Die Schweizerische Gesellschaft für Strahlenbiologie und Medizinische Physik (SGSMP) ist ein Verein, der einerseits die wissenschaftliche Arbeit und den Austausch auf den Gebieten medizinische Physik, Strahlenbiologie und Strahlenschutz fördert und andererseits die Aus- und Weiterbildung sowie die standespolitischen Belange der Medizin-Physiker in der Schweiz vertrittStatutes 2017, SGSMP, abgerufen am 6. März 2020. Die SGSMP wurde 1964 in Genf gegründet und ist somit im deutschsprachigen Raum die älteste medizin-physikalische Fachgesellschaft (DGMP: 1969Website der DGMP, abgerufen am 6. März 2020, ÖGMP: 1980Website über Mission, ÖGMP, abgerufen am 6. März 2020). Sitz der Gesellschaft ist Bern. Ende 2019 hatte sie 274 Einzel- und 14 Kollektivmitglieder. Ordentliche Mitglieder können Akademiker (Naturwissenschaftler und Ärzte) werden, die in den Fachgebieten Strahlenbiologie, medizinische Physik oder deren klinischen Anwendungsdisziplinen tätig sind. mini|Entwicklung der Mitgliederzahlen seit 1969

Struktur und Tätigkeit Die Gesellschaft ist thematisch gegliedert. Sie besitzt die drei ständigen Kommissionen Ausbildung, Standespolitik und Wissenschaft sowie mehrere Arbeitsgruppen. Sowohl die Strahlenbiologie als auch die medizinische Physik sind angewandte Naturwissenschaften an der Schnittstelle zur Medizin. Die SGSMP versteht sich daher als Plattform für die Förderung der translationalen Forschung und des interdisziplinären wissenschaftlichen Austauschs. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der jährlichen Durchführung einer Tagung, welche an wechselnden Orten teilweise unter Beteiligung der deutschsprachigen bzw. europäischen Schwestergesellschaften abgehalten werden. Die SGSMP fördert Forschungsprojekte auf Antrag aus dem Gesellschaftsvermögen mit maximal CHF 7‘000,-Website zum SSRMP Research Grant, SGSMP, abgerufen am 6. März 2020. Darüber hinaus verleiht sie jährlich bis zu drei gestiftete Preise für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet, das die Gesellschaft vertrittWebsite über den Varian Preis, SGSMP, abgerufen am 11. März 2020. Neben der wissenschaftlichen Arbeit ist die fachliche Weiter- und Fortbildung ein weiterer Schwerpunkt, für den neben der Jahrestagung auch spezielle Fortbildungen und Arbeitsgruppentreffen abgehalten werden. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) und der Österreichischen Gesellschaft für Medizinische Physik (ÖGMP) wird jährlich bis zu zweimal eine einwöchige Winterschule in Pichl (A)Website der Winterschule in Pichl, abgerufen am 6. März 2020 zu ausgewählten Themen der Medizin-Physik veranstaltet.

Die SGSMP teilt sich mit der DGMP und der ÖGMP die Herausgabe der viermal jährlich erscheinenden Zeitschrift für Medizinische Physik (ZMP)Website über die Zeitschrift für Medizinische Physik, Elsevier, abgerufen am 6. März 2020, einem begutachteten wissenschaftlichen Journal. Das Institute for Scientific Information (ISI) stuft den Impact Factor derzeit (2019) bei 2.322 ein. Der internen Kommunikation dient unter anderem ein dreimal jährlich herausgegebenes Nachrichten-BulletinWebsite über die bisher erschienenen Bulletins, SGSMP, abgerufen am 11. März 2020. Die Gesellschaft gibt Empfehlungen (16) und Berichte (20)Website über Empfehlungen und Berichte, SGSMP, abgerufen am 6. März 2020 zu aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Fragestellungen heraus und arbeitet vor allem im Bereich des Strahlenschutzes eng mit eidgenössischen Institutionen und Behörden der Exekutive zusammen. Empfehlungen der SGSMP wurden in der Vergangenheit wiederholt von rechtlich bindenden Verordnungstexten aufgegriffenArt. 36 und 182 der Strahlenschutzverordnung (StSV) in der Fassung vom 1. Februar 2019, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020Eintrag MP1 und MP2 in Anhang 2 Tabelle 1 der Verordnung des EDI über die Aus- und Fortbildungen und die erlaubten Tätigkeiten im Strahlenschutz (Strahlenschutz-Ausbildungsverordnung) in der Fassung vom 12. Juni 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020Art. 11, 15, 18, 20, 21 sowie Anhang 5 der Verordnung des EDI über den Strahlenschutz bei medizinischen Teilchenbeschleunigeranlagen (Beschleunigerverordnung, BeV) in der Fassung vom 1. Januar 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020Art. 6 und 31 der Verordnung des EDI über den Umgang mit geschlossenen radioaktiven Quellen in der Medizin (MeQV) in der Fassung vom 1. Januar 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020Art. 6, 27, 28, 29 und 30 der Verordnung des EDI über den Strahlenschutz bei medizinischen Röntgensystemen (Röntgenverordnung, RöV) in der Fassung vom 1. Januar 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020Art. 65 der Verordnung des EDI über den Umgang mit radioaktivem Material (UraM) in der Fassung vom 30. Januar 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020.

