Hunters ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die seit Februar 2020 auf Prime Video ausgestrahlt wird. Sie erzählt eine fiktive Geschichte und handelt von der namensgebenden Gruppe, die in den USA der 1970er Jahre Nazis jagt, um sie von der weiteren Infiltration der US-Gesellschaft abzuhalten und sich an ihnen für ihre Verbrechen zu rächen. Kritisiert wurde die Serie unter anderem von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Handlung Die Serie spielt in New York City im Jahr 1977 und erzählt eine fiktive Geschichte. Nazis, die sich ihrer Bestrafung für ihre Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs entzogen haben, sind in den Vereinigten Staaten dabei, US-amerikanische Institutionen zu infiltrieren, darunter auch die US-Regierung, mit dem Ziel, ein „Viertes Reich“ aufzubauen. Dazu begehen sie zahlreiche Morde an jüdischen Bürgern, darunter auch an der Großmutter von Jonah Heidelbaum. Verbittert über den Mord, schließt sich Jonah den sog. „Hunters“ an, einer Gruppe, die von dem Holocaust-Überlebenden Meyer Offerman angeführt wird. Die Gruppe kämpft rachsüchtig gegen die Nazis und lässt sie dazu jeweils auf eine Art und Weise sterben, die ihr Vergehen reflektiert. Zum Beispiel ermordet die Gruppe eine ehemalige deutsche Chemikerin in einer Dusche, umgebaut zu einer Gaskammer.

Besetzung und Synchronisation Hauptdarsteller Rolle Darsteller Synchronsprecher Jonah Heidelbaum Logan Lerman Patrick Keller Millie Moris Jerrika Hinton Rubina Nath The Colonel/Eva Braun Lena Olin Traudel Haas Murray Markowitz Saul Rubinek Pierre Peters-Arnolds Mindy Markowitz Carol Kane Heidrun Bartholomäus Lonny Flash Josh Radnor Leonhard Mahlich Travis Leich Greg Austin Konrad Bösherz Roxy Jones Tiffany Boone Lara Trautmann Joe Mizushima Louis Ozawa Changchien Alexander Doering Schwester Harriet Kate Mulvany Cathlen Gawlich Biff Simpson Dylan Baker Bernd Vollbrecht Meyer Offerman/Wilhelm Zuchs Al Pacino Frank Glaubrecht Adolf Hitler Udo Kier Udo Kier Chava Apfelbaum Jennifer Jason Leigh Alexandra Ludwig Clara Emily Rudd Franziska Trunte

Nebendarsteller Rolle Darsteller Synchronsprecher Sherman „Cheeks“ Johnson Henry Hunter Hall Julius Jellinek Wilhelm Zuchs (jung) Christian Oliver Tobias Jonno DaviesTim Knauer Maria De La Ruiz Julissa Bermudez Katarina Löw Megan ChannellMaria Koschny Ruth Heidelbaum Jeannie Berlin Isabella Grothe Carol Lockhart Ebony Obsidian Lea Kalbhenn Meyer Offerman (jung) Zack Schor Ruth Heidelbaum (jung) Annie Hägg Patrizia CarlucciHelen Hirsch (jung)Anna EwelinaAnna Ewelina

Entstehung Der Filmemacher und Oscarpreisträger Jordan Peele, bekannt für den Horrorfilm Get Out, wirkte maßgeblich daran mit, dass die Serie von Amazon aufgegriffen wurde.Oliver Kaever: Batman und das »Vierte Reich«, in: Der Spiegel Nr. 9 vom 22. Feb. 2020, S. 123 Die Idee zur Serie hatte allerdings der Schauspieler David Weil und wurde auch durch die Geschichte seiner Großmutter inspiriert, einer Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen. Entsprechend seiner Aussage hätten die Erzählungen seiner Großmutter auf ihn im Kindesalter wie Kämpfe zwischen Gut und Böse gewirkt, wie sie für Comics und Superheldengeschichten charakteristisch sind. Aus diesem Grund verweist die Serie an etlichen Stellen auf Comics.Karl Gedlicka: Nazi-Jagd mit Comic-Brille: Neue Amazon-Serie "Hunters", in: Der Standard vom 21. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2020 Als weitere Inspirationsquelle für die Serie nannte Weil Steven Spielbergs Spielfilm München.Gabe Friedman: Murder or mitzvah? Amazon’s ‘Hunters’ grapples with the morality of Jews killing Nazis., in: Jewish Telegraphic Agency vom 21. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2020 Im August 2020 wurde die Serie um eine finale zweite Staffel verlängert, für die Jennifer Jason Leigh und Udo Kier zum Hauptcast hinzustießen. Während man die erste Staffel noch überwiegend in und um New York City drehte, wurde die Produktion der zweiten Staffel mit 107 geplanten Drehtagen nach Kalifornien verlagert. Hintergrund sind Steuervorteile in Höhe von rund 18,8 Millionen US-Dollar.

