Enrico Raffaele Brissa (* 1971 in Heidelberg) ist ein deutsch-italienischer Autor und Jurist. Er ist als Beamter im Deutschen Bundestag tätig.

Leben Brissa studierte Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er das Erste Staatsexamen ablegte. Nach dem Referendariat und dem Zweiten Staatsexamen in Berlin wurde er 2004 mit einer Arbeit über die italienischen Streitkräfte und ihr internationales Engagement in München promoviert. Seit 2001 arbeitete er im Deutschen Bundestag, wo er u. a. Sekretär des Kundus-Untersuchungsausschusses und persönlicher Referent des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe war. Seit 2011 hat er einen Lehrauftrag an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Von 2011 bis 2016 war Brissa Protokollchef im Bundespräsidialamt, zunächst für Christian Wulff und nach dessen Rücktritt für Joachim Gauck.Elisabeth Binder: Der Mann fürs Protokoll im Schloss Bellevue. In: Tagesspiegel, 10. Januar 2015. Von Juli 2016 bis Mai 2023 leitete er als Ministerialrat das Protokoll des Deutschen Bundestages. Von 2023 bis 2026 war er mit der Amtsbezeichnung eines Ministerialdirigenten der Leiter der Unterabteilung „Ausschüsse“ beim Bundestag. Seit 2026 ist er Leitender Beamter beim Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages.

Brissa ist Autor zahlreicher Publikationen zu sicherheitspolitischen, historischen und juristischen Themen. 2015 veröffentlichte er eine Recherche im Deutschland Archiv, in der er der Frage nachging, ob der frühere Vorsitzende der CSU, Franz Josef Strauß, für den amerikanischen Geheimdienst Office of Strategic Services tätig gewesen war.Enrico Brissa: Dokumentation: Zu einer möglichen Spionagetätigkeit von Franz Josef Strauß für das Office of Strategic Services (OSS). Deutschland Archiv, 5. September 2015. Laut Brissa könne nicht geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine geheimdienstliche Tätigkeit handelte oder um eine Desinformationskampagne des sowjetischen Geheimdienstes KGB.Siehe dazu auch die Replik von Christopher Nehring: Alter Wein in neuen Schläuchen. Wie Franz Josef Strauß zum Agent (gemacht) wurde. Deutschland Archiv, 26. November 2015.

Im Jahr 2018 veröffentlichte Brissa das Buch Auf dem Parkett. Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens im Siedler Verlag. 2021 erschien sein Werk Flagge zeigen! Warum wir gerade jetzt Schwarz-Rot-Gold brauchen.

2002 wurde ihm das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Brissa ist Sohn des italienischen Literaturwissenschaftlers und Philosophen Ettore Brissa, der in Heidelberg lehrte, und einer Deutschen. Er besitzt neben der deutschen auch die italienische Staatsbürgerschaft.

Schriften (Auswahl) Die italienischen Streitkräfte und ihr internationales Engagement. Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-631-53065-8. Ein Pastor gegen den Nationalsozialismus. Zur Erinnerung an Heinrich Benckert. In: Evangelische Theologie, Jg. 68 (2008), S. 49–70. Josef Ritter von Gadolla. Das NS-Unrechtsurteil gegen den „Retter von Gotha“. In: Zeitschrift für Thüringische Geschichte, Bd. 65 (2011), S. 229–243. Auf dem Parkett. München 2018, ISBN 978-3-8275-0112-7. Flagge zeigen! Warum wir gerade jetzt Schwarz-Rot-Gold brauchen. München 2021, ISBN 978-3-8275-0133-2.

Weblinks

Autorenseite beim Siedler Verlag

Einzelnachweise

Kategorie:Ministerialdirigent (Bund) Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Person (Verwaltung des Deutschen Bundestages) Kategorie:Person (Bundespräsidialamt) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) Kategorie:Träger des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich (1952) Kategorie:Italiener Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1971 Kategorie:Mann