Die SGSMP verleiht Masterabsolventen nach einer erfolgreichen Prüfung im Anschluss an eine mindestens dreijährige klinische Weiterbildung die Fachanerkennung in Medizinischer PhysikWebsite über die Fachanerkennung in Medizinischer Physik, SGSMP, abgerufen am 13. März 2020. Derzeit halten etwa 200 Medizin-Physiker diesen Fachausweis. Er ist rechtlich bindende Voraussetzung für bestimmte klinische Tätigkeiten in der Anwendung ionisierender Strahlung. So benötigen strahlentherapeutische Betriebe pro Beschleuniger mindestens einen Medizin-Physiker mit Fachanerkennung SGSMPArt. 18 der Verordnung des EDI über den Strahlenschutz bei medizinischen Teilchenbeschleunigeranlagen (Beschleunigerverordnung, BeV) in der Fassung vom 1. Januar 2018, Bundesamt für Gesundheit, abgerufen am 11. März 2020. Die Fachanerkennung unterscheidet zwischen zwei Fachrichtungen: medizinische Strahlenphysik (alle medizinischen Anwendung ionisierender Strahlung) und medizinische Bildgebung (Nuklearmedizin, sowie alle Bildgebungsmodalitäten jedoch ohne Strahlentherapie). Die Fachanerkennung muss in einem fünfjährigen Zyklus durch den Nachweis ausreichender Fortbildung erneuert werdenWebsite über die Fachanerkennung in Medizinischer Physik, SGSMP, abgerufen am 11. März 2020.mini|Anzahl der erteilten Fachanerkennungen in Medizin-Physik SGSMP seit 1988

Um Interessenten an diesem Weiterbildungstitel nach ihrem universitären Abschluss auf Masterniveau eine strukturierte Weiterbildung bieten zu können, führt die ETH Zürich in Abstimmung mit der SGSMP einen zweijährigen berufsbegleitenden Master of Advanced Studies (MAS) in Medical PhysicsWebsite des MAS Programms Medical Physics, ETH Zürich, abgerufen am 6. März 2020 durch. Alle zwei Jahre schliessen 15 bis 25 Studierende diesen postgraduierten Kurs ab.

Der von der SGSMP aggregierte und dokumentierte Kanon in Strahlenbiologie und medizinischer Physik dient in diversen universitären und berufsständischen Prüfungen von Absolventen der Medizin-Physik, der Medizin und weiterer angrenzender Naturwissenschaften als Richtschnur. Teilweise werden die Prüfer direkt von der SGSMP entsandt.

Die SGSMP ist Mitglied in den beiden Dachverbänden European Federation of Organisations for Medical Physics (EFOMPWebsite über die European Federation of Organisations for Medical Physics (EFOMP), EFOMP, abgerufen am 6. März 2020) und der International Organization for Medical Physics (IOMPWebsite über die IOMP (International Organization for Medical Physics), IOMP, abgerufen am 6. März 2020).