Veröffentlichung Alle Episoden der ersten Staffel wurden am 21. Februar 2020 bei Amazons Subscription-Video-on-Demand-Dienst Prime Video veröffentlicht, in Deutschland auch als deutsche Synchronfassung. Die finale zweite Staffel ist seit dem 13. Januar 2023 auf der Plattform verfügbar.

Episodenliste Staffel 1

Staffel 2

Rezeption Interpretation und Analyse Kritiker verglichen die Serie mit dem Spielfilm Inglourious Basterds. Sie wirke, so etwa Felicitas Kleiner im Filmdienst, mit ihrem „grellbunten, burlesk-brutalen Umschreiben der Geschichte“ ähnlich wie der Film und „wie eine Teenager-Fantasie, die auf die Konfrontation mit den Gräuel der NS-Zeit reagiert, indem sie sie ins popkulturelle Koordinatensystem einordnet.“ (Langkritik von Felicitas Kleiner)

Der Serie wurde zugeschrieben, mit Blick auf Versäumnisse bei der juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen und der Mitverantwortung der Vereinigten Staaten Gesellschaftskritik zu üben. Diese äußere sich, so Kleiner, zum Beispiel in einer Reminiszenz an die Operation Paperclip.

Der Kritiker des Magazins Esquire äußerte sich überzeugt davon, dass das Simon Wiesenthal Center als Vorbild für die Nazijäger-Gruppe in der Serie diene, auch, weil es im Jahr 1977 gegründet wurde, in dem die Handlung spielt. Zudem sei die von Pacino verkörperte Figur wahrscheinlich durch Simon Wiesenthal inspiriert.Tom Nicholson: Is Amazon's Al Pacino And Jordan Peele Drama 'Hunters' A True Story?, in: Esquire vom 17. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2020

Kritik Die Serie erhielt gemischte Kritiken. Das zeigt sich auch an Zustimmungswerten von 65 beziehungsweise 54 Prozent, die die Bewertungsaggregatoren Rotten Tomatoes und Metacritic basierend auf überwiegend englischsprachigen Kritiken berechnet haben (Stand: Februar 2022).Hunters: Season 1 (2020) bei Rotten Tomatoes. Auf RottenTomatoes.com (englisch), abgerufen am 1. Februar 2022.Hunters (2020) bei Metacritic. Auf Metacritic.com (englisch), abgerufen am 1. Februar 2022.

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau kritisierte die Serie via Twitter dafür, historisch inakkurat zu sein, und verwies dazu auf die auch in der ersten Episode enthaltene Rückblende auf das Konzentrationslager Auschwitz, in der sich jüdische Häftlinge, eingesetzt als lebendige Schachfiguren, gegenseitig töten müssen. Eine thematisch ähnliche Szene wird auch für den Vorspann mit den Darstellern nachempfundenen Schachfiguren verwendet. Die Szene sei eine „gefährliche Dummheit“ und eine „Karikatur“ und würde „künftige Leugner“ animieren. In einer veröffentlichten Stellungnahme auf die Kritik erwiderte Serienschöpfer David Weil, dass symbolische Repräsentationen dabei helfen würden, die Erfahrungen der Shoah besser zu verstehen, und, dass die Serie nie als Dokumentation gedacht war.Jordan Moreau: ‘Hunters’ Slammed by Auschwitz Memorial for ‘Dangerous’ Historical Inaccuracy, in: Variety vom 23. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2020, Originalzitate in selber Reihenfolge: „dangerous foolishness“, „caricature“, „future deniers“ Auch zahlreiche andere Kritiker beanstandeten die Serie wegen der Schachspiel-Szene. Der Kritiker der Zeitung The Jewish Week zum Beispiel äußerte sich diesbezüglich mit dem Wort „inakzeptabel“.Andrew Silow-Carroll: ‘Hunters’ Plays Unacceptable Games with the Truth, in: The Jewish Week vom 3. März 2020, abgerufen am 10. März 2020

