Die COVID-19-Pandemie grassiert seit Anfang 2020 in Frankreich. Das Ende 2019 erstmals aufgetretene Virus SARS-CoV-2 breitete sich von China ausgehend weltweit aus und verursacht die COVID-19-Pandemie. Frankreich war anfangs eines der am stärksten betroffenen europäischen Länder der Pandemie; im Januar 2020 wurden dort die ersten europäischen Krankheits- und Todesfälle gemeldet. Mitte März wurde ein strenger Lockdown verhängt; die Krankheit hatte sich auf das ganze Land ausgedehnt. Frankreich zählte am 23. Januar 2021 72.255 registrierte Tote, nach Großbritannien (95.981), Italien (84.674) und vor Spanien (55.041).covid19.who.int, abgerufen am 24. Januar 2021. Gesundheitsminister Olivier Véran bestätigte Ende Februar 2021 etwa 25.000 Neuinfektionen. Staatspräsident Emmanuel Macron zeigte Mitte April 2021 trotz unvermindert hoher Infektions- und Todeszahlen eine Lockerungsperspektive für Mitte Mai auf.faz.net / Michaela Wiegel: Macron kümmert sich nicht um Inzidenzwerte

Im Juli 2021 stieg die Zahl der Neuinfektionen stark an. Macron kündigte im Juli einen verpflichtenden Gesundheitspass (pass sanitaire) für Gastronomie, Kulturstätten, Sportveranstaltungen und Fernreisen an. Millionen Franzosen buchten danach Termine und ließen sich impfen. Auch eine Mehrheit der 12- bis 17-Jährigen ließ sich impfen. Im September 2021 wurde eine Impfpflicht für das Personal in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und allen Einrichtungen des Gesundheitswesens mit Publikumsverkehr eingeführt. Allen Franzosen über 65 Jahren, die bis zum 15. Dezember 2021 keine Auffrischungsimpfung erhalten haben, wird ihr Gesundheitspass nicht verlängert.faz.net 16. November 2021 Die hochansteckende Omikron-Variante ist seit Dezember 2021 auch in Frankreich die dominierende Variante. Am 4. Januar 2022 wurden 271.686 Neuansteckungen registriert und die Sieben-Tage-Inzidenz betrug 1851. Mitte Januar betrug sie über 2800.faz.net Vom 24. Januar 2022 bis zum 14. März hatten Ungeimpfte und Nicht-Genesene keinen Zugang mehr zu Restaurants, Bars, Kultureinrichtungen, Sportveranstaltungen und Fernzügen. In diesem Zeitraum musste der neu eingeführte „pass vaccinal“ (Impfpass: Nachweis über Genesung oder Impfung) bei deren Betreten vorgelegt werden. Der Nachweis über einen negativen Corona-Test reichte nicht mehr aus.tagesschau.de In Altenheimen, Krankenhäusern und anderen Orten mit vielen Vulnerablen muss weiterhin der pass sanitaire vorgezeigt werden.www.economie.gouv.fr, zuletzt abgerufen am 13. Juli 2022.siehe auch www.auswaertiges-amt.de: Reise- und Sicherheitshinweise (ist stets aktuell)

Am 12./13. Juli 2022 versuchte die Minderheitsregierung unter Premierministerin Élisabeth Borne vergeblich, angesichts steigender Infektionszahlen (182.000 registrierte Neuinfektionen an einem Tag, 19.159 COVID-Erkrankte im Krankenhaus, davon 1158 auf der Intensivstation) vergeblich, im neuen Gesundheitsschutzgesetz die Möglichkeit zu verankern, bei Einreisenden und Ausreisenden den Impfstatus (Gesundheitspass) überprüfen zu können. 195 Abgeordnete stimmten im Unterhaus dafür und 219 dagegen.Michaela Wiegel (FAZ): Keine Impfstatus-Kontrolle bei Einreise nach Frankreich

Verlauf

Ende Januar 2020 wurden drei Erkrankte positiv auf COVID-19 getestet. Am 14. Februar starb einer von ihnen, ein 80-jähriger Tourist aus China. Er gilt als der erste COVID-Todesfall außerhalb Asiens.