Geschichte Die erste Vorläuferin der SGSMP war die am 28. März 1963 gegründete Arbeitsgemeinschaft für Strahlenbiologie (SAS)Jubiläumsbroschüre - Publication de jubilé - Anniversary publication 1964 - 2014, Schweizerische Gesellschaft für Strahlenbiologie und Medizinische Physik (SGSMP, SSRMP, SSRFM), Oktober 2014, ISBN 3-908125-55-3. Der Gründungspräsident war Gerhart Wagner, Präsident der Eidgenössischen StrahlenschutzkommissionWebsite der Eidgenössische Kommission für Strahlenschutz (KSR), Bundesamt für Gesundheit (BAG), abgerufen am 11. März 2020. Der erste Anlauf der Naturwissenschaftler im Bereich Strahlenwirkung zur Gründung einer strahlenbiologischen Gesellschaft war am Widerstand der Radiologen gescheitert, welche die Integration der Strahlenbiologie in die damals noch gemeinsame Schweizerische Gesellschaft für Radiologie und Nuklearmedizin (SGRNM) favorisierten. Aber schon an der ersten Jahresversammlung der SAS am 24. April 1964 wurde die Gründung einer eigenständigen Schweizerischen Gesellschaft für Strahlenbiologie (SGS) vollzogen. Die Zielsetzung war, dem Fach Strahlenbiologie mehr Anerkennung und Förderung zu verschaffen und eine Erweiterung der Ausbildung angehender Mediziner und Naturwissenschaftler in den Grundlagen der naturwissenschaftlichen Bereiche Strahlenphysik, Strahlenbiologie sowie des Strahlenschutzes voranzutreiben. Als erste Präsidentin der Gesellschaft wurde Hedi Fritz-Niggli gewählt. Sie gilt als Begründerin der Strahlenbiologie in der Schweiz und war 1963 bis 1989 Leiterin des Instituts für Strahlenbiologie an der Universität Zürich.

Der Schwerpunkt der ersten Jahre lag auf dem wissenschaftlichen Austausch an den jährlich durchgeführten Tagungen, welche teilweise unter Beteiligung der deutschsprachigen bzw. europäischen Schwestergesellschaften abgehalten wurden.

1980 wurde der zunehmenden Bedeutung der medizinischen Strahlenphysik Rechnung getragen und die Gesellschaft erweitert. Sie nannte sich nun Schweizerische Gesellschaft für Strahlenbiologie und Strahlenphysik (SGSP bzw. SSRR). Neben den weiterhin jährlich durchgeführten Tagungen erweiterte sich die Tätigkeit auf die Bildung von Arbeitsgruppen, Stellungnahmen in Vernehmlassungsverfahren zu Gesetzes- und Verordnungsentwürfen sowie auf die Veranstaltung von Fortbildungen und Seminaren.

Im Jahre 1980 war die Gesellschaft unter dem damaligen Präsidenten, Guelfo Poretti (Bern), an der Gründung der European Federation of Organisations for Medical Physics (EFOMP) beteiligt. 1982 trat die Gesellschaft auch der International Organisation for Medical Physics (IOMP) bei.

Da das Tätigkeitsgebiet der Medizin-Physiker zunehmend nicht nur die therapeutische Strahlenphysik umfasste, sondern sich auch auf andere Bereiche der Medizin vor allem in der Bildgebung erstreckte, wurde die gesamte medizinische Physik im Jahre 1988 in den Interessenbereich der Gesellschaft integriert und mit der neuen Namensgebung Schweizerische Gesellschaft für Strahlenbiologie und Medizinische Physik (SGSMP, SSRPM, SSRFM) abgebildet.

Im Jahr 1984 begann die SGSMP, eine Dienstleistung für strahlentherapeutische Einrichtungen in der Schweiz anzubieten, welche seitdem fast jedes Jahr durchgeführt wurde: ein messtechnischer Vergleich der Bestrahlungssysteme bezüglich der abgegebenen Dosis. Bei der Premiere reiste Jean-François Valley mit einer geeigneten Messvorrichtung von Klinik zu Klinik. Noch im gleichen Jahr erschien der erste Bericht der Gesellschaft, welcher die Resultate des Dosimetrie-Vergleichs zusammenfasste. mini|Acrylglashalter für Dosimetrievergleich mit integrierten Thermolumineszenzdosimetern im Feldlicht eines Linearbeschleunigers.

In den 70er und 80er Jahren wurden die Medizin-Physiker für den klinischen Ablauf der strahlentherapeutischen Behandlung immer wichtiger. Anfang der 80er Jahre gab es jedoch noch keine strukturierte Weiterbildung. Um eine hohe und einheitliche Expertise zu gewährleisten, hat eine Arbeitsgruppe der SGSMP im Jahr 1988 eine entsprechende Richtlinie geschaffen. Die Fachanerkennung in medizinischer Physik der SGSMP wurde gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) erarbeitet und seit ihrem Bestehen in verschiedenen Verordnungstexten als notwendiger und hinreichender Fähigkeitsausweis ausdrücklich erwähnt. So wurde mit der revidierten Strahlenschutzverordnung im Jahre 1994 erstmals gefordert, dass ein „Medizinphysiker mit Fachanerkennung der SGSMP“ die sicherheitsrelevanten und dosisbestimmenden Elemente von Bestrahlungseinrichtungen regelmässig überprüfen muss.