Dem Journalisten Jürgen Schmieder gefiel in der Süddeutschen Zeitung nicht, dass die Serie zu Vieles gleichzeitig sein wolle, darunter eine Rachefantasie ähnlich Inglorious Basterds, ein Nazi-Thriller wie The Boys from Brazil und eine Action-Superhelden-Serie; jedoch scheitere sie in diesem Anspruch und sei „am Ende gar nichts“.Jürgen Schmieder: "Die beste Form der Rache? Rache!", in: Süddeutsche Zeitung vom 27. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2020 Zu einer ähnlichen Einschätzung kam Oliver Kaever im Spiegel, demzufolge die Serie ein „Kreativunfall“ sei und nach der Pilotepisode zu unklar bleibe, was sie eigentlich wolle. Die Reflexion der Serie über die Rechtmäßigkeit von Selbstjustiz wirke „wie angeklebt“ und die Serie gehe „fahrlässig“ und lapidar mit dem Holocaust um. Hingegen meinte der Filmdienst, der die Serie mit drei von fünf möglichen Sternen bewertete, dass die Serie „die realen Schrecken des Holocaust präsent“ halte. Zudem trete sie mit ihrer multiethnischen Besetzung lobenswerterweise für Diversität ein. (Kurzkritik)

Unzufrieden äußerte sich auch der Journalist Mike Hale in der New York Times. Die Serie wirke „underwritten“ (auf Deutsch etwa: „unterentwickelt“) und erreiche nie die „Mischung aus dramatischer Intensität, Comic-ähnlicher Ausschmückung und kathartischer Action“, die sie anzustreben scheine. Ihre Schauspieler wirkten mit Ausnahme von Greg Austin ungenügend ausgelastet.Mike Hale: Nazis, in Amazon’s ‘Hunters’, in: The New York Times vom 19. Februar 2020, Originalzitat: „blend of dramatic intensity, comic-book embroidery and cathartic action“

Der Kritiker der israelischen Tageszeitung Haaretz äußerte sich zwiegespalten: Einerseits wirke Hunters zu oft wie ein Aufsatz eines jüdischen Jungen, der zum ersten Mal von den Schrecken der Vernichtungslager erfahren habe und mittels jüdischer Superhelden fiktiv Rache üben wolle. Andererseits verdiene die Serie Beifall dafür, dass sie auf die Themen Weiße Vorherrschaft und Antisemitismus aufmerksam mache.Adrian Hennigan: Amazon’s ‘Hunters’ Is a Total Mess – but Here’s Why You Should See It, in: Haaretz vom 26. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2020

Positiv äußerten sich Kritiker mancher britischer Medien. David Craig etwa vergab, basierend auf der Pilotepisode, in der RadioTimes vier von fünf möglichen Sternen und hob hervor, dass selbst die drastischsten Momente nicht überflüssig wirkten, sondern der Geschichte dienten und oft später noch unerwartete Bedeutung erführen.David Craig: Hunters review: Al Pacino’s new Amazon series takes itself seriously – and that’s a good thing, in: RadioTimes vom 19. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2020 Die gleiche Bewertung vergab Hugh Montgomery in einer Kritik auf der BBC-Website. Er meinte, dass die Serie bewegend und provokativ sei und zeige, dass der Faschismus nie weit weg sei.Hugh Montgomery: Nazi-killing series Hunters shows fascism is never far away, in: BBC vom 21. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2020

Auszeichnungen Critics’ Choice Super Awards 2021 Nominierung als Beste Actionserie Nominierung als Bester Schauspieler in einer Actionserie (Al Pacino) Nominierung als Bester Schauspieler in einer Actionserie (Logan Lerman)Pete Hammond: 'Palm Springs', 'Lovecraft Country' Top Movie And Series Nominations For Inaugural Critics Choice Super Awards; Netflix Lands 35 Nods. In: Deadline.com am 19. November 2020, abgerufen am 1. Dezember 2020.

Golden Globe Awards 2021 Nominierung als Bester Serien-Hauptdarsteller – Drama (Al Pacino)Zack Sharf: Golden Globes 2021 Nominations: ‘Promising Young Woman,’ ‘Nomadland,’ ‘Queen’s Gambit,’ and More In: IndieWire am 3. Februar 2021, abgerufen am 3. Februar 2021.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Fernsehserie (Vereinigte Staaten) Kategorie:Fernsehserie der 2020er Jahre Kategorie:Prime Video