Am 25. Februar 2020 wurden zwei neue Infektionen gemeldet, ein aus der Lombardei zurückgekehrter Franzose und eine junge Chinesin, die Anfang Februar aus China zurückgekehrt war.Stern: Erste Infektion mit Coronavirus in Baden-Württemberg bestätigt, 25. Februar 2020 Viele der anfänglichen Infektionen werden auf ein viertägiges Treffen von 2.000 Anhängern der evangelikalen Freikirche Église Porte ouverte chrétienne in MülhausenLa Porte Ouverte Chrétienne ist Mitglied im 2010 gegründeten Conseil national des évangéliques de France (CNEF; Beleg hier); dieser wiederum ist Mitglied in der evangelikalen Dachorganisation Weltweite Evangelische Allianz Mitte Februar zurückgeführt.Alexei Makartsev, Bärbel Nückles: Virus-Maßnahmen treffen Pendler in der Region. Badische Neueste Nachrichten, 12. März 2020, S. 3. Ein weiterer früher Hotspot der Pandemie lag im Département Oise (bei Paris), wo am 28. Februar 18 der landesweit 57 registrierten Erkrankten lebten und drei Tage später Frankreichs dritter COVID-Todesfall registriert wurde.huffingtonpost.fr 28. Februar 2020: 19 neue Coronavirus-Fälle in Frankreich (abgerufen am 26. April 2020)

Möglicherweise war das Virus in Frankreich vorher präsent. Ein möglicher Fall im Großraum Paris stammt vom 27. Dezember 2019, als ein damals 42-Jähriger in einem Krankenhaus im im Norden der Hauptstadt wegen einer Lungenentzündung behandelt wurde; eine nachträgliche PCR-Untersuchung der dabei genommenen zwischenzeitlich eingefrorenen Sputum-Proben ergab Anfang Mai 2020,A. Deslandes, Yves Cohen u. a.: SARS-CoV-2 was already spreading in France in late December 2019, International Journal of Antimicrobial Agents, 3. Mai 2020 dass der Patient mit dem Corona-Virus infiziert gewesen war. Er hatte zuletzt nur eine Reise im August 2019 in sein Heimatland Algerien unternommen und war nur mit seiner Familie in engerem Kontakt gewesen. Seine beiden Kinder waren ebenfalls erkrankt, seine Ehefrau nicht. Die Ehefrau des Patienten hatte direkt neben einem Sushi-Stand mit chinesischen Kollegen gearbeitet. Der deutsche Virologe Christian Drosten äußerte am 12. Mai 2020 im NDR Zweifel an den Schlüssen, zu denen die Forscher in diesem Fall gelangt waren, und beklagte methodische Mängel. Möglicherweise gab es im Elsass noch früher einen COVID-Fall. Dort wurde am 2. Dezember 2019 im Albert-Schweitzer-Krankenhaus in Colmar ein 57-Jähriger mit Atemwegsentzündung aufgenommen und etwa eine Woche lang stationär behandelt. Eine nachträgliche Untersuchung von Computertomographie-Bildern auf Covid-19-typische Symptome und PCR-Tests brachten Anfang Mai Ärzte des Krankenhauses zu der Überzeugung, dass der inzwischen Genesene an Covid-19 erkrankt war. Im Sommer 2020 hat man am selben Krankenhaus einen COVID-19-Fall auf radiologischen Aufnahmen vom 16. November 2019 nachweisen können.Corona-Pandemie: Suche nach dem Ursprung des Virus. In: tagesschau.de. 23. August 2020, abgerufen am 9. September 2020.

Am 9. März 2020 gab es in Frankreich 1116 bestätigte Infizierte, 19 von ihnen waren gestorben. Bis zum 2. April erhöhte sich die Zahl der registrierten Infizierungen auf 59.105. Die Zahl der Toten wurde bis zum 2. April nur für die in Krankenhäusern Gestorbenen tagesaktuell gemeldet. Erst seit 3. April enthalten die offiziell bekanntgegebenen Zahlen auch die in Alters- und Pflegeheimen sowie anderen sozialen und medizinisch-sozialen Einrichtungen (, ESMS) Gestorbenen. Am 2. April wurde zum ersten Mal überhaupt seit Beginn der Epidemie eine Zahl von bis dahin in ESMS an Covid-19 Gestorbenen veröffentlicht. Bis April stieg die Zahl der wöchentlichen Todesopfer stetig an und erreichte in der 15. Kalenderwoche (6. bis 12. April) mit 6315 in dieser Woche registrierten bestätigten Covid-19-Todesfällen ihren Maximalwert; ab dann sank diese Zahl (siehe unten). Am 24. Mai nannte die amtliche Statistik 144.921 Infektionsfälle seit Beginn der Epidemie, darunter 28.367 Tote. Von diesen waren 18.022 in Krankenhäusern gestorben und 10.345 in ESMS. Insgesamt waren etwa die Hälfte der Toten (14.061 Personen) Heimbewohner.

