhaltenen, qualitätsvollen Innenausstattungsdetails. Darüber hinaus kommt dem Schloss auch historische Bedeutung zu, als Wohnsitz von Johann Georg von Siemens, einem der führenden Wirtschaftsvertreter und Mitbegründer der Deutschen Bank.

Geschichte Das Bauwerk ist eine winkelförmige, barocke Zweiflügelanlage. Der ostwestlich ausgerichtete Hauptbau wurde 1709 erbaut und um 1720 durch einen nordsüdlichen Flügel erweitert. Anbauten und Veränderungen im Inneren erfolgten in den Jahren 1859 und 1895. An der Stelle des heutigen Schlosses befand sich ein befestigter, 1428 urkundlich erwähnter Adelssitz unbekannten Aussehens. 1419–1421 waren hier Hans von Lochow, 1444 Bertram von Burg, im frühen 15. Jahrhundert die Familie von Rauchhaupt und von 1479 bis 1699 die Familie von Löser ansässig. In den Jahren von 1700 und 1838/1843 etwa besaßen die von Seyffertitz das Rittergut Ahlsdorf.Vgl. Vorhaben des Besitzers des Rittergutes Ahlsdorf, Friedrich von Seyffertitz, zur Aufnahme eines Konsenskapitals und daraufhin angeordnete Sondierung des Lehns vom Erbe und kommissarische Taxation der Güter, 1728–1838 (Akte), in: LASA, Rep. A 35, A III Nr. 10. Benutzungsort Wernigerode. Anton Friedrich von Seyffertitz ließ zunächst 1709 den ostwestlichen Hauptflügel mit dreigeschossigem, vierachsigem Risalit und eigenem Mansarddach an der Nordfassade errichten, wie das Wappen mit Datum am Schlussstein des hofseitigen Portals beweist. Um 1720 erweiterte man das bestehende Gebäude durch Hinzufügung eines zweiten Flügels zur winkelförmigen Anlage. Nach alten Matrikeln gehörte das Anwesen ab 1844 der Seehandlung zu Berlin.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 356. (Online). Archivum Panstwowe W Szczecinie, Nr. 65/314/Nr. 194: Kauf des Ritterguts Ahlsdorf durch die Preußische Seehandlungsgesellschaft, 1844–1849. 1857 Reprint: Online-Ressource, Salzwasser Verlag, Paderborn 2013. ISBN 978-3-86383-116-5. erwarb der Justizrat Johann Georg Siemens (in den Jahren 1847–1854 Mitinhaber der Firma Siemens & Halske) das Rittergut. Er veranlasste eine Instandsetzung, die Überarbeitung aller Fassaden und Veränderungen im Inneren (Wappentafel der Familie Siemens an der Hoffront, datiert 1859). Ihm folgte sein Sohn Georg Siemens, am (6. Dezember) 1899 in Preußen nobilitiert als Georg von Siemens, Bankier und Gründer der Deutschen Bank. Dessen Witwe, Elise von Siemens, Tochter des Politikers Joseph Görz, ließ 1910 an die Südseite des Schlosses einen Wintergarten anfügen. Während die Hochzeiten der älteren Siemenstöchter alle in Berlin stattfanden, heiratete die Tochter AnnetteLeni Siemens: Stammbaum der Familie Siemens. Ergänzungsband 1958, Druck Gebr. Parcus KG München, J. F. Lehmann, München 1958, S. 48 f. 1912 den Offizier und Diplomaten Hans Freiherr von Müffling, sonst Weiß genannt (1878–1914), und dann 1920 den Politiker Karl Helfferich auf Wendisch-Ahlsdorf.

Dr. Elise von Siemens war als Witwe um 1922 auch die Gutsbesitzerin auf den 433 ha des Gutes, in Verwaltung des Administrators Saage. Nachfolgend war der Herrensitz nicht durchweg bewohnt. Die Angehörigen der Familie von Siemens lebten größtenteils in Berlin.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel), 31. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 581–582.

In der DDR wurde das Schloss im Sommer über lange Jahre auch als Kinderferienlager für die Kinder der Mitarbeiter des BAF (Berliner Aufzug- und Fahrtreppenbau) genutzt.

Architektur Äußeres Der winkelförmige, zweigeschossige Putzbau mit Sockel und Mansardwalmdach begrenzt eine gebäudetiefe erhöhte Terrasse, die zur Zufahrt und zum Wirtschaftshof ausgerichtet ist. An der Terrassenmauer findet sich das mit »LH« signierte Relief eines trinkenden, in einer Grotte knienden Knaben, das nach 1945 angebracht wurde. Den Baukörper des Schlosses gliedern nahezu regelmäßig angeordnete Kreuzstockfenster sowie auf der Hofseite niedrige rechteckige, auf der Gartenseite hohe flachbogige Kellergeschossfenster. Am Hauptbau besitzen die Fenster Sandstein-, ansonsten einfache Putzgewände. Der an der Hoffront gelegene Eingang mit Sandsteinportal und Wappenschlussstein von 1709 setzt einen besonderen Akzent. Der übrige Bauschmuck – die Eckrustizierung, das profilierte Traufgesims und das Gurtgesims – geht auf die Sanierungsmaßnahmen der Familie Siemens zurück.

