Alexander Giesche (* 1982 in München) ist ein deutscher Theaterregisseur und Performancekünstler.

Leben und Wirken

Giesche studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen und schloss das Studium 2011 ab. Anschließend studierte er bei DasArts in Amsterdam, dem heutigen DAS Theatre der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten.

Gemeinsam mit der Medienkünstlerin Lea Letzel entwickelte er 2009 die Videoperformance Record of Time. Die Arbeit war 2010 an den Münchner Kammerspielen zu sehen und erhielt 2011 beim Körber Studio Junge Regie den erstmals vergebenen Preis der jungen Theaterkritiker. Von 2012 bis 2014 war Giesche Artist in Residence am Theater Bremen. Dort entstanden unter anderem Der perfekte Mensch (2013) und Lost (2014). Der perfekte Mensch wurde 2015 zum Festival Radikal jung am Münchner Volkstheater eingeladen.

Von 2015 bis 2017 realisierte Giesche mit der von ihm mitbegründeten und künstlerisch geleiteten Gruppe GIESCHEand an den Münchner Kammerspielen den von der Kulturstiftung des Bundes im Fonds Doppelpass geförderten Projektzyklus Future Shock. Dazu gehörten die Inszenierungen Yesterday You Said Tomorrow und 8 ½ Millionen sowie das abschließende Projekt Das Internet. Der Zyklus beschäftigte sich mit Technologien, die bereits in den Alltag einzudringen begannen, und dem Verhältnis zwischen digitaler Technik und dem menschlichen Bedürfnis nach Kontakt. 2018 folgte dort New Beginnings, eine 64-stündige Performance in einer Peepshow-Anordnung mit zwölf Einzelkabinen. Rund 50 Mitwirkende entwickelten dafür mehr als 150 Miniaturszenen.

Die am Luzerner Theater entstandene Arbeit White Out – Begegnungen am Ende der Welt wurde 2018 zum Schweizer Theatertreffen eingeladen. Von 2019 bis 2024 wirkte Giesche als Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich. Dort inszenierte er Der Mensch erscheint im Holozän nach Max Frisch (2020), Afterhour (2021), Momo nach Michael Ende (2022) und Moise und die Welt der Vernunft nach Tennessee Williams (2024). 2023 kehrte er für Verbundensein nach Kae Tempest an das Theater Bremen zurück. 2024 entstand am Volkstheater Wien Die Angestellten nach dem Roman von Olga Ravn.

Im April 2024 berichtete Schweizer Radio und Fernsehen, Giesche habe seine anstehenden Theaterverpflichtungen abgesagt und ziehe sich vorerst aus dem Theaterbetrieb zurück.

Stil und Rezeption

Viele seiner bild-, klang- und raumorientierten Theaterarbeiten bezeichnet Giesche als „Visual Poems“. Sie folgen häufig keiner linearen Handlung, sondern entwickeln aus Bildern, Farben, Musik und Textfragmenten assoziative Felder und atmosphärische Bühnenräume. Licht, Ton, Video, Objekte, Körper, Sprache und Darstellende werden dabei als eigenständige Gestaltungsmittel eingesetzt. Wiederkehrende Themen sind Digitalität, moderne Technologien, Zeit sowie die gemeinsame Anwesenheit von Publikum und Spielenden. Der Theaterkritiker Benno Schirrmeister beschrieb das Visual Poem als eine während Giesches Bremer Zeit entwickelte Arbeitsform, die sich von herkömmlichen Bühnenfassungen erzählerischer Vorlagen unterscheide.

Valeria Heintges beschrieb Der Mensch erscheint im Holozän auf nachtkritik.de als raumgreifendes Erlebnis mit einem teils tranceartigen Sog und hob das Zusammenspiel von Bühne und Darstellenden hervor; zugleich kritisierte sie das Vor- und Nachspiel als dramaturgisch nicht schlüssig. Christiane Lutz und Egbert Tholl würdigten in der Süddeutschen Zeitung bei New Beginnings Format, Bühne und Technik, kritisierten jedoch die geringe inhaltliche Vertiefung. Martin Thomas Pesl hob im Freitag bei Die Angestellten das Zusammenspiel von Licht, Farbe, Klang und digitalen Bildern hervor, während Thomas Kramar in der Presse die Länge und geringe dramatische Entwicklung kritisierte.

Performances und Inszenierungen (Auswahl) 2009: Record of Time. Performance von Alexander Giesche und Lea Letzel beim Körber Studio Junge Regie 2013: Der perfekte Mensch. Performance von Alexander Giesche, Theater Bremen 2013: Mein angstfreier Raum. Performance von Alesander Giesche und Caroline Fries, Produktion Theater Bremen 2014: Lost. Performance von Alexander Giesche, Theater Bremen 2014: The Cloud. Installation im Rahmen von X Firmen bei Theater der Welt in Walldorf

2015: World of Reason. Performance von Alexander Giesche, Theater Bremen

2015: Yesterday You Said Tomorrow. Performance von Alexander Giesche, Münchner Kammerspiele 2016: Normcore. Performance von Alexander Giesche, Münchner Kammerspiele 2016: Torture the Artist von Alexander Giesche, Theater Bremen und Werder Bremen 2016: 8 ½ Millionen nach Tom McCarthy, Münchner Kammerspiele 2017: White Out – Begegnungen am Ende der Welt, Luzerner Theater 2017: Das Internet, Münchner Kammerspiele 2018: Superposition, Theater Bremen 2018: New Beginnings, Münchner Kammerspiele 2020: Der Mensch erscheint im Holozän, Schauspielhaus Zürich 2021: Afterhour, Schauspielhaus Zürich 2022: Momo nach dem Roman von Michael Ende, Schauspielhaus Zürich 2023: Verbundensein nach Kae Tempest, Theater Bremen 2024: Die Angestellten nach dem Roman von Olga Ravn, Volkstheater Wien 2024: Moise und die Welt der Vernunft nach dem Roman von Tennessee Williams, Schauspielhaus Zürich

Auszeichnungen

2011: Preis der jungen Theaterkritiker beim Körber Studio Junge Regie für Record of Time, gemeinsam mit Lea Letzel 2014 und 2016: Nachwuchsregisseur des Jahres in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute 2020: 3sat-Preis für Der Mensch erscheint im Holozän 2020: Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum“ für Der Mensch erscheint im Holozän 2021: Auszeichnung als „Schweizer Theaterproduktion 2020“ im Rahmen der Schweizer Preise Darstellende Künste für Der Mensch erscheint im Holozän

Weblinks Website von Alexander Giesche Profil beim Theater Bremen Profil beim Schauspielhaus Zürich

Alexander Giesche bei Nachtkritik.de

Einzelnachweise

Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Performancekünstler (Deutschland) Kategorie:Darstellender Künstler (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1982 Kategorie:Mann