Diese Zahlen beinhalten allerdings nicht alle ESMS. Covid-19-Tote, die in der eigenen Wohnung starben, sind darin auch nicht enthalten. Ärztevertreter schätzten Anfang Mai, dass die Todesfälle aus einem Drittel aller ESMS immer noch nicht in den offiziell veröffentlichten Zahlen enthalten seien. Die Zahl der in der eigenen Wohnung an Covid-19 Verstorbenen schätzten sie auf 8.000 bis 10.000. Für den Zeitraum vom 1. März bis zum 20. April 2020 gab es in einigen Départements, darunter im Großraum Paris und im Elsass, eine Übersterblichkeit von über 40 %.siehe auch Institut national de la statistique et des études économiques: Number of daily deaths (31. Juli 2020) Für die schlecht funktionierende Erfassung und Analyse wurde unter anderem ein veraltetes Meldewesen verantwortlich gemacht. So wurden 2020 noch 4 von 5 Totenscheinen auf Papier ausgestellt (was die zentrale Erfassung verzögert), obwohl das seit 2007 landesweit elektronisch möglich ist.

Nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen im September 2020 waren am 1. Oktober im Großraum Paris 263 von 100.000 Einwohnern (bei den 60- bis 69-Jährigen 133 von 100.000) COVID-19-infiziert. 34 Prozent der Intensivbetten in den Krankenhäusern waren belegt.

Maßnahmen Februar 2020 Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran berichtete im Februar 2020, Frankreich bleibe in höchster Alarmbereitschaft. Man erhöhe die Zahl der Labore, die Infektionen nachweisen können und wolle die Kapazität von 400 Tests pro Tag auf mehrere Tausend Tests pro Tag erhöhen. Véran rief die Bevölkerung dazu auf, auf Wangenküsse bei der Begrüßung zu verzichten.

März 2020 Am 1. März blieb der Louvre für einen Tag geschlossen, nachdem Mitarbeiter aus Sorge über die Infektionsgefahr die Arbeit niedergelegt hatten. In den Schuldistrikten von Paris wurden Eltern angewiesen, ihr Kind für zwei Wochen zu Hause zu behalten, falls es kürzlich in China, Hongkong, Macao, Singapur, Korea, der Lombardei oder Venetien war. Kinder in Krippen sollten in diesem Fall ebenfalls zu Hause bleiben. Am 4. März wurden Apotheken angewiesen, Atemmasken nur noch auf Rezept zu verkaufen, dann wurde eine Reserve von 10 Millionen Atemmasken auf Apotheken im ganzen Land verteilt.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer empfahl am 5. März 2020 das von der staatlichen Fernschule Centre national de l’Enseigenement à distance (CNED) betriebene virtuelle Klassenzimmer. Deutsche Medien betonten, dass – im Unterschied etwa zu Deutschland – das Unterrichtsprogramm in Frankreich landesweit identisch ist, so dass der Fernunterricht die Schüler auf das zentrale Abitur in Frankreich vorbereiten kann. Am 6. März legte die damalige französische Regierung (Kabinett Philippe II) per Dekret einen Maximalpreis für Desinfektionsmittel fest.

Nachdem Véran am 8. März angekündigt hatte, dass öffentliche Versammlungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern landesweit nicht mehr genehmigt würden, durften etliche Sport-Großveranstaltungen, darunter die beiden Abschlussbegegnungen des Tournoi de France, nur noch ohne Zuschauer ausgetragen werden.Artikel Coronavirus – Frankreich-Niederlande und Brasilien-Kanada vor leeren Rängen vom 9. März 2020 bei footofeminin.fr Am 11. März wurden Besuche in Alters- und Pflegeheimen, auch durch engste Angehörige der Bewohner wie etwa deren Ehepartner oder Kinder, untersagt. Am 12. März gab die französische Regierung die Schließung aller Schulen, Kitas und Universitäten ab dem 16. März bekannt.Tagesschau.de: Frankreich schließt Schulen, Unis und Kitas. 12. März 2020 Am 14. März kündigten viele Kultureinrichtungen ihre Schließung an, zum Beispiel der Louvre, das Centre Pompidou, der Eiffelturm, das Musée d’Orsay und das Schloss Versailles, aber auch um Institutionen in den Provinzen wie das Château de Montsoreau – Musée d’Art Contemporain oder das MUCEM in Marseille.

Am 14. März wurde die Schließung fast aller öffentlich zugänglichen Einrichtungen (bspw. – mit Ausnahmen – Geschäfte, Restaurants, Kinos) angeordnet. Am 16. März ordnete der französische Staatspräsident Emmanuel Macron eine landesweite, partielle Ausgangssperre (confinement) ab dem 17. März an. Die Notwendigkeit, das Haus zu verlassen, ist durch eine vom Arbeitgeber ausgestellten Bescheinigung oder eine Eigenerklärung nachzuweisen. Ab dem 18. März das Besuchen von Gefängnisinsassen verboten.