Inneres Im Inneren haben sich die barocke Raumstruktur und eine Reihe bemerkenswerter Ausstattungsdetails erhalten. Die niedrigen Kellerräume des Hauptflügels sind tonnen-, die hohen des jüngeren Seitenflügels kreuzgratgewölbt. Im Erdgeschoss besitzen alle Räume des Hauptflügels originale Stuckdecken von 1709, ausgenommen sind der südöstliche Eckraum mit barockem Kreuzgratgewölbe und der nebenliegende Raum mit flacher Tonne und Stichkappen. Die stuckierte Decke mit zugehörigem Kamin von 1730 im Kopfsaal des Seitenflügels ist in reichen Régenceformen gestaltet. Der große Eingangsraum ist mit einer fein gearbeiteten Stuckdecke von 1709 und durch einen umlaufenden Leinwandfries mit Bildfeldern, die von aufgemalten Säulchen getrennt werden (um 1860), hervorgehoben. Ein ebensolcher Fries setzt sich im Flur des Nebenflügels fort. Von der Diele führt die zweiläufige Barocktreppe von 1709 mit plastisch ausgebildeten Balustern in das Obergeschoss. Auch diese Räume sind mit originalen Stuckdecken versehen. Der über der Eingangsdiele liegende Saal besitzt eine elegante Decke mit zarter Rahmenstuckatur, dem ligierten Monogramm AFVS (Anton Friedrich von Seyffertitz)G. A. von Mülverstedt, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, 6. Band. 6. Abtheilung: Ausgestorbener Preussischer Adel, Bauer & Raspe Emil Küster, Nürnberg 1884, S. 156. (Online) und der Jahreszahl 1709.

Besonders aufwendig ausgestattet ist das südwestliche Eckzimmer: qualitätsvolle Leinwandtapeten aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts mit Rankenwerk und Rocaille-Kartuschen sind mit Landschafts-, Architektur- und Gesellschaftsszenerien bemalt, die Fensterlaibungen mit Holzpaneelen und offenen Regalen Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestattet. In der südlichen Außenwand ist ein Wandschrank eingelassen. Im nordwestlichen Eckzimmer liegt unter der Voute der Stuckdecke ein umlaufender Leinwandfries mit ähnlichen Motiven und Portraitmedaillons. Das Dach ist in seinem unteren Bereich zu Mansardenzimmern ausgebaut. Im unausgebauten, oberen Teil befindet sich ein liegender Dachstuhl, darauf ein stehender Dachstuhl mit Sprengwerk sowie eine Längsversteifung durch Rähme und Spitzsäulen. Das sehr aufwendige Dachwerk mit seinen gattergesägten Balken stammt von 1709 und um 1720. Zur ungewöhnlich künstlerisch wertvollen Ausstattung gehört ein Majolikaofen im Foyer aus dem frühen 20. Jahrhundert, der mit skizzenhaft-naiven Darstellungen von städtischer und ländlicher Architektur versehen ist, darunter auch Besitzungen der Familie von Siemens. Im Obergeschoss befinden sich zwei frühklassizistische qualitätsvolle weiße Kachelöfen und ein Nischenofen, um 1860, sowie ein Renaissanceschrank mit biblischen Szenen und Originalbeschlägen, datiert 1641.

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Umgebung Park Mit dem Bau des Schlosses erfolgte die Anlage eines barocken Gartens. 1707 wurde Wilhelm Gottfried Bachmann als Lustgärtner genannt. Die Gestaltung des auf einer Karte von 1722/1723 dargestellten Gartens durch die barocken Gärten Dresdens beeinflusst: Östlich des Schlosses befindet sich ein aus acht Segmenten bestehendes, symmetrisches Broderieparterre mit einem Pavillon im Zentrum. Der Garten hatte, untypisch für eine barocke Gestaltung, nur in einer Nebenachse einen axialen Bezug zum Schloss. Das Schloss mit dem Broderieparterre sowie ein damals noch vorhandenes Gebäude waren von einem regelmäßigen, rechteckigen Grabensystem umschlossen. Westlich davon liegt der Wirtschaftshof. Östlich, verbunden durch eine Brücke in der Achse des Broderieparterres, befindet sich ein halbkreisförmiger, von Gräben umgebener Gartenteil mit runden Wasserbassins. Außerhalb dieses Gartenteils lagen nordöstlich eine „Eisgrube“ und südöstlich „Der Herrschafft HirscheGarten“ sowie eine „Grube zum Fuchs Kirren“. Die barocke Gartenanlage wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts unterhalten, verschiedene Kunst- und Lustgärtner sind nachweisbar. Noch das Urmesstischblatt von 1851 zeigt die Grundstrukturen der barocken Anlage mit ihren Gräben. Unter Justizrat Johann Georg Siemens wurde die Umgestaltung der alten Gartenanlage zu einem Landschaftspark begonnen. Kunstgärtner war 1857/1858 Johann August Ferdinand Kownick aus Arnswalde. Das ehemalige Broderieparterre wurde als abgeschlossener Ziergarten beibehalten. Der vorgelagerte, halbkreisförmige Gartenteil und die Gewässer wurden landschaftlich umgestaltet, die nördlich und südlich angrenzenden Flächen sind in die Gestaltung einbezogen. Die botanische Fachpresse assistierte schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts sehr seltene Arten.A. E. Fürnrohr: Flora oder allgemeine botanische Zeitung, Neue Reihe XV. Jahrgang, Hrsg. Königl. Bayr. Botanische Gesellschaft Regensburg, Haupt-Kommissionäre Fr. Hofmeister sen. Leipzig, G. J. Manz und F. Pustet Regensburg, Riegel et Wiesner Nürnberg, C. Schaumburg et Comp. Wien, Regensburg 1857, S. 724.